Erfahrungen mit energetischer Sanierung?

Dieses Thema im Forum "Bautechnik" wurde erstellt von Venceremos!, 09.10.2014.

  1. #1 Venceremos!, 09.10.2014
    Venceremos!

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    Bei uns steht in absehbarer Zeit die Sanierung eines kleineren Mehrfamilienhauses aus den 60er Jahren an. Die vorhandenen Holzfenster müssen ausgetauscht werden, da verschlissen, und der verputzte Teil der Fassade benötigt einen frischen Anstrich.

    Bei dieser Gelegenheit bietet es sich an, auch eine Wärmedämmung anzubringen. In der Presse wird das ja sehr viel diskutiert. Dabei fällt mir auf, dass es fast keine Zwischentöne gibt: Entweder heißt es, Wärmedämmung sei nutzlos, hässlich, teuer und gefährlich; oder aber alles ist großartig, man spart dabei viel Geld und sollte die Maßnahmen besser heute als morgen angehen.

    Hat jemand bereits energetisch saniert und kann berichten, was gemacht wurde und wie groß die Einsparungen bei ihm tatsächlich ausgefallen sind?
     
  2. AdMan

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  3. #2 Martens, 09.10.2014
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    Was nutzen Dir Angaben über Kosten und spezifische Einsparungen in anderen Fällen, wenn Du die Details nicht kennst und Deine Ausgangssituation fast zwangsläufig eine andere ist?

    Wir haben in den vergangenen Jahren für mehrere WEGs durchrechnen lassen:
    - welche Kosten entstehen für die energetische Sanierung von Fenstern / Wänden /Kellerdecke / Dach?
    - welche Einsparungen in kWh und Euro ergeben sich?
    - welche Amortisationsdauern sind zu erwarten?

    Es zeigte sich in allen Fällen, die durchaus sehr unterschiedlich waren, daß die Amortisation bei aktuellen Energiekosten mehrere Jahrzehnte dauert, am schnellsten rechnen sich Fenster, am längsten dauert es für Dächer.
    Dabei waren Steuerersparnisse oder Umlage von Kosten als Modernisierung auf die Mieter nicht eingerechnet.

    Christian Martens
     
  4. #3 Venceremos!, 09.10.2014
    Zuletzt bearbeitet: 09.10.2014
    Venceremos!

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    Das Problem mit den Berechnungen des Einsparpotenzials ist doch ganz offenbar, dass diese extrem unzuverlässig zu sein scheinen. Ich habe jetzt jedenfalls mehrfach gelesen und auch im Bekanntenkreis gehört, dass die vorab berechnete Ersparnis absolut nicht realisiert werden konnte.

    Das bedeutet also, ihr habt nirgends modernisieren lassen? Nicht einmal in Fällen, wo ohnehin Fassadenarbeiten anstanden, für die ein Gerüst erforderlich war? Bei einer Amortisationsdauer von bestenfalls "mehreren Jahrzehnten" macht das ja offensichtlich keinen Sinn.

    Wenn ich hier durch die Stadt laufe sehe ich aber auf Schritt und Tritt energetisch sanierte Gebäude. Können deren Eigentümer also alle nicht rechnen bzw. bereuen im Nachhinein ihre Entscheidung?
     
  5. Jobo45

    Jobo45 Erfahrener Benutzer

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    Wie berechnest Du die Wohnwertsteigerung? Denn der Austausch von Fenstern kann nicht nur Energieersparniss bringen, sondern es kann auch mehr Behaglichkeit sein, da die Strahlungskälte wegfällt.
    Im anderen Fall sorgt die Zwangsbelüftung durch alte Holzfenster auch dafür dass die Schimmelgefahr reduziert bleibt.
    Rechne einfach mal von Deine Gesamt Energiekosten für Heizung 15 % aus und stelle diese gegen die zusätzlichen Kosten (also teurere Fenster, WDVS, Dach und Kellerdämmung) für die Sanierung, dann sieht Du schon mal wo die Reise hingeht.

    Ich meine die WDVS Lobby macht einen guten Job. Allerdings schau Dir die Energiekosten (z.B. Heizölpreise) in den letzten zehn Jahren an, dann weisst Du auch warum eine Amortisationsrechnung eher dem Blick in die Glaskugel gleicht.
     
  6. #5 Martens, 09.10.2014
    Martens

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    Der Ansatz war der, den Wärmedämmwert des bestehenden Gebäudeteils zu erfassen und mit dem des neuen Gebäudeteils nach aktueller EnEv zu vergleichen, das hat dann ein Bau-Ing. durchgerechnet. Theoretisch haut das schon hin, ob dann ein anderes Nutzerverhalten die Werte im Betrieb verfälscht, kann ich nicht beurteilen.

    Doch, wir haben auch schon Wärmedämmung verbaut. WEGs können aber recht einfallsreich sein, wenn es darum geht, Kosten zu vermeiden. ;)
    Die Zeit spielt aber natürlich gegen solche Bestrebungen, sobald die Fenster erneuert werden müssen oder der Putz von der Wand fällt, wird es sehr schwierig, dies als Ausbesserung im Bestand und nicht nach aktueller EnEv durchzuführen. Irgendwann werden auch die letzten Fassaden gemacht sein...

    Wenn ohnehin Instandhaltungsbedarf besteht (z.B. der Putz erneuert werden müßte), sind die Mehrkosten der Sanierung nach EnEv gegenüber gleichwertigem Ersatz schon nicht mehr so hoch.

    Christian Martens
     
  7. Andres

    Andres
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    Sagen wir einfach mal so: Sie hängen von sehr vielen Variablen ab. Und da im privaten Bereich kaum jemand Lust hat, viel Geld für ein sachlich fundiertes Gutachten auszugeben, um die fraglichen Größen exakt zu ermitteln, werden dann eben für einen groben Überschlag Tabellenwerte angesetzt, die auf die spezielle Situation nicht unbedingt zutreffen.

    Dass die Leute, die diese Rechnung anstellen, auf einen "günstigen" Ausgang wirtschaftlich angewiesen sein können, kommt dann noch dazu.


    Ein paar wollen nicht rechnen - man kann solche Maßnahmen ja nicht nur aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus anstellen. Viele Eigentümer haben auch keinerlei realistische Vorstellung von den laufenden Kosten ihrer Immobile. Klar: Wenn ich alle 2-3 Jahre mal Heizöl kaufe, unregelmäßig und in großen Abständen vielleicht mal eine kleine Reparatur anfällt und meine sonst einzigen Heizkosten aus Inspektion und Schornsteinfeger bestehen (im Vergleich zu den Gesamtkosten sind das Peanuts) und ich darüber auch mit niemandem abrechnen muss, bekomme ich dafür kein Gefühl.


    Mich stört an der Fassadendämmung, dass ihre Wirtschaftlichkeit durch andere, sinnvolle Sparmaßnahmen verschlechtert wird. Die Dämmung wird wirtschaftlicher, wenn die Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außentemperatur höher wird und Heizwärme teuer ist. Es wirkt sich sozusagen positiv auf die Amortisation der Dämmung aus, wenn man die Wohnung mit Heizlüftern konstant auf 25 °C hält und der Versorger die Preise jährlich anzieht.
     
  8. #7 Fremdling, 09.10.2014
    Fremdling

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    Von einem Bekannten hörte ich die Faustregel, dass eine standardisierte Wärmedämmung ca. 25% Einsparung bringen kann. Bei uns wurden die Flachdächer neu gedeckt, der Flurbereich mit Doppelverglasung ausgestattet und die Außenwände rundum isoliert. Die Wohnungsfenster hatten bereits Doppelverglasung. Die Kellerdecken blieben ungedämmt.

    Der Heizölverbrauch (in Litern!) ist für die 6 Häuser mit 48 Wohnungen schwankend (!) tatsächlich bis zu der grob avisierten Einsparung von 25% gesunken. Schwankend, weil die Winter nicht alle gleich kalt waren und ausweislich der Heizkostenabrechnung sich das Heizverhalten der Bewohner auch schon mal ändert.

    Die Investitionen armortisieren sich bei uns z.B. in Euro je nach Ansatz erst in vier oder auch fünf Jahrzehnten und wer weiß schon, was auf der Strecke verteuernd dazu kommt.
     
  9. sara

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    bzw. kann man dann von vorne wieder anfangen...

    Im Grunde rechnet es sich nicht. In der Regel müssen die Mieter nach der energetischen Sanierung mehr Miete bezahlen, der Aufschlag ist meist auch höher als die Einsparung durch diese Maßnahme...

    Aber das ganze ist politisch gewollt, u.a. auch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme...
    Wen interessieren da die Kosten Nutzen Rechnungen...
     
  10. #9 Glaskügelchen, 09.10.2014
    Glaskügelchen

    Glaskügelchen Gast

    Das ist ein Problem! Wie lang hält die Dämmung? Wie teuer wird dann die Entfernung und Entsorgung?
    Und eine Modernisierungsmaßnahme wäre es später vermutlich nur dann, wenn neue Dämmmaterialien eine noch bessere Dämmung versprechen, sonst wäre es eine Instandhaltung.
     
  11. #10 ChrstinaW, 09.10.2014
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    Achtung: teilweise zynisch

    Ich hätte arge Zweifel daran, dass eine WDVS Fassade mit Putz überhaupt so lange hält ohne komplett erneuert werden zu müssen.

    Und diese Leute sollte man konsequenterweise verklagen, wenn ihre Planung dann nicht wirtschaftlich ist, denn Wirtschaftlichkeit schulden sie grundsätzlich immer.


    Dann sollte man einen Anstrich dran machen und die Fenster reparieren oder austauschen und gut.

    und dann sehen endlich alle Häuser gleich aus - wie es sich in einem ordentlich Land gehört!
     
  12. #11 Fremdling, 10.10.2014
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    Das Pro und Contra lässt sich unter dem Gesichtspunkt der 'Wirtschaftlichkeit' ähnlich engagiert, kontrovers und mit glühenden Wangen diskutieren, wie die Helmpflicht für Fahrradfahrer. Nur eines lässt sich relativ zuverlässig sagen: Mit einer ordentlichen Dämmung reduziert sich i.d.R. der Brennstoffverbrauch.

    Der Versuch einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung führt m.E. völlig in die Irre, da er von unzähligen Parametern abhängt. Uns schien es halt sinnig, über Dämmungen nachzudenken, als ohnehin das Flachdach instandzusetzen war, die Fassadenfugen rissig und feuchtedurchlässig wurden und die riesigen Einscheiben-Wabenfenster den eiskalten Winter in den Hausflur ließen, etc. - Bei unserer rundum-Maßnahme, die nicht zuletzt auch zur optischen Aufwertung (z.B. saubere Dachkanten mit Edelstahl und Naturschiefer, Dämmung mit Riemchen-Blendern, moderne Flurfensterfront) führte, standen lediglich insoweit wirtschaftliche Überlegungen an, als die Kostendifferenz zwischen Minimal-Sanierung und Dämm-Modernisierungs-Sanierung bei unserer Entscheidung zu würdigen war.
     
  13. Duncan

    Duncan
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    Da ich in einer Stadt lebe in der die Stadtwerke so ziemlich alle finanziellen Sünden der Stadtväter ausgleichen sollen...
    Mit anderen Worten die Nebenkosten sind ziemlich hoch, insbesondere die Fernwärme der Stadtwerke ist ein enormer Preistreiber. Wenn man da relativ günstige Heizkosten in seinen Wohnungen hat, kann man das durchaus bei der Mietersuche mit klarstellen. Auch kann die Kaltmiete oft etwas höher angesetzt werden, solange die Warmmiete unter oder auf etwa gleichem Niveau zum Vergleich bleibt. Viele Mieter haben auch wenig technisches Verständnis und wollen auf Teufel komm raus nur in einem Haus mit WDVS wohnen, auch wenn es sich für sie finanziell überhaupt nicht lohnt. Die Gesamtenergie- und Ökobilanz ist auch mehr als nur zweifelhaft, aber gerade die Bio-Öko-Hipster-Gemeinde steht drauf.

    Wenn man das Geld zu liegen hat, kann man durchaus mit energetischer Sanierung die laufenden Kosten etwas absenken. Die langfristige Amortisation ist eher ein Nullsummenspiel.
     
  14. #13 Papabär, 16.10.2014
    Papabär

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    Dazu fällt mit ganz spontan ein Bodo ein. :smile007:
     
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