Heute war ich wieder mal bei einer Zwangsversteigerung. Ich sag Euch, bessere Unterhaltung als jede Fersehsendung.
Es ging um eine Doppelhaushälfte, Baujahr 1996, gute Stadtrandlage. Verkehrswert war auf 265.000 Euro geschätzt. Ich dachte mir schon, dass der Andrang groß sein wird und dass das Objekt sicher um den VKW oder drüber weggeht.
Naja, Fakt ist, der Gerichtssaal war brechend voll, ich schätze um die 50 Leute, die Sitzplätze haben nicht gereicht, so dass viele das Spektakel an der Wand stehend verfolgen durften. Die Rechtspflegerin, ein Unikat, der Tonfall wie ein Feldwebel, hat alle erstmal zurechtgewiesen und konnte sich einige spitze Bemerkungen für Zuspätkommer nicht verkneifen. Von den Verfahrensbeteiligten war offenbar nur ein Rechtsanwalt, der vom Gläubiger beauftragt wurde, vor Ort.
Nach seiner Angabe wohnen in der Doppelhaushälfte noch die Eigentümer selbst, ein Ehepaar. Nach Verlesung des ganzen Schmonsens inkl. 8 (!) Einträgen für Grundschulden und Zwangshypotheken in Abt. 3 (die Beträge hab ich mir nicht genau gemerkt, es waren aber knapp 300 TEUR für eine Deutsche Großbank und noch etliche andere Einträge, ingesamt vielleicht 350-370 TEUR) hat dann eine erste Person ein Gebot über 250 TEUR abgegeben. War mir klar, dass es nicht dabei bleiben wird. Zunächst aber keine weiteren Gebote, offenbar waren die anderen Gäste nur Zuschauer, so wie ich.
Gegen Ende der Bieter(halb)stunde, lief dann ein Ehepaar nach vorne und gab ein höreres Gebot ab, stellvertretend handelnd für eine GmbH, deren Geschäftsführer die beiden offenbar waren.
Und jetzt kommt der Gag: Dieses Ehepaar waren die Eigentümer der zu versteigernden Immobilie, in der sie noch selber wohnen und waren von Anfang an bei der Versteigerung anwesend, haben sich aber nicht zu erkennen gegeben.
Am Ende vom Lied haben sie ihr eigenes Haus nach einem kurzen Duell zwischen dem 1. Bieter (weitere gab es nicht) und ihnen für 300.000 Euro ersteigert, im Namen der GmbH ! Ist das nicht der Hammer.
Die Großbank ist befriedigt (Zuschlag ist erfolgt), die anderen Gläubiger gehen leer aus und ich wette, dass die beiden keinerlei Privatvermögen mehr haben und in die Insolvenz gehen (wenn sie es nicht schon sind), aber immer noch in Ihrem eigenes Haus wohnen. Ein Schelm wer dabei denkt, dass da jemand frühzeitig die Leine gezogen hat und das Vermögen in eine GmbH übergeleitet hat. Denn welche Bank gibt denn einer GmbH ein Darlehen ohne Mitverpflichtung der solventen Gesellschafter ? Genau, keine.
Das war mir wieder mal eine Lehre, was in diesem Land alles möglich ist und mich doch manchmal zweifeln lässt.

