Musizieren - was ist hinzunehmen

Dieses Thema im Forum "WEG - Allgemeine Fragen" wurde erstellt von Blauaeugig, 25.02.2014.

  1. #1 Blauaeugig, 25.02.2014
    Blauaeugig

    Blauaeugig Benutzer

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    Guten Morgen,
    wir wohnen in einer selbstgenutzten Eigentumswohnung (5-Parteien-Haus, Bj. 2011) im Souterrain. Sowohl direkt über uns im Erdgeschoss befinden sich 2 Wohnungen (beide von den Eigentümern bewohnt), darüber im 1. Stock nochmals 2 Wohnungen (beide vermietet).
    Die Dame über uns hat ihren Kellerraum vom Bauträger als Musikzimmer ausbauen lassen. Bei der Besichtigung unserer Wohnung wurde uns vom Bauträger erklärt, dass dort ein Musikzimmer sei, in dem "manchmal ein wenig Klavier gespielt wird". Der Raum sei aber schalldicht. Die Eigentümerin wohnt in der Wohnung mit ihren erwachsenen Kindern (20, 22), die beide Musik studieren. Die Dame ist Organistin in der örtlichen Kirchengemeinde und gibt in dem Raum Musikunterricht. Hierfür hat sie vom Hausverwalter, mit dem sie sehr eng befreundet ist, eine Genehmigung zur Ausübung des Gewerbes.
    Leider ist das Musikzimmer alles andere als schallgeschützt und wir hatten seit unserem Einzug bis zu 70 dB Klaviermusik, Geige, Gesang in unserer gesamten Wohnung. Sieben Tage die Woche, bis zu 7 Stunden täglich. Wir haben mehrfach das Gespräch mit der Dame gesucht. Einzige Antwort: ihr Beruf sei sehr wichtig und sie hätte eine Genehmigung. Wenn es uns nicht passe, könnten wir ja wieder ausziehen. HV hat auch nur auf die Genehmigung verwiesen.
    Wir haben per Privatgutachten die Probleme des Schallschutzes feststellen lassen. Ergebnis: die Schalldämmung reicht nur für das Unterrichten mittels E-Piano. Für das Klavier reicht die Schalldämmung nur für die private Nutzung. Da alle 3 Bewohner Berufsmusiker sind, üben sie in dem Musikzimmer.
    Die Dame hat nach dem Gutachten täglich nur für 2 Stunden gespielt. Nun fängt sie aber wieder an, diesen Zeitraum auszudehnen.

    Ich weiß, dass Musizieren nicht grundsätzlich verboten werden kann/darf. Das ist auch ok. Doch was müssen wir hinnehmen? Wie laut darf das Instrument bei uns zu hören sein, darf sie wirklich auch Sonntags und auch Feiertags (Weihnachten, Ostern usw.) spielen? Lt. Hausordnung darf sie in der Zeit von 7 - 22 Uhr spielen, was sie auch tut. Was können wir tun, um wenigstens ein wenig Ruhe zu bekommen? Die anderen im Haus sind ganztägig berufstätig und bekommen den Lärm meist nur abends oder am Wochenende mit.

    Wir würden die Wohnung am liebsten ganz schnell verkaufen. Aber das ist finanziell ein ganz schön grosser Schritt (Vorfälligkeitsentschädigung für über 8 Jahre).

    Vielen Dank für Meinungen/Infos sagt
    Blauaeugig
     
  2. AdMan

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  3. Syker

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    Hallo blauäugig

    Evtl. ist per Beschlussfassung etwas gegen die Musikemissionen durchzusetzen.

    Nach welchem Prinzip wird abgestimmt? (Kopf, Objekt, MEA)
    Wie sind die Mehrheitsverhältnisse?

    VG Syker
     
  4. Jobo45

    Jobo45 Erfahrener Benutzer

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    Da das Haus erst 2011 gebaut wurde würde ich noch an den Bauträger ran gehen, vor allem die Aussage schalldicht sollte strapaziert werden!
     
  5. #4 Papabär, 25.02.2014
    Zuletzt bearbeitet: 25.02.2014
    Papabär

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    Eine schalldichte bzw. schallhemmende Wirkung müsste doch in beide Richtungen funktionieren ... zumindest theoretisch, oder?

    Ich hätte da noch vier 500W-Boxen ... :119::91:

    (Hilfsweise tut´t auch ein altes Akkordeon ... damit kann man auch herrlich falsch spielen)
     
  6. #5 Aktionär, 25.02.2014
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    Hallo Blauaeugig,

    zum Thema Vorfälligkeitsentgelt kann ich Dir folgendes sagen:

    Solltet ihr euch ein neues Objekt zulegen und die jetztige Wohnung verkaufen, ist es i.d.R. kein Problem mit dem finanzierenden Kreditinstitut die Übernahme der bestehenden Darlehen auf das neue Objekt zu vereinbaren.
    Höchstwahrscheinlich liegt euer Zinsstz unter dem zur Zeit am Markt erzielbaren, so dass für das KI kein Zinsschaden entsteht, wenn die Finanzierung "umbesichert" wird.
     
  7. Pitty

    Pitty Erfahrener Benutzer

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    :smile003::smile003::smile003:
     
  8. #7 Blauaeugig, 25.02.2014
    Blauaeugig

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    Herzlichen Dank, dass ich ernstgenommen worden bin mit meinem Problem. Ich kann die Sprüche a la "Du bist nur empfindlich" nicht mehr hören.

    @Aktionaer
    Ein sehr interessanter Vorschlag, der sicher zur finanziellen Schadenbegrenzung beitragen könnte. Danke!

    @Jobo45
    Der Bauträger ist kurz vor der Insolvenz. Er hat bei allen Neubauten hier im Ort Prozesse laufen. Kein Wunder, bei DER Bauweise.

    @Papabaer
    Der Vorschlag gefällt mir richtig gut:smile003:. Eigentlich ist so ein Verhalten nicht unsere Art (wir haltens lieber mit "Leben und Leben lassen"), aber manchmal muss man einen Angriff mit einem Gegenangriff beantworten. Akkordeon - nicht schlecht. Wir denken gerade auf einer Snare herum. Oder einem Dudelsack (übrigens in die Militärgeschichte als eine der ältesten Waffen eingegangen).

    @Syker
    Ich werde die Angaben einmal heraussuchen und dann hier posten.

    Viele Grüße,
    Blauaeugig
     
  9. Andres

    Andres
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    Es ist kein Gewerbe, sondern ein Freiberuf. Das aber nur als Hinweis. Jedenfalls ließe sich dieser Zustand durch eine entsprechende Beschlussfassung der Eigentümer beenden. Der Verwalter ist daran gebunden. Damit wäre wenigstens schon einmal das Thema Unterricht durch. Ich musiziere selbst gern und oft, aber Unterricht gehört nicht in ein Mietshaus.

    Eine weitere Beschlussfassung könnte eine Mittagsruhe (z.B. von 13-15 Uhr) betreffen. Beides setzt aber ausreichende Mehrheiten voraus!


    Es ist müßig, darüber noch zu diskutieren, aber: Bei den Kosten, die eine anständige Schalldämmung verursacht, macht das niemand, der "manchmal ein wenig" musiziert. Das hättet ihr kritisch hinterfragen müssen und ihr wärt dann sehr wahrscheinlich dahinter gekommen, dass das auf eine (semi-)professionelle Nutzung hindeutet. Eine kritische Grundeinstellung gehört dazu, wenn man mit großen Werten wie einer Immobilie hantiert.

    Wie auch immer - jetzt ist es eben, wie es ist.
     
  10. #9 Blauaeugig, 26.02.2014
    Blauaeugig

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    @Andres
    Ja, da hast Du sicher Recht: hätten wir den Aussagen des Bauträgers nicht vertraut, wären wir jetzt nicht in dieser Lage.
    Wir haben gedacht, dass jemand, der in einem Mehrparteienhaus musiziert, entsprechende Maßnahmen ergreift, um die Belästigungen der Mitbewohner zu gering wie möglich zu halten. Aber man soll halt nicht von sich auf andere schließen...

    Gibt es einen Unterschied zwischen "Gewerbegenehmigung" und "Genehmigung für eine freiberufliche Tätigkeit"? Oder ist eine freiberufliche Tätigkeit genehmigungsfrei?

    @Syker
    Ich habe folgende Infos in der Gemeinschaftsordnung gefunden:
    "...
    Die Eigentümerversammlung ist ohne Rücksicht auf die Zahl der erschienenen Eigentümer beschlussfähig. Ein Wohnungseigentümer kann sich nur durch seinen Ehegatten, den Verwalter oder einen anderen Wohnungseigentümer, und wenn ein Bevollmächtigter bestellt ist, durch diesen vertreten lassen. Auf jede Wohnungs- oder Teileigentumseinheit entfällt eine Stimme. Steht ein Wohnungs- bzw. Teileigentum mehreren gemeinschaftlich zu, können sie das Stimmrecht nur einheitlich ausüben."...

    Ich konnte in meinen Unterlagen leider keine Informationen finden, nach welchem Prinzip abgestimmt wird.

    Die MEA sind wie folgt:
    Wohnung 1 (unsere): 212,06 (durch Eigentümer selbstbewohnt)
    Wohnung 2 (Musikerin): 232,75 (durch Eigentümer selbstbewohnt)
    Wohnung 3: 191,62 + 1 für TE Kellerraum (durch Eigentümer
    selbstbewohnt)
    Wohnung 4: 225,83 + 1 für TE Kellerraum (vermietet)
    Wohnung 5: 134,74 + 1 für TE Kellerraum (vermietet).

    Ich hoffe, dass das die gewünschten Infos sind.
    Einen schönen Abend wünscht
    Blauaeugig
     
  11. Syker

    Syker Erfahrener Benutzer

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    Hallo blauaeugig

    So wie das da beschrieben ist wird wohl nach dem Objektprinzip abgestimmt. Bedeutet das es pro Wohnung eine Stimme gibt. Bei dir sind das dann wohl 5 Stimmen maximum.

    Jetzt wäre zu überlegen ob ein Beschluß zu fassen ist und die gewerbliche Nutzung zu untersagen, die Nutzungszeiten einzuschränken oder den Eigentümer zu verpflichten für entsprechenden Schallschutz zu sorgen.

    Du solltest jetzt vorab andere Eigentümer mit ins Boot holen um eine Mehrheit zusammen zubekommen. Dann ist für die nächste Eigentümerversammlung das Thema auf die Tagesordnung zu setzen.

    VG Syker
     
  12. Andres

    Andres
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    Ein Gewerbe muss man beim Gewerbeamt anmelden, eine Genehmigung ist nur in bestimmten Fällenerforderlich. Eine freiberufliche Tätigkeit muss man dort nicht anmelden - man muss aber sich selbst melden, z.B. beim FA. Beides spielt für euren Fall aber keine Rolle. Mir ging es nur darum, die korrekte Bezeichnung zu verwenden, damit ihr nicht unnötig ahnungslos dasteht, wenn die Dame euch mitteilt, dass sie kein Gewerbe betreibt. Am einfachsten verwendet man eine neutrale Bezeichnung, z.B. "selbstständig". Außerdem richtet sich eure Beschwerde nicht gegen die selbständige Tätigkeit (es gibt eine Menge selbständiger Tätigkeiten, die ihr dulden müsstet), sondern gegen die damit verbundene Lärmbelästigung und den Publikumsverkehr.


    Bezüglich der Beschlussfassung ist es in deinem Fall ganz einfach: Für eine einfache Mehrheit (mehr Ja- als Nein-Stimmen) brauchst du die Stimmen von zwei weiteren Eigentümern, wenn du nicht auf Abwesenheit einzelner Eigentümer spekulieren willst. Damit hast du gleichzeitig auch in jedem Fall die Mehrheit der MEA (mit den beiden kleinen Einheiten hast du 540,42 Anteile). Wenn also nicht zwei weitere Eigentümer mitziehen, wird das mit der Beschlussfassung nicht so einfach ...
     
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