Anfechtungsklage - mit oder ohne Anwalt?

Dieses Thema im Forum "Eigentümerversammlung" wurde erstellt von cfellerei, 24.10.2014.

  1. #1 cfellerei, 24.10.2014
    cfellerei

    cfellerei Benutzer

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    Einige Eigentümer haben vor, erfolgversprechende Anfechtungsklagen einzureichen.
    Empfiehlt es sich dabei einen Fachanwalt damit zu betrauen oder könnte man es selbst auch versuchen?
    Gibt es bei diesen Prozessen auch eine mündliche Verhandlung oder läuft dies nach dem Motto: Gericht hört Argumente der Kläger und der Beklagten an und entscheidet dann?
    Oder geht es darum dass dann ein Fachanwalt dabei sein muss der das ganze mit den ganzen Paragraphen stützen kann?
     
  2. AdMan

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  3. #2 Venceremos!, 24.10.2014
    Venceremos!

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    Vor Amtsgerichten besteht zwar kein grundsätzlicher Anwaltszwang, sofern aber keiner der klagewilligen Miteigentümer vertiefende juristische Kenntnisse hat dürfte das Vorhaben praktisch schon daran scheitern, eine formal korrekte Klageschrift zu erstellen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Erfolgschancen mit Anwalt im Prozess ganz erheblich besser sein dürften.
     
  4. Andres

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    Es gibt in diesem Verfahren keinen Anwaltszwang. Ob man es selbst kann, hängt an den eigenen Fähigkeiten. Und die wird hier niemand aus der Ferne diagnostizieren können. Dass du damit offensichtlich keine Erfahrung hast, ist jedenfalls nicht hilfreich.


    Vor irgendwelchen Argumenten werden zunächst Tatsachen festgestellt. In manchen Fällen nimmt das mehrere Termine in Anspruch, es werden Gutachter eingeschaltet, wenn's hart kommt gibt es auch Ortstermine. In anderen Fällen gibt es praktisch nichts zu erheben.

    Vorschlag: Finde heraus, wann solche Fälle am nächstgelegenen AG verhandelt werden. Dann schaust du dir das mal persönlich an. Vielleicht hast du dann schon eine Vorstellung, ob das auch ohne Anwalt zu schaffen ist.


    Es geht nicht darum, fehlerfrei irgendwelche Zahlenketten aufsagen zu können. Kenntnis der Rechtslage (und damit Kenntnis, welche Vorträge hilfreich sind und welche eher schaden) und Erfahrung in Gerichtssituationen (im Optimalfall: Kenntnis von den Vorlieben des Richters) sind zwei wichtige Gründe für professionelle Vertretung. Im Fall von mehreren Klägern kommt dann noch dazu, dass der Anwalt ein geschlossenes Auftreten viel einfacher organisieren und auch nach außen darstellen kann.
     
  5. #4 PHinske, 24.10.2014
    Zuletzt bearbeitet: 24.10.2014
    PHinske

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    Also,
    ich habe Erfahrung als Kläger in beiden Varianten.
    Als einer der Beklagten habe ich mich schon erfolgreich selbst vertreten.

    Eine mündliche Verhandlung gibt es in j e d e m Fall.

    Ganz entscheidende Sachen passieren aber bereits vor dem Termin:
    a) Die fristgerechte Einreichung einer auch formal akzeptablen Klageschrift und
    b) die fristgerechte Einreichung einer ausreichend guten Begründungsschrift.

    Nach Ende der Zweimonatsfrist können keine neuen Gründe mehr vorgetragen werden. Zulässig ist dann nur noch eine Vertiefung der schriftlich niedergelegten Gründe. In der Verhandlung aufkommende neue Gründe werden zurückgewiesen.

    Stressärmer ist es in jedem Fall, wenn man einen Anwalt gefunden hat, der bereit ist, sich intensiv mit der Sache und den Mandanten auseinanderzusetzen und sich dafür wirklich Zeit zu nehmen.

    Meine ersten Klagen habe ich selbst durchgezogen, und das mit überwiegendem Erfolg.
    Im Internet hatte ich eine Vorlage gefunden, die hervorragend geeignet war.
    http://shopmedia.haufe-group.com/Sh...chtungeinesBeschlussesWohnungseigentuemer.pdf

    Wenn ihr Klagewilligen euch auf einen g e m e i n s a m e n Anwalt einigen könnt, dann würde ich euch DAZU raten.
    Im Falle des Verlierens reduzieren sich die Kosten für den einzelnen Kläger deutlich.
    Im Falle des Gewinnens reduzieren sich auch die Kosten für die anderen Eigentümer, die der Klage ausgesetzt sind.
    DIE können nämlich ganz schön geschockt sein, wenn sie dann den Geldbeutel für die Prozesskosten aufmachen müssen.
    Außerdem ist damit zu rechnen, dass sich die finanzielle Auseinandersetzung über mehrere Jahresperioden hinziehen kann.

    MfG PHinske
     
  6. #5 cfellerei, 25.10.2014
    Zuletzt bearbeitet: 25.10.2014
    cfellerei

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    vielen Dank für die Einschätzungen.
    Es sind bereits mehrere Eigentümer gefunden worden, die sich an einer Anfechtungsklage beteiligen. Es wurde ein Spezialist (wenn man bei diesem Stundenhonorar von einem ausgehen kann !?!) ausgewählt, jedoch sind einige Eigentümer wieder abgesprungen als Sie von einem Stundenhonorar von 270,00 + Mwst hörten.
    Die hüpfen jetzt hin und her, als sie hörten dass sie dann Beklagte sind und bei Unterliegen so und so Kosten mittragen müssen.

    Ein Beispiel: Stromdiebstahl im Gewerbeobjekt
    Hausmeisterfirma (Miteigentümer) hat heimlich ohne Beschluss den Allgemeinstromzähler im Keller mit einem Starkstromkabel angezapft und das Kabel zu seinem gewerblichen Sondereigentumsanteil (=Waschsaloon) weitergeleitet.

    Die Beiräte haben diese widerrechtliche Elektroinstallation und die illegale Stromentnahme über mehrere Jahre durch Zufall festgestellt.

    Folge:
    Sie haben auf der Tagesordnung die fristlose Kündigung der Hausmeisterfirma als WEG Hausmeister gefordert.
    Die Mehrheit der Eigentümer hat eine Entlassung abgelehnt (Hausmeisterfirma hat im Objekt eine große Macht und Einfluss auf andere Eigentümer)
    Die Beiräte wollen diesen Beschluss nicht hinnehmen und stattdessen anfechten, weil Sie wollen dass diese korrupte Hausmeisterfirma trotzdem fristlos entlassen wird.

    Wie seht ihr da die Chancen für eine Beschlussanfechtung?
     
  7. #6 PHinske, 25.10.2014
    Zuletzt bearbeitet: 25.10.2014
    PHinske

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    Wenn Mandanten mit ihrem Anwalt einen solchen Stundensatz vereinbaren, werden sie selbst im Erfolgsfall auf Prozesskosten sitzenbleiben.
    Ob es das jemandem wert ist, muss er selbst entscheiden.
    Man sollte vielleicht nach einem jungen und angagierten Anwalt suchen, der auch bereit ist, nach der Gebührenordnung zu arbeiten.

    Wenn der Sachverhalt so ist wie aufgeschrieben, würde ich zunächst einen Brief an die Staatsanwalt schreiben. Mit der Bitte um Prüfung, ob strafbares Verhalten vorliegt.

    Werden Handelnde der Hausmeisterfirma als Betrüger verurteilt, bestehen sicherlich schon größere Chancen für eine Mehrheit zur Abberufung in der Eigentümerversammlung.

    Wenn der beschriebene Sachverhalt unstrittig ist, würde ich duchaus schon jetzt von einer erfolgreichen Anfechtungsmöglichkeit ausgehen wollen.

    NOCH wichtiger erscheint mir aber, dass geeignete Wege gefunden werden müssen, falls der Stromklau weiterhin fortbesteht.

    Dass die Hausmeisterfirma "korrupt" ist, gibt der Sachverhalt allerdings nicht her.

    MfG, PHinske

    Ergänzung:
    Ein Nebenweg könnte in der Anfechtung des Genehmigungsbeschlusses zu den Einzelabrechnungen sowie zur Entlastung des Verwalters bestehen.
    Denn die tatsächlichen Kosten des Allgemeinstroms sind aufgrund der Mainipulation nicht ordnungsgemäß aufgeteilt, da für ALLE außer der Waschsalonfirma ZU HOCH!
    >>> Wie stellt sich eigentlich der Verwalter zu dem Problem???
    >>>
     
  8. #7 BHShuber, 25.10.2014
    BHShuber

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    durchlesen

    Hallo,

    mal das hier durchlesen und entscheiden ob ihr das alleine hinbekommen würdet:

    Beschlussanfechtung: Anfechtung von Beschlüssen der Eigentümerversammlung - Anwaltskanzlei Matzner & Wegener, Mannheim

    Höchstwahrscheinlich nicht, also ist ein Anwalt unerlässlich und die Frage völlig unerheblich.

    Gruß

    BHShuber
     
  9. #8 cfellerei, 25.10.2014
    Zuletzt bearbeitet: 25.10.2014
    cfellerei

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    Ich dachte bei einem obsiegen werden auch sämtliche Anwaltskosten den Beklagten auferlegt ?!

    Ich habe bereits mit mehreren Anwälten in der Region Kontakt gehabt, die den Titel "Fachanwalt für WEG Recht" führen, die für einen niedrigeren Stundensatz arbeiten, habe aber nirgends eine zufriedenstellende Beratung erhalten, bzw. war von den Beratungsgesprächen nicht sehr überzeugt von der Kompetenz. Fast alle waren mit der Materie überfordert...

    Der Vorgang wurde bereits zur Anzeige gebracht, Staatsanwaltschaft ermittelt, bekanntlich mahlen die Mühlen der Justiz langsam...

    Da können durchaus noch ein paar Jährchen vergehen bis die Ermittlungen abgeschlossen sind und es zu einer evtl. Verurteilung kommt.

    Der Sachverhalt ist unstrittig, da eine Rechnung von der installierenden Elektrikerfirma in den allgemeinen WEG Verwaltungsunterlagen entdeckt wurden. Anscheinend wollte der Hausmeister die Installationskosten auch noch der WEG in Rechnung stellen (Verwalter ist mit Hausmeisterfirma befreundet)

    Natürlich hat der Hausmeister nach Auffliegen die Stromverbindung gekappt, weil der Beirat strafrechtliche Konsequenzen angedroht hat.

    Der Verwalter und Hausmeister sind dicke Freunde. Der Verwalter tut die Angelegenheit als Lappalie ab...
     
  10. Andres

    Andres
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    Nur die notwendigen Kosten. Sätze oberhalb der Gebührenordnung sind entgegen landläufiger Ansicht zwar nicht grundsätzlich "nicht notwendig", aber wenn sich der Stundensatz 300 € nähert, kommt das Thema langsam auf die Agenda. Man muss jedenfalls damit rechnen und sollte das in die eigenen Überlegungen einbeziehen.


    Spätestens wenn in der zivilrechtlichen Sache entschieden wird, auf den Ausgang des Strafverfahrens zu warten, könnte sich das als böser Boomerang erweisen. Blick auf die andere Seite: Welchen Nutzen habt ihr von einer Verurteilung? Auch die Kenntnis solcher Zusammenhänge gehört zu den Kompetenzen eines guten Anwalts. Dafür muss man ihn/sie aber rechtzeitig mandatieren - nicht erst wenn man die Sache selbst verpfuscht hat.
     
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