Hallo zusammen,
ich führe hier einmal die Punkte auf, die sich seit wir unser Haus gekauft haben aufgestaut haben und entschuldige mich jetzt schon einmal für die Fülle und Länge dieses Beitrags.
Mein Mann und ich haben vor zwei Jahren ein Haus gekauft, dass eigentlich nicht zur Vermietung gedacht war.
Die obere Wohnung war aber zum Zeitpunkt des Kaufes an eine 88 jährige Dame vermietet, die wir im Grunde mit übernommen haben. Damals auch noch freiwillig, weil wir wirklich nicht darauf bedacht waren, einem älteren Menschen seine Wurzeln zu nehmen.
Nun ist die Situation aber die, dass unsere Mieterin nicht mehr selbst das Haus verlassen (sie wohnt in der oberen Wohnung - wir unten) und sich auch nicht selbst versorgen kann.
Sie kann die Tür nicht öffnen und schon gar nicht die Treppen steigen und so haben alle Menschen die zu ihr kommen einen Schlüssel. Mittlerweile sind ca. 15 Schlüssel im Umlauf.
Der Pflegedienst kommt ca. alle zwei Stunden zwischen 7:00 Uhr und 23:00 Uhr. Dazu noch der Essensdienst, die Friseurin, die Enkelin, die Fußpflegerin, die Krankengymnastin, der Hausarzt ... . Beim Pflegedienst wechselt das Personal täglich und so sind wir jeden Tag mit immer neuen und fremden Personen konfrontiert, die sich mit einem Schlüssel Zugang zu unserem Haus verschaffen können.
Ich muss dazu auch noch sagen: Wir haben nur einen Hauseingang und die beiden Wohnungen sind auch nur recht provisorisch von einander getrennt, da es sich eigentlich um ein Einfamilienhaus handelt.
Die Klinke wird sich in die Hand gegeben und vorallem der Pflegedienst hat keine Verträge damit, in irgendeiner Form leise zu sein. Es wird getrampelt, die Haustür geknallt (falls die überhaupt geschlossen wird), Windeln in die Biotonne geschmissen (fast täglich hole ich die da wieder raus), Dreck durchs Haus getragen (der natürlich nicht wegemacht wird - außer von mir).
Sooft schon habe ich um Rücksicht gebeten, aber dann bekomme ich nur freche Antworten. Das Haus sei zu hellhörig, ich zu empfindlich und überhaupt solle ich ihnen doch erst einmal nachweisen, dass sie zu laut gewesen sind, und natürlich hat niemand die Windeln in den Biomüll geschmissen.
Ständig wird bei uns geklingelt: "Der Kühlschrank ist kaputt, die Glühbirne im Badezimmer geht nicht mehr, das Telefon knackt". Wenn wir darauf hinweisen, dass wir damit als Vermieter nichts zu tun haben, heißt es - "ja, wer soll es denn sonst machen? Die arme Frau kann es ja wohl schlecht alleine machen". Da uns die Frau dann auch leid tut, machen wir das halt auch noch. Wäre eigentlich auch kein Problem, wenn man im gleichen Zuge auch einmal unsere Bedürfnisse nach Lebensqualität achten würde.
Mein Mann und ich haben hier in der unteren Wohnung nur zwei Zimmer in denen wir leben und ich auch noch arbeite - als Reikilehrerin und Coach. Dazu studiere ich noch Psychologie und muss das Lernen oft in die Nacht verlagern, da es dann ein wenig ruhiger ist. Das mit dem Arbeiten kann ich mittlerweile komplett wegen der Ruhestörung vergessen und werde mir, um nicht noch mehr Kunden zu verlieren ein Büro mieten müssen, da man mir sagte, dass wir sowieso keine Chance haben in irgendeiner Form Eigenbedarf anzumelden. Die Rechte einer Mieterin über 80 stehen über den Rechten des Eigenbedarfs.
Und so zahlen wir also bald noch dafür, dass unsere Mieterin bei uns wohnen darf.
Ich bin mehr als verzweifelt und denke immer öfter daran, dass Haus wieder zu verkaufen oder einfach auszuziehen - egal, auch wenn ich dabei viel verlieren könnte, Hauptsache ich habe meinen Frieden wieder. Das sind natürlich "nur" die Auswüchse eines verzweifelten Geistes, aber wer weiss, wann ich die Grenze dessen erreiche, was ich noch aushalten kann.
Habe ich denn wirklich so gar keine Rechte im Bezug auf ein zumutbares Leben? Haben sogar der Pflegedienst und die weiteren Besucher unserer Mieterin mehr Rechte als wir?
Darf jeder machen was er will? Nur wir nicht?
Es liegt mir fern, die alte Dame auf die Straße zu setzen und ich bin zu vielen Kompromissen bereit.
Aber hier und so gehe ich unter.
Kann mir jemand einen Tipp geben, wie ich mir wenigstens einen störungsfreien Rahmen in unserem Haus schaffen kann, um vernünftig leben, lernen und arbeiten zu können. Und muss ich es wirklich billigen, dass soviele für uns fremde Menschen einen Zugang mit eigenem Schlüssel zu unserem Haus haben.
Vielen Dank für die Geduld, diesen ellenlangen Beitrag zu lesen. Ich würde mich über die eine oder andere Antwort und vielleicht das eine oder andere aufmunternde Wort sehr freuen.
Liebe Grüße
Seeker


