Handwerkerkosten absetzen, ohne Meldung in der Immobilie

Diskutiere Handwerkerkosten absetzen, ohne Meldung in der Immobilie im Steuer - Vermietung und Verpachtung Forum im Bereich Finanzen; Hallo Zusammen, ich habe im Sommer letzten Jahres eine Eigentumswohnung erworben. Diese befand sich zu dem Zeitpunkt in einem Rohbau (entkernter...

  1. Chader

    Chader Neuer Benutzer

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    Hallo Zusammen,

    ich habe im Sommer letzten Jahres eine Eigentumswohnung erworben. Diese befand sich zu dem Zeitpunkt in einem Rohbau (entkernter Zustand). Das meiste wurde in Eigenregie saniert, aber natürlich sind auch Arbeiten angefallen die an Handwerker vergeben worden sind.
    Die Wohnung soll für den Eigenbedarf genutzt werden. Da ich während der Sanierung noch in der alten Wohnung gewohnt habe, war ich in der neuen noch nicht gemeldet. Nun wurde mir gesagt das Handwerkerrechnung erst abgesetzt werden können, wenn man zu dem Zeitpunkt schon in der Immobilie gemeldet war.
    Anhand einer Internetsuche bin ich aber zu einem anderen Ergebniss gekommen.
    Stimmt es das ich die Kosten nicht absetzen kann, oder liege ich da falsch ?

    Vielen Dank im Vorraus

    LG Sebastian
     
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  3. Andres

    Andres
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    Du darfst gerne Quellen nennen. Ist immer interessant ...

    Ich fange mal an: § 35a EStG. Dort heißt es in Absatz 3:

    "Für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer, vermindert um die sonstigen Steuerermäßigungen, auf Antrag um 20 Prozent der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um 1 200 Euro. Dies gilt nicht für öffentlich geförderte Maßnahmen, für die zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse in Anspruch genommen werden."

    Das ist das, was du gerne tun würdest. Dann heißt es weiter in Absatz 4:

    "Die Steuerermäßigung nach den Absätzen 1 bis 3 kann nur in Anspruch genommen werden, wenn das Beschäftigungsverhältnis, die Dienstleistung oder die Handwerkerleistung in einem in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum liegenden Haushalt des Steuerpflichtigen oder – bei Pflege- und Betreuungsleistungen – der gepflegten oder betreuten Person ausgeübt oder erbracht wird. [...]"

    Und das ist eigentlich selbsterklärend: Wo man aktuell nicht wohnt, hat man keinen Haushalt, also auch keine Steuererleichterung. Die Meldeadresse hätte übrigens auch bestenfalls den Anschein erweckt, dass man dort einen Haushalt führt - eigentlich kommt es aber auf die tatsächlichen Verhältnisse an.

    Rund um dieses "im Haushalt" gibt es immer wieder Streitigkeiten, aber das hier halte ich für einen eindeutigen Fall.
     
  4. Chader

    Chader Neuer Benutzer

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    Hey,
    Danke für deine Antwort. Es geht eigentlich um einen Artikel bei Focus.

    Dort heißt es nämlich :“ Wenn Sie Eigentümer sind, fallen auch Arbeiten, die vor Ihrem geplanten Einzug in eine bereits bestehende Immobilie erfolgen, unter dieses Gesetz, und Sie können die Kosten dafür steuerlich geltend machen.„

    Das hatte mich stutzig gemacht.

    Gruß Sebastian
     
  5. jorgk

    jorgk Erfahrener Benutzer

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    Oh - welch "Vergnügen" mal @Andres korrigieren zu dürfen [Ironie !].

    Also, einfach mal nach diesem BMF Rundschreiben schauen (IV C 8 - S 2296-b/07/10003 :008 bzw. 2016/1021450), dort in Randnote (?) 3 lesen.
    Zitat: "Der Begriff „im Haushalt“ ist nicht in jedem Fall mit „tatsächlichem Bewohnen“ gleichzusetzen. Beabsichtigt der Steuerpflichtige umzuziehen und hat er für diesen Zweck bereits eine Wohnung oder ein Haus gemietet oder gekauft, gehört auch diese Wohnung oder dieses Haus zu seinem Haushalt, wenn er tatsächlich dorthin umzieht."

    Leider sagt der Text dann nur was zum bisherigen Haushalt - aber der Satz oben liesse sicherlich auch den neuen Haushalt zu.
     
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  6. Andres

    Andres
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    Danke, und ich freue mich auch (ohne Ironie). Erstens weil ich auch gerne dazu lerne, zweitens weil's @Chader weiterhilft und drittens weil mir die praktischen Einschränkungen von § 35a EStG ziemlich auf den Zeiger gehen. Entweder gibt es für diesen steuerlichen "Bonus" in einem Bereich, der eigentlich Privatvergnügen ist, einen vernünftigen Grund (das wäre die Bekämpfung von Schwarzarbeit) oder eben nicht. Dann eine Diskussion anzufangen, ob Arbeiten am Kanalanschluss noch "im Haushalt" sind, ist einfach nur albern.
     
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  7. #6 taxpert, 16.05.2019
    Zuletzt bearbeitet: 16.05.2019
    taxpert

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    Nein, das ist nicht albern, sondern liegt daran, dass der Gesetzgeber hier neue, unbestimmte Rechtsbegriffe in der Formulierung gewählt hat! So war der Begriff "Haushalt" steuerrechtlich bisher nicht definiert. Das BMF hätte sich jederzeit auf die Rechtsprechung zu "eigenen Wohnzwecken" zurückziehen können. Es hat aber die Rechtsentwicklung hierzu von §7b EStG über §10e EStG hin zur EigZul bereits konsequent weitergeführt und hat den Begriff des Haushaltes in Rz. des BMF-Schreibens zu Gunsten des Stpfl. nochmals deutlich weiter gefasst! Nur dadurch kommt ja @Chader überhaupt in den Genuss, dass man für zwei Wohnungen/Häuser nebeneinander §35a EStG geltend machen kann! Dabei muss @Chader auch folgendes beachten:
    Die Handwerkerrechnungen sollte daher tendenziell eher aus der Endphase der Renovierung stammen!

    Des Weiteren ist der Begriff "IN einem Haushalt" steuerlich nicht definiert. Da es ausdrücklich nicht heißt "FÜR einen Haushalt" impliziert das Ganze einen eher räumlichen als sachlichen Zusammenhang! Wo ist jetzt deines Erachtens nach eben diese räumliche Grenze zu setzen, wenn Du nicht auf die Grundstücksgrenze abstellen willst? Natürlich kann das zu dies zu kuriosen Ergebnissen führen, wie jede "Grenze" zu unglücklichen Ergebnissen führen kann! Nimm die Renovierung von Zimmertüren (Schleifen und Streichen)! Nimmt der Malermeister die Türen mit den Betrieb, um sie professionell in der Spritzkabine zu bearbeiten, dann findet die Leistung nicht mehr im Haushalt statt und ist nicht begünstigt! Das Schleifen und Streichen der Türzargen dagegen ist weiterhin begünstigt, denn die werden ja nicht ausgebaut und daher im Haushalt bearbeitet!

    Auch hinsichtlich des Umfangs der Arbeiten ist das BMF-Schreiben sehr Stpfl-freundlich und führt den Gesetzestext zum ad absurdum. Dort heißt es:
    Folgerichtig sagt das BMF-Schreiben in Rz. 21:
    ... um diese Aussage im nächsten Satz zu konterkarieren ...
    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Anstatt auf die steuerliche Definition der Anschaffungs-/Herstellungskosten nach R6.2 EStR bzw. R6.3 EStH abzustellen, wird ohne Not auf den Beginn der AfA abgestellt, so dass noch umfangreiche Herstellungskosten begünstigt werden, die nach dem reinen Gesetzestext gar nicht begünstigt sein dürfen!

    Insgesamt ist das BMF-Schreiben daher sehr Stpfl-freundlich, so dass ich deine "Schelte" zwar grundsätzlich nachvollziehen kann, sachlich jedoch für unzutreffend halte!

    taxpert
     
  8. Chader

    Chader Neuer Benutzer

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    Erst einmal danke für eure Antworten. Wenn ich das jetzt richtig sehe, handelt es sich um eine sehr schwammige Lage .
    Es wäre ja wirklich schlecht wenn man bei einem solchen Unterfangen einige Handwerkerleistungen in Anspruch nimmt, die ja auch alle nicht unbedingt günstig waren, und kann am Ende davon nichts gelten machen.
    Auch ist es ja nicht möglich in einen „Rohbau“ zu ziehen, nur um es als Haushalt zu führen.
    Also sollte man die Maßnahmen angeben und auf das gut wollen des Finanzamtes hoffen ?

    Liebe grüsse Sebastian
     
  9. #8 taxpert, 17.05.2019
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    Eigentlich nicht! Das Einzige, was im vorliegenden Fall "unsicher" ist, ist die Formulierung "enger zeitlicher Zusammenhang", da dieser nicht genau definiert ist!

    Die von @Andres angeführten
    betreffen eher den räumlichen Zusammenhang, der bei der Wohnungsrenovierung eher nicht zutreffen dürfte!

    Ich für meinen Teil gehe davon aus, dass wenn bei Erklärungsabgabe bereits die neue Wohnung bezogen wurde, niemand in den Meldedaten Bund nachschaut, wann die Ummeldung erfolgte! Bei geschicktem Timing der Arbeiten kann man natürlich den Jahreswechsel dazu ausnutzen sowohl im alten, als auch im neuen Jahr die Begünstigung des §35a EStG voll auszunutzen!

    taxpert
     
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  10. Chader

    Chader Neuer Benutzer

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    Ah ok. Dann weiß ich Bescheid.
    Danke für Eure Erklärungen und Eure Hilfe.

    Gruß
    Sebastian
     
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