Mieter klagt auf Zahlung von Nebenkosten

Diskutiere Mieter klagt auf Zahlung von Nebenkosten im Betriebs- und Heizkostenvorauszahlung Forum im Bereich Betriebs- und Heizkosten; Der Mieter ist am 31.01.2021 ausgezogen. Die Nebenkostenabrechnung für 01.07.2019 - 30.06.2020 wurde Ihm im Juni 2021 zugeschickt. Eine Mahnung...

Alex_2022

Neuer Benutzer
Dabei seit
11.05.2022
Beiträge
8
Zustimmungen
0
Der Mieter ist am 31.01.2021 ausgezogen.

Die Nebenkostenabrechnung für 01.07.2019 - 30.06.2020 wurde Ihm im Juni 2021 zugeschickt.

Eine Mahnung dazu ist bisher noch nicht erfolgt. Es wurde Ihm nur mitgeteilt, dass abzüglich der schon gezahlten Nebenkosten und der Mietkaution noch XXX € nachzuzahlen sind.

Die Abrechnung für den Zeitraum 01.07.2021-31.01.2021 wurde Ihm Ende April 2022 zugeschickt. Auch hier wurde Ihm mitgeteilt, dass abzüglich der schon gezahlten Nebenkosten und der Mietkaution noch XXX € nachzuzahlen sind.

Jetzt hat der ehemalige Mieter per Email Widerspruch eingelegt.

Zu der Abrechnung Nebenkosten 01.07.2019-30.06.2020 schreibt uns der Mieter:

Diese Position ist nicht umlagefähig. Nach Ablauf des Abrechnungszeitraumes haben Sie 1 Jahr Zeit, Betriebs- und Heizkosten mir gegenüber geltend zu machen. Nach Ablauf der Jahresfrist dürfen die Kosten nicht mehr umgelegt werden.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um xxx Euro ergeben.

Aufgrund der oben genannten Mängel steht uns ein Rückzahlungsbetrag in Höhe von xxx Euro zu.​


Muss tatsächlich eine Rückzahlung erfolgen oder kann ich den Mieter noch Anmahnen ?

Vielen Dank
Alex_2022
 
Andres

Andres

Moderator
Dabei seit
04.09.2013
Beiträge
12.339
Zustimmungen
6.094
Muss tatsächlich eine Rückzahlung erfolgen oder kann ich den Mieter noch Anmahnen ?
Da du nicht schreibst, was der Mieter genau reklamiert, ist eine inhaltliche Prüfung nicht möglich. Vom Prinzip her hat der Mieter aber Recht: Für das Abrechnungsjahr 01.07.2019 - 30.06.2020 ist die Abrechnungsfrist abgelaufen. Wenn die Abrechnung für das Abrechnungsjahr 19/20 fehlerhaft ist, kann der Vermieter nur noch solche Änderungen vornehmen, die nicht zu einer Nachzahlung führen, außer wenn er die Änderung selbst nicht zu vertreten hat, § 556 Abs. 3 BGB. Sollte die Abrechnung also tatsächlich fehlerhaft sein und nicht umlagefähige Positionen bzw. falsche Umlageschlüssel enthalten, kann sich eine Rückzahlung an den Mieter ergeben.

Der Mieter hat die Einwendungen auch rechtzeitig geltend gemacht. Er hat nach Erhalt der Abrechnung dafür 12 Monate Zeit.

Es bleibt dir natürlich trotzdem unbenommen, die geforderte Nachzahlung mit der Kaution aufzurechnen - der Mieter muss dich dann eben auf die Auszahlung verklagen. Mit der inhaltlichen Auseinandersetzung hat das nichts zu tun, nur mit der Frage, wer für das Verfahren die Kosten vorstrecken muss. Wenn du im laufenden Mietverhältnis den Mieter auf Zahlung verklagst, hast du den Vorschuss zu leisten, jetzt beim Streit um die Kaution wäre es der Mieter.
 

Alex_2022

Neuer Benutzer
Dabei seit
11.05.2022
Beiträge
8
Zustimmungen
0
danke für die Info. Allerdings habe ich nicht alles so 100% verstanden...
Der Mieter reklamiert einige Positionen der ihm im Juni 2021 zugesendeten Abrechnung für 19/20. Diese Positionen sind nur von einem geringen Betrag.

Aber als 2-tes schreibt er in seinem Widerspruch (siehe auch meinen 1-ten Beitrag oben):

"Nach Ablauf des Abrechnungszeitraumes haben Sie 1 Jahr Zeit, Betriebs- und Heizkosten mir gegenüber geltend zu machen. Nach Ablauf der Jahresfrist dürfen die Kosten nicht mehr umgelegt werden.".........

Also er reklamiert nochmals die komplette Abrechnung…….
Ich habe Ihm doch innerhalb der Jahresfrist die Abrechnung für 19/20 im Juni 21 zukommen lassen. Wieso sollte diese dann abgelaufen sein ?
Weil ich ihn 2021 nicht gemahnt bzw. verklagt habe ?
 

Melanie123

Erfahrener Benutzer
Dabei seit
15.10.2014
Beiträge
445
Zustimmungen
223
Es wäre möglich, dass der Mieter einfach nur irgendwelche im Internet gefundenen Textbausteine aneinander gereiht hat, um Dich zu verunsichern. Was ja auch gelungen ist.
Es könnte hilfreich sein, wenn Du Deine Nk-Abrechnungen und die Mail des Mieters hier anonymisiert einstellst.
 
Andres

Andres

Moderator
Dabei seit
04.09.2013
Beiträge
12.339
Zustimmungen
6.094
Also er reklamiert nochmals die komplette Abrechnung…….
Das lese ich so nicht, mag sich aus dem Kontext aber anders ergeben. Ohne die Abrechnung und den Widerspruch des Mieters vollständig zu kennen, kann ich dazu wenig sagen.
 

Alex_2022

Neuer Benutzer
Dabei seit
11.05.2022
Beiträge
8
Zustimmungen
0
hier der Widerspruch des Mieters per Email:

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit legen wir Widerspruch gegen die oben genannte Betriebskostenabrechnung vom XX.Juni 2021 ein und fordern Sie auf, die ausgewiesenen Fehler Ihrer Betriebskostenabrechnung zu korrigieren und uns eine korrigierte Abrechnung zu übersenden.

Den Widerspruch begründen wir wie folgt:​

Betrieb, Wartung Rolltor

Diese Position ist nicht umlagefähig.

Elektrische Türschließanlagen und Rolltore unterliegen bereits im täglichen Betrieb einer Funktionskontrolle. Erweist es sich als notwendig, sie wegen der mit dem Gebrauch einhergehenden Verschmutzung gelegentlich zu reinigen oder durch Öl gängig zu halten, sind dies Instandhaltungsmaßnahmen, nicht aber Wartungsarbeiten. (Lammel Wohnraummietrecht § 556 Rn 109; Langenberg in: Schmidt-Futterer § 556 Rn 234, Wall Betriebs- und Heizkostenkommentar 5. Auflage 2020, Rn 4794). Die Rechtsprechung hat daher zu Recht derartige Aufwendungen des Vermieters als umlagefähig verneint.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um X Euro ergeben.

Kosten Mehrfachparker
Hierbei handelt es sich um sonstige Betriebskosten i. S. v. § 2 Nr. 17 BetrKV. Es muss im Mietvertrag eindeutig bestimmt worden sein, welche Kosten der Vermieter unter sonstigen Kosten umlegt, d.h. was konkret der Vermieter unter „sonstigen Betriebskosten“ versteht, vgl. BGH Urt. v. 07.04.2004, Az.: VIII ZR 167/03. In dem Urteil heißt es u. a.: „Denn während der allgemeine Verweis auf die Anlage 3 hinsichtlich der Nummern 1 bis 16 dem Mieter hinreichende Klarheit darüber gibt, welche Nebenkosten auf ihn zukommen können, weil diese dort im Einzelnen aufgeführt sind, ist dies bei der Position 17 "sonstige Betriebskosten" nicht der Fall. Gerade im Hinblick darauf, dass nach § 546 BGB a.F. (jetzt § 535 Abs. 1 Satz 3 BGB) grundsätzlich der Vermieter verpflichtet ist, die auf dem Grundstück ruhenden Lasten zu tragen, muss dem Mieter deutlich gemacht werden, welche Betriebskosten auf ihn übergewälzt werden. Daher ist es erforderlich, die "sonstigen Betriebskosten" im Einzelnen zu benennen.

Da es an einer entsprechenden Vereinbarung zur Kostentragung der Position Kosten Mehrfachparker fehlt, sind die hier angesetzten Kosten nicht von uns zu tragen.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um X Euro ergeben.

Feuerschutz, Wartung Feuerlöscher
Hierbei handelt es sich um sonstige Betriebskosten i. S. v. § 2 Nr. 17 BetrKV. Es muss im Mietvertrag eindeutig bestimmt worden sein, welche Kosten der Vermieter unter sonstigen Kosten umlegt, d.h. was konkret der Vermieter unter „sonstigen Betriebskosten“ versteht, vgl. BGH Urt. v. 07.04.2004, Az.: VIII ZR 167/03. In dem Urteil heißt es u. a.: „Denn während der allgemeine Verweis auf die Anlage 3 hinsichtlich der Nummern 1 bis 16 dem Mieter hinreichende Klarheit darüber gibt, welche Nebenkosten auf ihn zukommen können, weil diese dort im Einzelnen aufgeführt sind, ist dies bei der Position 17 „sonstige Betriebskosten“ nicht der Fall. Gerade im Hinblick darauf, dass nach § 546 BGB a.F. (jetzt § 535 Abs. 1 Satz 3 BGB) grundsätzlich der Vermieter verpflichtet ist, die auf dem Grundstück ruhenden Lasten zu tragen, muss dem Mieter deutlich gemacht werden, welche Betriebskosten auf ihn übergewälzt werden. Daher ist es erforderlich, die „sonstigen Betriebskosten“ im Einzelnen zu benennen.

Da es an einer entsprechenden Vereinbarung zur Kostentragung der Position Feuerschutz, Wartung Feuerlöscher fehlt, sind die hier angesetzten Kosten nicht von uns zu tragen.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um X Euro ergeben.

Verbrauchsmaterial
Diese Position lässt sich aufgrund der von Ihnen gewählten Bezeichnung nicht eindeutig einer umlagefähigen Betriebskostenart im Sinne des Katalogs aus § 2 Betriebskostenverordnung zuordnen. Die Bezeichnung ist daher zu unbestimmt, was dazu führt, dass Sie uns diese Kosten nicht in Rechnung stellen durften.

Der Mieter muss anhand der Bezeichnung in der Abrechnung und etwaigen Erläuterungen in der Lage sein, die abgerechneten Kosten einer Nebenkostenart zuordnen zu können. Wenn dies nicht möglich ist, dann muss der Mieter für diese Kosten keine Zahlung leisten und diese wären dann herauszurechnen aus der Nebenkostenabrechnung.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um X Euro ergeben.

Grundkosten Heizung
Sie haben in der Betriebskostenabrechnung zu dieser speziellen Betriebskostenposition die Gesamtkosten für das ganze Abrechnungsjahr nicht angegeben. Insoweit ist diese Position formell fehlerhaft.

Sie haben keinen Gesamtverteilerschlüssel angegeben.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um X Euro ergeben.

Verbrauchskosten Heizung

Sie haben in der Betriebskostenabrechnung zu dieser speziellen Betriebskostenposition die Gesamtkosten für das ganze Abrechnungsjahr nicht angegeben. Insoweit ist diese Position formell fehlerhaft.

Sie haben keinen Gesamtverteilerschlüssel angegeben.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um X Euro ergeben.

Grundkosten Warmwasser
Sie haben in der Betriebskostenabrechnung zu dieser speziellen Betriebskostenposition die Gesamtkosten für das ganze Abrechnungsjahr nicht angegeben. Insoweit ist diese Position formell fehlerhaft.

Sie haben keinen Gesamtverteilerschlüssel angegeben.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um X Euro ergeben.

Verbrauchskosten Warmwasser
Sie haben in der Betriebskostenabrechnung zu dieser speziellen Betriebskostenposition die Gesamtkosten für das ganze Abrechnungsjahr nicht angegeben. Insoweit ist diese Position formell fehlerhaft.

Sie haben keinen Gesamtverteilerschlüssel angegeben.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um X Euro ergeben.

Wasser/Abwasser
Sie haben in der Betriebskostenabrechnung zu dieser speziellen Betriebskostenposition die Gesamtkosten für das ganze Abrechnungsjahr nicht angegeben. Insoweit ist diese Position formell fehlerhaft.

Sie haben keinen Gesamtverteilerschlüssel angegeben.

Sie haben lediglich die Kosten pro m³ angegeben. Diese Angabe genügt nicht.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um X Euro ergeben.

Miete Messgeräte KWZ

Sie haben in der Betriebskostenabrechnung zu dieser speziellen Betriebskostenposition die Gesamtkosten für das ganze Abrechnungsjahr nicht angegeben. Insoweit ist diese Position formell fehlerhaft.

Sie haben keinen Gesamtverteilerschlüssel angegeben.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um X Euro ergeben.

Abrechnung Nebenkosten 01.07.2019-30.06.2020

Diese Position ist nicht umlagefähig. Nach Ablauf des Abrechnungszeitraumes haben Sie 1 Jahr Zeit, Betriebs- und Heizkosten mir gegenüber geltend zu machen. Nach Ablauf der Jahresfrist dürfen die Kosten nicht mehr umgelegt werden.

Die Berechnung des Anteils an dieser Betriebskostenart ist fehlerhaft erfolgt. Der Anteil beträgt 0,00 Euro.

Aufgrund des oben genannten Mangels würde sich derzeit eine Reduzierung der Betriebskostenabrechnung um XXX Euro ergeben.


Aufgrund der oben genannten Mängel steht uns ein Rückzahlungsbetrag in Höhe von XXX Euro zu.

Wir fordern Sie auf, diesen Betrag binnen zwei Wochen auf unser Konto zu überweisen.

Mit freundlichen Grüßen,​
 

Alex_2022

Neuer Benutzer
Dabei seit
11.05.2022
Beiträge
8
Zustimmungen
0
hier ganz kurz und vereinfacht die Abrechnung 2019-2020 an den Mieter:

01.07.2019-30.06.2020 Nebenkosten= XXX€

vom Mieter bisher bezahlt XXX€

Noch zu zahlen XXX€



anbei die anonymisierten Abrechnungen
 

Anhänge

  • Screenshot (683).JPG
    Screenshot (683).JPG
    61,6 KB · Aufrufe: 59
  • Screenshot (684).JPG
    Screenshot (684).JPG
    57,7 KB · Aufrufe: 60

Melanie123

Erfahrener Benutzer
Dabei seit
15.10.2014
Beiträge
445
Zustimmungen
223
Mit anonymisiert meinte ich, dass Namen und Adressen geschwärzt werden sollten.
Die Zahlen jedoch sind wichtig. Ohne diese ist keine Einschätzung möglich.

Weiterhin erforderlich ist der genaue Passus des Mietvertrages in Bezug auf die Betriebskosten.
 
Andres

Andres

Moderator
Dabei seit
04.09.2013
Beiträge
12.339
Zustimmungen
6.094
Ok, also der Reihe nach:

Betrieb, Wartung Rolltor
Kosten Mehrfachparker
Feuerschutz, Wartung Feuerlöscher

Auch wenn ich der genannten Kommentierung hinsichtlich Rolltor nicht so richtig zustimme, hat der Mieter doch in einem Punkt Recht: Wenn das umgelegt werden soll, muss es im Mietvertrag genannt werden. Diese Argumentation gilt ganz besonders für die anderen Positionen. Es ist zwar nicht ganz so extrem, wie es in BGH VIII ZR 167/03 klingt, vor allem hinsichtlich Betriebskosten, die erst nach Vertragsschluss entstehen (z.B. die Rauch-Warnmelder, die in älteren Verträgen nicht genannt werden), aber im Grundsatz ist es schon so, wie vom Mieter dargelegt: Umlage nur mit vertraglicher Vereinbarung.

Verbrauchsmaterial
Sehe ich wie der Mieter: Ist eine völlig unklare Bezeichnung. Ich hätte auch den dringenden Verdacht, dass hier nicht umlagefähige Positionen enthalten sind. Ist dir wenigstens bekannt, welche Kosten das sind?

Die ganze Heiz-/Warmwasser/Kaltwasser-Geschichte
Die vollständige Heizkostenabrechnung hatte sicher mehr als nur diese erste Seite, die du hier eingestellt hast. Dort wären dann auch die Summen gewesen, die der Mieter (völlig zu Recht!) sehen will. Hat der Mieter wirklich nur diese zwei Seiten bekommen? Noch nicht mal ein Anschreiben? Wer hat dem Mieter die Abrechnung eigentlich zukommen lassen? Hast du das selbst gemacht oder war die Verwaltung damit beauftragt?

Abrechnung Nebenkosten 01.07.2019-30.06.2020
Diese Position sehe ich nicht auf den eingestellten Unterlagen. Sie ist jedenfalls nicht umlagefähig. Nur die Erstellung der Heizkostenabrechnung ist umlagefähig, nicht die Erstellung der ganzen Betriebskostenabrechnung.

Das grundlegende Problem ist, dass hier wohl einfach die Abrechnung der Eigentümergemeinschaft an den Mieter durchgereicht wurde. Das funktioniert so nicht:
  • Es werden gerne Kosten vergessen. Wo ist denn die Grundsteuer?
  • Die Abrechnung ist nicht an den Mieter gerichtet. Oben steht überall "Leistungsnehmer" und "Eigentümer". Es war eher noch großzügig, dass der Mieter das nicht beanstandet hat.
  • Wenn die Gemeinschaft Kosten als "umlagefähig" ausweist, meint das nur die allgemeine Umlagefähigkeit. Ob die Umlage mit dem Mieter vereinbart ist, ist damit nicht geklärt.
  • Im Extremfall sind mit dem Mieter auch noch andere Umlageschlüssel vereinbart als die, die in der Gemeinschaft gelten.

Zu den Forderungen des Mieters: Du musst eine korrekte Abrechnung erstellen, und zwar auch jetzt noch, nachdem die Frist für dich abgelaufen ist. Das ganze Gedöns um die Heizkosten sollte damit abzuwenden sein. Ob du weiter auf die übrigen strittigen Positionen bestehst, musst du selbst überlegen.

Wenn wir nun davon ausgehen wollen, dass die Behauptungen des Mieters ungefähr zutreffend sind (er hat nur diesen Bruchteil der Heizkostenabrechnung bekommen, die Umlage "sonstiger" Betriebskosten ist nicht näher bestimmt, das Verbrauchsmaterial ist tatsächlich nicht umlagefähig) und du die Abrechnung nun korrigierst, ergeben sich grob zwei Szenarien:
  • Unter Berücksichtigung der Heizkosten aber ohne die anderen Positionen ergibt sich weiterhin eine Nachzahlung. Der Mieter muss diese Nachzahlung nicht leisten. Wenn du sie trotzdem mit der Kaution aufrechnest, könnte der Mieter dagegen mit einigen Erfolgsaussichten klagen.
  • Selbst mit den Heizkosten ergibt sich eine Rückzahlung an den Mieter. Dieser Betrag wäre dann auszuzahlen, und zwar zeitnah nach der Abrechnung, nicht etwa erst mit der Kaution.
 

Alex_2022

Neuer Benutzer
Dabei seit
11.05.2022
Beiträge
8
Zustimmungen
0
Ok, also der Reihe nach:........
danke, ich denke dies habe ich soweit verstanden, aber warum schreibt der Mieter:
"Nach Ablauf des Abrechnungszeitraumes haben Sie 1 Jahr Zeit, Betriebs- und Heizkosten mir gegenüber geltend zu machen. Nach Ablauf der Jahresfrist dürfen die Kosten nicht mehr umgelegt werden."
Wie ist dies zu verstehen? Ich, der Vermieter hat jetzt noch 1 Jahr Zeit die Betriebs- und Heizkosten in korrekter Form geltend zu machen oder ist die Frist ist abgelaufen?
 
Andres

Andres

Moderator
Dabei seit
04.09.2013
Beiträge
12.339
Zustimmungen
6.094
"Nach Ablauf des Abrechnungszeitraumes haben Sie 1 Jahr Zeit, Betriebs- und Heizkosten mir gegenüber geltend zu machen. Nach Ablauf der Jahresfrist dürfen die Kosten nicht mehr umgelegt werden."
Wie ist dies zu verstehen? Ich, der Vermieter hat jetzt noch 1 Jahr Zeit die Betriebs- und Heizkosten in korrekter Form geltend zu machen oder ist die Frist ist abgelaufen?
Die Frist ist abgelaufen. Nach Ende des Abrechnungsjahrs hat der Vermieter 12 Monate Zeit, um dem Mieter eine Betriebskostenabrechnung zukommen zu lassen.

Es ist wichtig zu verstehen, was "Frist abgelaufen" in diesem Fall bedeutet:
  • Der Mieter hat trotzdem einen Anspruch auf eine korrekte Betriebskostenabrechnung. Er hat Vorauszahlungen geleistet und hat daher ein Recht zu erfahren, ob wirklich Betriebskosten in (mindestens) dieser Höhe angefallen sind. Dieser Anspruch verjährt auch nur mit der gewöhnlichen Verjährungsfrist, d.h. in diesem Fall erst zum Ende des Jahres 2023.
  • Sollte dem Vermieter keine korrekte Abrechnung gelingen, besteht letztendlich sogar die Gefahr, dass der Mieter (zu Recht!) alle Vorauszahlungen zurückfordert. Das sehe ich hier zwar als eher unwahrscheinlich an, da der Mieter dann wohl viel stärker in Richtung formeller Unwirksamkeit argumentieren würde. Andererseits ist die Frist, in der der Mieter noch Einwendungen vorbringen kann, noch nicht abgelaufen.
  • Der Ablauf der Abrechnungsfrist hat nur eine unmittelbare Folge: Der Vermieter kann nun keine Nachforderungen mehr geltend machen, außer wenn er die Verspätung nicht zu vertreten hat. Deshalb reitet der Mieter so sehr darauf herum, dass ihm unter Berücksichtigung der korrekten Positionen der Abrechnung eine Rückzahlung zustehen würde: Es bedeutet, dass er keinerlei Nachzahlung für dieses Abrechnungsjahr leisten muss. Wenn der Vermieter nun die Abrechnung korrigiert, dadurch z.B. die Heizkosten korrekt geltend macht und sich daraus eine Nachzahlung ergibt, handelt es sich dabei um eine Nachforderung - der Mieter muss das nicht zahlen.
Du musst jetzt die Abrechnung korrigieren, um wenigstens Rückzahlungsansprüche des Mieters abzuwenden. Die eigentlich fällige Nachzahlung geht auf's Konto "Lehrgeld".

Du solltest außerdem unbedingt die Abrechnung 20/21 prüfen, damit hier nicht die gleichen Fehler passieren. Hier ist die Abrechnungsfrist noch nicht abgelaufen, d.h. Korrekturen auch zu deinen Gunsten wären noch bis Ende Juni 2022 möglich.
 

Alex_2022

Neuer Benutzer
Dabei seit
11.05.2022
Beiträge
8
Zustimmungen
0
danke für die verständlichen Infos @Andres , ich habe dem Mieter eine geänderte "korrekte" Abrechnung zukommen lassen und wir haben uns geeinigt.
 

Alex_2022

Neuer Benutzer
Dabei seit
11.05.2022
Beiträge
8
Zustimmungen
0
eine Frage habe ich noch, falls 2 Mieter in einem Mietvertrag aufgeführt sind, müssen bei einer Klage/Rückzahlungsforderung seitens der Mieter beide im Mietvertrag stehenden Mieter diese Klage/Rückzahlungsforderung "unterschreiben" ? oder kann dies auch nur einer der Mieter einfordern?
 
immobiliensammler

immobiliensammler

Erfahrener Benutzer
Dabei seit
17.09.2015
Beiträge
7.904
Zustimmungen
4.293
Ort
bei Nürnberg
eine Frage habe ich noch, falls 2 Mieter in einem Mietvertrag aufgeführt sind, müssen bei einer Klage/Rückzahlungsforderung seitens der Mieter beide im Mietvertrag stehenden Mieter diese Klage/Rückzahlungsforderung "unterschreiben" ? oder kann dies auch nur einer der Mieter einfordern?

Was ist denn zur gegenseitigen Bevollmächtigung im Mietvertrag geregelt (Stichwort Personenhmehrheit auf Mieterseite)?
 

Alex_2022

Neuer Benutzer
Dabei seit
11.05.2022
Beiträge
8
Zustimmungen
0
1652516314904.png


wenn ich dies richtig verstehe, unter Punkt 1. "Gesamtschuldner"....dann müssen alle im Mietvertrag stehenden Mieter diese Klage/Rückzahlungsforderung "unterschreiben" ?!
oder gilt doch Punkt 2. "...bevollmächtigen sich ....gegenseitig.........." ?
 
Thema:

Mieter klagt auf Zahlung von Nebenkosten

Mieter klagt auf Zahlung von Nebenkosten - Ähnliche Themen

Fristlose Kündigung: Hallo Zusammen, folgender Fall. Seit April erhalte ich von meiner Mieterin keine Miete mehr. Meine Mieterin ist Bezieherin von Hartz4 Leistungen...
Kündigung wegen nicht Zahlung der Miete: Liebe Forum-Mitglieder, das Mietverhältnis zwischen Mieter M und seinem Vermieter V wurde von V wegen unerlaubter Untervermietung und nicht...
Mieter renoviert auf eigene Kosten: Liebe Leute, ich bitte um eure Meinung zu dem folgenden Fall: Ich vermiete ein Dreiparteienhaus in einer Kleinstadt, Bj 1940, renoviert, aber eher...
Vermieterin behält sich Renovierungskostenpauschale ein: Guten Tag, ich hoffe ihr hattet alle besinnliche Weihnachten. Ich habe jetzt seit einem guten halbem Jahr Laufereien wegen einer Kaution, die...
Kündigen wegen Nichtzahlung der Miete: Hallo, der Mieter zahlt jetzt mittlerweile den 3. Monat in Folge keine Miete. Mietvertrag von 2016. Was müsste im Kündigungsschreiben enthalten...
Oben