Kündigung wg. Eigenbedarf nach 20 Jahren und hohem Alter

Diskutiere Kündigung wg. Eigenbedarf nach 20 Jahren und hohem Alter im Kündigung Forum im Bereich Mietvertrag über Wohnraum; Hallo in die Runde, mein Vater ist Eigentümer einer Wohnung, in der seit knapp 22Jahren ein Ehepaar lebt (er 81Jahre, sie 71Jahre). Durch eine...

PiThHe

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Hallo in die Runde,

mein Vater ist Eigentümer einer Wohnung, in der seit knapp 22Jahren ein Ehepaar lebt (er 81Jahre, sie 71Jahre). Durch eine Trennung bin ich nun gezwungen, mir eine Wohnung zu suchen. Wie überall herrscht in unserer Stadt akuter Wohnungsmangel bzw. stehen Mieten auch in keinem angemessenem Verhältnis. Das Ehepaar zahlt EXTREM wenig Miete und zeigt auch wenig Bereitschaft, im Alter umzuziehen.
Wie bewertet die Runde die Lage? Kündigung wegen Eigenbedarf mit der Frist von neun Monaten und voraussichtlich wird es zum Härtefall aufgrund des Alters der Mieter? Gibts da so gar keine Möglichkeiten, auch als Eigentümer Rechte zu genießen?

Flotten Abend und vorab schon Danke für Antworten, Tipps und/oder Anregungen!
 
Andres

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voraussichtlich wird es zum Härtefall aufgrund des Alters der Mieter?
Das wäre sehr ungewöhnlich. Grundsätzlich stellt das Alter alleine keinen Härtegrund dar, auch nicht die Wohndauer. Andererseits ...
Wie überall herrscht in unserer Stadt akuter Wohnungsmangel
... wäre die Unmöglichkeit, zumutbaren Ersatzwohnraum zu finden, durchaus ein Härtegrund. Gleichzeitig ...
stehen Mieten auch in keinem angemessenem Verhältnis.
... ist eine niedrige Miethöhe auch kein Kündigungsgrund. Bei der Bewertung, was zumutbarer Ersatzwohnraum wäre, wird zwar auch nicht auf die aktuelle Miete geschaut, aber das ist auch schon alles, was es in dieser Richtung an guten Nachrichten zu vermelden gäbe.

Ich sehe kein grundsätzliches Hindernis, weshalb hier eine Eigenbedarfskündigung nicht möglich sein sollte, aber was die Mieter letztendlich wirklich an Härtegründen vorbringen werden, ist schwer vorherzusagen. Dass in diesem Alter z.B. gesundheitliche Gründe vorliegen, ist ja auch nicht ganz unwahrscheinlich. So oder so wäre mein Rat, die Kündigung durch einen Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht abwickeln zu lassen, wenn nicht eigene Vorerfahrungen bestehen.

Außerdem der Hinweis auf den zeitlichen Ablauf: 9 Monate Kündigungsfrist hast du ja selbst schon erkannt. Wenn die Mieter danach nicht freiwillig gehen, kommt als nächstes eine Räumungsklage und ggf. sogar Räumung durch den Gerichtsvollzieher, was selbst im allerbesten Fall einige Monate und unter weniger günstigen Umständen über ein Jahr dauern kann. Bis die Wohnung also tatsächlich frei ist, könnte bereits der Kalender von 2024 an der Wand hängen. Wenn du kurzfristig eine Wohnung brauchst, ist das also keine zuverlässige Option.

Es kann natürlich auch ganz anders laufen, z.B. wenn sich die Mieter schon länger mit dem Gedanken eines Umzugs tragen und nach entsprechendem Angebot gerne noch ein Ziehgeld des Vermieters mitnehmen. Andererseits könnte ich mich nicht erinnern, wann ich in dieser Altersklasse zuletzt einen so pragmatischen Ansatz erlebt hätte.
 

PiThHe

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Hey Andres,
vielen Dank für all deine Antworten 👌!

Würdest du die Situation denn anders bewerten, wäre ich Eigentümerin der Wohnung? Sprich schnelle Schenkung und ein dringender Eigenbedarf?

Bei der gestrigen Wohnungsbegehung machte das Ehepaar keinen gesundheitsgeschwächten oder -beeinträchtigten Eindruck. Somit würde ais meiner Sicht dieses Argument bei Härtefall wegfallen...

Es klingt/liest sich makaber, aber sind einem Eigentümer die Hände wirklich ao swhr gebunden?
 
Ino75

Ino75

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Würdest du die Situation denn anders bewerten, wäre ich Eigentümerin der Wohnung? Sprich schnelle Schenkung und ein dringender Eigenbedarf?

Es klingt/liest sich makaber, aber sind einem Eigentümer die Hände wirklich ao swhr gebunden?

Mir ist nicht bekannt, dass der oben angedachte Eigentümerwechsel etwas an der Schnelligkeit des umsetzbaren Eigenbedarfs ändert. Ob die Wohnung vom Eigentümer für nahe Verwandte (wie z.B. Kinder) oder selbst benötigt wird, ist eigentlich egal.

Aber ich verstehe nicht, was Du mit "Hände gebunden" meinst. Die sind Dir doch gar nicht gebunden. Eine Eigenbedarfskündigung mit der gesetzlichen Frist von 9 Monaten ist doch wahrscheinlich möglich. Dass sich die Sache im Falle eines Rechtsstreits auch deutlich länger hinziehen kann, liegt nicht an der Position "Eigentümer" sondern eher daran, dass unsere Gerichte und alle dazugehörigen Organe, wie z.B. Gerichtsvollzieher, chronisch überlastet sind. Das trifft aber ausnahmslos auf alle rechtlichen Auseinandersetzungen zu, nicht nur auf Mietrecht. Ich warte beruflich z.B. seit inzwischen fast 5 Monaten darauf, dass der beauftragte Gerichtsvollzieher tätig wird.

Und je eher Du/Deine Eltern die Sache angeht, desto früher ist es soweit. Und es soll sogar Fälle geben, in denen die Mieter tatsächlich fristgerecht ausziehen und es überhaupt keinen Rechtsstreit gibt. Dann wäre die Wohnung bei Kündigung diesen Monat im Sommer nächsten Jahres frei.

Falls Du mit "Hände gebunden" allerdings meintest, dass Du ein bereits seit 22 Jahren bestehendes Vertragsverhältnis mit einer kürzeren Frist als 9 Monaten kündigen möchtest? Das geht wohl eher nicht. Aber auch das würde ich nicht als "Hände gebunden" betrachten. Es gibt ja nun wahrlich nicht nur im Mietrecht Verträge, die nur mit teils sehr langem Vorlauf gekündigt werden können.
 

ehrenwertes Haus

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Bei der gestrigen Wohnungsbegehung machte das Ehepaar keinen gesundheitsgeschwächten oder -beeinträchtigten Eindruck. Somit würde ais meiner Sicht dieses Argument bei Härtefall wegfallen...
er 81Jahre, sie 71Jahre
Ganz sicher haben Beide gesundheitliche Argumente.
In dem Alter von der gleichen körperlichen und mentalen Fitness wie bei einem deutlich jüngeren Menschen auszugehen ist utopisch.
Selbst wenn die Mieter einem Umzug zustimmen und eine Wohnung finden, das Packen (Feinmotorik, körperliche Belastbarkeit) fällt in dem Alter schwerer als einem 20-jährigen.

Soziales Umfeld, wie sieht es damit aus?
Im Alter der Mieter finden sich nur schwer neue Freundschaften und bei Bedarf Helfer für kleine Alltagsaufgaben.


Deine besten Argumente für eine friedliche, einigermaßen zeitnahe Eigennutzung sind Hilfe bei der Suche nach einer anderen Wohnung für die Mieter, Hilfe beim Umzug (teilweise) Übername der Umzugskosten und Ziehgeld.
Da kommt eine nette Summe zusammen, die durchgerechnet höher sein kann als eine andere Mietwohnung für dich.
 
Andres

Andres

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Würdest du die Situation denn anders bewerten, wäre ich Eigentümerin der Wohnung? Sprich schnelle Schenkung und ein dringender Eigenbedarf?
Es macht überhaupt keinen Unterschied, ob der Eigentümer selbst in die Wohnung einziehen will oder die Kündigung für einen nahen Verwandten erfolgt.

Es klingt/liest sich makaber, aber sind einem Eigentümer die Hände wirklich ao swhr gebunden?
Dem Eigentümer sind nicht die Hände gebunden. Er kann nur Mieter nach 22 Jahren nicht von heute auf morgen eigenmächtig aus der Wohnung befördern.

Dass sich die Sache im Falle eines Rechtsstreits auch deutlich länger hinziehen kann, liegt nicht an der Position "Eigentümer" sondern eher daran, dass unsere Gerichte und alle dazugehörigen Organe, wie z.B. Gerichtsvollzieher, chronisch überlastet sind.
Teilweise. Selbst wenn das nicht der Fall wäre und wirklich alles sofort bearbeitet würde, müsste man für die Dauer von Klageerhebung bis Räumungstermin immer noch mit mehreren Monaten rechnen. Das ergibt sich schon alleine aus den diversen Fristen im Rahmen eines Zivilprozesses und der anschließenden Räumung.
 
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