Denkmalschutzimmobilie

Dieses Thema im Forum "MV - Allgemeine Fragen" wurde erstellt von mkraut, 14.07.2015.

  1. mkraut

    mkraut Neuer Benutzer

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    Hallo,
    unsere Wohnung/das Mietshaus stehen unter Denkmalschutz (Fassade und Innenräume). Wir wollen die Wohnung vermieten und haben sie sehr aufwendig und in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt saniert. Für jeden Raum wurden beispielsweise spezielle Farbtafeln erstellt und alles mit einer sehr teuren Silikatfarbe in den vorgegebenen Farbtönen gestrichen. Wie vereinbare ich nun im Mietvertrag mit den kommenden Mietern, dass:

    - diese nicht einfach nach Einzug alles mit einer billigen Baumarktfarbe neu anstreichen und
    - wenn es mal zu Auszug kommt, die Farben und Produkte verwendet werden, welche wir bei der Sanierung genutzt haben.

    Kann ich z.B. dem Mietvertrag eine ganaue Farbliste beilegen? Oder vorschreiben, dass eine Renovierung, so sie den nötig ist, von einer auf den Denkmalschutz spezialisierten Fachfirma erfolgen muss?

    Danke für Antworten und Hinweise!
     
  2. AdMan

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  3. #2 Pharao, 14.07.2015
    Zuletzt bearbeitet: 14.07.2015
    Pharao

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    Hi,

    schreibt euch das Denkmalamt den die Farbewahl oder das nur diese "Silikatfarbe" benutzt werden darf oder das die Arbeiten nur von einer Fachfirma erledigt werden dürfen vor?

    Wenn "ja", dann wäre das natürlich ein guter Ansetzpunkt auf den man sich berufen könnte.

    Aber falls "nein", dann könnte es m.E. etwas schwer werden, hier dem Mieter was vorzuschreiben zB welche Farbtöne er benutzen darf und welche nicht. Grundsätzlich darf der Mieter seine Wohnung erstmal so anmalen, wie er es für schön empfindet und bei Auszug gibt es genügend Urteile, welche Farbtöne der Vermieter zu akzeptieren hat und welche nicht.

    Das nur eine bestimmte teure Farbe verwendet werden darf, das könnt ihr m.E. auch nicht so einfach dem Mieter vorschreiben, aber hier könnte man zB im MV vereinbaren, das falls der Mieter streichen will, das der Vermieter diese bestimmte teure Farbe kostenlos dem Mieter zu Verfügung stellt. "Kostenlos" ist für Mieter oft ein guter Anreiz, gerade wenn es dann noch was "höherwertigeres" ist.

    Auch Probleme sehe ich darin, wenn man dem Mieter vorschreiben will, das er eine ganz bestimmte Firma zu benutzen hat. Grundsätzlich darf der Mieter alles auch selber machen. Das man hier nicht jeden Pfusch akzeptieren muss, das steht wieder auf einem anderen Blatt.
     
  4. Andres

    Andres
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    Zunächst hältst du fest, dass das Objekt unter Denkmalschutz steht. Darauf muss der Mieter unmissverständlich hingewiesen werden. Anschließend folgt eine Aufzählung aller Einschränkungen, Vorgaben und Auflagen, die den Mieter betreffen, also z.B. welche Farben und Materialien zu verwenden sind. Auch auf die Besichtigungsrechte des Bauamts sollte man hingewiesen haben.


    Allgemeines Problem bei solchen Anlagen: Man muss sehr darauf achten, dass sie wirklich Bestandteil des Mietvertrages werden. Also muss die Anlage im Vertragstext möglichst genau bezeichnet werden (Farbliste "Überschrift", 2 Seiten).


    Das dürfte unwirksam sein. Dem Mieter ist grundsätzlich das Recht zur Selbstvornahme von Schönheitsreparaturen einzuräumen und im Gegensatz zur o.g. Farbwahl gibt es hier keine Denkmalschutzvorschriften. Ich würde mir in diesem Szenario überlegen, ob ich im Mietvertrag nicht generell auf eine Endreparaturklausel verzichte, um nicht andauernd Angst haben zu müssen, dass der Mieter (mit den besten Absichten) einen kapitalen Schaden anrichtet.

    Grundsätzlich habe ich die Befürchtung, dass das keine gute Mietwohnung ist. Wer will schon gerne im Museum wohnen?
     
    Syker gefällt das.
  5. mkraut

    mkraut Neuer Benutzer

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    Das Denkmalschutzamt meinte zu uns, dass wir ein Konzept für die Farbgestaltung vorlegen müssen und vorher nicht streichen dürfen. Ein Restaurator hat dieses Konzept für uns angefertigt und für jeden Raum dort genau beschrieben welches Bauteil, welchen Farbton erhält und mit welcher Farbe von welcher Firma die Ausführung zu realisieren ist. Dann gab es einen Ortstermin mit dem Denkmalschutzamt und so wurde dies dann auch von der beauftragten Fachfirma umgesetzt. Wohl recht problemlos kann ich mir von dem Denkmalschutzamt ein Schreiben holen, dass Änderungen des Farbkonzepts nicht erlaubt sind bzw. hierzu eine gesonderte Genehmigung einzuholen ist.
     
  6. Pharao

    Pharao Erfahrener Benutzer

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    Hi,

    dann würde ich das mal tun und im MV mich darauf berufen.
     
  7. AJ1900

    AJ1900 Erfahrener Benutzer

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    Rein aus Interesse, von wann ist denn das Haus, und um was handelt es sich da? Wenn dir der Denkmalschutz schon den Innenraum vorschreibt muß das ja wirklich schon fast ein Museum sein, oder?
     
  8. mkraut

    mkraut Neuer Benutzer

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    Baujahr 1900. Eigentlich nichts besonderes, einfach ein älteres Mietshaus mit einigen historischen Elementen (Türen, Fenster, Stuck usw.). Ich bin da kein richtiger Experte, aber soweit ich informiert bin, stehen alle denkmalgeschützten Häuser innen und außen unter Denkmalschutz und für jede Umbaumaßnahme / Renovierung benötigt man eine Genehmigung (Ausnahme Ensembleschutz). Häufig scheren sich Bauherren aber nicht um die Auflagen, legen einfach los und stellen keinen Antrag. Meistens fällt dies dann nicht weiter auf, kann aber ggf. zu saftigen Strafen führen. In unserem Fall war die ganze Renovierung eng mit dem Denkmalschutzamt abgestimmt und die haben das Vorhaben sogar finanziell gefördert. Es ist sicher auch nicht in deren Interesse, dass ein Mieter mit dem Farbtopf sich in der Wohnung verwirklicht.
     
  9. AJ1900

    AJ1900 Erfahrener Benutzer

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    Ah, ach so. Es ging um die Förderung. Dann würde ich doch vorschlagen, das du es so machen kannst wie Pharao schon sagt, das macht doch Sinn.
     
  10. #9 Aktionär, 14.07.2015
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    Bei solchen Einschränkungen wirst du kaum einen Mieter finden. Allein die Farbvorgaben schränken die Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung doch sehr stark ein. Die Wohnung dürfte für die Vermietung eher ungeeignet sein.
     
  11. #10 Pharao, 14.07.2015
    Zuletzt bearbeitet: 14.07.2015
    Pharao

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    Hi,

    das stimmt so m.E. nicht. Was genau unter Denkmalschutz steht, das ist nicht überall gleich.
     
  12. mkraut

    mkraut Neuer Benutzer

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    Seit in dem die Leute den Auszug des Vormieters mitbekommen haben und meine Handwerker im Haus unterwegs sind und renovieren, rennen mir die Mietinteressenten die Bude ein. Ich bin in der Position, dass ich recht genau meine Wünsche / Ansprüche formulieren kann und diese akzeptiert werden. Nur was bringt es mir, wenn ich irgendwas in den Mietvertrag schreibe und im Anschluss ist dies nicht belastbar!?
     
  13. mkraut

    mkraut Neuer Benutzer

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    Hast recht: Denkmalschutz = Ländersache.
     
  14. AJ1900

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    Für viele Individualisten ist das oft genau das richtige. Es sucht nicht jeder einen modernen Neubau oder ein "Arbeiterschließfach". Das so ein Haus nicht unbedingt unter "Renditeobjekt" läuft, steht auf einem anderen Blatt, für den Besitzer kann es aber durchaus trotzdem erfüllend sein, wenn man den richtigen Mieter findet.
     
  15. #14 Goldhamster, 15.07.2015
    Goldhamster

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    Unglaublich... behördliche Auflagen bezgl. der Innenfarbgestalltung von Wohnräumen. Noch seltsamer: die Vorgabe von "Silikatfarbe".
    Ich habe auch Denkmalschutz-Immo. Aber ich denke/mein/und glaube ganz fest daran, dass es nur die Fassade betrifft....

    Ging das bei der Behörde nach dem Motto: "Willst du Zuschuss für den Innenraum, mußt du bauen was wir da wolln" ?
     
  16. Andres

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    Das kann in deinem Fall auch so sein. Es gibt aber auch die anderen Fälle.
     
  17. Duncan

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    Bezüglich Stuck, Türen und Fußböden kenne ich Fälle, aber von bestimmten Farbtönen höre/lese ich zum ersten mal. Halte ich schon für etwas exotisch. Genaue Formulierung und Rechtsgrundlage des Bescheides täten mich durchaus interessieren.
     
  18. Pharao

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    Hi,

    ich finde das zwar auch, das das etwas schwer zu glauben ist, weil ich von sowas auch noch nie gehört hab, aber ausschließen will ich das deswegen natürlich auch nicht. Wenn`s um Behörden geht, da ist oft vielleich nicht so nachvollziehbar .... :91: Ich mein, da brauch ich garnicht weit gucken, ich versteht bis heute nicht die Aussage vom Denkmalamt mit dem Schattenwurf und das in einem reinen Wohngebiet.

    Aber zurück zum Thema, laut Fragesteller scheind es kein Problem zu sein, sich das ganze Bestätigen zu lassen Zitat "Wohl recht problemlos kann ich mir von dem Denkmalschutzamt ein Schreiben holen, dass Änderungen des Farbkonzepts nicht erlaubt sind bzw. hierzu eine gesonderte Genehmigung einzuholen ist". Und wen dem so ist, dann würde ich das im MV auch so erwähnen und mich auf diese Bestätigung berufen.
     
  19. Andres

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    Ich habe so einen Bescheid bisher einmal gesehen, kann mich an die Details aber auch nur noch Bruchstückhaft erinnern. Dort die Gestaltung der Innenräume in einem Detailgrad vorgeschrieben, der mir damals einfach nur noch absurd erschienen ist.
     
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