Hilfe bei der Lebenskrise der Schwiegereltern

Diskutiere Hilfe bei der Lebenskrise der Schwiegereltern im Immobilien - Erwerb/Veräußerung im Inland Forum im Bereich Immobilien Forum; Hallo liebe Vermieter-Forum Gemeinde, ich habe bereits seit längerem in diesem Forum so einige interessante Beiträge gelesen und ich muss...

  1. #1 Buddha20, 07.03.2019
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    Hallo liebe Vermieter-Forum Gemeinde,



    ich habe bereits seit längerem in diesem Forum so einige interessante Beiträge gelesen und ich muss sagen, dass ich mir mittlerweile lieber ein paar neue Beiträge abends vorm Schlafengehen durchlese anstatt irgendein Buch. Jetzt habe ich ein aktuell interessantes Thema, welches mich schon seit längerem beschäftigt und ich unbedingt mal meine Gedanken aufschrieben muss, um den Kopf frei zubekommen. Zu meinem Problem:

    Meine Schwiegereltern besitzen eine Eigentumswohnung in München aus dem Baujahr 1974 mit ca. 85 qm Wohnfläche. Auf der ETW sind noch ca. 250 t€ Restschulden drauf (Blödes Konstrukt über Bausparvertäge, sorry meine persönliche Meinung). Vor gut einem halben Jahr wurde bei meinem Schwiegervater Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt. Seitdem geht es wie soll man sagen immer weiter bergab und ich befürchte, dass er das Jahr 2019 nicht mehr überleben wird. Mittlerweile ist mein Schwiegervater auch in der Erwerbsminderungsrente und wie soll es anders sein kamen bei unserem letzten Treffen auch die Frage auf, ob die Kreditrate bei seinem Ableben von der Schwiegermutter weiterhin gezahlt werden kann. Die Antwort lautet ja, aber nur noch bis 2025, da ab dem Jahr meine Schwiegermutter in Rente geht und die Rente nicht dafür ausreichen wird.

    Da meine Frau und ich selber im Jahr 2015 ein Mietshaus mit 2 Wohneinheiten gebaut haben (im Umland von München, eher ländlich) und uns mit dem Thema „Vermietung“ schon seit Jahren beschäftigen sind wir nach vielen hin und her rechnen, ob die Rente reichen wird, auf die Idee gekommen die ETW evtl. zu übernehmen und dann meine Schwiegermutter als Mieterin einzusetzen. Da meine Frau noch einen Bruder hat, möchten wir auch durch die Übernahme der ETW ihn in der Erbfolge nicht übergehen und eine adäquate Abfindung zahlen. Hierbei haben wir schon mit dem Bruder gesprochen und er hat uns sein Okay dazu gegeben, da er auch gerade gerne bauen möchte und so das Geld gut gebrauchen kann.

    Frage an Euch: Habt Ihr eine bessere Idee, wie man in solche einem Fall vorgehen soll?? Folgende Kennzahlen: Objektwert ETW 423t€, 66% Warmmiete 621 €, NK 268,63 € mtl., Grenzsteuersatz 42 %, Kaufpreis plus Abfindung des Bruder 350t€, wobei 100t€ Abfindung sind, Grundsteuer 240€ p.a., Hausgeld 384 € mtl., Kreditrate laut Dr. Klein ca. 1150 € mtl.
     
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  3. Andres

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    Vor allem: nach den Wünschen des Erblassers. Wenn es dessen Wunsch ist, die Dinge jetzt zu regeln, dann ist das gut. Wenn nicht, droht der Witwe in Spe ja zumindest nicht der unmittelbare finanzielle Niedergang, also kann man das Thema auch noch etwas vertagen. Der Schwiegervater gibt das Tempo vor.

    Als nächstes kommt dann die Schwiegermutter an die Reihe: Was will die eigentlich? Alleine auf 85 m² leben? Auch hier tendiere ich vorsichtig dazu, diese Frage noch etwas zu verschieben, denn ob alle Beteiligten jetzt die Zukunft richtig vorhersehen, ist für mich mehr als fraglich.

    So, jetzt kommt ihr dran:
    Einer von uns beiden kann nicht rechnen: Wo in München liegt die Miete (100 %) bei 6,30 €/m²? Irgendwie scheinen mir hier ein paar Zahlen nicht zu stimmen.

    Selbst mit dem Rückenwind aus der Erbschaft (73.000 €) ist das wirtschaftlich ein katastrophales Objekt. Eine Vermietung wird zu diesem Kaufpreis niemals wirtschaftlich möglich sein. Selbst unter der Annahme von 10 €/m² erzielbarer Miete (was derzeit über dem Mietspiegel für solche Objekte liegt), kostet die Wohnung noch über 34 Jahresmieten. Das kann nicht klappen.

    Wenn es der Wunsch der Familie ist, der (Schwieger-)Mutter die Wohnung im Ruhestand zu finanzieren, ist das völlig in Ordnung. Wenn alle Beteiligten willens und in der Lage sind, dafür ein paar hundert Euro jeden Monat aufzubringen, kann man das machen. Aber warum wird der Bruder nach Objektwert ausgezahlt? Unter Berücksichtigung der Restschuld ist die Wohnung nur noch 200.000 € wert und sein Regelanteil darin beträgt 50.000 €. Wenn die Eltern ein geeignetes Testament haben, kommt er an dieses Geld auch erst, sobald die Mutter gestorben ist. Eigentlich müsste man hier noch so eine Art "Vorfälligkeitsentschädigung" ansetzen.

    Außerdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass das ein soziales Projekt ist, kein wirtschaftliches. Selbst wenn nach dem Tod der Schwiegermutter zu marktüblichen Konditionen neu vermietet werden kann, ist hier keine seriöse Rendite zu erwarten. Die Miete wird ja noch nicht einmal ausreichen, um die Kreditrate zu bedienen.
     
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  4. #3 ehrenwertes Haus, 07.03.2019
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    Irgendwie gefällt mir der Gedankengang des TE nicht. Wo bleiben bei den Überlegungen die Wünsche und Ziele der Schwiegereltern?

    Es ist nicht die Aufgabe der Erben, das potentielle Erbe bereits zu Lebzeiten der Erblasser unter sich aufzuteilen.
    Es ist das Recht der Eltern, ihr Vermögen vollständig zu ihren Lebzeiten aufzubrauchen, wenn sie das wollen.

    Überlasst es den Schiegereltern sich Gedanken dazu zu machen. Ideal mit einen notariellen Testament oder wenigstens einem beim Nachlassgericht hinterlegtem.
    Dann überlasst es den Schwiegereltern ihr Vermögen für ihre Alterssicherung zu verplanen und zu verwenden. Pflegefälle sind nicht auszuschließen und über die gesetzliche Pflege hinaus auch nicht gerade billig. Das kostet schnell mehr als eine ETW.

    Wenn danach noch was außer Schulden und Müll übrig bleibt, dürfen sich die Erben freuen und haben noch jede Menge Zeit sich dewegen den Kopf zu zerbrechen, zu streiten oder Lösungen zu finden, die die Familienbande nicht zerstören. Erbschaften sind aber ein probates Mittel um aus Geschwistern (Familien) Feinde fürs Leben zu machen.
     
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  5. Duncan

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    ehm - nee. Dem rennt sie davon. Bei der Diagnose ist ein halbes bis dreiviertel Jahr ab Diagnose die übliche Erwartung.
    Du kannst täglich sehen wie es mehr und mehr gen Ende geht. Hab dies schon mehr als ein mal mit ansehen müssen. Einmal ein Nachbar (über 35 Jahre lang) und einmal in der Familie. Eine sehr bittere Erfahrung.

    Und ja ich halte es durchaus für normal, dass man sich beizeiten entsprechende Sorgen macht, nicht das Muttern dann binnen Jahresfrist in die Pleite steuert. Ja, wenn man sich dann diverse Konstrukte überlegt wie man die sich anbahnende Situation händeln kann wird das gerne als pietätlos angesehen. Ist es besser sehenden Auges dass was da eine Generation aufgebaut hat vor die Hunde gehen zu lassen?
    Gerne stürzt man sich auch in solche Überlegungen, weil sie von der viel konkreteren momentanen Situation ablenken.

    Bei den Eckdaten wäre ich ja geneigt zu versuchen die Wohnung zu den momentan kaum noch nachvollziehbaren Preisen zu veräußern und Muttern anderweitig einen schöne Wohnung zu suchen, vielleicht bei den Kindern (Einliegerwohnung) oder in fußläufiger Nähe.
    Aber darüber kann man sich immer noch nen Kopf machen wenn es so weit ist, ist nicht mehr lang.
     
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  6. #5 ehrenwertes Haus, 07.03.2019
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    Pietätlos ist das nur, wenn dabei die Wünsche der Eltern nicht berücksichtigt werden und die (Schwieger)Kinder versuchen über deren Kopf hinweg zu entscheiden.

    Mit den (Schwieger)Eltern über die Situation reden, vielleicht auch gemeinsam überlegen wie eine Nachlassregelung aussehen kann, daran ist nichts Verwerfliches.
    Hier wird aber ausschließlich Wer zahlt Wen in welcher Höhe aus nachgedacht. Was ist wenn Muttern und Vattern ihr Hab und Gut einer Stiftung zukommen lassen wollen?
    Die Kinder brauchen es wohl nicht, wenn sie selbst als Häuslesbauer agieren können.

    Schwiegerkinder sind nicht mal erbberechtigt und somit aus der gesamten Nachlassregelung außen vor, wenn nichts Anderes vom Erblasser verfügt wird.
     
  7. #6 Buddha20, 08.03.2019
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    Hallo Vermieter Gemeinde,

    erst einmal danke für die rege Beteiligung und genauso hab ich mir das auch vorgestellt. Nach der Durchsicht der bis jetzt angefallenen Kommentare, möchte ich die eine oder andere Frage beantworten:

    Vielleicht ist es falsch angekommen und ich entschuldige mich hierfür. Meine Schwiegereltern sind auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir Ihnen helfen können. Mein bzw. unser Ziel ist kein Gewinn oder Prestige wir möchten nur den Schwiegereltern helfen, um für deren Nachlass sprich nach einem wahrscheinlichen Ablebens des Schwiegervaters Vorkehrungen zu treffen. Optimal natürlich, wenn hierbei für uns keine Mehrbelastung auf Seiten des Cash-Flows entstehen könnte.

    Bereit geschehen. Die SM möchte gerne in der Wohnung bleiben, da im unmittelbarem Umfeld keine so güntige Wohnung zu bekommen ist. Sie zahlt aktuell ca. 1400 € für Kredit, Hausgeld und Strom. Das bekommt man meiner Meinung nur sehr schwer in München bei einer 85 qm Wohnung. Ihr müsst wissen, das die Schwiegereltern sehr sachlich und nüchtern über das Thema sprechen und nicht aus Ihrem Umfeld rausgehen möchten.

    Ich denke das Beste ist es, wenn ich es einmal vorrechne, vielleicht klärt sich das dadurch auf. Also, laut Münchener Mietspiegel von 2017 beträgt der Mietspiegel zwischen 7,30-10 €/qm Nettokaltmiete. Dafür gibt es sogar extra einen Mietspiegelrechner für München. Hier sind alle Makro- und Mikrolagen, Gebäudealter, Gebäudeart. Brauchwasser- und Heizungsbereitstellungen etc. eingepreist. Da ich ja möglichst versuche eine nierdrige Miete meiner SM weiterzugeben, arbeite ich mit dem niedrigsten Mietpreis weiter. Dies ist laut Finanzamt auch erlaubt und kann über den Mietspiegel nachgewiesen werden. Also rechnen wir jetzt mit 7,30 €/qm Kaltmiete weiter. Bei einer Wohnfläche von 84,75 qm macht das also 618,68 € pro Monat und 7424,10 € pro Jahr. Jetzt kommen noch die umlagefähigen Nebenkosten hinzu sprich Hausgeld ohne Instandhaltungsrücklagen und Grundsteuer von 268,63 € pro Monat. Dies macht also eine Warmmiete von 887,30 € pro Monat. Der Fiskus rechnet die WK zu 100% an, wenn die Miete wie unter Fremden mindestens 66 % der ortsüblichen Warmmiete beträgt, wir nehmen einen Sicherheitsabstand und sagen einfach 70% dh. 0,70 * 887,30 = 621,11 € (ich weiß kaum zu glauben aber wahr in München). Das Perverse ist ja, dass abzüglich der NK von 268,63 € (diese sind ja immer noch gleich) nur eine Kaltmiete von 352,48 € sprich 4,16€/qm hierbei herauskommt. Bei der ganzen Geschichte darf man nicht durch die Investorbrille schauen, sondern durch die Steuerbrille.

    Das ist so gesehen absolut richtig! Ich finde es gut, wenn man es einmal ganz nüchtern betrachtet. Bei 10 €/qm Kaltmiete und ca. 85 qm Fläche würden 850 € mtl. und 10.200 € p.a. fließen. Um eine ansehnliche Aufwandsentschädigung zu erhalten von ca. 4% Rendite, darf das Objekt nicht mehr als 255 t€ kosten. Genau das habe ich auch schon herausgerechnet. Des Weiteren kommen ja dann noch die umlegbaren NK hinzu von 268,63 €, Das macht dann für die SM 1.118,63 € Warmmiete. Bei ihrer prognostizierten Rente (laut Renteninfo 2017) von 1527 € abzüglich KV/PV von ca. 12% macht das 1.343,76 € bleiben Ihr dann nur noch 225,13 € zum Überleben. Unmöglich!! Es sei denn man findet eine bessere Idee, wie man das machen könnte.

    Mal ganz nüchtern betrachtet: Welche Alternativen haben wir:
    1. Sie verkauft die Wohnung zu den aktuellen Höchstpreisen in München (redaktionelle Anm. die Preise werden denke ich noch weiter steigen) und geht mit einem Gewinn von 423t€ minus Schulden von 250t€ gleich 173t€ aus der Wohnung raus. Mit diesem Geld kann Sie dann hoffentlich noch einen schönen Lebensabend machen und in einer adequate Wohnung in München weiterleben. Für die Kinder wird es aber nichts mehr mit erben (ist uns aber auch egal). Das war auch immer mein Credo!! Aber das wollen die SE nicht, dazu sagen Sie immer: Eine Wohnung in München darf man nicht verkaufen!! Sowas bekommt man nie mehr, abwarten!!
    2. Sie geht aus der Wohnung raus und vermietet die Wohnung weiter (hierbei weiß ich jetzt schon, dass ich die ganze Verwaltungsarbeit machen muss). Die Kreditkosten werden jedoch die Miete schlucken und es geht plus minus Null aus. Die Wonung als Klotz bleibt uns.
    3. Variante 1 nur zieht Sie zu uns aufs Land. Hier sind die Preise noch human und Sie könnte in eines unserer Wohnungen einziehen. Aktuell werden auch Wohnungen hier bei uns verkauft. Ggf. kann man ihr das ja schmackhaft machen, wobei...ich glaube das ist aussichtslos. Einmal Münchner immer Münchner.

    Wie du siehst bin ich da hin und her gerissen. Ich hoffe man merkt aber shcon, dass ich hier nicht die Schwiegereltern umgehe und bislang immer das Gespräch gesucht habe. Achja außerdem: Ich es nicht unfair, wenn man eine Wohnung im Werte von 423t€ der SM abkauft für 250t€ und der Bruder geht mehr oder weniger leer aus. Abzüglich der Schulden bleiben doch noch 173t€, wo doch dem Bruder zustehen mit der Hälfte sprich 87t€ ergo muss ich nicht 250t€ bezahlen sondern 250t€ plus 87t€ für den Bruder. Liege ich da verkehrt. Wichtig ist mir den Bruder nicht zu übergehen.
     
  8. #7 sara, 08.03.2019
    Zuletzt bearbeitet: 08.03.2019
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    Sorry deine Rechnung in Bezug steuerliche 4,16€ qm in München, das sind ganz sicher nicht 66% . Deine Rechnung ist für mich nicht nachvollziehbar.

    Genausowenig wie die Rechnung des möglichen Abkauf der Wohnung und Auszahlung des Bruders...

    Grundsätzlich geht es um dann um den derzeitigen Wert der Wohnung minus des noch offenen Kredit.
    Der übersteigende Betrag steht der Schwiegermutter zu. Nicht schon euch zum aufteilen. Und sie wird das wohl auch noch gebrauchen. Dann kann sie auch die reguläre Miete zahlen, aber für dich ist das ganze auf jeden Fall keine gute Investition.
    Auch bei deinem Vorschlag kostet dich die Wohnung real die 423000.

    Habt ihr bei der zukünftigen Rente der Schwiegermutter auch die Witwenrente mit eingerechnet?

    Du schreibst ganz oben, dass mit Bausparverträge finanziert wurde und derzeit abgezahlt wird. Möglicherweise ist eine Umschuldung je nach Höhe der Zinsen die da bezahlt werden, jetzt günstiger, zumindest bei den mtl. Belastungen.
     
  9. Andres

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    Ja, zumindest ein Stück weit. Mit der Rechnung bin ich einverstanden. Das Problem sind eben die Grundannahmen, vor allem die Spanneneinordnung. Es ist zwar richtig, dass das untere Ende der Spanne für die Rechnung nach § 21 EStG verwendet werden darf, aber dass dabei ein solcher Wert herauskommt, hätte ich nie vermutet.

    Ich finde es riskant, damit zu kalkulieren. Der Münchner Mietspiegel wird (wenn ich richtig weiß) dieses Jahr komplett neu erstellt, da der aktuelle Mietspiegel bereits durch Fortschreibung entstanden ist. Das führt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Steigerung der Vergleichsmiete. Wenn man sich wirklich an 66 % der ortsüblichen Miete hält, muss jede derartige Steigerung sofort an den Mieter weitergegeben werden - die Sache ist ja sowieso schon ein Zuschussgeschäft, also will man nicht auch noch die Werbungskosten gekürzt bekommen.


    "Ansehnlich" ist wirklich das letzte Wort, das mir dazu einfällt. Diese 4 % "Rendite" sind vor Abzug der Kosten, also vor Abzug von Verwaltungskosten (eigene und WEG), Instandhaltung (wieder eigene und WEG), Ausfallwagnis, Steuern und ähnlicher Bagatellen. Vielleicht macht München in guter bayerischer Tradition genau das richtig, was die ganze restliche Welt falsch macht. Diese Aussage kann nicht gekennzeichnete Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. Ich weiß jedenfalls nicht, wie man als Vermieter bei Kaufpreisfaktor 25 und ehrlicher Kalkulation der Kosten noch eine positive Rendite erwirtschaften kann.

    In diesem Punkt bleibe ich zu hundert Prozent bei meiner ersten Einschätzung: Diese Wohnung wird sich niemals wirtschaftlich vermieten lassen. Es kann also höchstens noch darum gehen, den Lebensabend der SM zu gestalten.


    Zunächst einmal ist diese Aussage objektiv falsch. Das zeigt der wirtschaftliche Vergleich mit dem, was ein Dritter hier erleben würde: Das obere Ende der Spanne des Mietspiegels liegt bei 10 €/m² (ich hab's geraten, du hast es bestätigt). Die Mietpreisbremse setzt also bei der Neuvermietung eine Obergrenze von 11 €/m². Bei einem Kaufpreis von 423.000 € ergibt das ca. Faktor 38. Dafür bekommt man auch aktuell in München gute Wohnungen.

    Auch wenn es nicht hilfreich ist, gehe ich noch einen Schritt weiter. Das Gegenteil der Aussage wäre richtig gewesen: Diese Wohnung hätte man nie kaufen dürfen! Die SE haben diese Wohnung über mehr als 2/3 ihres Berufslebens noch nicht einmal zur Hälfte abbezahlt. Selbst ohne Schicksalsschlag war der Kauf dieser Wohnung sehr wahrscheinlich von Anfang an auf die äußerste Grenze der eigenen finanziellen Möglichkeiten ausgelegt. Die eigenen vier Wände kauft man ja doch zumeist in der Erwartung, das Ding irgendwann mal abbezahlt zu haben und dann die Lebenshaltungskosten zu senken. Das stand hier nach aktueller Lage der Dinge nie wirklich zur Diskussion.

    Selbst wenn man sich auf den Standpunkt begeben sollte, das alles für die eigenen Kinder gemacht zu haben: Wo ist denn der Nutzen für die Kinder? Eine wirtschaftliche Verwertung scheidet aus den bereits genannten Gründen ja aus. Bleibt noch die Selbstnutzung. Der Bruder baut selber - wie sieht's bei euch aus?


    Nach den bisher genannten Zahlen geht das garantiert nicht Null auf Null aus. Wie man eine Kreditrate von (grob gerundet) 1000-1500 € aus dieser Wohnung bestreiten will, sehe ich nicht einmal in Ansätzen.

    Nebenbei: Auch wenn man die Verwaltung als Gefälligkeit übernimmt und kein Geld fließt, finde ich es für die Rechenspiele doch hilfreich, die eigene Arbeitszeit mit einem sehr freundlichen Stundensatz in der Nähe des Mindestlohns fiktiv anzusetzen. Das sind dann nämlich wieder ein paar €€€ mehr, von denen niemand erklären kann, woher sie eigentlich kommen sollen.


    Variante 4: Die Wohnung wird ohne Druck verkauft, sie mietet etwas in München und stockt ihre Rente aus dem Verkaufserlös auf. Schlachtet zwar das goldene Kalb, erlaubt der SM aber genau das, was ihr wohl wichtig zu sein scheint.

    Variante 5: Die Kinder unterstützen die Mutter finanziell bis zu deren Ableben. Die Mutter führt die Finanzierung fort. Nach ihrem Ableben teilen die Kinder die vorhandene Erbmasse unter sich auf.

    Dass es nach dem Tod des SV genau so weitergeht wie bisher, ist eine schöne Illusion. Warum das so ist, hast du selbst ausgerechnet. Jetzt müssen die Fakten nur noch ankommen ...


    Ja, aus mehreren Gründen. Zunächst einmal - wie bereits oben geschrieben - aufgrund des zeitlichen Ablaufs. Wenn die SE ein Berliner Testament machen (was ziemlich weit verbreitet ist), steht ihm bei Tod deines SV überhaupt nichts zu. Die Mutter ist dann zunächst Alleinerbin. Seinen Anteil bekommt er, wenn die Mutter stirbt. Die Lebenshaltungskosten der Mutter übersteigen allerdings ihr Einkommen. Bis zum Tod der Mutter ist also vernünftigerweise damit zu rechnen, dass sich die Erbmasse verringert. Auf "natürlichem" Weg würde der Bruder niemals 87.000 € erben - warum sollte er das also jetzt tun?

    Zweitens ist der reine Bezug auf Marktwert und Restschuld zu kurz gedacht. Dabei bleibt es ja nicht: Ihr verzichtet bis zum Tod der SM auf einen Teil der Miete. Das sind selbst nach der Rechnung für's Finanzamt schon etwa 300 € im Monat, d.h. 3600 € im Jahr. Die SM ist ca. 60 Jahre alt, ihre durchschnittliche Lebenserwartung liegt damit bei noch 25 Jahren. Gehen wir mal davon aus, dass sie bis zur Rente die Wohnung noch komplett selbst finanziert. Dann mindert sich eure Miete noch über 20 Jahre, d.h. schlappe 72.000 €. Vergleicht man stattdessen sogar mit einer realistisch erzielbaren Miete, liegt die Differenz bei 500 € oder mehr im Monat, also bei insgesamt 120.000 €. Dabei müsste man nun eigentlich noch die Mietentwicklung in München für die nächsten 25 Jahre berücksichtigen ...

    Wenn man diese Rechnung konsequent fortführt und auch bedenkt, dass die SM die durchschnittliche Lebenserwartung schließlich sogar übertreffen könnte, finde ich es nicht so abwegig, dass der Bruder gar nichts bekommt. Im Gegenzug für die Alimentierung der Mutter mit allen Risiken erhaltet ihr die Wohnung zum "Vorzugspreis". Und ich bin noch nicht einmal sicher, ob das ausreicht ...

    Selbst wenn man nicht so rechnen will: Ihr müsst für den Erhalt der Wohnung auf jeden Fall etwas zuschießen. Alleine aus diesem Grund kann das vorhandene Vermögen nicht 50/50 geteilt werden, denn der Bruder ist ja nach der Abfindung aus der Sache raus.


    Vor allem sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, dass hier irgendwelche Werte zu erhalten seien. Die SE hinterlassen eine teure Wohnung und einen Haufen Schulden und die Differenz muss die Existenz der SM noch für Jahrzehnte sichern. Der Kassensturz Stand heute täuscht über die tatsächlichen Verhältnisse hinweg: Ich sehe da keine Substanz.

    Irgendwie erinnert mich das an einen Bekannten. Dem hat sein Vater ein kleines Immobilienimperium hinterlassen, mehrere Häuser mit zusammen fast 50 Wohnungen. Kleiner Schönheitsfehler: Sein Vater hat zu Lebzeiten nichts getilgt. Die Mieten deckten gerade so die Kreditraten und bei einem Verkauf hätte er sogar noch aus dem eigenen (nicht vorhandenen) Vermögen zuschießen müssen. Aus dem "Erbe" war außerdem noch die Mutter zu versorgen - mangels Masse, Gewinn aus der Vermietung oder Kreditwürdigkeit also aus seinem eigenen Arbeitseinkommen. Was er da "geerbt" hat, hat er erst nach fast 2 Jahren begriffen. Erst wollte er seine Scheidung sauber über die Bühne bringen ...

    Persönlich ist der Mann schwer in Ordnung, aber eigentlich ist sein einziges Lebensziel seit rund 20 Jahren, finanziell irgendwie zu überleben oder - wenn das schon nicht möglich sein sollte - wenigstens den Rest seiner Familie nicht mit in den Ruin zu treiben. So gesehen war dann der Tod seiner Mutter fast schon ein Erfolg. Dieses Modell ist nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen, höchstens um aus den Fehlern anderer zu lernen: Eigentum an einer Immobilie bedeutet nicht automatisch auch Vermögen.
     
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  10. #9 Buddha20, 08.03.2019
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    Hallo Sara,
    danke erst einmal für deine Antwort. Und sowas auf nen Freitag. Respekt! Also die 4,16€ sind die 66%Warmmiete minus Nebenkosten. Die Warmmiete liegt bei 7,32€/qm. Bezüglich der Erbfolge gebe ich dir ganz Recht. Erst bekommt die SM den Verkaufserlös und nachrangig bei Erbfall die Erben, ganz klar. Allerdings kann man es im Kaufvertrag auch so machen, dass 250t€ der Mutter zugehen und ein gewisser Betrag dem Bruder zufließen als Abfindung. Der Bruder würde so jeglichen Pflichtanteil abgeben.

    In der Tat ist mir durch deinen Beitrag etwas eingefallen. Komisch, dass ich nicht selber darauf gekommen bin. Die SM weist den KP mit 300t€ aus und bekommt von uns den KP. Mit dem KP kann sie jetzt erst einmal die Miete zahlen. Wenn nach ihrem eigenen Ableben noch etwas übrig bleibt, bekommt es der Bruder. Man man echt kompliziert das alles .

    Dir ein schönes Wochenende
     
  11. #10 sara, 08.03.2019
    Zuletzt bearbeitet: 08.03.2019
    sara

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    Und zahlt die Schulden auch damit zurück!
    Das wird keine Freude bei dem Sohn auslösen...

    Ich würde die Wohnung nicht übernehmen, egal wie, es gibt immer jemand der sich benachteiligt vorkommt.
    Ich würde für den Verkauf der Wohnung, nach dem Tod vom Schwiegervater sein.
     
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  12. #11 Buddha20, 08.03.2019
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    Ja ich gebe euch allen Recht und es ist echt glaube es ich besser zu verkaufen. Wir haben ja dann erstens nach dem Ableben des SV andere Dinge zu erledigen und können uns anschließend in aller Ruhe auf den Verkauf vorbereiten. Das denke ich wird schon genug Arbeit machen.
     
  13. GSR600

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    Wurde das Darlehen nicht über eine Lebensversicherung abgesichert?
     
  14. #13 Buddha20, 12.03.2019
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    Leider nein! Schön wäre es ;(
     
  15. #14 sara, 12.03.2019
    Zuletzt bearbeitet: 12.03.2019
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    Bausparvertragsdarlehen sind oft mit einer Risikolebensversicherung abgesichert?
    Damals war da so viel ich weiß ein muss bei den Bausparkassen, heute ein kann. Also man kann sich auch dagegen entscheiden.
    Evtl. doch mal die Verträge und vor allem die jährlichen Kontoauszüge darauf hin genau anschauen.
    Zumindest war das vor zig Jahren bei meinem Bauspardarlehen so.

    z.B.
    https://www.risikolebensversicherung-heute.de/bhw/
     
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