Mit respektlosen Mietern per eMail umgehen

Diskutiere Mit respektlosen Mietern per eMail umgehen im MV - Allgemeine Fragen Forum im Bereich Mietvertrag über Wohnraum; Vor kurzem habe ich mir die Frage gestellt, ob ich zu nett zu Mietern bin. Ich hatte bislang immer den Eindruck, daß das nüchterne...

  1. #1 Maik Hering, 14.04.2020
    Maik Hering

    Maik Hering Benutzer

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    Vor kurzem habe ich mir die Frage gestellt, ob ich zu nett zu Mietern bin.

    Ich hatte bislang immer den Eindruck, daß das nüchterne Aneinanderreihen von Fakten als Antwort auf verbale Ausfälle mein Gegenüber dazu bringt, seinen Ton zu ändern.

    Das ist so nicht meine Erfahrung mit Mietern.

    Der Hinweis kommt einfach nicht an, vermutlich wird dies als Schwäche ausgelegt.

    Ich stelle mir immer vor, daß meine eMails auch ein Richter lesen könnte und ich möchte dadurch mein Ansehen nicht schmälern bzw. glaube ich, daß eine Verurteilung wegen Beleldigung nicht funktionieren könnte, wenn ich selbst beleidige. Und ich möchte jemandem, der mir schaden will, selbst legal maximal schaden. Bis jetzt habe ich das aber nicht bestätigt bekommen. Fraglich ist auch, was denn die Strafe ist, wenn es nicht eh wegen Geringfügigkeit eingestellt wird. Da kann ich ja gleich selbst zurückschießen, schließlich habe ich durch seine Beleidigung einen Freifahrschein.

    Doch praktisch werde ich immer wütender und mein Gegenüber macht immer weiter, weil es glaubt, ich wäre zu ängstlich, ihm die Meinung zu sagen, weil ich VOR IHM Angst hätte, was nicht stimmt.

    Er glaubt, er hätte freie Bahn.

    Es ist das typische Szenario, in dem der Mieter keine Ahnung vom Mietrecht hat und wild Anschuldigungen und beliebige Paragraphen wirft. Zwischendurch wird man als "Herrenmensch"(sic) bezeichnet, weil man sich schlicht auf die Normen bezieht. Sicher könnte ich sagen, daß der Mieter mir damit nur zeigt, daß ich besser bin als er und er nicht damit klarkommt, er neidisch auf mein Wissen und meine Position ist. Und daß er vermutlich gerade jetzt völlig konfus und wegen der extrem negativen Stimmung überfordert ist und glaubt, hier ein Ventil zu haben.

    Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar, daß meine Art der Grenzziehung früher und härter kommen muß. Wenn er Mängel melden will, muß er eben einen gewissen Ton zeigen, sodaß ich die Mängel nicht aus einem See von Beleidigungen fischen muß.

    Wie gehst du mit solchen Mietern um? Und jetzt erzähl mir nicht, das ließe dich kalt.
     
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  3. GSR600

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    Der Mieter, der mich persönlich angreift erhält zukünftig jede Post über unseren Anwalt beantwortet. Oder wenn es Nichtigkeiten sind gar keine Antwort.
     
  4. #3 Maik Hering, 14.04.2020
    Maik Hering

    Maik Hering Benutzer

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    Hast du eine Rechtsschutzversicherung oder wie finanzierst du das?
     
  5. #4 ehrenwertes Haus, 14.04.2020
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    Sachlich.
    Die Dringlichkeit einer Antwort hängt nicht von der Höflichkeit ab, mit der ein Problem mitgeteilt wird.
    Die Wortwahl kann aber Einfluß auf die Reaktionsgeschwindigkeit beim konkreten Mieteranliegen haben.

    Wenn dich schlechte Manieren/Umgangsformen/unfreundliche Wortwahl bei deinen Mietern stören, musst du deine Mieter anders aussuchen.


    Dich nicht? Dann hol dir Hilfe. Anwälte können da eine sehr beruhigende Wirkung haben.
     
  6. #5 immodream, 14.04.2020
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    Hallo,
    wenn ein Mieter mich beleidigen würde,würde ich gar nicht darauf reagieren, sondern mich umdrehen und gehen.
    Wenn ihm was nicht gefällt, soll er das schriftlich erklären . Keine Emails .
    So verfahre ich auch mit Schreiben von Mietervereinen oder Anwälten, die irgendwelche Anschuldigungen gegen mich erheben.
    Ich lasse mich nicht provozieren ( auch wenn es schwer fällt ) und auch auf keine Diskussionen ein.
    Bringt nichts und hinterher kann man sich nicht mehr daran erinnern, was wirklich gesagt und beschlossen wurde.
    Grüße
    Immodream
     
  7. Andres

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    Wenn das eine einmalige Sache war, kann man mal möglichst sachlich auf den Umgangston unter Erwachsenen hinweisen. Mindestens in der gefühlten Mehrzahl der Fälle merkt der andere (das ist nicht auf Mieter beschränkt), dass er sich so nicht benehmen sollte, gelegentlich gibt es sogar eine Entschuldigung, zumindest ist danach ein sachlicher Umgang möglich.

    Bei manchen Leuten funktioniert das nicht. Nun sieht @GSR600 das aus einer etwas anderen Perspektive als ich (nämlich aus der beruflichen), aber im Ergebnis ist genau das das richtige Vorgehen: Wenn jeder Vorgang, der bei der Verwaltung auf dem Schreibtisch landet, entweder in den Papierkorb oder in die Rechtsabteilung bzw. zum externen Juristen wandert, wird der Mieter maximal ignoriert und bekommt nur noch das, worauf er einen eindeutigen rechtlichen Anspruch hat. Genau das ist die richtige Vorgehensweise.


    Mir hat mal eine Mieterin gesagt, dass ich sicher auch in Auschwitz Juden in die Gaskammer geschickt hätte, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte. Das lässt wahrscheinlich niemanden kalt und mich auch nicht. Hätte ich damals das gemacht, was mein erster Impuls war, würde ich vermutlich noch heute im Knast sitzen. Wem nützt das? Stattdessen war das o.g. Vorgehen in wirklich jeder denkbaren Hinsicht für mich die bessere Lösung.

    Es ist völlig in Ordnung, sich mal aufzuregen, nicht-öffentlich. Danach geht es mit professioneller Distanz weiter. Es ist nicht meine Aufgabe, andere Leute zu erziehen. Wenn mein Gegenüber ein Depp sein will, dann soll er eben ein Depp sein. Mit den Folgen muss er dann selbst klarkommen.
     
  8. #7 Kunigunde, 15.04.2020
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    Hallo Maik,
    vorab, ich habe solche Mieter nicht. Meine Überlegung dazu:
    Manchmal ist es besser, keine persönlichen Gespräche zu führen, sondern wirklich alles nur schriftlich zu erledigen. Beschwerden und Anfragen von Mietern mit denen man nicht gut auskommt würde ich ausschließlich schriftlich, ggf. mit Foto des Mangels, erbitten. Für die erforderlichen Überlegungen, welche Maßnahmen getroffen werden müssen (oder auch nicht) bleibt dann ein wenig Zeit, anschließend wird die sachlich fundierte und emotionsfreie Antwort an den Mieter zurückgeschickt. Briefverkehr wird natürlich aufbewahrt um ggf. damit beim Anwalt vorstellig zu werden, sollte das Problem nicht behoben werden können.
     
  9. #8 Maik Hering, 15.04.2020
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    Es geht hier um eMails, also schriftlichen Verkehr. Was vermutlich den Mieter erst dazu bringt, zu glauben, er sei noch im "anonymen Internet".
     
  10. #9 Kunigunde, 15.04.2020
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    Bin irrtümlich davon ausgegangen, dass die Auseinandersetzungen auch in der direkten Begegnung stattgefunden haben.
     
  11. #10 Goldhamster, 15.04.2020
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    Hallo @liebe Forumsmitleser,
    ich weiß ja nicht, was der @Maik Hering hier wieder für große Probleme kundtut. Eine böse Email ist ein ganz alltägliches Vorkommnis in der Geschäftswelt.
    Natürlich lässt es mich und auch viele andere Menschen kalt. Wieso soll ich das nicht erzählen?

    Was kommt als nächstes für eine Frage vom Hering? z. B. : "Es hat jemand im Aufzug gepupst, wie geht ihr damit um?"

    guten Umgang pflegt
    DER HAMSTER
     
  12. GSR600

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    Naja da sowas ja bei mir auf der Arbeit passiert und ich bei einer Genossenschaft arbeite, zahlt sowas dann natürlich der Arbeitgeber.
     
  13. #12 taxpert, 15.04.2020
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    Ich arbeite seit 25 Jahren in der "Lieblings"-Behörde der Deutschen. Ihr möchtet gar nicht wissen, wie ich schon alles genannt wurde oder was ich mir alles anhören durfte!

    Meine Frau hat 15 Jahre in einer psychiatrischen Klinik (Verwaltung) gearbeitet. Wenn ich hier auflisten würde, wie man sie in dieser Zeit alles genannt hat oder was sie sich hat alles anhören müssen, dann müsste einer der Moderatoren tätig werden, sonst würde die Webseite indiziert!

    Mein erster Mieter hat mich nicht nur des Mordversuchs an seiner frau bezichtigt, sondern bei der Wohnungsübergabe auch mit körperlicher Gewalt gedroht.

    Was ich damit sagen will ist, dass Vermieten ein Unternehmen und damit nichts weiter als eine berufliche Tätigkeit ist. Entweder man lernt mit den Herausforderungen seiner Tätigkeit umzugehen (und da muss jeder seinen eigenen Weg finden!), oder man muss die Tätigkeit aufgeben und sein Geld anderweitig verdienen.

    taxpert
     
  14. Duncan

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    Was denn nun? Eine E-Mail, sprich eine textliche Kommunikationsform, oder um schriftliche Nachrichten, sprich auf "totem Baum"'?
    Mag man für Korinthenkackerei halten, wenn aber in der Kommunikation eine Kündigung enthalten ist, wird es ggf. spannend.

    Zum Rest wurde ja schon alles gesagt, sprich einfach sachlich die Fakten abarbeiten, den Rest je nach Begleitumständen ignorieren bis ab zum RA. Und noch mal: Rechtsanwälte sind gar nicht so teuer, wenn man sie richtig einsetzt. Geschickt platziert bezahlt sie der Mieter zusätzlich zu seinen eigenen Kosten und diversem Aufschlag...
     
  15. Dr.EM

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    Dann gebe ich auch noch mein Senf dazu liebe Leute!

    Unfreundlichkeit ist leider weit verbreitet in der Gesellschaft.
    Die Gründe sind unterschiedlich und sehr verschieden!
    Bei mir läuft das folgender maßen ab, nach einer erfolgter Beleidigungen, diese gehen gar nicht!!!,
    wird einfach der Mietvertrag gekündigt.:4:
    Die Begründung ist , "weil die vertraglich Fortführung dem Vermieter nicht weiter zuzumuten wäre", ähnlich bei einem Arbeitsverhältnis.
    Das sitzt dann meist.

    Ich hatte schon Mieter, die haben sich echt aufrichtigst entschuldigt und wollten danach direkt den Gang nach Canossa antreten.:sorry:top
     
  16. GSR600

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    Das hört sich zwar toll an, würde vor Gericht aber sicher nicht durchgehen.
     
  17. #16 ehrenwertes Haus, 16.04.2020
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    Es gibt schon Beleidigungen, die eine Kündigung deswegen auch vor Gericht bestand haben lassen.
    Auch fristlose Kündigungen sind damit u.U. möglich. Aber so easy wie @Dr.ErichMüller-Kit das darstellt ganz sicher nicht.

    Das Problem ist meist die Nachweisbarkeit und der Schweregrad einer oder mehrer Beleidungen. Das muss extrem ehrverletzend sein. Meist geschehen solche Anfeidungen nicht unter Zeugen oder schriftlich. So ziemlich jede andere Kündigungsoption ist vor Gericht leichter durchzusetzen als ausgerechnet das zerrüttete Vertrauensverhältnis.

    Geht die Kündigung vor Gericht durch, bei unzumutbarem Mieterverhalten normalerweise fristlos, sollte man nicht zwingend von einer Auszugsfrist von wenigen Tagen ausgehen. Es kann auch einige Monate Ziehfrist vom Gericht als angemessen bezeichnet werden und Verzögerungsoptionen können auch zugestanden werden. Zeit, die ein Mieter, der ohnehin nichts mehr zu verlieren hat, hervorragend nutzen kann, nicht nur für Wohnungssuche und Umzugsplanung. Ob die Mieterideen dann dem VM und/oder den restlichen Hausbewohnern gefallen, steht auf einem anderen Blatt Papier.


    Schön für dich, aber keine pauschal zu empfehlende Vorgehensweise.
     
  18. Dr.EM

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    Danke Leute "einfach" eine Kündigung "aussprechen", dass ist schon kein Problem.
    Der Rest sicher schon, sie dann durchzuziehen!

    Aber mir kam der Mieter dann so weitentgegen,dass wir einen Deal machten.
    Dabei verzichtete ich auf die Durchsetzung der Kündigung und der Mieter auf erhebliche andere Forderungen.
    Ich fand das sehr gut und zusätzlich gab es noch eine Entschuldigung.
     
  19. #18 ehrenwertes Haus, 17.04.2020
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    Stimmt.
    Mit haltlosen Kündigungen oder Androhungen einer Kündigung sich zum Affen machen, ist kein Problem.
    Respekt verdient man sich damit nicht, selbst wenn man im Einzelfall damit mal erfolgreich sein sollte.

    Nur weil du bei deinem Mieter damit Erfolg hattest, ist das kein Patentrezept das man zur Nachahmung empfehlen kann.
    Rechtlich bewegt man sich damit schnell im Bereich der Nötigung, mit entsprechendem Bumerangpotential für VMs.

    Besser bei allgemein bewährten Methoden bleiben und die Möglichkeiten des BGB ausnutzen, als zu halbseidenen Aktionen motivieren oder diese gar als super Idee propagieren. Die meisten wirklich schwierigen Mieter kennen sich im Mietrecht bestens aus (bzw. ihre Anwälte, die man auch auf Armenrecht engagieren kann).

    Man kann jedem Mieter anbieten auf eine Kündigungsfrist zu verzichten oder den Mietvertrag aufzuheben.
    Man kann einem Mieter auch sagen, dass man keinen Wert auf den Fortbestand des Mietverhältnisses legt.
    Nur mit heißer Luft "drohen" als allgemeine Empfehlung ist Unfug und bei echten Problemmieter absolut nicht zielführend.
     
  20. Dr.EM

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    Eine Kündigung des Mietvertrages nach erfolgter Vermieterbeleidigung ist im Einzelfall sehr wohl möglich liebe Leute.










    Zitat aus VDIV.de

    "11.05.2015 - Mietrecht
    Vermieter müssen Beleidigungen von Mietern nicht hinnehmen – Fristlose Kündigung möglich
    Ist das Vertrauensverhältnis durch eine ehrverletzende Äußerung tief erschüttert, kann der Vermieter ohne vorherige Abmahnung das Mietverhältnis kündigen. Eine Abwägung der Umstände ist im Einzelfall stets erforderlich.

    Ob eine Beleidigung des Vermieters durch den Mieter eine wirksame Kündigung zur Folge haben kann, ist immer eine Einzelfallentscheidung und erfordert die Berücksichtigung der konkreten Gesamtumstände. Dabei spielt unter anderem eine wesentliche Rolle, ob die Beleidigung provoziert wurde, später eine Entschuldigung folgte und ob die Gefahr einer Wiederholung besteht.

    Eine Beleidung im Sinne des Strafgesetzes setzt eine ehrverletzende Kundgabe von Missachtung oder Nichtachtung gegenüber dem Beleidigten oder Dritten voraus. Eine strafbare Ehrverletzung muss über eine bloße Unhöflichkeit oder Taktlosigkeit hinausgehen. Eine solche Äußerung stellt immer auch eine Vertragsverletzung dar, wenn sie gegenüber dem Vertragspartner oder dessen Stellvertreter/Mitarbeiter geäußert wurde. Soll dies eine fristlose Kündigung des Vertragsverhältnisses zur Folge haben, muss die Vertragsverletzung so schwer wiegen, dass dem anderen Teil die Fortsetzung des nicht zugemutet werden kann.

    So hat das Amtsgericht München bereits 2013 entschieden, dass die Bezeichnung „Schwein" nicht nur eine Beleidigung sondern auch eine erhebliche Vertragsverletzung sei. Deute das nachträgliche Verhalten des Mieters nicht darauf hin, dass eine solche „Entgleisung" ein Einzelfall war, kann es für den Vermieter durchaus unzumutbar sein, das Mietverhältnis fortzusetzen.
    Jüngst entschied das Amtsgericht München, dass die Äußerung „Sie promovierter Arsch!" die Ehre verletzen kann und eine fristlose Kündigung des Mietvertrages rechtfertigt.

    Der Fall:
    Die beklagten Mieter beschwerten sich zunächst früh morgens telefonisch beim Vermieter (Kläger), dass die Wassertemperatur in ihrem Bad nur 35 Grad statt die erforderlichen 40 Grad erreiche. Als sich die Parteien dann gegen 9 Uhr auf dem Gemeinschaftshof trafen, bat der Vermieter um Zugang zur Wohnung, um die Wassertemperatur überprüfen zu können. Die Mieter lehnten dies ab, weil sie keine Notwendigkeit dafür sahen, da ihnen zufolge im ganzen Haus die Wassertemperatur zu niedrig sei. Während dieses Wortwechsels titulierte der Beklagte seinen Vermieter mit „Sie promovierter Arsch". Daraufhin kündigte dieser das Mietverhältnis wegen Beleidigung fristlos. Die Beklagten halten die Kündigung für nicht gerechtfertigt, da die Beleidigung nicht grundlos erfolgt sei. Schließlich habe der Kläger sie provoziert, indem er sie zunächst duzte und dann körperlich angriff.

    Die Entscheidung:
    Das Amtsgericht München gab dem Vermieter Recht und erachtete die Kündigung für wirksam. Die Vertragsverletzung sei schwerwiegend. Dem Vermieter könne daher nicht zugemutet werden, das Mietverhältnis fortzusetzen. Die Äußerung des Mieters sei mehr als eine reine Unhöflichkeit ohne ehrverletzenden Charakter. Von Bedeutung sei auch, dass die Mieter im gleichen Hause wohnen und sich damit regelmäßig über den Weg liefen. Des Weiteren habe sich der Mieter bis jetzt nicht entschuldigt. Dass der Vermieter den Mieter zuvor provoziert habe, konnte hingegen nicht bewiesen werden.

    Die Konsequenzen:
    Die ehrverletzende Äußerung eines Mieters kann eine fristlose Kündigung des Mietverhältnisses rechtfertigen. Eine Abmahnung ist nicht erforderlich, wenn die Beleidigung die Vertrauensgrundlage zwischen den Parteien schwerwiegend erschüttert und eine Abmahnung nicht erfolgsversprechend ist.


    AG München, Urteil vom 28.11.2014 – 474 C 18543/14
    AG München, Urteil vom 16.7.2013 – 411 C 8027/13
    "
     
  21. GSR600

    GSR600
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    Ja das ist ein AG Urteil, der nächste Amtsrichter sieht das anders, es ist einfach nicht so einfach wie Du das hier darstellen willst.
     
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