Handwerkerleistungen, Erhaltsungsaufwand?

Diskutiere Handwerkerleistungen, Erhaltsungsaufwand? im Steuer - Vermietung und Verpachtung Forum im Bereich Finanzen; Guten Abend, ich versuche mich gerade das erste Mal an einer Steuererklärung mit Anlage V :hut001: Gerade noch alles ziemlich abenteuerlich. ^^...

Stilleswasser

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Guten Abend,

ich versuche mich gerade das erste Mal an einer Steuererklärung mit Anlage V :hut001:
Gerade noch alles ziemlich abenteuerlich. ^^

Was ich aber bereits gelernt habe ist, dass man Werbungskosten die im Verlauf der Vermietung anfallen, absetzen kann.
Darunter fallen dann wohl auch so Sachen, wie die Verwaltergebühren oder Reparaturen.
Wobei da anscheinend zu unterscheiden ist zwischen Erhaltungsmaßnahmen und Herstellkosten.
Wenn nur etwas repariert wird, dann sind es Erhaltungsmaßnahmen. Wenn der Zustand aber durch die Arbeiten verbessert wird, dann sind es Herstellkosten?
Der Unterschied ist, dass man Erhaltungsmaßnahmen sofort absetzen kann und Herstellkosten über Jahre abschreiben muss.

Ist das richtig soweit?:lesen

Jetzt hänge ich an den Reparaturen.
In der Hausgeldabrechnung ist zum Beispiel aufgeführt:

Balkonsanierung 3455,56 (Ihr Umlageanteil 850,07€)
Reparatur Blechdach 8473,47€ (Ihr Umlageanteil 2084,47€).

Das wären zusammen schon 2.934€ Werbungskosten. Und meinem Verständnis nach sind das Erhaltungsmaßnahmen, da der Zustand danach nicht besser ist als vorher. Bzw der Balkon sieht danach hübscher aus, aber nur weil er zuvor total am Arsch war. Jetzt hat er wieder den Zustand wie anfangs, somit Erhaltung?

Jedenfalls schickt der Hausverwalter auch eine Bescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt mit.
Darin sind dann über den Anteil der nach §35a EStG begünstigten Aufwendungen am Wohngeld (nichtumlagefähige Kosten) aufgeführt.
Unter dem Punkt handwerkliche Tätigkeiten durch selbstständiges Unternehmen sind das für dieses Jahr 2012,58€.

Kann ich nun nur diese 2012€ als Werbungskosten ansetzen oder die tatsächlich angefallenen 2934 von oben€?
Woher könnte die Differenz stammen? Da hört mein Verständnis auf.
Theoretisch muss doch bei Vermietung Arbeitszeit UND Material abgesetzt werden können oder?
 

ehrenwertes Haus

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ich versuche mich gerade das erste Mal an einer Steuererklärung mit Anlage V :hut001:
Gerade noch alles ziemlich abenteuerlich. ^^
Die erste Steuererklärung als VM, lass das besser von einem Steuerberater machen.
Ein Hexenwerk ist das nicht, mit einer korrekten Vorlage vom StB geht das aber viel leichter.
Der StB ist dann auch gleich der richtige Ansprechpartner, wenn es um (planbare) größere Maßnahmen geht, wie diese steuerlich am günstigsten zu behandeln sind.
 
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Das wären zusammen schon 2.934€ Werbungskosten. Und meinem Verständnis nach sind das Erhaltungsmaßnahmen, da der Zustand danach nicht besser ist als vorher. Bzw der Balkon sieht danach hübscher aus, aber nur weil er zuvor total am Arsch war. Jetzt hat er wieder den Zustand wie anfangs, somit Erhaltung?

Meines Erachtens sofort abzugsfähige Erhaltungsaufwendungen. Wenn es Dir steuerlich besser passt kannst Du die Kosten auch auf bis zu 5 Jahre verteilen

Jedenfalls schickt der Hausverwalter auch eine Bescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt mit.
Darin sind dann über den Anteil der nach §35a EStG begünstigten Aufwendungen am Wohngeld (nichtumlagefähige Kosten) aufgeführt.
Unter dem Punkt handwerkliche Tätigkeiten durch selbstständiges Unternehmen sind das für dieses Jahr 2012,58€.

Diese Bescheinigung ist für Dich als Vermieter uninteressant, die ist für die selbstbewohnenden Eigentümer gedacht!

Woher könnte die Differenz stammen? Da hört mein Verständnis auf.

Dass nach § 35a EStG nur die Lohnkosten angesetzt werden dürfen, als Vermieter stellen natürlich die gesamten Aufwendungen Werbungskosten dar.
 

Stilleswasser

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Ahhh plötzlich macht es klick.
Dass bei Eigennutzung nur die Arbeitszeit veranlagt werden darf und bei Vermietung auch das Material wusste ich.
Nur die Brücke hierzu hab ich irgendwie nicht schlagen können.

Also kann ich die vollen Reparaturkosten aus der Hausgeldabrechnung ansetzen.

Die Sache ist so, dass die Wohnung vorher unserer Großmutter gehörte, welche nun verstorben ist.
Diese hat die Wohnung selber bewohnt, nur die letzten 3 Jahre wurde sie vermietet, da Oma dann in die Pflege kam.

Eine Steuererklärung hat sie dazu nie gemacht, das mache ich jetzt nach.
Steuernachzahlung gibt es eh keine, da die Heimkosten als außergewöhnliche Belastungen angesetzt werden können und die Mieteinnahmen bei Weitem übersteigen.

Jetzt wäre nur fraglich, ob es Sinn machen würde wie du sagst die Erhaltungsaufwendungen auf 5 Jahre zu strecken. Dann könnten wir als neue Eigentümer jetzt zumindest noch teilweise steuerlich davon profitieren.

Nur mal als Beispiel:

Wenn 2018 Reparaturkosten von 2000€ angefallen sind, könnte man 2018-2022 jeweils 400€ steuermindernd abschreiben.
In die Zukunft könnte man so eine Abschreibung aber nicht verschieben oder?

Quasi dass die Kosten 2018 angefallen sind aber man schreibt sie 2022-2027 ab? :p
Wohl eher nicht, oder?


Edit: Umlagefähige haushaltsnahe Dienstleistungen werden vom Mieter bezahlt und ergo auch vom Mieter in die Steuererklärung eingebracht. Der Vermieter kann hier nichts ansetzen, richtig?
 
immobiliensammler

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Edit: Umlagefähige haushaltsnahe Dienstleistungen werden vom Mieter bezahlt und ergo auch vom Mieter in die Steuererklärung eingebracht. Der Vermieter kann hier nichts ansetzen, richtig?

M.E. richtig!

Eine Steuererklärung hat sie dazu nie gemacht, das mache ich jetzt nach.
Jetzt wäre nur fraglich, ob es Sinn machen würde wie du sagst die Erhaltungsaufwendungen auf 5 Jahre zu strecken. Dann könnten wir als neue Eigentümer jetzt zumindest noch teilweise steuerlich davon profitieren.

Verstehe ich das so richtig: Die Steuererklärung für 2018 (ist das Jahr, in dem die Erhaltungsaufwendungen angefallen sind) hätte noch Deine Großmutter abgeben müssen? Dann müsste für den nicht verbrauchten Teil der Erhaltungsaufwendungen (für die Jahre nach dem Eigentumsübergang sprich der Erbschaft) auch die Fußstapfentheorie gelten, ob das so ist weiß icht nicht. @taxpert wird uns hier wohl aufschlauen können.

Wenn 2018 Reparaturkosten von 2000€ angefallen sind, könnte man 2018-2022 jeweils 400€ steuermindernd abschreiben.
In die Zukunft könnte man so eine Abschreibung aber nicht verschieben oder?

Definitiv nein!
 

Stilleswasser

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Ja genau, 2018 hätte theoretisch die Großmutter die Steuererklärung abgeben müssen, hat sie aber nicht gemacht.
Habe schon recherchiert und gelesen, dass Erben die vorgenommene Verteilung von Erhaltungsaufwendungen einfach fortsetzen können. Fraglich ist aber wie das ist, wenn diese Verteilung dem Finanzamt ursprünglich nie mitgeteilt bzw die Verteilung noch nie beantragt wurde.

Gibt es eigentlich eine Untergrenze für Verteilung von Aufwendungen? Habe nur gelesen dass wenn sie einen gewissen Betrag übersteigen, sie über mehrere Jahre abgeschrieben werden müssen. Kann ich andersrum zb auch nur 200€ Erhaltungsaufwendungen über 5 Jahre strecken? Würde ja eigentlich kaum Sinn machen, in unserem Fall aber schon, da unsere Großmutter diese Abschreibungen nie ausgeschöpft hat und wir so immerhin noch ein bisschen davon profitieren können.
 

Stilleswasser

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Noch eine weitere Frage, interessiert mich gerade alles ziemlich :hut032:
Wenn ich mich einmal in ein Thema reinfuchse mag ich alles verstehen

In der Hausgeldabrechnung ist auch der Posten Zinsbelastung/Bankaufwendungen. Also vermutlich Kosten für Konto der Instandhaltungsrücklage oder ähnliches. Kann ich den Punkt auch als Werbungskosten in Abzug bringen?

Und dann noch eine Frage zu Gemeinschaftseigentum/Sondereigentum.
In einer Abrechnung wird die Sanierung einer Türe am Carport einer Mietpartei aufgeführt. Scharniere nachgestellt, Türe gangbar gemacht usw. Das zahlt die WEG gemeinschaftlich, obwohl es das Carport von Eigentümer X betrifft.

Wir haben eine Garage, da läuft das Tor recht schwer. Könnte ich das dann auch Warten/Auffrischen lassen und der WEG gemeinschaftlich in Rechnung stellen? Wenn die Türe am Carport Gemeinschaftseigentum ist dann müsste das Garagentor dies ja ebenfalls sein?
 
taxpert

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Edit: Umlagefähige haushaltsnahe Dienstleistungen werden vom Mieter bezahlt und ergo auch vom Mieter in die Steuererklärung eingebracht. Der Vermieter kann hier nichts ansetzen, richtig?
Der Eigentümer der vermieteten Wohnung kann diese Kosten aus zwei Gründen nicht im Rahmen des §35a EStG ansetzen:
1. Die betroffene Wohnung gehört nicht zu seinem Haushalt!
2. Die Kosten stellen Wk bei V+V dar!

Dann müsste für den nicht verbrauchten Teil der Erhaltungsaufwendungen (für die Jahre nach dem Eigentumsübergang sprich der Erbschaft) auch die Fußstapfentheorie gelten, ob das so ist weiß icht nicht.
Dann könnten wir als neue Eigentümer jetzt zumindest noch teilweise steuerlich davon profitieren.
Habe schon recherchiert und gelesen, dass Erben die vorgenommene Verteilung von Erhaltungsaufwendungen einfach fortsetzen können.
in unserem Fall aber schon, da unsere Großmutter diese Abschreibungen nie ausgeschöpft hat und wir so immerhin noch ein bisschen davon profitieren können.

Das sieht der BFH leider anders, BFH vom 10.11.2020, AZ.: IX R 31/19. Die Kosten können ausschließlich für Steuererklärungen für die verstorbene Großmutter geltend gemacht werden.

Habe nur gelesen dass wenn sie einen gewissen Betrag übersteigen, sie über mehrere Jahre abgeschrieben werden müssen.
Unsinn, außer innerhalb der ersten drei Jahre nach Anschaffung (Erbe ist KEINE Anschaffung!), §6 Abs.1 Nr.1a EStG.

taxpert
 

braut

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Der Eigentümer der vermieteten Wohnung kann diese Kosten aus zwei Gründen nicht im Rahmen des §35a EStG ansetzen:
1. Die betroffene Wohnung gehört nicht zu seinem Haushalt!
2. Die Kosten stellen Wk bei V+V dar!
Danke - nochmals für das Verständnis:

1. Reparaturen (also explizit keine Wartung oder Modernisierung) muss der Eigentümer bezahlen und darf sie nicht umlegen.
2. Reparaturen kann er in Anlage V geltend machen und absetzen
3. Handwerkerleistungen kann der Vermieter nicht nochmals absetzen, weil sie nicht in der eigenen, sondern einer vermieteten Wohnung erfolgten.
4. Der Mieter darf aber die Handwerkerleistungen absetzen, obwohl er sie nicht selbst bezahlt hat.

Habe ich das so richtig zusammengefasst? 3 kann ich halbwegs nachvollziehen, weil es ein Doppelt-Abzug gegenüber 2 wäre. Aber warum ist 4 als Doppelabzug gegenüber 2 zulässig? Denn wenn die Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen zur Vermeidung von Schwarzarbeit gefördert werden soll, dann würde ich auch erwarten, dass statt des Mieters der zahlende Eigentümer davon profitieren sollte.
 
immobiliensammler

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1. Reparaturen (also explizit keine Wartung oder Modernisierung) muss der Eigentümer bezahlen und darf sie nicht umlegen.
2. Reparaturen kann er in Anlage V geltend machen und absetzen
3. Handwerkerleistungen kann der Vermieter nicht nochmals absetzen, weil sie nicht in der eigenen, sondern einer vermieteten Wohnung erfolgten.
4. Der Mieter darf aber die Handwerkerleistungen absetzen, obwohl er sie nicht selbst bezahlt hat.

Habe ich das so richtig zusammengefasst?

Nein!
 
Andres

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4. Der Mieter darf aber die Handwerkerleistungen absetzen, obwohl er sie nicht selbst bezahlt hat.
Nein, der Mieter darf sie nur ansetzen, falls er sie bezahlt hat. Das könnte passieren, wenn die Betriebskosten auch haushaltsnahe Dienstleistungen umfassen.

Aber warum ist 4 als Doppelabzug gegenüber 2 zulässig?
Im konkreten Fall stellt sich die Frage ja nicht, aber für die Fälle, in denen das relevant ist: Der Vermieter zieht die Ausgaben zwar als Werbungskosten ab, erhält aber im Gegenzug Betriebskostenzahlungen vom Mieter. Dieser Abzug führt also nur dazu, dass der Vermieter real entstandene Kosten steuerfrei durchreichen kann. Der Einzige, der wirklich steuerlich entlastet wird, um den bereits genannten Anreiz gegen Schwarzarbeit zu setzen, ist damit der Mieter. Ob das in der Praxis wirklich so ein Anreiz ist, möchte ich auch bezweifeln.

Dass Kosten, die weiter oben in der Wertschöpfung schon einmal Werbungskosten waren, weiter unter noch einmal Werbungskosten sind, ist kein Doppelabzug. Und sollte jemandem die Konstruktion eines "echten" Doppelabzugs gelingen (also z.B. den behindertengerechten Umbau des Eigenheims sowohl als außergewöhnliche Belastung als auch als Handwerkerleistung ansetzen zu wollen), so wäre das ausdrücklich ausgeschlossen, § 35a Abs. 5 EStG.
 

braut

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Nein, der Mieter darf sie nur ansetzen, falls er sie bezahlt hat. Das könnte passieren, wenn die Betriebskosten auch haushaltsnahe Dienstleistungen umfassen.
Ah, danke - hilfreich wie immer.

Die Verwaltung hier listet leider nur die Handwerkerleistungen insgesamt auf (incl. Hausmeister, Reinigung etc), differenziert aber nicht nach umlagefähigen Wartungskosten (wo der Mieter diese eigentlich absetzen könnte?).

Im konkreten Fall stellt sich die Frage ja nicht, aber für die Fälle, in denen das relevant ist: Der Vermieter zieht die Ausgaben zwar als Werbungskosten ab, erhält aber im Gegenzug Betriebskostenzahlungen vom Mieter. Dieser Abzug führt also nur dazu, dass der Vermieter real entstandene Kosten steuerfrei durchreichen kann.

Welchen Unterschied macht s, dass du hier Betriebskostenzahlungen betonst? Gilt das nicht genauso für die ganze Bruttomiete?

Der Einzige, der wirklich steuerlich entlastet wird, um den bereits genannten Anreiz gegen Schwarzarbeit zu setzen, ist damit der Mieter. Ob das in der Praxis wirklich so ein Anreiz ist, möchte ich auch bezweifeln.
Hm, das ist für mich nicht nachvollziehbar. Dem Mieter ist doch völlig egal, ob der Handwerker schwarz oder korrekt arbeitet, solange seine Mietsache in Ordnung ist.
 
Andres

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Die Verwaltung hier listet leider nur die Handwerkerleistungen insgesamt auf (incl. Hausmeister, Reinigung etc)
Hausmeister und Reinigung sind keine Handwerkerleistungen nach § 35a Abs. 3 EStG. Das sind haushaltsnahe Dienstleistungen, Abs. 2 a.a.O.

differenziert aber nicht nach umlagefähigen Wartungskosten (wo der Mieter diese eigentlich absetzen könnte?).
So unbefriedigend es sein mag: Der Mieter hat keinen Anspruch darauf, dass das ausgewiesen wird.

Welchen Unterschied macht s, dass du hier Betriebskostenzahlungen betonst? Gilt das nicht genauso für die ganze Bruttomiete?
Wenn ich nur "Miete" schreibe, kommt wieder die Fraktion, die die Betriebskostenvorauszahlung nicht in ihrer Steuererklärung angibt und dann ganz entgeistert fragt, ob man die Kosten für den Hausmeister wirklich als Werbungskosten ansetzen darf ...

Aber völlig richtig: Für den ganzen Rest der Miete stellt sich die Sache aus Vermieterperspektive genau gleich dar.

Dem Mieter ist doch völlig egal, ob der Handwerker schwarz oder korrekt arbeitet, solange seine Mietsache in Ordnung ist.
Dem Mieter ist das in dem Moment nicht mehr egal, in dem er selbst einen finanziellen Vorteil hat, nämlich seine Steuerbelastung senken kann, weil der Vermieter in der Betriebskostenabrechnung ausweist, was der Verwalter seinerseits in der WEG-Abrechnung ausgewiesen hat. So zumindest in der Theorie, denn in der Praxis gibt es jede Menge Leute, die überhaupt keine Steuererklärung abgeben, egal wie vorteilhaft das wäre, und vermutlich noch viel mehr, denen es schlicht zu blöd wäre, bei ihrem Vermieter nachzufragen, ob er nicht die Betriebskostenabrechnung so gestalten kann, dass ein Ansatz nach § 35a EStG möglich ist. Denen ist es dann natürlich egal.
 
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Dem Mieter ist das in dem Moment nicht mehr egal, in dem er selbst einen finanziellen Vorteil hat, nämlich seine Steuerbelastung senken kann, weil der Vermieter in der Betriebskostenabrechnung ausweist, was der Verwalter seinerseits in der WEG-Abrechnung ausgewiesen hat.
Wer das entsprechende BMF-Schreiben mal genau liest, wird feststellen, dass die Verwaltung bzw. der Vermieter letztendlich die Verantwortung für eine korrekte Abrechnung im Hinblick auf §35a EStG mit dem Mieter trägt!

BMF-Schreiben vom 09.11.2016, Rz. 27
Auch der Mieter einer Wohnung kann die Steuerermäßigung nach § 35a EStG beanspruchen, wenn die von ihm zu zahlenden Nebenkosten Beträge umfassen, die für ein haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis, für haushaltsnahe Dienstleistungen oder für handwerkliche Tätigkeiten geschuldet werden und sein Anteil an den vom Vermieter unbar gezahlten Aufwendungen entweder aus der Jahresabrechnung hervorgeht oder durch eine Bescheinigung (vgl. Rdnr. 26 und Anlage 2) des Vermieters oder seines Verwalters nachgewiesen wird.
taxpert
 
Andres

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"Beanspruchen" lese ich in diesem Kontext aber nur als steuerlichen Anspruch, nicht als zivilrechtlichen Anspruch des Mieters gegen seinen Vermieter oder den Verwalter. Die naheliegende Anschlussfrage wäre dann: Wenn weder der Vermieter noch der Verwalter die entsprechenden Kosten bescheinigt, aber in den Abrechnungsunterlagen entsprechende Vermerke auf Rechnungen stehen (worauf der Mieter ja Zugriff hat!), dürfte der Mieter die abziehbaren Kosten dann auch selbst ermitteln?
 

Stilleswasser

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Habe ich das richtig verstanden?
2019 sind der inzwischen verstorbenen Großmutter Handwerkerleistungen in Rechnung gestellt worden.
Diese ließen sich als Erhaltungsaufwendung auf 5 Jahre aufteilen/abschreiben.

Die Erben können dies im Jahr 2021 aber nicht ansetzen, da die Kosten der Großmutter entstanden sind und diese daher auch nur auf ihre Einkommensteuererklärung verwendet werden dürfen?

Aber Erben sind doch die Rechtsnachfolger des Erblassers?
Vermögen, Verbindlichkeiten werden da doch ansonsten auch 1:1 übernommen
 
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Aber Erben sind doch die Rechtsnachfolger des Erblassers?
Vermögen, Verbindlichkeiten werden da doch ansonsten auch 1:1 übernommen
Aus der Aufteilung nach §82b EStDV resultiert aber weder ein Vermögensgegenstand in Form einer Forderung gegenüber dem FA, noch in Form einer Verbindlichkeit, die der Erbe statt des Erblassers zu tragen hat. Deswegen werden noch nicht in Anspruch genommene Teile vollständig im Jahr des Todes bei der ESt des Erblassers angesetzt.

BFH vom 10.11.2020, AZ.: IX R 31/19, hier Rz. 18 - 20
  • b) § 82b Abs. 1 EStDV hat zum Zweck, dem Steuerpflichtigen eine bessere Ausnutzung seiner Tarifprogression zu ermöglichen, indem er seine Erhaltungsaufwendungen interperiodisch besser verteilen kann (vgl. dazu Senatsurteil in BFH/NV 2018, 824, Rz 33; Schmidt/Kulosa, EStG, 39. Aufl., § 21 Rz 126; BTDrucks 3/1811, S. 13). Der Zweck dieser Regelung geht jedoch ins Leere, wenn infolge des Versterbens des Steuerpflichtigen eine weitere Ausnutzung seiner Tarifprogression nicht möglich ist. Mit dem Tod des Steuerpflichtigen endet die auf ihn als natürliche Person und Steuersubjekt bezogene Einkünfteerzielung. Eine weitere Berücksichtigung der nach § 82b Abs. 1 EStDV verteilten und noch nicht berücksichtigten Aufwendungen ist bei ihm nicht mehr möglich.
  • In der als Personensteuer ausgestalteten Einkommensteuer ist nur der Steuerpflichtige, der die Aufwendungen getragen hat, nach § 2 Abs. 1 EStG Zurechnungssubjekt der von ihm erzielten Einkünfte (a.A. Kister in Herrmann/Heuer/Raupach, § 11 EStG Rz 160). Der bislang nicht berücksichtigte Teil der Aufwendungen kann daher nur im Veranlagungszeitraum des Versterbens berücksichtigt werden. Ansonsten kann die beim Steuerpflichtigen mit dem Abfluss der Aufwendungen erfolgte Minderung seiner steuerlichen Leistungsfähigkeit nicht im Rahmen der ihn betreffenden Steuerveranlagungen abgebildet werden. Verstirbt der Steuerpflichtige innerhalb des Verteilungszeitraums nach § 82b EStDV, ist daher der noch nicht berücksichtigte Teil der Erhaltungsaufwendungen im Veranlagungszeitraum seines Versterbens als Werbungskosten abzusetzen.
  • c) Die steuerliche Situation ist im Todesfall vergleichbar mit den übrigen ausdrücklich in § 82b Abs. 2 EStDV genannten Fällen. Nach § 82b Abs. 2 Satz 1 EStDV ist der noch nicht berücksichtigte Teil des Erhaltungsaufwands im Jahr der Veräußerung des Gebäudes als Werbungskosten abzusetzen. Gleiches gilt, wenn ein Gebäude in ein Betriebsvermögen eingebracht oder nicht mehr zur Einkunftserzielung genutzt wird (§ 82 Abs. 2 Satz 2 EStDV). § 82 Abs. 2 EStDV geht mithin davon aus, dass vom Veranlagungszeitraum der Veräußerung, der Einbringung in ein Betriebsvermögen oder des Wegfalls der Nutzung des Gebäudes zur Einkunftserzielung (z.B. wegen Selbstnutzung) an die weitere Berücksichtigung der nach § 82b Abs. 1 EStDV verteilten und noch nicht berücksichtigten Aufwendungen nicht mehr möglich ist (für den Fall der Veräußerung vgl. BFH-Urteil vom 07.08.1990 - VIII R 223/85, BFH/NV 1991, 294, unter 1.e, Rz 28). Allen diesen Fällen ist gemeinsam, dass eine Erzielung von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung anschließend in der Person des Steuerpflichtigen nicht mehr möglich ist (vgl. den Abzug bejahend für den Fall des Wegfalls der Nutzungswertbesteuerung das Senatsurteil vom 24.11.1992 - IX R 138/89, BFHE 170, 316, BStBl II 1993, 432).

taxpert
 

Stilleswasser

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Okay danke, wenn ich das also richtig verstehe können die Erben die aus den Erhaltungsmaßnahmen generierten Werbungskosten für sich selbst nicht in Abzug bringen, sie können aber für die Steuererklärung des Erblassers im Jahr des Todesfalls die restlichen auf mehrere Jahre aufgeteilten Werbungskosten aus Erhaltungsaufwendungen nun komplett ansetzen - in der Steuererklärung des Erblassers?
 
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immobiliensammler

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Okay, wenn ich das richtig verstehe können die Erben die aus den Erhaltungsmaßnahmen generierten Werbungskosten für sich selbst nicht in Abzug bringen, sie können aber für die Steuererklärung des Erblassers im Jahr des Todesfalls die restlichen auf mehrere Jahre aufgeteilten Werbungskosten aus Erhaltungsaufwendungen nun komplett ansetzen - in der Steuererklärung des Erblassers?

So habe ich das auch verstanden, nämlich dann wenn die Großmutter im Jahr 2018 die Aufwendungen auf bis zu 5 Jahre verteilt hätte. Hier hat sie aber in 2018 wohl gar nichts angegeben, also vom Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht. Ich denke nicht, dass hier ihr für 2018 noch nachträglich eine Steuererklärung für die verstorbene Großmutter abgeben könnt.
 

Stilleswasser

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Ich denke das dürfte kein Problem sein, das Finanzamt ist schließlich sicherlich dran interessiert dass die Steuererklärung noch gemacht wird oder? Ich hab das halt so verstanden, dass wir Erben die Werbungskosten die unserer Großmutter in Form von Erhaltungsaufwendungen entstanden sind nun nichtmehr für unsere Anlage V in den Jahren 2021 und 2022 verwenden können, sondern nur bis zum Erbfall und nur für die Steuererklärung der Erblasserin - nicht für unsere?
 
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