ESt-Erklärung nachträglich ändern, häusliches Arbeitszimmer in selbstgenutzter ETW

Diskutiere ESt-Erklärung nachträglich ändern, häusliches Arbeitszimmer in selbstgenutzter ETW im Steuer - Vermietung und Verpachtung Forum im Bereich Finanzen; Liebe Schwarmintelligenz, erstmals habe ich meine Steuererklärung über Elster online machen müssen. Es ist enorm viel schief gegangen und ich war...

Melanie123

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Liebe Schwarmintelligenz,

erstmals habe ich meine Steuererklärung über Elster online machen müssen. Es ist enorm viel schief gegangen und ich war froh, als ich sie (technisch unversiert und gesundheitlich angeschlagen) endlich pünktlich abgeschickt hatte.

Ich habe jedoch nicht alles geltend gemacht (das häusliche Arbeitszimmer in der selbstgenutzten Eigentumswohnung ist das Wesentliche) und würde das gerne im Nachhinein korrigieren.
Meine bisherigen Angaben sind korrekt. Ich möchte nur zusätzlich etwas absetzen.
Steuerbescheid habe ich bekommen, datiert auf den 15.11.21.

Mir scheint es 2 Möglichkeiten zu geben:
a) Einspruch einlegen
b) Antrag auf "schlichte Änderung"

Meine ersten Fragen:
1. Die Fristen und deren Berechnung scheinen sich zu unterscheiden. Kann jemand da genaueres sagen? Vielleicht sogar anhand des Steuerbeids vom 15.11. vorrechnen?
2. Bei der "schlichten Änderung" (keine Ahnung, was genau das ist) scheint die Frist knapp zu werden. Wie kann man das praktisch machen? Geht das über Elster-Online?

Geplant war in der 130qm-Wohnung (8-Fam-Haus) vorne ein kleiner Trainingsraum (>30qm) mit Eingangsbereich und Gäste-WC, zusammen vielleicht 45qm und der eigentlichen Wohnung vorgelagert. Es kam anders.
Mein Arbeitsbereich ist da, wo ursprünglich Bj. ca. 2010/11 die offene Küche geplant war, ca. 13 qm.
Meine Intention: Die schöne Arbeitsatmosphäre, die vom Privaten in meinen Schreibtisch-/Arbeitsbereich kommt, insbes. der Blick auf den Balkon und ins Grüne.
Der Bereich hat nur 3 Wände und keine Tür, aber niemand, der diesen Bereich sieht, käme auf die Idee, dass dieser Bereich zusätzlich privat genützt würde.
Zumal ich alleine in diesen 130 qm lebe und schwerlich gleichzeitig den beruflichen und privaten Bereich nutzen kann.
Ist dies jetzt auch ohne Tür/konkreten Abschluss ein vom FA anerkannter Bereich? Ansonsten müsste ich überlegen, aus steuerlichen Gründen meinen Arbeitsbereich in das 2,5mal so große Zimmer zu verlegen. Welche Argumentation ist da wie gut?

Mein Stiefvater hat mich damals leider sehr nachdrücklich überredet, die Wohnung zu kaufen. Ich versuche für's Erste mal, die Unterlagen zusammenzusuchen, die für die AfA-Berechnung wichtig sind.
3. Gibt es zwangsläufig für dieses bisher privat genutzte Objekt eine Einheitswertnummer? Was ist das Baujahr/-Datum, wenn sich der Bau immer wieder verzögert hat, Bereiche nur eingeschränkt nutzbar waren?
4. Es lief über einen Makler. 3% + MwSt. Kann ich die ansetzen, auch wenn ich die Rechnung nicht finde? Indem ich im Zweifelsfall anders belege/beweise, dass es über einen Makler lief?

Vermutlich kommen noch viele weitere Fragen.
Oder mache ich mir da vieles viel zu schwer, die AfA für (Baujahr 2010 oder 2011) eine Wohnung im 8-Fam-Haus wegen eines absetzbaren häuslichen Arbeitszimmers heraus zu finden?

Herzlichen Dank für Eure Beiträge

Melanie
 

Tinnitus

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ich habe schon mal erfolgreich einen ca. 6 Monate zurückliegenden Bescheid mit Hilfe eines Musterbriefs meines Steuerprogramms nach § 173 AO ergänzen lassen, da war ein Einspruch aber schon nicht mehr möglich. In dubio pro Steuerberater!
 
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ehrenwertes Haus

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Ich würde mich mit der Frage an den Sachbearbeiter beim FA wenden.

Du möchtest ja keine rundum-glücklich-Beratung, nur einen Tipp wie richtig Ändern, bzw. wo nach den Richtlinien dafür suchen zum Nachlesen. Falls das ein größerer Akt ist, kommt bestimmt der Hinweis auf Steuerberater fragen, wobei ich keinen Schimmer habe, ob das ne größere Geschichte ist oder ein 3-Zeiler mit neuen Daten reicht.
 
taxpert

taxpert

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1. Die Fristen und deren Berechnung scheinen sich zu unterscheiden. Kann jemand da genaueres sagen? Vielleicht sogar anhand des Steuerbeids vom 15.11. vorrechnen?
Nein, es ist exakt die gleiche Frist ...
dies gilt jedoch zugunsten des Steuerpflichtigen nur, soweit er vor Ablauf der Einspruchsfrist zugestimmt oder den Antrag gestellt hat
Steuerbescheid vom 15.11.2021: Zugangsfiktion nach §122 Abs.2 Nr.1 AO am 18.11.2021, Fristenden mit Ablauf des 18.12.2021 (Sa ist auch Werktag!).

2. Bei der "schlichten Änderung" (keine Ahnung, was genau das ist) scheint die Frist knapp zu werden. Wie kann man das praktisch machen? Geht das über Elster-Online?
Sowohl Einspruch als auch Antrag auf schlichte Änderung können über Elster eingereicht werden.

Mir scheint es 2 Möglichkeiten zu geben:
a) Einspruch einlegen
b) Antrag auf "schlichte Änderung"
Grundsätzlich sind das sehr ähnliche Verfahren, aber mit gravierenden Unterschieden.

Das Einspruchsverfahren ersetzt tatsächlich die erste gerichtliche Instanz. Deshalb ist die Finanzgerichtsbarkeit auch nur zweizügig (FG => BFH), während alle anderen Gerichtsbarkeiten dreizügig sind (z.B. AG/LG => OLG => BGH). Dementsprechend ist das Einspruchsverfahren auch deutlich formalistischer als der Antrag auf schlichte Änderung.

Beide Verfahren sind fristgebunden (s.o.), der Antrag auf schlichte Änderung jedoch formlos -kann also auch telefonisch gestellt werden!- während der Einspruch an die Schriftform gebunden ist.

Der Einspruch hält den Steuerbescheid vollkommen offen. Man kann also im Rahmen des Einspruchsverfahrens den Umfang des Einspruches jederzeit erweitern. Der Antrag auf schlichte Änderung dagegen wirkt nur punktuell, kann also nur innerhalb der Einspruchsfrist erweitert werden.

Da der Steuerbescheid durch den Einspruch vollkommen offen ist, erfolgt hier grundsätzlich auch eine erneute Prüfung ALLER Sachverhalte der Steuererklärung und es kann auch zuungunsten des Steuerpflichtigen geändert werden (sog. Verböserung). Da die schlichte Änderung nur punktuell wirkt, wird hier auch nur der beantragte Sachverhalt überprüft.

Der Einspruch kann -ähnlich wie eine Klage!- nur durch Rücknahme, Stattgabe oder Einspruchsentscheidung erledigt werden. Gegen die Einspruchsentscheidung ist dann eine Klage möglich. Der Antrag auf schlichte Änderung dagegen kann dagegen durch die profane Aussage "Nö, machen wir nicht!" erledigt werden! Die Ablehnung eines Antrages auf schlichte Änderung ist jedoch wieder ein Verwaltungsakt (auch wenn sie telefonisch erfolgt!), gegen den Einspruch eingelegt werden kann. Da hier dann"nur" gegen die Ablehnung Einspruch eingelegt wird und -normalerweise wegen Verfristung!- kein Einspruch gegen den gesamten Bescheid mehr möglich ist, wird auch nur wieder dieser Sachverhalt überprüft.

Weder Einspruch, noch Antrag auf schlichte Änderung setzen den Steuerbescheid außer Vollzug. Etwaig zu leistende Steuerzahlungen werden also trotzdem fällig. Nur der Einspruch ermöglicht den Antrag auf Aussetzung der Vollziehung! Andererseits kann man auch bei oder mit der schlichten Änderung einen Antrag auf technische Stundung bis zum Erlass des geänderten Steuerbescheides beantragen.

Als Fazit kann man sagen, dass die schlichte Änderung hauptsächlich bei kleineren und vor allem eindeutigen Sachverhalten angezeigt ist. Sobald der Sachverhalt komplexer oder steuerlich nicht eindeutig ist, empfiehlt sich der Einspruch. Steuerberater legen praktisch immer Einspruch ein, mit der Begründung des höheren Rechtsschutzes des Einspruchs! Ich bin jetzt fies und sage, sie machen das auch, weil man den Einspruch ganz anders abrechnen kann! Aber natürlich hat das auch mit der Haftungsproblematik des StBs zu tun!

Insgesamt würde ich Dir hier zum Einspruch raten. Der Einspruch muss nur fristgerecht eingelegt werden, aber noch nicht begründet werden ("Begründung folgt").

Die Entscheidung über die Anerkennung eines häuslichen Arbeitszimmers ist immer eine Einzelentscheidung, da jeder Sachverhalt dann doch wieder ein kleines bisschen anders ist! Deshalb kann man immer nur auf die entsprechenden BMF-Schreiben und BFH-Urteile verweisen. Vom Grundansatz her sehe ich doch das eine oder andere Problem, so dass ich nicht davon ausgehe, dass es sich um einen Selbstläufer handelt!

Meine Intention: Die schöne Arbeitsatmosphäre, die vom Privaten in meinen Schreibtisch-/Arbeitsbereich kommt, insbes. der Blick auf den Balkon und ins Grüne.
Kann ich verstehen, ist steuerlich aber vollkommen egal!
Der Bereich hat nur 3 Wände und keine Tür,
Damit ist es kein eigener Raum, sondern im Zusammenhang mit dem restlichen Raum zu sehen. Wir befinden uns daher aller Wahrscheinlichkeit nach im Bereich des BFH-Urteils vom 17.02.2016, AZ. X R 32/11, und die Kosten können nicht angesetzt werden.

der diesen Bereich sieht, käme auf die Idee, dass dieser Bereich zusätzlich privat genützt würde.
Zumal ich alleine in diesen 130 qm lebe und schwerlich gleichzeitig den beruflichen und privaten Bereich nutzen kann.
Mein Stiefvater hat mich damals leider sehr nachdrücklich überredet, die Wohnung zu kaufen.
Ich interpretiere das jetzt mal so, dass Du die Wohnung bereits 2010/2011 erworben hast und das es sich bei dem Steuerbescheid um den Bescheid für das Jahr 2020 handelt! Dann hast Du doch bereits 10 Jahre lang den Beweis des ersten Anscheins geliefert, dass dieser (Teil-)Raum privat (mit) genutzt wird!

Zur privaten Mitnutzung von nicht untergeordneter Bedeutung kommt man verdammt schnell! Es gibt ein BFH-Urteil, in dem der BFH bereits aus dem Vorhandensein eines leeren (!) Schrankes eine private Mitnutzung von nicht untergeordneter Bedeutung abgeleitet hat!

Ansonsten müsste ich überlegen, aus steuerlichen Gründen meinen Arbeitsbereich in das 2,5mal so große Zimmer zu verlegen.
Das hilft Dir für den alten Steuerbescheid nichts, da ja der tatsächliche Sachverhalt zu Grunde zu legen ist. Das geht also höchsten für die Zukunft ab 2022! Und je nach dem, welche Arbeiten Du im häuslichen Arbeitszimmer ausübst, wird es natürlich auch eine entsprechende Steigerung an die Glaubhaftmachung geben, wenn Du z.B. nur zwei Wohnungen hast, dafür aber ein Zimmer mit über 30 qm als Wk geltend machen willst (Hinweis: leerer Schrank!).

Gibt es zwangsläufig für dieses bisher privat genutzte Objekt eine Einheitswertnummer?
Die Wohnung hat doch sowieso schon ein EW-Aktenzeichen! Und bewertungsrechtlich ergibt sich keine neue wirtschaftliche Einheit im Sinne §2 BewG.

Was ist das Baujahr/-Datum, wenn sich der Bau immer wieder verzögert hat, Bereiche nur eingeschränkt nutzbar waren?
Das Baujahr -oder steuerlich besser das Jahr der Fertigstellung- ist ja nur für den Beginn der AfA und damit für das verbleibende AfA-Volumen interessant. Da die AfA bis 2060 bzw. 2061 läuft, dürfte es niemand interessieren, welches der beiden Jahre Du angibst.

Kann ich die ansetzen, auch wenn ich die Rechnung nicht finde? Indem ich im Zweifelsfall anders belege/beweise, dass es über einen Makler lief?
Während andere Anschaffungsnebenkosten wie z.B. GrESt, Notar, Grundbuchamt zwangsweise anfallen und daher auch bei einer Schätzung zu berücksichtigen wären, trägst DU beim Makler, der angefallen sein kann aber nicht muss, die Nachweislast. Wie Du den Nachweis führst, schreibt das Steuerrecht nicht vor! Du solltest Dir allerdings Gedanken machen, wie viel Aufwand und Zeit Du hier investieren möchtest.

Beispielsrechnung:
Kaufpreis 300.000 € => Makler 3,57 % => 10.710 € => davon hAZ etwa 10 % => 1.071 € AfA-BMG => AfA 2 % p.a. => aufgerundet 22 € => Grenzbelastung unterstellt 40 % => steuerliche Entlastung pro Jahr knapp 9€!

Du möchtest ja keine rundum-glücklich-Beratung, nur einen Tipp wie richtig Ändern,
Ich kann mich immer nur wiederholen: Auch wenn der telefonische Kontakt häufig hilfreich ist, so ist das nicht die Aufgabe des Bearbeiters! Er/sie DARF häufig gar keine wirkliche Auskunft geben, da auch das FA durch §§2, 3 StBerG nicht tätig werden dürfen.

Die Beratungs- und Auskunftspflicht des §89 AO ist sehr eng begrenzt ...

Die Finanzbehörde soll die Abgabe von Erklärungen, die Stellung von Anträgen oder die Berichtigung von Erklärungen oder Anträgen anregen, wenn diese offensichtlich nur versehentlich oder aus Unkenntnis unterblieben oder unrichtig abgegeben oder gestellt worden sind. Sie erteilt, soweit erforderlich, Auskunft über die den Beteiligten im Verwaltungsverfahren zustehenden Rechte und die ihnen obliegenden Pflichten.

taxpert
 

ehrenwertes Haus

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Ich kann mich immer nur wiederholen: Auch wenn der telefonische Kontakt häufig hilfreich ist, so ist das nicht die Aufgabe des Bearbeiters! Er/sie DARF häufig gar keine wirkliche Auskunft geben, da auch das FA durch §§2, 3 StBerG nicht tätig werden dürfen.
Das weiß ich doch. Hast du selbst in meine Steuerdoofirübe reingeprügelt :)

Ich finde es auch völlig ok, wenn man beim FA dann an den StB seines Vertrauens verwiesen wird.
Als Laie weiß man halt meist nicht, ob eine Frage vom Sachbearbeiter noch beantwortet werden darf oder nicht.

Eine Antwort wie "guck mal in Elster, da gibts nen Button für dein Anliegen oder brauchste Formular ..." ist doch toll. Haut bei Melanie wohl nur nicht ganz so einfach hin.
 
Duncan

Duncan

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Der Bereich hat nur 3 Wände und keine Tür, aber niemand,

Damit ist es kein eigener Raum, sondern im Zusammenhang mit dem restlichen Raum zu sehen.
Dieses Problem hat mal jemand mit einer (teilsatinierten) Glasfaltwand gelöst. Grundriss und Bilder langten dem lokalem FA für den Nachweis, dass da ein konkreter einzelner Raum entstanden ist (und sich aus den Bildern auch sehr eindeutig eine einschlägige Nutzung ergab.)
 

Melanie123

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Herzlichen Dank für Eure Antworten und den riesengroßen Dank @taxpert für eine superhilfreiche Antwort, durch die ich viel gelernt habe. Insbesondere dass ich noch etwas Zeit habe, beruhigt mich (aktuell gesundheitlich in meiner Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt) doch sehr.

Ich interpretiere das jetzt mal so, dass Du die Wohnung bereits 2010/2011 erworben hast und das es sich bei dem Steuerbescheid um den Bescheid für das Jahr 2020 handelt! Dann hast Du doch bereits 10 Jahre lang den Beweis des ersten Anscheins geliefert, dass dieser (Teil-)Raum privat (mit) genutzt wird!
Das ist richtig interpretiert. Allerdings habe ich Ende 2019 ein neues Objekt zu den zuvor bestehenden 4 (teils aber ETW, wo ja der Verwalter die Arbeit für das Haus übernimmt) mit 5 Wohneinheiten und 1 Gewerbe gekauft, die ich auch selbst verwalte. Das scheint mir (spätestens jetzt sollte ein häusliches Arbeitszimmer plausibel sein) eine auch terminlich hinreichende Begründung zu sein. (Bitte korrigiert mich immer, wenn man/das FA das irgendwie anders sehen könnte).

Das hilft Dir für den alten Steuerbescheid nichts, da ja der tatsächliche Sachverhalt zu Grunde zu legen ist. Das geht also höchsten für die Zukunft ab 2022! Und je nach dem, welche Arbeiten Du im häuslichen Arbeitszimmer ausübst, wird es natürlich auch eine entsprechende Steigerung an die Glaubhaftmachung geben, wenn Du z.B. nur zwei Wohnungen hast, dafür aber ein Zimmer mit über 30 qm als Wk geltend machen willst (Hinweis: leerer Schrank!).
Gibt es bei der Glaubhaftmachung (absolute) Kriterien wie z.B. das zu versteuernde Einkommen aus Vermietung?
-Der überwiegende Anteil meiner Mieteinnahmen (aktuell habe ich keine anderen Einnahmen) kommt von einer Spielhalle, wo es zahlreiche Besonderheiten gibt und die mir aufgrund von Gesetzesänderungen oder Rechtssprechung durch sämtliche föderalen Strukturen schnell wegfallen könnte und vermutlich auch irgendwann wegfallen wird.
-Oder würde man eher auf die Gesamtzahl der Objekte (oder Mieteinheiten) abstellen?
-Also Anhaltspunkte wie z.B. 100€k Einkommen oder 10 Mieteinheiten?
-Oder würde selbst das nicht reichen und wäre ein Einzelfall, der vor Gericht (versuche ich zu vermeiden) zu klären wäre?

Wäre das langfristig auch für die ca. 30 qm (mit Tür) ausreichend?

Da stellt sich mir die Frage nach 2020 und 2021.

1. allgemein: es scheint eine Grenze von 1200 € zu geben, auch wenn es kein häusliches Arbeitszimmer mit Tür, sondern nur eine Arbeitsecke gibt. Aber ist das jetzt Corona-bedingt oder allgemein so? Ist das nur für Arbeitnehmer oder generell so?
Im besonderen scheint es eine corona-bedingte Home-Office-Pauschale von 600 € zu geben. Nur für Arbeitnehmer?
2. im Hinblick auf Corona-Sonderregelungen 2020 und 2021.


Wenn ich (und das war Knackpunkt am Tag der Abgabe der Steuererklärung) mit genau diesen Regelungen (kurz-/mittel-oder langfristig) auch da annähernd eine gute und unbürokratische (!) Lösung erreichen kann, die mir eine für mich effiziente Arbeitsweise erlauben, dann würde ich das durchaus vorziehen.

Meine Rechnung (bisher ca. und gerundet); bitte korrigieren, falls gedanklicher Fehler oder ich was vergessen habe:
Kaufpreis incl. NK =250.000, Grund und Boden muss abgezogen werden. Ich ziehe mal 20% ab, würde aber eigentlich weniger veranschlagen.
AfA-Grundlage: 200.000 mal 2% = 4000 €
Betriebskosten-und Strom-Vorauszahlungen = 5400 €
Wohnung abbezahlt, also keine Finanzierungskosten, macht 9400 € pro Jahr für die gesamte Wohnung.
gesamt also 9400 €, davon bei bisheriger Nutzung 10% = 940 €

[Wichtige Frage: Ich hatte mal eine freiberufliche Tätigkeit als Coach und Kommunikationstrainerin (dafür war ursprünglich der 30qm-Raum gedacht), die ich auf Anraten meiner Steuerberaterin hin aufgegeben und dies auch dem FA gegenüber erklärt habe. Dürfen Fachbücher dieser vergangenen Tätigkeit (ich könnte ja zukünftig darüber wieder zu versteuernde Umsätze haben) im häuslichen Arbeitszimmer sein oder wäre dies zu privat?]

Ich müßte da also genauer nachrechnen, welchen Vorteil ich durch welche Lösung hätte und wieviel mir eine für mich optimierte Arbeitsatmosphäre wert ist.

Dieses Problem hat mal jemand mit einer (teilsatinierten) Glasfaltwand gelöst. Grundriss und Bilder langten dem lokalem FA für den Nachweis, dass da ein konkreter einzelner Raum entstanden ist (und sich aus den Bildern auch sehr eindeutig eine einschlägige Nutzung ergab.)

Über eine solche Glaswand in meiner Wohnung hatte ich auch schon zu verschiedenen Zeitpunkten mit unterschiedlichen Intentionen hauptsächlich im Hinblick auf meine damals angestrebte Selbstständigkeit als Coach (eher ein Klient) oder Kommunikationstrainer (der Raum gegenüber der Wohnungseingangstür gibt bis zu 12 Teilnehmer her) Gedanken gemacht.
Allerdings dies dann wieder mit unterschiedlichen Ideen einer praktikablen Nutzung an unterschiedlichen Orten (was genau trenne ich wovon ab) vertagt.
Bautechnisch gäbe es 3 sinnvolle Möglichkeiten. genau diesen, meinen bevorzugten Arbeitsbereich abzutrennen, ist deutlich schwieriger.
1. Gegenüber der Wohnungseingangstür ist der Coachingraum. Links das Gäste-WC. Rechts der Flur zu allem anderen.
...
@Duncan: noch mal ein ganz wichtiger Hinweis (lohnt sich die Verlegung des Arbeitszimmers), dem ich weiter nachgehen will.

Hier muss ich jedoch für heute (aus gesundheitlichen Gründen) abbrechen.

Danke, dass Ihr dran bleibt. Ich nehme mir Eure Antworten häppchenweise vor.

Liebe Grüße und einen wunderschönen 3. Advent Euch allen,

Melanie
 
taxpert

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Das scheint mir (spätestens jetzt sollte ein häusliches Arbeitszimmer plausibel sein) eine auch terminlich hinreichende Begründung zu sein. (Bitte korrigiert mich immer, wenn man/das FA das irgendwie anders sehen könnte).
Gibt es bei der Glaubhaftmachung (absolute) Kriterien wie z.B. das zu versteuernde Einkommen aus Vermietung?
Werbungskosten müssen weder notwendig oder sinnvoll sein. Du kannst Dir also ohne weiteres für die Verwaltung einer Zwei-Zimmer-Wohnung ein 200qm-Büro anmieten und das FA wird das -abgesehen von fehlender Überschusserzielungsabsicht- ohne mit der Wimper zu zucken anerkennen.

Beim häuslichen Arbeitszimmer kommt jedoch die enge Einbindung in die private Sphäre (§12 EStG) dazu. Deswegen gibt es keine objektiven Kriterien. Als Grundregel ist der Anspruch an die Glaubhaftmachung um so größer, je mehr der Sachverhalt vom normalen Lebenssachverhalt abweicht. Es geht also nicht darum den Nachweis zu führen, dass man das häusliche AZ braucht/benötigt, sondern dass die Nutzung zu mehr als 90% ausschließlich für die beruflichen Zwecke erfolgt. Bei V+V geht es -im Normalfall- um die Erstellung der NK-Abrechnung und -hoffentlich nicht jährlich!- neue Mietverträge. Die Unterlagen umfassen normalerweise nur wenige Ordner. Insgesamt erscheint es also so, dass das AZ maximal 2 Monate im Jahr aktiv für V+V genutzt wird. Es ist zunächst nicht unbedingt glaubwürdig, dass der Raum 10 Monate lange gar nicht genutzt wird. Es ist an Dir, den Nachweis zu führen, das der Raum tatsächlich nicht anders genutzt wird.
1. allgemein: es scheint eine Grenze von 1200 € zu geben, auch wenn es kein häusliches Arbeitszimmer mit Tür, sondern nur eine Arbeitsecke gibt. Aber ist das jetzt Corona-bedingt oder allgemein so? Ist das nur für Arbeitnehmer oder generell so?
Die Prüfung des hauslichen AZ ist mehrstufig.

1. Sind die Voraussetzung für ein häusliches AZ (private Mitnutzung von untergeordneter Bedeutung, keine "Arbeitsecke", kein Durchgangszimmer, etc.) gegeben?

2. Stellt das AZ den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit dar, dann unbegrenzter Abzug.

3. Stellt das AZ nicht den Mittelpunkt dar, es steht jedoch kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, dann begrenzter Abzug bis 1.250 €.

4. Stellt das AZ nicht den Mittelpunkt dar und es gibt einen anderen Arbeitsplatz dürfen die Kosten gar nicht angesetzt werden.

5. Liegt kein häusliches AZ im Sinne von 1. vor, kann für jeden Tag, an dem ausschließlich das AZ genutzt wurde, ein Betrag von 5 €, maximal 600 € p.a. geltend machen. Das ist allerdings eine Corona-Sonderregelung, bei der noch nicht klar ist ob sie über 2021 noch weiter gilt.

Das Ganze ist übrigens nicht für Arbeitnehmer so geregelt, sondern im §4 Abs.5 Nr.6b EStG, also im Bereich der Gewinneinkünfte. Über §9 Abs.5 EStG gilt es jedoch auch bei den Überschusseinkünften.

wäre dies zu privat?
Ja.

Eine Antwort wie "guck mal in Elster, da gibts nen Button für dein Anliegen oder brauchste Formular ..." ist doch toll.
Da muss ich leider wieder dein romantisches Bild des FA zerstören!

Elster ist KEIN -oder gar DAS- Programm mit dem das FA arbeitet! Elster ist nichts weiter als eine Schnittstelle über die Daten an das FA übertragen werden können! Die Berührungspunkte -und damit die Kenntnis- eines jeden Mitarbeiters sind daher exakt die selben wie bei Dir: Man benutzt Elster bei der Abgabe der eigenen Steuererklärung und nichts weiter. Von daher sind die Auskunftsmöglichkeiten der Mitarbeiter im FA sehr begrenzt.

taxpert
 
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Werbungskosten müssen weder notwendig oder sinnvoll sein. Du kannst Dir also ohne weiteres für die Verwaltung einer Zwei-Zimmer-Wohnung ein 200qm-Büro anmieten und das FA wird das -abgesehen von fehlender Überschusserzielungsabsicht- ohne mit der Wimper zu zucken anerkennen.

Hallo und vielen Dank für diese Klarstellung @ekkehardthalkötter Immer schön deine fachlichen Beiträge zu lesen.

Mir ist das auch immer nicht so ganz klar gewesen. Die Denkweise der Prüfbehörden und Abnahmestellen zu verstehen, ist für viele Menschen nicht einfach. Auch im Finanz- und Steuersektor.

Ich freue mich auf viele weitere Beiträge von dir

Goldi
 
taxpert

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Off topic!

@ekkehardthalkötter
Ach mein Gott! Der "Kollege" Ekki aus Münster!

Es ist immer wieder lustig zu sehen, wie sich Drehbuchautoren die Welt vorstellen! Die Darstellung von Oliver Korittke hat etwa 2 Prozent mit der Realität zu tun! Das erste Prozent ist: Ja, es gibt vier Finanzämter in Münster (Innenstadt [5337], Außenstadt [5336], für Steuerfahndung und Steuerstrafsachen [5384], für Groß- und Konzernbetriebsprüfung [5376]). Das zweite Prozent ist: Ja, dort arbeiten Menschen!

Alles andere entspringt eher der Fantasie der Drehbuchautoren!

taxpert
 

Melanie123

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Supergroßen Dank @taxpert.
Mir geht's wie dem Goldhamster, ich profitiere generell sehr von Deinen Beiträgen. Vor allem, in dieses formalisierte Denken reinzukommen. Ich habe BWL quasi mit der Muttermilch aufgesogen und nachher auch studiert. Mein Gehirn denkt so völlig selbstständig in Kosten-/Nutzen oder Aufwand-/Ertrag- Kategorien, dass ich komplett umdenken muss.

Mein Zwischenfazit: so einfach wie möglich. Falls die Corona-Pauschale mit 600€ komplett durchginge, wäre mir das (gerade momentan) lieber als der gesamte AfA- und Betriebskosten-Aufwand, wo ich überschlagsmäßig bei 800€ wäre.
Falls dies sogar per schlichter Änderung ganz formlos telefonisch ginge, wäre dies super. (Das letzte, was ich aktuell brauchen könnte, wäre noch ein Prozess; ich würde einen Einspruch realistischerweise nicht durchziehen).
Die anderen Probleme für 2020 haben sich erledigt bzw. sind m.E. nicht so wesentlich.

Dummerweise erreiche ich beim FA niemanden (habe die Tel-Nr. des Steuerbescheids genommen), teils die Ansage "bin gerade nicht am Arbeitsplatz", teils klingelt es durch, ohne dass jemand abnimmt. Idealerweise erreiche ich da bis Freitag noch jemanden, ansonsten habe ich bei Elster das Einspruchsformular gefunden.

Noch mal herzlichen Dank für die Hilfe!:005sonst:

Liebe Grüße
Melanie
 
Thema:

ESt-Erklärung nachträglich ändern, häusliches Arbeitszimmer in selbstgenutzter ETW

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