Fristlos kündigen? Rechtsstreit riskieren?

Diskutiere Fristlos kündigen? Rechtsstreit riskieren? im Kündigung Forum im Bereich Mietvertrag über Wohnraum; Hallo, mein Anliegen ist etwas kompliziert und ich versuche, mich möglichst kurz zu fassen: Mein Freund und ich sind vor 4 Monaten in eine...

  1. Lisan

    Lisan Neuer Benutzer

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    Hallo,

    mein Anliegen ist etwas kompliziert und ich versuche, mich möglichst kurz zu fassen:
    Mein Freund und ich sind vor 4 Monaten in eine gemeinsame Wohnung gezogen. WIr wohnten zusammen mit dem Vermieter und einer zweier WG im Haus. Durch`s gesamte Haus lief auch der Kater unseres Vermieters.
    Wir haben einen Vertrag geschlossen, in dem steht, dass der Vermieter für 3 Jahre und 9 Monate auf eine Kündigung durch Eigenbedarf verzichtet. Soweit, so gut.

    Nun hat der Vermieter aber eine etwas kaputte Tür im Keller, die manchmal wieder aufspringt. Mein Freund kam eines nachts heim, die Tür sprang wieder auf und die Katze war weg. Noch am darauffolgenden Tag sagte uns unser Vermieter, wenn sie nicht wieder käme, würden wir rausgeschmissen, koste es, was es wolle. Einen Tag später gab er uns eine schriftliche Kündigung für Ende Dezember unter dem Vorwand "Eigenbedarf" und einen Brief, in welchem er ziemlich deutlich erklärt, dass es eigentlich um den Kater ging.

    Der Kater tauchte zwar nach 5 Tagen wieder auf, die Kündigung wurde aber nicht offiziell widerrufen. Da unser Vermieter aber auch ein ziemlich unangenehmer Mensch ist, der uns wegen der Katze mehrfach versteckte Drohungen ausgesprochen hatte, war für uns klar, wir wollten so oder so da raus.
    In seinem beiliegenden Schreiben zur Kündigung sagte er, wir sollten uns schnellstmöglich etwas finden und auch mündlich sagte er uns, wir sollten so schnell es geht, raus.

    Nun kam es, dass wir eine neue Bleibe für Mitte November gefunden haben. Wir sprachen mit unserem Vermieter, der erst zusagte, uns rauszulassen, sich am selben Abend aber noch umentschied und schließlich von uns verlangte, wir sollten noch bis Ende Dezember Miete zahlen. Wir haben ihm sogar eine einvernehmliche Kündigung angeboten, damit er nach uns neu vermieten könnte, er fühlte und fühlt sich aber komplett im Recht und denkt, das könnte er so oder so machen. Sollten wir ihm die Miete nicht bis einschließlich Dezember zahlen, würde er es von der Kaution einbehalten (hinzu kommt, dass er noch 900Euro zusätzlich zu 1000Euro Kaution hat, da wir uns mit Eigenbeteiligung an der Küche beteiligen mussten).

    Auch die Wohnung hat er bereits wieder neu inseriert, wie wir im Internet gesehen haben.
    Auf ein Schreiben des Mieterschutzbundes mit der Bitte um eine einvernehmliche Kündigung, ist er nicht eingegangen.
    Zusätzlich dazu hat er uns erst gesagt, wir müssten für die Entfernung einer fest installierten Arbeitsplatte in der Wohnung, nicht aufkommen, sich dann aber plötzlich umentschieden und gesagt, er würde es auf unsere Kosten erledigen lassen.
    Wir würden gerne fristlos kündigen, wegen Vertrauensmissbrauchs (falscher Kündigungsgrund) und seiner versteckten Drohungen.

    Wir hinterlassen ihm die Wohnung in einem weitaus schöneren Zustand, als wir sie übernommen haben und haben sie auch komplett gestrichen. Einer nachträglichen Mieterhöhung nach Vertragsabschluss haben wir ebenfalls zugestimmt, da er meinte er hätte sich verkalkuliert. Wir sind einfach nicht bereit, uns nun so dermaßen ausnutzen zu lassen, obwohl wir eigentlich nichts falsch gemacht haben.

    Was sollen wir nun am besten tun, wenn er sich weigert, eine einvernehmliche Kündigung einzugehen?
    Fristlos kündigen und ihn auf die Kaution und Küchenbeteiligung verklagen? (Wir sind beide Studenten und fürchten die Anwaltskosten.)
    Noch bis Ende Dezember zahlen und ihn auf Umzugskosten und die falsche Kündigung wegen Eigenbedarf verklagen, wenn er erneut vermietet?

    Dankeschön bereits jetzt.
     
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  3. Andres

    Andres
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    Mal eine leicht themenfremde Einstiegsfrage: War der Vermieter vor Vertragsschluss ein umgänglicher Mensch und hat erst danach in den :002sonst:-Modus geschaltet? Bei allem Mitgefühl wundern mich solche Geschichten immer wieder und es wäre sicher für die Zukunft massiv in deinem eigenen Interesse, dir mal Gedanken zu machen, ob man diese Probleme nicht hätte vorhersehen können.

    So, jetzt aber zum Thema:

    Dass diese Kündigung nicht das Papier, auf dem sie geschrieben ist, wert sein wird, sollte dir ja hoffentlich klar sein. Eine solche Kündigung kann man einfach ignorieren, wenn man möchte. Erst wenn der Vermieter gestützt auf diese Kündigung Räumungsklage erhebt, sollte man reagieren. Nicht dass der Vermieter großartige Erfolgsaussichten hätte, insbesondere mit diesem zweiten Brief.

    Vielleicht kannst du diese Kündigung zu deinem Vorteil nutzen. Wie lange liegt das zurück?


    Sofern sich aus der o.g. fristlosen Kündigung nicht etwas machen lässt, ist das hier der Kern der Sache: Ich lese nirgends, dass der Kündigungsausschluss auch für euch gilt, daher könnt ihr einseitig zwar durchaus kündigen, aber eben nur mit der üblichen Frist. Wenn die Kündigung heute dem Vermieter zugeht, endet das Mietverhältnis am 28.02.2019. Wenn das Mietverhältnis zu einem anderen Zeitpunkt beendet werden soll (also sofort, Ende Dezember oder sonst irgendwann), ist das nur mit Einverständnis aller beteiligter Parteien möglich. Das könnte grundsätzlich auch mündlich erfolgen, aber die Nachweisbarkeit solcher Gespräche ist ... kannst du dir ja selbst denken.

    Mit diesem Vermieter würde ich übrigens nicht mehr reden, wenn es sich vermeiden lässt. Wenn er etwas will, soll er schreiben. Das Leben ist zu kurz, um sich darüber zu streiten, wer was gesagt haben könnte.


    Dann ist das ja auch geklärt: Die Schließzylinder an der Wohnung habt ihr hoffentlich direkt bei Einzug getauscht. Ich kann dir garantieren, dass dieser Vermieter einen Schlüssel zu eurer Wohnung hat, aber auch in allen anderen Fällen willst du in deiner Wohnung einen eigenen Schließzylinder haben. Dass ihr die Wohnung erst am letzten Tag, für den ihr noch Miete zahlt, zurückgebt, sollte ja auch klar sein.


    Zur Mietforderung habe ich ja schon geschrieben. Ich befürchte, die 900 € werden Lehrgeld sein. "Eigenbeteiligung" klingt für mich nicht nach dem Erwerb von Eigentum. Was es hier zu lernen gibt: Entweder hat die Wohnung eine Küche, dann zahlt man Miete und keine "Eigenbeteiligung" oder man bringt selbst eine Küche mit, dann zahlt man den Kaufpreis und nimmt die Küche bei Auszug wieder mit. Der Mittelweg hat offensichtliche Probleme ...


    Wer hat diese Arbeitsplatte installiert?


    Ich sehe da eher geringe Chancen.


    Mal ehrlich: Was glaubst du, wie viele Mieter dem zugestimmt hätten? Wenig überraschend, dass manche Leute aus dieser offensichtlich spendablen Melkkuh auch noch den letzten Tropfen herausholen wollen.


    Entweder ordentlich kündigen (s.o.) und eine neue Wohnung suchen oder dort so lange wohnen bleiben, wie ihr wollt, und ein sehr dickes Fell zulegen. Ich sehe keinen Weg, wie der Vermieter hier eine Kündigung begründen könnte. Ob und wie lange man sich das antun will, muss jeder selbst wissen.


    Ich gehe davon aus, dass der Vermieter noch viele schöne Gründe finden wird, euch die Kaution nicht auszuzahlen. Ob man dagegen vorgeht, kann man sinnvoll aber erst dann entscheiden, wenn der Vermieter über die Kaution abgerechnet hat bzw. wenn das nach einer längeren Zeit noch nicht erfolgt ist.


    Wenn ihr euch auf Vertragsende zum Jahreswechsel einigt, spielt die Nummer mit dem Eigenbedarf keine Rolle.
     
  4. Lisan

    Lisan Neuer Benutzer

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    Der Vermieter war vor Vertragsabschluss tatsächlich ein überaus umgänglicher Mensch! Auch jetzt noch wechselt er zwischen extrem freundlich und absolutem A**** wirklich fließend hin und her. Er wirkte vor Vertragsabschluss ungemein locker, sonst hätten wir nie zugestimmt, im gleichen Haus mit ihm zu wohnen. Aber dass wir in vielen Punkten leider sehr naiv und dumm waren, ist uns jetzt auch klar, das wirst du dir bei weiteren Punkten (siehe Schloss an der Tür, oä) vermutlich noch denken. Brauchst mich nicht drauf hinweisen, da haben wir unsere Lektion bereits dreimal gelernt, jetzt versuchen wir nur, ihn nicht damit durchkommen zu lassen und unser Geld zu retten..
    Btw danke schon mal für deine ausführliche Antwort :)

    Das Problem hierbei ist: Wir haben bereits eine neue Wohnung gefunden und sind ausgezogen. Da er auch versteckte Drohungen ausgesprochen hat und uns das Zusammenleben sehr erschwert hat, wollten wir, so schnell es geht, dort raus. Außerdem sagte er anfangs ja noch: sucht euch so schnell es geht, etwas....

    Naja, Ende Dezember könnten wir ja definitiv aus dem Mietverhältnis raus, indem wir seine Kündigung einfach akzeptieren. Die ist ja dann auch nicht einvernehmlich, er hat uns rausgeworfen.

    Bezüglich des nicht mit ihm Redens: So gut es geht haben wir bereits alles auf Schriftverkehr umgestellt. Bis wir ausgezogen sind, musste man ihm leider trotzdem ab und an im Treppenhaus begegnen.

    Tja, ähmm, also ein Schloss hat die Tür gar nicht. Das sind alles normale Zimmertüren quasi und nur die Haustür und Keller haben ein Schloss.
    Sollten wir jetzt wirklich noch bis Ende Dezember mieten, werden wir aber die Hausschlüssel auch definitiv noch so lange einbehalten.

    Naja, also mit der Eigenbeteiligung siehts so aus: Wir sollten uns mit 1000Euro am EInbau der Küche beteiligen, vertraglich steht fest, sollten wir innerhalb von 2 Jahren ausziehen, erhalten wir 70% zurück. Da er uns jetzt so früh raus geworfen hat, haben wir uns mit ihm darauf geeinigt (obwohl auf sein Wort leider nichts zu geben ist), dass er uns 900Euro vond er Küche zurück erstattet. Aber die Kaution wird er halt einbehalten, wenn wir nicht bis Ende Dezember Miete zahlen.

    Sein Sohn, der unser Vormieter war. Seine Möbel (Schränke, Bett, usw) haben wir bei Einzug für geringe Kosten erworben, die Arbeitsplatte war für uns aber immer fester Bestandteil der Wohnung, da sie dort wirklich eingebaut ist.

    Ich weiß, wir waren echt dumm. Aber wir wollten ein gutes Vermieter-Mieterverhältnis wahren (HAHA-ich weiß...). Und im Vergleich zu anderen Wohnungen war es auch so immer noch bezahlbar und er war da noch ganz anders drauf...Wirkte halt auch so, als ließe sich auf sein Wort, ebenso wie auf unseres, eigentlich verlassen.

    Wir haben es, wie erwähnt, gar nicht mehr ausgehalten.
    Ja, dass er immer was finden wird, haben wir auch schon gedacht.

    Naja, nur weil wir einen Rauswurf akzeptieren, ist das doch keine Einigung, oder?
     
  5. #4 ehrenwertes Haus, 17.11.2018
    ehrenwertes Haus

    ehrenwertes Haus Erfahrener Benutzer

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    Die ganz böse Auzugsversion wäre:

    Ihr Kündigt nicht und behaltet die Wohnung vorläufig noch in der Hoffnung dass euer WG-Vermieter eure alte Wohnung doppelt vermietet.
    Wohnen müsst ihr dort ja nicht.
    Hat dieser Vermieter eigentlich einen Schlüssel zu der jetzt leeren Wohnung oder wie laufen besichtigungen mit Interessenten?
    Das ist auch eine :002sonst:Lösung, die euch aber in eine ganz andere Verhandlungsposition bringen würde.
     
  6. Andres

    Andres
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    Ok, mir war nicht klar, dass er zusätzlich noch mit einer Frist gekündigt hat.


    Ist ja dann relativ witzlos ...


    Er wird von der Kaution die Dezembermiete abziehen und natürlich die gesamte Kaution nicht sofort auszahlen. Die Kaution als "Strafe" einzubehalten, wäre auf dem Rechtsweg gut angreifbar.


    Unter diesen Umständen gehe ich davon aus, dass ihr mit der Arbeitsplatte nichts zu tun habt.


    Naja, ihr seid ja noch ein bisschen jünger, da darf man auch mal Fehler machen. Ein gutes Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter wird ganz sicher nicht durch die Miethöhe hergestellt. Weder wird der Mieter zum Freund des Vermieters, wenn der Vermieter die Wohnung fast verschenkt, noch funktioniert die umgekehrte Richtung.


    Es gibt keinen "Rauswurf". Ihr seid doch nicht der Kater, der vor die Tür gesetzt wird, wenn er auf den Teppich kotzt.

    Nach dem, was du oben geschrieben hast, hat euch der Vermieter zu Ende Dezember gekündigt. Diese Kündigung ist zwar eine einseitige Erklärung (d.h. es spielt eigentlich keine Rolle, ob ihr sie akzeptiert), aber mit 99,... % Wahrscheinlichkeit auch unzulässig. Daran kann niemand mehr etwas ändern.

    Wenn ihr euch nun aber trotzdem alle so verhaltet, als wäre das Mietverhältnis zu Ende Dezember gekündigt, kann man den Sachverhalt auf ein anderes Rechtsgeschäft umdeuten: Der Vermieter will euch loswerden, ihr seid damit einverstanden, das Mietverhältnis endet zu einem gemeinsam festgelegten Zeitpunkt - das ist eine einvernehmliche Auflösung oder Aufhebung des Vertrags.

    Daher schrob ich oben von Einigung ...


    Dein Beitrag hat sich mit der Antwort von @Lisan zeitlich überschnitten, daher ist das mit dem "Wohnung behalten" leider inzwischen geklärt, aber grundsätzlich kann ich diesem Plan einiges abgewinnen.
     
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