Anwaltfehler WEG Klage gescheitert

Dieses Thema im Forum "WEG - Allgemeine Fragen" wurde erstellt von Varier, 22.04.2016.

  1. Varier

    Varier Neuer Benutzer

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    Hallo,
    in einer ETV wurden bauliche Veränderungen auf dem Grundstück beschlossen (z.B. Errichtung eines Geräteschuppen auf einer Grünfläche, vorher gab es keinen Geräteschuppen).
    Ein Eigentümer hat dagegen Anfechtungsklage erhoben und damit einen WEG Fachanwalt beauftragt.
    In der gleichen ETV wurde außerdem ein Verwalterwechsel beschlossen. Der WEG Fachanwalt hat aber die Klage an den Vorgänger Verwalter zustellen lassen.
    Der Aktuelle Verwalter hat die Klageabweisung beantragt, das Gericht ist dem gefolgt und hat einen richterlichen Hinweis an den Kläger gegeben, dass die Klage keinen Erfolg habe aufgrund der falschen Verwalterzustellung, die auch nicht mehr "demnächst" erfolgte.
    Der Kläger hat dann auf Anraten des Anwalts die Klage zurückgezogen, da sein Anwalt ihn auf die Kostenminderungspflicht hinwies.
    Der Kläger konfrontierte dann seinen Anwalt mit dem Sachverhalt, er habe die Unterlagen nicht genau geprüft und habe somit eine Pflichtverletzung begangen.
    Daraufhin legt der Anwalt das Mandat nieder da er das Vertrauen gebrochen sieht.
    Der Kläger hat bereits mehrmals den Anwalt schriftlich um Stellungnahme aufgefordert, ob er nun für den verursachten Schaden aufkommt (Gerichtskosten, Kosten Gegnerischer Anwalt).
    Dieser reagiert aber auf kein Schreiben mehr.
    Der Kläger hat ihm mit einer Vorschussrechnung bereits seine Verfahrensgebühr, Termingebühr sowie Gerichtskostenvorschuss überwiesen.
    Lediglich die Termingebühr will er rückerstatten, da die Klage zurückgenommen wurde.

    Wie seht ihr den Fall? Hat der Anwalt eine Pflichtverletzung begangen, für die er haftbar gemacht werden kann?
    Der Kläger hat nun auch hohe Kosten für die Bauliche Veränderung mitzutragen, kann er diese Kosten auch vom Anwalt einfordern?
     
  2. AdMan

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  3. Andres

    Andres
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    Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Wenn man sich mit dem Anwalt (bzw. seiner Versicherung) nicht vergleichen kann und diese Frage vor einem Richter landet, wird es u.a. darum gehen, ob und wie der Anwalt den Verwalterwechsel hätte erkennen können und müssen. Dass er dazu einfach das Versammlungsprotokoll hätte weiter lesen müssen, wird sicherlich nicht gerade für ihn sprechen ... :91:


    Theoretisch ja, praktisch nicht ganz einfach. Den Eigentümer trifft die Beweispflicht für die Höhe des Schadens. Er muss also nicht nur beweisen, dass die Klage aufgrund des Fehlers des Anwalts gescheitert ist, er muss stattdessen beweisen, dass seine Klage ohne diesen Fehler erfolgreich gewesen wäre. Wenn sich das Gericht nicht wenigstens oberflächlich mit dem eigentlichen Sachverhalt befasst hat, wird das regelmäßig schwer sein.


    Aufgrund der Tatsache, dass der Anwalt gegen solche Haftungsrisiken sehr wahrscheinlich versichert ist und das nicht aus seiner Privatschatulle zahlen muss, und die Versicherung solche Geschichten normalerweise weniger persönlich nimmt, gibt es schon gewisse Chancen, sich hier auf einen vernünftigen Ausgleich zu einigen. Ganz sicher wird der Eigentümer aber finanziell aus der Geschichte wirtschaftlich nicht so herauskommen, wie er hineingegangen ist.
     
  4. #3 PHinske, 22.04.2016
    PHinske

    PHinske Erfahrener Benutzer

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    Einen Rechtsanwalt sollte man nicht "einfachen lassen".

    Als Team Kläger/Anwalt ist man meistens besser, wenn man gut zusammen spielt.
    Damit meine ich: Der Anwalt schickt einen Schriftsatz erst dann raus, wenn der Mandant den Entwurf freigegeben hat!

    Sofern der Kläger seine Absicht auf Schadenersatz weiter verfolgt, sollte er prüfen, ob der Fehler nicht noch reparabel gewesen wäre.
    Damit meine ich: Zu welchem Zeitpunkt hat der Kläger Kenntnis von dem Schriftsatz mit dem falschen Zustellungsbeauftragten bekommen?

    Wenn da Wochen vergangen sein sollten, bis das Amtsgericht die faslche Zustellung bemerkt hat, wäre das schon eine Steilvorlage für den Anwalt, jeglichen Anspruch abzulehnen.

    Normal schickt ein Anwalt seine Schriftsätze zeitgleich in Kopie an seinen Mandanten.
    Sollte er dies nicht getan haben, kann man natürlich weiterdenken...

    Der Kläger sollte dem Gericht mitteilen, dass der Anwalt niedergelegt hat.
    Dann sollte es nicht mehr passieren, dass ein evtl. Rest des Gerichtskostenvorschusses nicht mehr zum Anwalt geschickt wird.

    Kosten mindernd wirkt sich aus, dass die Beklagten wenigsten keinen Anwalt hatten.

    Nächste Anfechtungsklage: Selbst schreiben!

    MfG, PHInske
     
    Syker gefällt das.
  5. Andres

    Andres
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    ... und aus materiellem Recht verlieren.
     
  6. Pitty

    Pitty Erfahrener Benutzer

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    ls Team Kläger/Anwalt ist man meistens besser, wenn man gut zusammen spielt.
    Damit meine ich: Der Anwalt schickt einen Schriftsatz erst dann raus, wenn der Mandant den Entwurf freigegeben hat!

    So machen wir es auch immer.
     
  7. Nanne

    Nanne Erfahrener Benutzer

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    Sehr zu empfehlen! Mit unkorrekten Schriftsätzen seitens des Anwalts habe ich persönlich die größte Schlappe bei Gericht erlebt. Der Anwalt bekam trotzdem sein Honorar...
    Wie ich heute weiß mit Vorsatz falsche Angaben vom Anwalt, um damit einen saftigen Vergleich abschließen zu können.
     
  8. Varier

    Varier Neuer Benutzer

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    Das Versammlungsprotokoll umfasste eine Seite, mit zwei wesentlichen TOPs, nämlich Verwalterwechsel sowie die baulichen Veränderungen. Der Anwalt kann sich also nicht herausreden die Unterlagen nicht bekommen zu haben (Es stand alles auf dem selben Blatt).
    Die Beklagten Miteigentümer haben sich auch bereits einen anwaltlichen Vertreter bestellt, also sind Kosten für Gegenanwalt auch bereits angefallen. Dieser Gegen-Anwalt hat auch das Gericht darauf hingewiesen, dass die Klage abzuweisen ist, weil die Zustellung der Klage an den abbestellten Verwalter zugegangen ist. Erst dadurch wurden der Anwalt und auch der Kläger auf den Fehler aufmerksam.
    Der Anwalt hat den Entwurf erst dem Kläger zugeschickt! Jedoch woher soll der (juristisch unwissende) Kläger die juristische Formalität wissen, an welchen Hausverwalter die Klage zugestellt werden muss? Dafür beauftragt ja der Kläger einen WEG Fachanwalt, der diese juristischen Fallstricke normalerweise kennen und daraufhin prüfen müsste...
     
  9. Nanne

    Nanne Erfahrener Benutzer

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    Bei Differenzen mit Anwälten gibt es z.B. auch die Anwaltskammer. Will nur darauf hinweisen.
     
  10. #9 BHShuber, 26.04.2016
    BHShuber

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    Hallo,

    in so einem Fall, was ja aus den Schriftsätzen des Anwaltes nachweisbar ist, Klage ich gegen den unfähigen Anwalt, habe dies in der Vergangenheit auch bereits getan und erfolgreich durchgezogen, denn es war sehr offensichtlich, auf was die Schriftsätze meines Anwaltes hinauszielten, dies hat aber zufällig ein anderer Anwalt nachdem ich ihm alles mal vorgelegt habe gesehen und eine Klage angeraten.

    In diesem Fall erfolgreich, was natürlich nicht auf jeden Fall so sein kann und wird.

    Gruß
    BHShuber
     
  11. Nanne

    Nanne Erfahrener Benutzer

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    Freut mich, dass Du erfolgreich gegen solch einen unfähigen Anwalt erfolgreich klagen konntest. I.d.R. ist man ohnehin im Stress wenn es "Gericht" heißt. Ich beließ die Sache auf sich beruhen und habe mir vorgenommen, Schriftsätze vom Anwalt, ehe diese seine Kanzlei verlassen, durchzulesen.
     
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