Drittschuldnererklärung

Diskutiere Drittschuldnererklärung im Sicherheitsleistung Forum im Bereich Mietvertrag über Wohnraum; Ich hab jetzt zum erstem Mal eine Forderung der "Kreiskasse als Vollstreckungsbehörde" zur Abgabe einer Drittschuldnererklärung vorliegen...

Ferdl

Erfahrener Benutzer
Dabei seit
14.09.2015
Beiträge
3.312
Zustimmungen
1.590
Ort
Westerwald
Ich hab jetzt zum erstem Mal eine Forderung der "Kreiskasse als Vollstreckungsbehörde" zur Abgabe einer Drittschuldnererklärung vorliegen.

"Forderung des Schuldners aus:
Anspruch E:
Forderung des Schuldners aus dem Herausgabeanspruch aus der beim Vermieter (Drittschuldner) hinterlegten Kaution (bar und unbar) bei Beendigung des Mietverhöltnisses."


Der Beigelegte Vordruck, ist, wie so oft, für alles und nichts, aber nach meinem Verständnis nicht für Forderungen gegen die Kaution zu gebrauchen.
Hat oder weiß jemand einen brauchbaren Vordruck/Textvorschlag?

Eine weitere, eher theoretische, Frage wäre, wie weiter wenn die Kaution frei würde.
Der Mietvertrag wurde mit einem unverheiratetem Paar abgeschlossen, beide sind Mieter, "er" hat die 3 MM Kaution überwiesen.
Inzwischen sind sie verheiratet. Die vollstreckbare Forderung richtet sich gegen "sie". Das Mietverhältnis ist ungekündigt und bisher auch weitgehend unbelastet.
Wem wäre die Kaution auszuzahlen?
Ist es schlau sie oder ihn darauf anzusprechen?
 

ehrenwertes Haus

Erfahrener Benutzer
Dabei seit
13.10.2017
Beiträge
7.544
Zustimmungen
4.117
Im laufenden Mietverhältnis kann eine Kaution i.d.R. nicht gepfändet werden.
Spannend wird es nach Beendigung eines Mietverhältnisses.

Wem wäre die Kaution auszuzahlen?

Mit Drittschuldnererklärung wickelst du das Mietverhältnis ganz normal ab. Also Ansprüche aus dem Mietverhältnis prüfen und ggf. mit der Kaution verrechnen, innerhalb der üblichen Frist.

Sollte nach Endabrechnung mit dem Mieter noch was von der Kaution übrig sein, muss dieser Betrag an den Gläubiger des Mieter ausgezahlt werden, nicht an den Mieter.


Ist es schlau sie oder ihn darauf anzusprechen?
Das kommt auf den Mieter an.
Wenn das Mietverhältnis gut ist, der Mieter grundsätzlich zuverlässig und kooperativ ist, man den Mieter behalten möchte und die Mietezahlung nicht grundsätzlich in frage gestellt werden muss, kann es sinnvoll sein das Thema Schuldenreduktion gemeinsam anzugehen.

Ist halt auch eine Frage wie die Schulden entstanden sind, bemüht sich der Mieter ernsthaft um eine Lösung des Problems (vielleicht auch erst nach einem Schubbs zu einem Schuldnerberater) oder spielt er Vogel Strauss.

Ich hatte beide Versionen. Mieter, die ganz entspannt einer Zwangsräumung mit allen Verzögerungsoptionen entgegen gesehen haben, Strom- und Gassperren nicht störten, ebenso wie Mieter, denen regelrecht ein Stein vom Herzen fiel auf die Fakten angesprochen.
 
Andres

Andres

Moderator
Dabei seit
04.09.2013
Beiträge
12.761
Zustimmungen
6.311
Der Beigelegte Vordruck, ist, wie so oft, für alles und nichts, aber nach meinem Verständnis nicht für Forderungen gegen die Kaution zu gebrauchen.
Hat oder weiß jemand einen brauchbaren Vordruck/Textvorschlag?
Hier, längliche Erklärung der Pflichten und Textvorschlag am Ende. Ich sehe nichts, was daran grundlegend nicht in Ordnung wäre. Solange der Inhalt der Erklärung korrekt abgegeben wird, ist die Form völlig frei. Es spricht also z.B. wenig dagegen, Formulierungen zu ändern, wenn sie nicht passen. Insbesondere muss ein ggf. beigefügtes Formular nicht genutzt werden.

Der Mietvertrag wurde mit einem unverheiratetem Paar abgeschlossen, beide sind Mieter, "er" hat die 3 MM Kaution überwiesen.
Inzwischen sind sie verheiratet. Die vollstreckbare Forderung richtet sich gegen "sie".
Wem wäre die Kaution auszuzahlen?
Die beiden sind (und waren schon vor der Heirat) Gesamtgläubiger der Rückzahlungsforderung, sofern nicht anderweitige Absprachen getroffen wurden. Ohne die Pfändung hätte man nach Kautionsabrechnung an jeden beliebigen Mieter schuldbefreiend auszahlen können. Nun wirkt die Pfändung eben gegen beide. Den Rest müssen die Mieter im Innenverhältnis klären.

Ist es schlau sie oder ihn darauf anzusprechen?
Über die Pfändung sind sie ohnehin schon informiert (wenn sie noch ihre Post lesen, was bei fortgeschrittenen Schuldnern nicht selbstverständlich ist), aber es schadet kaum, das Thema jetzt anzuschneiden. Das ist sicher besser, als erst nach der Kautionsabrechnung anzukommen und auf die Pfändung von X Jahren hinzuweisen.
 
dots

dots

Erfahrener Benutzer
Dabei seit
08.07.2014
Beiträge
7.112
Zustimmungen
2.852
Ort
Münsterland
Ich würde die Mieter nicht auf die Pfändung der Kaution ansprechen, solange noch keine Auszahlung der Kaution ansteht.

Im schlimmsten Fall könnte bei den Mietern ankommen: "Wohnt doch die Kaution ab, benehmt euch wie Sau, verwüstet die Bude - die Kaution bekommt ihr sowieso nicht zurück."

Oder halt irgendwelche grau-Abstufungen davon.
 

Ferdl

Erfahrener Benutzer
Dabei seit
14.09.2015
Beiträge
3.312
Zustimmungen
1.590
Ort
Westerwald
Danke für Tipps und Anregungen.
es schadet kaum, das Thema jetzt anzuschneiden.

Im schlimmsten Fall könnte bei den Mietern ankommen: "Wohnt doch die Kaution ab, ... die Kaution bekommt ihr sowieso nicht zurück."
zwischen diesen Positionen schwanke ich auch gerade.
Die Miete kam bisher Pünktlich, der Pfändungsbetrag ist sehr überschaubar, ursprünglich Forderung 125 € inzwischen durch Beitreibungskosten auf 335 € angewachsen.
 
immobiliensammler

immobiliensammler

Erfahrener Benutzer
Dabei seit
17.09.2015
Beiträge
8.435
Zustimmungen
4.483
Ort
bei Nürnberg
zwischen diesen Positionen schwanke ich auch gerade.

Eigentlich musst Du den Mieter gar nicht darauf hinweisen, er bekommt von seinem Gläubiger ja sowieso eine Ausfertigung der Pfändungsverfügung per PZU.

Ich würde es evtl. beiläufig in einem Gespräch oder Telefonat anschneiden, aber eigentlich weiß der Schuldner (Mieter) wohl jetzt gerade schon Bescheid.
 
Fremdling

Fremdling

Erfahrener Benutzer
Dabei seit
14.08.2012
Beiträge
1.394
Zustimmungen
669
zwischen diesen Positionen schwanke ich auch gerade.
Hallo @Ferdl, in Situationen von Unsicherheiten nutze ich gern meine „Netto-Regelung“. Wenn ich keine harten Argumente mit faktischen Vorteilen für eine Mieteransprache fände, ließe ich es schlicht bleiben. Man muss in einer Welt des Kommunikations-Overkills nicht alles, was man weiß, an andere mitteilen. Wenn Du als Vermieter diese Drittschuldner-Erklärung vorgelegt bekommst, weiß darum zumindest die weibliche Hälfte Deiner Mieter auch. (Wurde bereits hinreichend ausgeführt.) Mag sein, dass er nicht weiß, was sie schuldet, doch wäre das allein deren internes Ding.
Bestenfalls wäre ich von nun an hinsichtlich sich ankündigender Anzeichen von Mietzahlungsschwierigkeiten wachsamer.
 
Thema:

Drittschuldnererklärung

Oben