Geschichten mit und ohne Sinn

Dieses Thema im Forum "Was nicht passt - der Small-Talk" wurde erstellt von hase101, 19.09.2005.

  1. #1 hase101, 19.09.2005
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    Der Musiker



    Eines Tages kam ein Bettler vorbei und schenkte ihm eine
    Violine, er erfreute sich der Violine so sehr das er sie
    sehr oft wachste und polierte. Nach der Pflege spielte er
    immer das gleiche Lied das er nur für diesen Zweck Selbst
    Komponierte.

    Nachdem er so fleißig putzte stellte sich heraus, das die
    Violine ein altes Meisterstück sein musste. Sie klang
    unwahrscheinlich ausgeglichen zart und süß, spielte er auf
    ihr zog es sogar die sonst so scheuen Vöglein an.

    An einem besonders schönen Tag im Park spielend entdeckte
    ihn ein einflussreicher man der ihm einen Platz als
    Violinist in einem Orchester beschaffte und die beiden
    spielten bald unter Vertrag.

    Für eine Weile hatte das der Geiger einen so großen Erfolg
    das er nicht mehr seiner alten Arbeit nachgehen wollte und
    sich nur noch der Musik widmen konnte. Die Violine wurde
    nun sehr oft beansprucht.

    Doch eines Tages wendete sich das Blatt, mitten im Konzert
    riss eine Saite und der Geiger verletzte sich die Hand so
    sehr das er eine Weile nicht mehr polieren und auch nicht
    üben konnte. Die Musiker bekamen keine Aufträge mehr und
    das Orchester löste sich auf.

    Nach Wiederherstellung seiner Hand musste der Violinist
    sein täglich Brot auf der Straße verdienen und manchmal
    sogar im kalten Regen spielen. Natürlich wurde die Violine
    manchmal nass und Verstimmte. All seine Mühe schöne Musik
    zu machen war vergebens, auch wenn er jeden Tag versuchte
    die Violine neu zu stimmen, gar öfter andere Saiten aufzog,
    es war wie verhext.

    Ja es erschien je öfter er sie stimmte, desto weniger lange
    hielt das Instrument seinen Ton. Da der Violinist glaubte
    es läge an ihm und er müsse ständig üben gab es lange schon
    nicht mehr genügend Zeit zum Wachsen und Polieren. Das
    Instrument verschmutze.


    Eines Tages erschöpft, durchnässt und geschwächt bekam er
    das gute Stück von einem Dieb gestohlen, der es in der
    Pfandleihe versetzte. Nie wieder bekam er genügend Geld
    zusammen um die Violine einsetzen zu können da der gemeine
    Händler nun das Hundertfache verlangte was der Dieb
    bekommen hatte.

    Heute kann man ihn manchmal durch das Schaufenster starren
    sehen, das Lied summend das er früher immer nach dem Putzen
    spielte, voller Sehnsucht nach einem verkratzten-, alten
    Stück das kein anderer kaufen mag.

    Manchmal auch träumt er von einem Musikgeschäft, weiß
    jedoch das er ein neues Instrument nicht bezahlen kann und
    wacht mit nassgeschwitzten Händen auf.
     
  2. AdMan

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  3. #2 hase101, 20.09.2005
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    Spuren im Sand

    Spuren im Sand

    Eines Nachts hatte ich einen Traum:
    Ich ging am Meer entlang
    mit meinem Herrn.
    Vor dem dunklen Nachthimmel
    erstrahlten, Streiflichtern gleich,
    Bilder aus meinem Leben....
    Und jedesmal sah ich
    zwei Fußspuren im Sand,
    meine eigene und die meines Herrn.
    Als das letzte Bild an meinen
    Augen vorrübergezogen war,
    blickte ich zurück.Ich erschrak,
    als ich entdeckte, daß an vielen Stellen meines Lebensweges
    nur eine Spur zu sehen war.
    Und das waren gerade die
    schwersten Zeiten meines Leben.

    Besorgt fragte ich den Herrn:
    "Herr,als ich anfing , dir nachzufolgen,
    da hast du mir versprochen,
    auf allen Wegen bei mir zu sein.
    aber jetzt entdecke ich,
    daß in den schwersten Zeiten meines Lebens
    nur eine Spur zu sehen ist.
    warum hast du mich verlassen,
    als ich dich am meisten brauchte?

    Da antwortete er:"Mein liebes Kind,
    ich liebe dich und werde dich nie
    allein lassen, erst recht nicht
    in Nöten und Schwierigkeitn.
    Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
    da habe ich dich getragen."
     
  4. #3 hase101, 23.09.2005
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    Das Märchen von der Traurigkeit

    Das Märchen von der Traurigkeit
    *von Inge Wuthke*


    Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen.

    Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen. Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte:" Wer bist du?"
    Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend und so leise, das sie kaum zu hören war.
    "Ach die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte grüssen. Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch. "Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."
    "Ja aber..."
    argwöhnte die Traurigkeit, "Warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?" "Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst zu gut das du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: "Warum siehst du so mutlos aus?" "Ich... ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.

    Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch,was dich bedrückt." Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen?
    Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. "Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück.
    Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest." Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter": Und ihr falsches Lachen führt zu Magen-Darm-Krämpfen und Atemnot. Sie sagen" Gelobt sei, was hart macht" und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen:" Man muss sich zusammenreißen." Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen:" Nur Schwächlinge weinen." Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen.

    OH ja", bestätigt die alte Frau," solche Menschen sind mir schon oft begegnet." Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen, ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist hat eine sehr dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur , wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen.

    Doch die Menschen wollen gar nicht, das ich ihnen dabei helfe. Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu."

    Die Traurigkeit schwieg.
    Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt.
    Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme.
    Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.
    Weine nur, Traurigkeit"; flüsterte sie liebevoll. "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst.
    Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern.
    Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt."
    Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin.
    "Aber... aber- wer bist eigentlich du?"
    "Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen:"

    "Ich bin die Hoffnung:"
     
  5. #4 hase101, 24.09.2005
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    Das blaue Band

    Das blaue Band

    In einem Gruppenprojekt wollte eine New Yorker Lehrerin feststellen, welchen Eindruck eine persönliche Anerkennung auf eine Gemeinschaft hat.
    Die Lehrerin begann damit, jeden einzelnen Oberstufenschüler an der High-School zu würdigen.
    Dazu rief sie die Studierenden einzelnen zu sich und erklärte ihnen das Projekt und wie sie etwas für sie, aber auch für die Klasse veränderten.
    Dann steckte sie jedem ein blaues Ordensband an, auf dem mit goldenen Buchstaben stand: "Wer ich bin, verändert etwas." Jeder von den Schülern erhielt noch drei weitere blaue Bänder dazu mit der Anweisung, diese Zeremonie der Anerkennung zu verbreiten.
    Die Ergebnisse sollten erfragt und in einer Woche vor der gesamten Klasse berichtet werden.

    Einer der Schüler suchte einen leitenden Angestellten auf, der in einer nahe gelegenen Firma beschäftigt war. Er würdigte den Mann dafür, daß er den Schülern bei der Berufsplanung half und heftete ihm ein blaues Band an. Außerdem gab er ihm noch zwei weitere blaue Bänder und sagte: "Im Rahmen des Gruppenprojektes möchten wir gerne, daß auch Sie einen Menschen finden, den sie würdigen möchten. Bitte heften sie dieser Person ein blaues Band an und geben sie ihr ein weiteres Band dazu, damit die Anerkennungszeremonie fortgeführt wird. Ich werde wiederkommen und nach dem Ergebnis fragen."

    An diesem Tag traf sich der leitende Angestellte mit seinem Chef, einem Direktionsmitglied der Firma. Er berichtete von dem Schulprojekt und erklärte dem Direktor, daß er ihn wegen seiner genialen Kreativität bewundere und ob er ihm als Würdigung dafür ein blaues Band anheften dürfe. Der völlig überraschte Direktor stimmte zu und erhielt ein blaues Band auf sein Jackett gesteckt, direkt über seinem Herzen. Außerdem übergab ihm der Angestellte ein weiteres blaues Band mit der Bitte, es an eine Person seiner Wahl weiterzugeben, damit das Schulprojekt nicht unterbrochen würde.

    Am Abend kam der Direktor nach Hause. Er setzte sich neben seinen 14jährigen Sohn. "Mir ist etwas Unglaubliches passiert", begann er die Unterhaltung. " Heute kam in der Firma einer der leitenden Angestellten zu mir und erklärte, daß er mich wegen meiner Kreativität bewundere. Er heftete mir dieses blaues Band an und ich erhielt noch ein weiteres dazu, mit der Bitte, es an eine andere Person weiterzugeben, die ich würdigen möchte.

    Auf der Heimfahrt habe ich lange überlegt und dabei an dich gedacht. Ja, ich möchte dich würdigen! Meine Arbeitstage sind Streß belastet und abends beachte ich dich oft gar nicht. Manchmal schreie ich dich an, wegen schlechter Noten in der Schule oder wegen deines unaufgeräumten Zimmers. Heute Abend möchte ich nur hier bei dir sitzen und dich wissen lassen, daß du für mich etwas veränderst. Neben deiner Mutter bist du für mich die wichtigste Person in meinem Leben. Du bist ein großartiges Kind, und ich liebe dich sehr!"

    Der Junge fing an zu weinen und zu schluchzen. Unter Tränen blickte er seinen Vater an: "Weißt Du, Papa, vorhin, als ich oben in meinem Zimmer saß, schrieb ich an dich und Mama einen Abschiedsbrief. Ich hatte vor, mich heute Nacht zu töten, denn ich glaubte nicht, daß es dich überhaupt kümmern würde. Der Brief liegt oben in meinem Zimmer. Ich denke aber, daß ich ihn jetzt nicht mehr brauche."

    Bestürzt lief der Vater in das Zimmer seines Jungen. Er fand den Abschiedsbrief, auf dem Schreibtisch, adressiert an "Mama und Papa". Ein Brief voller Schmerz und Verzweiflung, der dem harten Geschäftsmann die Tränen in die Augen trieb. –
    Tags darauf betrat ein völlig verwandelter Direktor seine Firma. Er sorgte in der folgenden Zeit dafür, daß alle seine Mitarbeiter zu wissen bekamen, daß auch sie etwas verändern können.

    Der leitende Angestellte half Schülern und Studierenden bei ihrer Berufsplanung und vergaß nie, diese jungen Menschen wissen zu lassen, daß sie für ihn etwas verändern.
    Durch dieses Projekt lernten der junge Schüler und seine Klassenkameraden eine wichtige Lektion.
     
  6. #5 hase101, 05.10.2005
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    Leb Wohl, Lieber Dachs

    LEB WOHL, LIEBER DACHS

    Der Dachs war verlässlich, zuverlässig und immer hilfsbereit. Er war auch schon sehr alt, und er wusste fast alles. Der Dachs war so alt, dass er wusste, er würde bald sterben.
    Der Dachs fürchtete sich nicht vor dem Tod. Sterben bedeutete nur, dass er seinen Körper zurückließ. Und da sein Körper nicht mehr so wollte wie in früheren Tagen, machte es dem Dachs nicht allzu viel aus, ihn zurückzulassen. Seine einzige Sorge war, wie seine Freunde seinen Tod aufnehmen würden. Er hatte sie schon vorbereitet und ihnen gesagt, irgendeinmal würde er durch den Langen Tunnel gehen. Er hoffe, sie würden nicht zu traurig sein, wenn seine Zeit gekommen war.
    Eines Tages beobachte Dachs, wie der Maulwurf und der Frosch den Hügel hinunterliefen. Während er ihnen nachsah, fühlte Dachs sich ungemein alt und müde. Nichts hätte er sich mehr gewünscht, als mit seinen Freunden umherzutollen. Doch er wusste, dass seine alten Beine es nicht erlaubten. Er schaute den beiden lange zu und freute sich, dass sie so vergnügt waren.
    Als er nach Hause kam, war es schon spät. Er sagte dem Mond gute Nacht und zog die Vorhänge vor der kalten Welt draußen zu. Langsam näherte er sich dem wärmenden Feuer, das tief unter der Erde auf ihn wartete. Er aß sein Abendbrot und setzte sich dann an den Schreibtisch, um einen Brief zu schreiben. Als er fertig war, ließ er sich im Schaukelstuhl neben dem Kamin nieder. Er schaukelte sanft hin und her und war bald eingeschlafen. Und er hatte einen seltsamen, doch wundervollen Traum, wie er ihn nie zuvor geträumt hatte.
    Dachs lief. Zu seiner höchsten Überraschung lief er munter dahin. Vor ihm öffnete sich ein langer Tunnel. Seine Beine trugen ihn kräftig und sicher dem Tunnel entgegen. Er brauchte keinen Spazierstock mehr, also ließ er ihn liegen. Dachs lief leicht und behende, schneller und immer schneller durch den langen Gang, bis seine Pfoten den Boden gar nicht mehr berührten. Er fühlte, wie er kopfüber stürzte, wie er hinfiel und sich überschlug, aber er tat sich überhaupt nicht weh. Er fühlte sich frei. Es war, als wäre er aus seinem Körper herausgefallen.
    Am folgenden Tag versammelten sich seine Freunde vor dem Eingang am Dachsbau. Sie machten sich Sorgen, weil der Dachs nicht wie sonst herausgekommen war, um ihnen einen guten Morgen zu wünschen.
    Der Fuchs eröffnete ihnen die traurige Nachricht. Er sagte, dass Dachs tot sei.
    Dann las er ihnen den Brief vor. Darin stand nur: "Bin durch den langen Tunnel gegangen. Lebt wohl, Dachs."
    Alle Tiere hatten den Dachs lieb gehabt, und alle waren sehr betrübt. Besonders der Maulwurf fühlte sich allein und verlassen und furchtbar unglücklich.
    Abends im Bett musste der Maulwurf immer an Dachs denken. Tränen liefen ihm über die samtene Nase hinab, bis die Bettdecke klatschnass war, die er zum Trost fest umklammert hielt. Draußen begann es zu schneien. Bald deckte eine dicke Schneeschicht die Behausungen der Tiere zu, in denen sie es die kalten Monate hindurch warm und gemütlich hatten. Der Schnee begrub das Land unter sich, aber er konnte die Traurigkeit nicht begraben, die die Freunde des Dachses erfüllte.
    Der Dachs war immer zur Stelle gewesen, wenn ihn einer brauchte. Die Tiere wußten nicht, wie sie jetzt ohne ihn zurecht kommen sollten. Dachs hatte ihnen gesagt, sie sollten nicht traurig sein. Aber das war schwer. Als es anfing, Frühling zu werden, besuchten die Tiere einander oft und redeten von der Zeit, als Dachs noch lebte.
    Der Maulwurf konnte besonders geschickt mit der Schere umgehen. Und nun erzählte er, wie Dachs ihn einst gelehrt hatte, aus einem zusammengefalteten Bogen Papier eine Maulwurfskette auszuschneiden. Er erinnerte sich, wie sehr er sich gefreut hatte, als ihm sein Meisterstück gelungen war: eine ganze lange Kette von Maulwürfen, die sich an den Pfoten hielten.
    Der Frosch war ein glänzender Schlittschuhläufer. er erinnerte sich, wie Dachs ihm geholfen hatte, die ersten unsicheren Schritte auf dem Eis zu tun. Dachs hatte ihn behutsam über das Eis geführt, bis er sich sicher genug fühlte, um allein darüber hinzuflitzen.
    Der Fuchs dachte an die Zeit, als er ein junges Füchslein war. Und wie es ihm nicht und nicht gelingen wollte, einen ordentlichen Krawattenknoten zu binden. Schließlich hatte ihm Dachs gezeigt, wie man es machte...
    Der Dachs hatte Frau Kaninchen sein Spezialrezept für Lebkuchen gegeben und ihr gezeigt, wie man Lebkuchenkaninchen backte. Frau Kaninchen war in der ganzen Gegend für ihre Kochkunst berühmt. Als sie von ihrer ersten Kochstunde bei Dachs erzählte, konnte sie beinah den köstlichen Duft frisch gebackener Lebkuchen schnuppern.
    Jedes der Tiere bewahrte eine besondere Erinnerung an Dachs - irgendetwas, was er sie gelehrt hatte, und was sie jetzt ausnehmend gut konnten. Dachs hatte jedem von ihnen ein Abschiedsgeschenk hinterlassen, das sie wie einen Schatz hüteten. Mit ihren verschiedenen Gaben konnten sie alle einander helfen.
    Mit dem letzten Schnee schmolz auch die Traurigkeit der Tiere dahin. Sooft der Name des Dachses fiel, kam einem von ihnen eine neue Schmunzelgeschichte in den Sinn.
    Eines warmen Frühlingstages wanderte der Maulwurf über den Hügel, wo er den Dachs zum letzten Mal gesehen hatte. Hier wollte er dem Freund für sein Abschiedsgeschenk danken. "Danke, Dachs", sagte er leise. Er war überzeugt, dass ihn der Dachs hörte. Und - vielleicht war es auch so.

    (Buch "Leb wohl, lieber Dachs" von Susan Varley, erschienen im Annette Betz Verlag)
     
  7. #6 hase101, 06.10.2005
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    Der kleine Peter und seine Mutter

    Der kleine Peter und seine Mutter

    Der kleine Peter hörte eines Tages seinen Vater über Rechnungen sprechen, die bezahlt werden mußten. Dabei stieg in ihm der Gedanke auf, auch einmal eine Rechnung für seine Mutter aufzustellen für die kleinen Dienste, die er ihr leistete. Eines Tages fand die Mutter nun folgende Rechnung neben ihrem Teller liegen:
    Die Mutter schuldet ihrem Sohn Peter:


    für das Holen von verschiedenen Paketen Streichhölzern 20 Ct
    für Besorgung der Briefe zur Post 10 Ct
    weil er stets ein lieber Junge gewesen 10 Ct
    für das Holen von Briefmarken 20 Ct
    Zusammen 60 Ct




    Peters Mutter sagte nichts, doch fand er abends bei seinem Teller einen Betrag von 60 Ct vor. Sehr zufrieden steckte er das Geld in die Tasche, doch fand er bei seinem Teller auch eine Rechnung seiner Mutter.
    Peter schuldet seiner Mutter:

    für zehn glückliche Jahre, die er in ihrem Hause verbrachte :nichts
    für das Essen, das er während der zehn Jahre erhielt :nichts
    für Pflege während seiner Krankheit :nichts
    dafür, daß er stets eine gute Mutter hatte :nichts
    Zusammen nichts


    Der kleine Peter las diese Rechnung und schwieg still. Nach einer Weile aber schlich er klopfenden Herzens an die Seite der Mutter, barg sein Gesicht in ihren Schoß und steckte die 60 Cent vorsichtig in Mutters Schürzentasche.

    Nach A. Schuy von M. Nissen.
     
  8. #7 hase101, 12.10.2005
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    Das 'etwas andere' Vater Unser

    Das 'etwas andere' Vater Unser - (bitte nicht so ernst nehmen) ;)


    "Vater unser, der du bist im Himmel..."
    "Ja?"
    "Unterbricht mich nicht, ich bete."
    "Aber du hast mich doch angesprochen!"
    "Ich dich angesprochen? äh... nein, eigentlich nicht. Das beten wir eben so: Vater unser, der du bist im Himmel."
    "Da, schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht's"
    "Geheiligt werde dein Name..."
    "Meinst du das ernst?"
    "Was soll ich ernst meinen?"
    "Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst. Was bedeutet das denn?"
    "Es bedeutet... es bedeutet... meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet! Woher soll ich das wissen?"
    "Es heißt, daß du mich ehren willst, daß ich dir einzigartig wichtig bin, daß dir mein Name wertvoll ist."
    "Aha. Hm. Ja, das verstehe ich. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden..."
    "Tust du was dafür?"
    "Daß dein Wille geschieht? Natürlich! Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich zahle Gemeindebeitrag und Missionsopfer."
    "Ich will mehr: daß dein Leben in Ordnung kommt, daß deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden; daß du von anderen her und für andere denken lernst; daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, auch dein Vermieter und dein Chef. Ich will, daß Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Traürnde getröstet und Gefangene befreit werden; denn alles, was du diesen Leuten tust, tust du doch für mich."
    "Warum hälst du das ausgerechnet mir vor? Was meinst du, wie viele stinkreiche Heuchler in den Kirchen sitzen. Schaü die doch an!"
    "Entschuldige! Ich dachte, du betest wirklich darum, daß mein Herrschaftsbereich kommt und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich ganz pers. bei dem an, der darum bittet. Erst wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein."
    "Das leuchtet mir ein. Kann ich jetzt mal weiterbeten? Unser tägliches Brot gib uns heute..."
    "Du hast übergewicht, Mann! Deine bitte beinhaltet die Verpflichtung, etwas dafür zu tun, daß die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches Brot bekommen."
    "Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..."
    "Und Heinz?"
    "Heinz? Jetzt fang auch noch von dem an! Du weißt doch, daß er mich öffentlich blamiert hat, daß er mir jedesmal dermaßen arrogant gegenübertritt, daß ich schon wütend bin, bevor er seine herablassenden Bemerkungen äußert. Und das weiß er auch! Er nimmt mich als Mitarbeiter nicht ernst, er tanzt mir auf dem Kopf herum, dieser Typ..."
    "Ich weiß, ich weiß. Und dein Gebet?"
    "Ich meinte es nicht so."
    "Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit soviel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?"
    "Es macht mich krank!"
    "Ich will dich heilen. Vergib Heinz, und ich vergebe dir. Dann ist Arroganz und Haß Heinz Sünde und nicht deine. Vielleicht verlierst du Geld; ganz sicher verlierst du ein Stück Image, aber es wird dir Frieden ins Herz bringen."
    "Hm. Ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann."
    "Ich helfe dir dabei."
    "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen..."
    "Nichts lieber als das! Meide bitte Personen oder Situationen, durch die du versucht wirst."
    "Wie meinst du das?"
    "Du kennst doch deine schwachen Punkte. Unverbindlichkeit, Finanzverhalten, Sexualität, Aggression, Erziehung. Gib dem Versucher keine Chancen!"
    "Ich glaube, dies ist das schwierigste Vaterunser, das ich je betete. Aber es hat zum ersten Mal etwas mit meinem alltäglichen Leben zu tun."
    "Schön! Wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende."
    "Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen."
    "Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, echt zu beten, mir nachzufolgen und dann das tun, was mein Wille ist; wenn sie merken, daß ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie letztlich selbst glücklich macht."
    Amen.
    [Quelle: www.psychowissenschaften.de]
     
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