Kündigungsterror

Dieses Thema im Forum "Kündigung" wurde erstellt von karihel, 21.10.2014.

  1. #1 karihel, 21.10.2014
    karihel

    karihel Neuer Benutzer

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    Hilfe, wer kann mir einen Rat geben:

    Seit 20 Jahren wohne ich in einem ca. 35 qm großen Apartment, das bis diesen Oktober noch 560 Euro warm kostet. Für meine Münchner Wohngegend ist das relativ günstig. Als ich 1994 einzog, gehörte die ganze Wohnanlage einer Versicherung, die alle Wohnungen an Einzelpersonen verkauft hat. 2001 bekam ich einen Vermieter, der meinen alten Mietvertrag übernahm, sich um nichts kümmerte, auch die Miete nicht groß erhöhte, sie aber vor 3 Jahren weiterverkauft hat.

    Seit Juni 2011 sind meine Vermieter ein Ehepaar. Es übernahm ebenfalls den alten Mietvertrag von 1994, kümmerte sich auch um nichts, hinterließ mir nur seine Kontonummer. Die Adresse erfuhr ich dann mit der Mieterhöhung, nachdem ich mich in diesem Frühjahr nach meinen aktuellen Betriebs- und Nebenkosten erkundigt habe.

    Ich wurde aufgefordert, ab Juni 2014 aufgrund dieser Kosten 75 Euro mehr Miete zu bezahlen. Als ich nachhakte, wie genau meine erstmalig hohen Betriebs- und Nebenkosten zustandegekommen sind, dafür einen Anwalt vom Mieterverein in Anspruch nahm, wurde ich als "unfreundlich" abgestempelt. Meine Vermieterin regte sich außerdem auf, dass ich die verjährten Nebenkosten von 2011 und 2012 nicht mitbezahlen will. Sie brachte sie aber erst im Frühjahr 2014 zum ersten Mal zur Sprache, stellte sie zuvor nie in Rechnung, so dass ich nur schätzen konnte, wie hoch sie aktuell sind. Ich war auch nicht bereit, schon ab Juni mehr Miete zu bezahlen, sondern Mietminderung geltend zu machen, weil zwischen Juli und Oktober 2014 alle Balkone meines Wohnblocks saniert wurden.

    Prompt schickte sie mir Ende Juli zwei Männer an die Wohnungstür, die mir ihre Kündigung ausgehändigt haben. Als Begründung gibt sie nun das K.O. Argument Eigenbedarf an:

    Ihr Mann hat Ende Dezember 2013 die Scheidung eingereicht. Sie lebt mit ihm zwar noch im selben Treppenhaus, aber bereits in getrennten Wohnungen. Ihr ältester Sohn hat genug vom Rosenkrieg seiner Eltern und will jetzt in Ruhe studieren. Dafür soll ich bis kommenden April 2015 meine Wohnung räumen. Laut Mietvertrag stehen mir nach 10 Mietjahren aber 12 Monate Kündigungsfrist zu, normal also bis Ende Juli 2015. Ich habe keine Mietschulden, bin deutsche Nichtraucherin und lebe allein mit meiner stillen Katze in dem übrigens extrem hellhörigen Apartment, in dem ich mit monatlich 25 Euro Stromkosten auskomme. In meinem Fall kann ich womöglich nicht mal das Recht einer Ablöse-Abfindung beanspruchen.

    Vielleicht fällt irgendjemanden etwas ein, dass ich mir solche Kündigungsmethoden nicht gefallen lassen muß.
     
  2. AdMan

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  3. #2 Pharao, 21.10.2014
    Zuletzt bearbeitet: 21.10.2014
    Pharao

    Pharao Erfahrener Benutzer

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    Hi,

    naja, dem neuen Eigentümer/Vermieter bleibt ja hier auch nix anders übrig, weil du nicht verpflichtet wärst, einen neuen Mietvertrag deswegen zu unterzeichen. Der alte Mietvertrag ist ja weiterhin gültig.

    Ich glaube kein Vermieter freut sich, wenn man gleich mit Anwalt/Mieterverein ankommt.

    Warum die Nebenkosten sich erhöht haben, da gibt es viele i.d.R nachvollziehbare Gründe. Zum Beispiel, wenn sich ein oder mehrere Punke von den umlagefähigen Betriebskosten deutlich erhöht haben (zB die Energiekosten für die Heizung, ect), dann reichen die bisherigen Vorauszahlungen natürlich nicht aus, sodass du am Ende des Betriebkostenzeitraums dann eine Nachzahlung leisten musst. Wenn ich das richtig rauslese, hast du ja in den vorigen Betriebskostenabrechnungszeit 2011 und 2012 auch schon nachzahlen sollen. Das der Vermieter dann die NK-Vorauszahlungen anpasst, das wäre ja völlig nachvollziehbar bzw. darf er ja auch laut Gesetz.

    Letztendlich wird aber nach dem tatsächlichem Abgerechnet (außer bei dir wäre ein Pauschale vereinbart, was ich jetzt aber mal nicht annehme) mit der Betriebskostenabrechnung, die du einmal jährlich erhältst. Dort stehen ja alle umlagefähigen Posten drinnen und zudem hast du ja auch das Recht Rechnungen einzusehen, sodass alles nachvollziehbar ist.

    Hast du die Betriebskostenabrechnung rechtzeitig erhalten ?
    • Falls ja, warum wolltest/hast du dann diese nicht bezahlt ? Ich mein, das würde tatsächlich dich jetzt nicht in einem guten Licht dastehen lassen.
    • Falls nein, dann bist du natürlich rechtlich im Recht, weil der damalige Vermieter seine Frist versäumt hat. Ob das moralisch in Ordnung ist, das steht auf einem anderen Blatt.

    Versteh ich jetzt Inhaltlich nicht.

    Das sollte man m.E. trennen:
    • Einmal wäre zu überprüfen, ob die Mieterhöhung rechtens war, u.a. auch wann die neue Miete zu zahlen ist, ect. Das ist gesetzlich geregelt.
    • Als zweites ist das mit der Mietminderung, wo auch wiederum zu überprüfen wäre, u.a. wann hast du das deinem Vermieter mitgeteilt, ist die Höhe der Minderung in OK, ect.

    Nur weil der Vermieter Eigenbedarf anmeldet, bedeutet das noch lange nicht, das der Vermieter damit durchkommen muss. Hier wäre es m.E. durchaus sinnvoll, das man dies ggf. mal anwaltlich überprüfen lässt.

    Wenn laut Mietvertrag dir soviele Monate zustehen, dann würde ich mal behaupten das der Vermieter diese wohl oder übel einhalten muss. Ansonsten heißt im §573c BGB Abs.1: "Die Kündigung ist spätestens am dritten Werktag eines Kalendermonats zum Ablauf des übernächsten Monats zulässig. Die Kündigungsfrist für den Vermieter verlängert sich nach fünf und acht Jahren seit der Überlassung des Wohnraums um jeweils drei Monate."

    Will der Vermieter das du freiwillig früher ausziehst und du stimmst dem zu, dann geht das über einen Aufhebungsvertrag und da kann man so ziemlich alles vereinbaren, wie man sich eben einig wird, u.a. auch evtl. "Abfindungen", Übernahme von Umziehkosten, ect.
     
  4. #3 Aktionär, 21.10.2014
    Aktionär

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    Das könnte auch auf eine Pauschale hindeuten, was dann eine Erklärung für die bisher anscheinend nicht separat abgerechneten NKs wäre. Ist aber reine Spekulation meinerseits. Vielleicht kannst Du dazu noch etwas mehr sagen @karihel?
     
  5. Jobo45

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    Das erste Nachfragen sollte meiner Meinung nach immer direkt statt finden. Denn wenn ich als WM einen Brief vom Rechtsanwalt bekomme, schalte ich auch auf gesetzeskonform um.

    Scheinbar kennt Deine Vermieterin ihre Pflichten, die sich aus der Vermietung ergeben, nicht!

    Das sind wohl typoische Reaktionen auf ein gestörtes Verhältnis zwischen VM und M. Eigentlich sollte der VM Dir das entsprechend anbieten.

    Wären Dir zwei Frauen lieber gewesen? Zwei Personen deshalb, damit die Zustellung bewiesen werden kann falls es vor Gericht geht.


    I
     
  6. #5 Papabär, 21.10.2014
    Papabär

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    Super! Ein ellenlanger Text mit relativ wenig relevanten Informationen. Ich versuche mal, die Baustellen zusammenbzufassen:

    Betriebskostenabrechnungen: So wie ich das verstehe, sind keine Pauschalen, sondern Vorauszahlungen vereinbart (kann mich natürlich irren) und die Abrechnungen 2011 & 2012 sind nicht, bzw. nicht fristgerecht erfolgt.

    Mieterhöhung: Hier ist mir nicht ganz klar, ob es sich um eine Erhöhung der Kaltmiete handelt - oder ob der Vermieter aufgrund der aktuellen Abrechnung lediglich die VZ angepasst hat. Letzteres wäre keine Mieterhöhung - wird aber von Laien gerne als solche betitelt.

    Mietminderung: Hier hat die TE offenbar die Miete ab Juni gemindert, weil dann einen Monat später mit Arbeiten an den Balkonen begonnen wurde. Verstehe ich das so richtig? Die Frage, die sich mir hier noch stellt ist, ob es sich bei den Sanierungsarbeiten um eine energetische Modernisierung handelt.


    Da wäre ich mir nicht mal unbedingt so sicher. Sieher vorheriger Absatz.



    [Ironie Anfang:]
    Ja, DASS ändert die Rechtslage natürlich vollkommen - DA gelten natürlich ganz andere Regeln ... [/Ironie]
     
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