GmbH-Mieter: persönliche Haftung des Geschäftsführers fordern?

Diskutiere GmbH-Mieter: persönliche Haftung des Geschäftsführers fordern? im Mietvertrag über Gewerberäume Forum im Bereich Mieter- und Vermieterforum; Hallo zusammen, als gewerblicher Mieter bin ich über dieses Forum gestolpert und wollte da eine Interessensfrage in die Runde geben: Wie üblich...

teutowald

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Hallo zusammen,

als gewerblicher Mieter bin ich über dieses Forum gestolpert und wollte da eine Interessensfrage in die Runde geben:
  1. Wie üblich ist bei den Vermietern hier im Forum, bei einer GmbH oder anderen Kapitalgesellschaft eine persönliche Haftung/Bürgschaft der Geschäftsführung zu fordern?
  2. In welcher Form wird diese i.d.R. gefordert? Gibt es da in der Praxis Abstufungen? Also bspw.
    • Begrenzung auf einen bestimmten Höchstbetrag
    • Beschränkung auf die tatsächliche Zahlungsunfähigkeit des Mieters (im Gegensatz zu bspw. Zahlungsunwilligkeit wegen Mängeln)
    • Zeitliche oder anderweitige Befristung (bspw. 1-2 Jahre ab Einzug; oder bspw. sobald Umfirmierung UG zu GmbH; etc.)
  3. Gibt es sonstige Alternativen? Bspw. höhere durch den Mieter erbrachte Kaution?
Hintergrund: Uns wurde kürzlich ein Vertragsentwurf vorgelegt, der eine unbeschränkte und unwiderrufliche persönliche Haftung der Geschäftsführung für alle Verbindlichkeiten aus dem Mietverhältnis fordert. Es geht um eine niedrig 4-stellige Monatsmiete; 3 NKM Kaution; Mieter wäre eine liquide GmbH mit 5 Jahren Historie; aktueller Umsatz ca. 8-10mal so hoch wie die Miete; GF haben beide eine 99er-Schufa. Wegen kürzlicher sehr (!) schlechter Miet-Erfahrung sind wir jetzt erstmal vorsichtig, wenn wir eine solche Klausel lesen. Wir wollen deswegen einen konstruktiven Gegenvorschlag machen.

Freue mich auf Meinungen!
 
Andres

Andres

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Persönliche Perspektive:
Wie üblich ist bei den Vermietern hier im Forum, bei einer GmbH oder anderen Kapitalgesellschaft eine persönliche Haftung/Bürgschaft der Geschäftsführung zu fordern?
Wenn überhaupt, dann nicht die Geschäftsführung sondern die Gesellschafter. (Ok, ich vermute, dass das hier keinen Unterschied macht.) Trotzdem nicht. Wenn ich das Bedürfnis nach mehr Sicherheit habe (dazu gleich), gibt es andere Wege, und gerade bei einer relativ "schlanken" GmbH dürfte am Privatvermögen des Chefs schon die Bank ihre Finger haben - da ist für mich sowieso nicht mehr viel zu holen, wenn die Sache schief geht.

Davon abgesehen muss ich mich bei Bürgschaften als Vermieter immer fragen, wie solvent die Bürgen sind. Wenn ich also annehmen will, dass bei der GmbH nichts mehr zu holen ist, warum sollte das bei geschäftsführenden Gesellschaftern dann anders sein? Haben die noch so viele andere Projekte am laufen?

2. hat sich damit erledigt.

Gibt es sonstige Alternativen? Bspw. höhere durch den Mieter erbrachte Kaution?
Genau das. Außerhalb von Wohnraum gibt es keine gesetzlichen Beschränkungen für die Höhe der Sicherheit und dass davon erheblich Gebrauch gemacht wird, ist bei Gewerbemietverträgen ziemlich üblich. Bei einfachen Büro- oder Praxisräumen wird sich das vielleicht noch in Grenzen halten, aber spätestens sobald der Mieter größere Umbauten vornehmen darf (Veranstaltungsräume, evtl. Gastronomie, Verkaufsräume, Produktionsstätten, ...), kommt ja fast zwangsläufig die Frage auf, wer für den Rückbau haftet. Für eine örtliche Disko ist mit z.B. bekannt, dass wegen genau solcher Geschichten eine große sechsstellige Kaution vereinbart wurde, deutlich über einer Jahresmiete. Solche Beträge werden natürlich eher selten bar hinterlegt (auch bei den aktuellen Zinsen), sondern in Form einer Bankbürgschaft. Und ich kann dir garantieren, dass die Bank dafür auf das Privatvermögen der Gesellschafter durchgreifen will, aber das interessiert den Vermieter natürlich recht wenig ...

Es geht um eine niedrig 4-stellige Monatsmiete; 3 NKM Kaution;
Wie du aus dem Beispiel von eben erkennen kannst, ist die Miethöhe eine weniger relevante Größe. Es geht eher darum, was der Mieter mit der Mietsache veranstaltet, was den Vermieter vielleicht Geld kostet. Für eine Autowerkstatt, die hinter der Halle vielleicht ihr Altöl versickern lässt, habe ich ein anderes Sicherungsbedürfnis als für einen Wirtschaftsprüfer, der in seinen Kanzleiräumen auch nicht schlimmer als ein Wohnraummieter hausen kann.

Wir wollen deswegen einen konstruktiven Gegenvorschlag machen.
Nur zu, in diesen Mietverhältnissen ist praktisch alles verhandelbar. Was durchsetzbar ist, ist eine andere Frage. Bei Gewerberäumen geht immer wieder Angebot und Nachfrage noch viel stärker auseinander, als es bei Wohnraum der Fall ist, und in vielen Fällen hat eine der beiden Seiten ganz einfach keine Verhandlungsmasse. Solange ihr sicher seid, dass der Vermieter mehr auf euch angewiesen ist, als ihr auf ihn angewiesen seid, lässt sich da sicher etwas aushandeln. Nur würde ich davon abraten, ...
Wegen kürzlicher sehr (!) schlechter Miet-Erfahrung sind wir jetzt erstmal vorsichtig, wenn wir eine solche Klausel lesen.
... das hier als Grund anzuführen. Jammern über den "Ex" während der Anbahnung ist bei mir ein Alarmsignal, und zwar in allen Lebenslagen. ;)
 
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