Risiken und Nebenwirkungen der Kleinreparaturklausel

Diskutiere Risiken und Nebenwirkungen der Kleinreparaturklausel im Kleinreparaturen Forum im Bereich Mietvertrag über Wohnraum; Ich habe zwar eine Kleinreparaturklausel in den Verträgen, mache aber während eines laufenden Mietverhältnisses normalerweise keinen Gebrauch...

FMBerlin

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Ich habe zwar eine Kleinreparaturklausel in den Verträgen, mache aber während eines laufenden Mietverhältnisses normalerweise keinen Gebrauch davon. Meine Sorge ist, daß entweder ein Mangel solange ignoriert wird, bis die Reparatur durch einen Handwqerker richtig teuer und damit nicht mehr vom Mieter getragen wird oder der Mieter im Kostensparmodus in den Baumarkt eilt und anschließend an meiner Bausubstanz herummurkst, bis die Reparatur wieder richtig teuer und damit nicht mehr von ihm bezahlt wird.

Bsp. Mieter meldet kalten Heizkörper. Kontrolle ergibt, der Thermostatkopf ist definitiv nicht der bei Einzug mitvermietete. Darauf angesprochen hieß es, der ursprüngliche sei kaputt gegangen und von einem fachkundigen Bekannten durch einen aus dem Baumarkt ersetzt worden, seitdem wäre der Heizkörper kalt und der Bekannte ratlos. Effektiv hatte der "fachkundige" Bekannte die Ventilvoreinstellung bis zur Funktionsuntüchtigkeit verstellt. Wie weiß ich bis heute nicht, jedenfalls funktionierte nach Wiedereinstellung des Wertes aus der Berechnung des hydraulischen Abgleiches alles wieder. Was alles vermurkst wird, wenn Mieter ersteinmal an Armaturen herumschrauben möchte ich mir nicht ausmalen.

Was habt Ihr für Erfahrungen mit Kleinreparaturklauseln?
 

Andres

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Ich habe zwar eine Kleinreparaturklausel in den Verträgen, mache aber während eines laufenden Mietverhältnisses normalerweise keinen Gebrauch davon.

Genau so mache ich das auch. Mit der Umlage fange ich an, wenn dem Mieter wöchentlich neue Probleme einfallen oder wenn es sonst Anlass gibt, dem Mieter nur noch das zukommen zu lassen, worauf er einen Anspruch hat. Das ist die absolute Ausnahme. Normalerweise sehe ich diese Vereinbarung eher als so eine Art Sicherheit: Wenn sich die Probleme häufen, kann ich mit den Kosten auch noch auf den Mieter zukommen.

Ich mache aber auch viel selbst. Bei dem üblichen Kleinkram mit geringen Materialkosten (Schalterabdeckungen, Gurtbänder, ...) entstehen mir kaum Kosten, also ist es natürlich auch leicht, "großzügig" zu sein.


Bsp. Mieter meldet kalten Heizkörper. Kontrolle ergibt, der Thermostatkopf ist definitiv nicht der bei Einzug mitvermietete. Darauf angesprochen hieß es, der ursprüngliche sei kaputt gegangen und von einem fachkundigen Bekannten durch einen aus dem Baumarkt ersetzt worden, seitdem wäre der Heizkörper kalt und der Bekannte ratlos.

Ja, wenn alle so fachkundig wären ... :sauer031:


Was habt Ihr für Erfahrungen mit Kleinreparaturklauseln?

Ich verstehe deinen Gedankengang: Wenn's dem Mieter möglichst wenig weh tut, meldet er sich eher beim Vermieter, der dann für eine saubere Lösung sorgen kann. Ich will nicht behaupten, dass es nicht so ist (ich habe keine harten Fakten), aber zumindest hatte ich bisher nicht den Eindruck, dass Mieter so pfuschen, weil ich zuvor mal eine Kleinreparatur ersetzt haben wollte. Mein Bauchgefühl ist eher, dass der Mieter insgesamt Schiss hat, dass der Vermieter großen Ärger macht, weil etwas kaputt ist - egal aus welchen Gründen. Dazu kommt gerne mal Selbstüberschätzung, auch gepaart mit dem ehrlichen Gefühl, dem Vermieter sogar noch etwas gutes getan zu haben.

Irgendwie ein Fall für Hanlon. Das Verhalten ist nicht bösartig, es ist nur dumm. Dem Mieter erscheint sein Vorgehen vernünftig.

Ganz praktisch: Auch mit Mietern, denen ich noch nie Kleinreparaturen übergeholfen habe (obwohl es Gelegenheit gegeben hätte), hatte ich schon ähnliche Erlebnisse, wie das von dir geschilderte. Ich weise den Mieter darauf hin, dass er Schäden an mich zu melden hat, ich überlege, ob das ein Fall für Schadenersatz wird (Erfolgsaussicht, Kosten, Schadenshöhe, ...), und ich hoffe, dass es nicht wieder passiert.
 

Katharmo

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Mein Bauchgefühl ist eher, dass der Mieter insgesamt Schiss hat, dass der Vermieter großen Ärger macht, weil etwas kaputt ist - egal aus welchen Gründen.

Ganz ehrlich, als wir noch Mieter waren, traf das genau zu und du hast sicher Recht, dass viele so denken.
 

teilhalt

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Mein Bauchgefühl ist eher, dass der Mieter insgesamt Schiss hat, dass der Vermieter großen Ärger macht, weil etwas kaputt ist - egal aus welchen Gründen.
Da hast Du vollkommen recht. In meiner ersten Wohnung war mal ein Wasserhahn defekt und hat getropft. Das hab ich dem VM gemeldet. Was für ein Terror... "20 Jahre hat der gehalten und ich lebe erst seit ein paar Wochen hier und hab ihn schon kaputt gemacht". Deswegen habe ich auch sehr lange Zeit so einen Kleinkram einfach selbst getauscht.
Nun, heute bin ich schlauer. Sein Haus -> sein Problem.
 

Duncan

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Mein Bauchgefühl ist eher, dass der Mieter insgesamt Schiss hat, dass der Vermieter großen Ärger macht, weil etwas kaputt ist - egal aus welchen Gründen.
Dies geht mir auch so, wie ich mich auch im Übrigem dem Vorgehen und der Meinung dazu anschließe.
Das hab ich dem VM gemeldet. Was für ein Terror... "20 Jahre hat der gehalten und ich lebe erst seit ein paar Wochen hier..."
Und genau das versuche ich zu vermeiden, ja, dem Mieter aktiv Befürchtungen zu nehmen. Ich sage den Mietern auch offen, wenn sie was melden wird es schlimmstenfalls Kleinkram, wenn durch das Nichtmelden Schäden entstehen wird es schnell absurd teuer.
Bei vielen Sachen wo Oma Elfriede sich viele Sorgen macht und hochbekümmert ist, ist nachher der Pott Kaffee/Tee teurer als das Ersatzmaterial und die Zeit kann man auch mal unter Mieterpflege schreiben, nicht selten erfährt man dabei das eine oder andere gar nicht so uninteressante und wenn es nur heißt Herbert von gegenüber ist verstorben und die Kinders wollen das Nachbarhaus loswerden möglichst geschwind bevor sie sich noch so vollends verstreiten können...
 

ehrenwertes Haus

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Ich habe zwar eine Kleinreparaturklausel in den Verträgen, mache aber während eines laufenden Mietverhältnisses normalerweise keinen Gebrauch davon.
Das hängt bei mir sehr vom jeweiligen Mieter ab.

Guten Mietern werden problemlos kleinere Reparaturen spendiert oder Änderungswünsche von Mietern in irgendeiner Variante von Teaminvestition umgesetzt. (Bsp. Mieter möchte Steckdose versetzt haben: Material geht auf Mieterkappe, Arbeit auf meine)

Bei Dauerforderern und notorischen Auf-Rechte-Pochern sind meine Spendierhosen verschollen.


Ich sage den Mietern auch offen, wenn sie was melden wird es schlimmstenfalls Kleinkram, wenn durch das Nichtmelden Schäden entstehen wird es schnell absurd teuer.
Das hat ein Teil meiner Mieter nicht durch gute Worte im Vorfeld gelernt, sondern erst nachdem sie selbst (oder Kumpels) gepfuscht hatten oder selbst Handwerker beauftragten und den Rechnungsbetrag mit der Miete verrechnet wurde. Natürlich ohne vorherige Mängelmeldung oder Absprache über Verrechnung mit der Miete.
 

souly

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Ich frage mich ob diese Kleinreparaturklausel praktisch überhaupt noch anwendbar ist. Die geht ja meistens bis 110€+Mwst.

Muss man erstmal nen Handwerkbetrieb in der heutigen Zeit finden, der einen Druckspüler, Spülkasten, Waschtischarmatur etc. für den Preis eine Rechnung schreibt.

Oder wie handhabt ihr das?
 

dots

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Die geht ja meistens bis 110€+Mwst.
Warum "meistens"?
Woher hast du das Wissen, dass die "meistens bis 110€+Mwst." geht?

Muss man erstmal nen Handwerkbetrieb in der heutigen Zeit finden, der einen Druckspüler, Spülkasten, Waschtischarmatur etc. für den Preis eine Rechnung schreibt.
Falsch. Oder war das eine Frage?

Oder wie handhabt ihr das?
Worauf bezieht sich das "oder"?
Darf ich trotzdem die Frage beantworten? Ja? Okay: Rechtlich korrekt.
 

anitari

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Ich frage mich ob diese Kleinreparaturklausel praktisch überhaupt noch anwendbar ist. Die geht ja meistens bis 110€+Mwst.

Muss man erstmal nen Handwerkbetrieb in der heutigen Zeit finden, der einen Druckspüler, Spülkasten, Waschtischarmatur etc. für den Preis eine Rechnung schreibt.

Warum sollte ein Handwerker für den Preis keine Rechnung stellen? Wenn er die Leistung erbracht hat ist das sein gutes Recht.
Das der VM die Kosten evtl. nicht an den Mieter weitergeben kann ist sein Pech.

Übrigens waren 110 € + MwSt als Höchstbetrag zu viel und damit die ganze Kleinreparaturklausel unwirksam.
 

Duncan

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Ich frage mich ob diese Kleinreparaturklausel praktisch überhaupt noch anwendbar ist.
Stellt sich erst mal die Frage welche mit dieser (Kleinreparaturklausel) gemeint ist. Auch hier wieder ein Fall wo die genaue Formulierung ausschlaggebend sein kann.
Die geht ja meistens bis 110€+Mwst.
Das mag ich bezweifeln. Grds. kann man von jedem vereinbartem Betrag, der im Rahmen des Zumutbaren liegt, erst mal Gültigkeit unterstellen so er nicht angefochten wurde. Hier wäre durchaus auf die bisherige Rechtsprechung anzustellen, wobei die Beträge relativ und nicht absolut beurteilt werden müssen. 1.000 DM waren 1972 schon ein anderer Wert als 500 € im Jahre 2020. Sowohl im Kontext der Einkommen, wie auch der Ausgaben. Das muss man aber auch so argumentieren.
Muss man erstmal nen Handwerkbetrieb in der heutigen Zeit finden, der einen Druckspüler, Spülkasten, Waschtischarmatur etc. für den Preis eine Rechnung schreibt.
Och, bisher hab ich da kein Problem mit. Die Rechnung kam bisher immer sehr zuverlässig...
Oder wie handhabt ihr das?
Kleinreparaturklausel kommt in den Vertrag.
Anwendung wird im Einzelfall entschieden. Und dann wird man sehen.
Ich hab den Eindruck, dass allein das Vorhandensein der Klausel auch viele dazu motiviert pfleglicher mit der Mietsache umzugehen.
Bei den klassischen Problemfällen hilft aber eh nichts.
 

Ferdl

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Hier möchte ich den Souly mal unterstützen.
Die 110 € je Reparatur (max 6% der Jahresnettomiete) steht so, ohne Auswahlmöglichkeit im aktuellen und allseits empfohlenen Mietvertragsvordruck von Haus und Grund.
Von daher wird das gar nicht so selten sein, dass genau dieses Vereinbart wurde.
Muss man erstmal nen Handwerkbetrieb in der heutigen Zeit finden, der einen Druckspüler, Spülkasten, Waschtischarmatur etc. für den Preis eine Rechnung schreibt.
Der Satz ist zwar etwas holprig formuliert, hat aber im Grunde richtig. Entweder kommt der Handwerker erst gar nicht für so einen kleinen Betrag oder die erste Frage lautet, brauchst du eine Rechnung. Bei vielen Kundendienstlern sind schon 50-80 Euronen fällig damit die überhaupt ihren Ar... zu der Baustelle bewegen.
Bei euch scheint das ja alles kein Problem zu sein, aber bei uns hat kein Handwerker Kapazitäten frei.
 

anitari

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Duncan

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Bei euch scheint das ja alles kein Problem zu sein, aber bei uns hat kein Handwerker Kapazitäten frei.
Bei den Handwerkern, mit denen wir seit Jahrzehnten zusammenarbeiten, klappt es halt auch jetzt noch. Arbeit schafft sich ja auch weg. Was wir selber machen können und dürfen machen wir halt auch selbst, das ist ein sehr großer Faktor!
Und so blöd es klingt, es sind noch viel zu viele "Handwerker", die in diversen Portalen um Aufträge betteln. Ok, sind nicht die Leute, die ich für meine Objekte haben will, aber es gibt sie zuhauf. Sprachlich sollte man da halt schon mit einem babylonischem Kauderwelsch gesegnet sein...

Sowohl am Preis wie auch an der Verfügbarkeit sieht man bei uns sehr gut wer mit wem wie umgegangen ist.
 

Ferdl

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@anitari, hast Recht, im H+G-Vertrag sind 110 € Brutto gemeint.
Sowohl am Preis wie auch an der Verfügbarkeit sieht man bei uns sehr gut wer mit wem wie umgegangen ist.
Das hilft inzwischen auch nicht mehr. Als Beispiel "mein" Dachdecker hat in den letzten 20 Jahren für gut 6stelligen Eurobetrag bei mir gearbeitet, letztes Jahr ruf ich an wegen einem Sturmschaden, halt nur Kaminverkleidung, mach mal VS, bezahlt. Nach 12 Monaten und zig Telefonaten ist der Schaden immer noch nicht behoben.
Oder der Heizungsbauer, im Nov. die Heizungswartung beauftragt, ja machen wir im Januar, nachfrage, äh wir haben Feb. rum ist das vergessen worden? Nein, haben wir auf dem Plan, Juli vielleicht, wenn wir dann einen neuen Kundendienstmonteur haben.
Die einzigen die überhaupt Kapazitäten über haben sind die wo gar nix können/wollen und die wo in letzter Zeit die Preise derart brutal angehoben haben dass die Kunden von alleine wegbleiben. Da reden wir dann von 100 € aufwärts die Stunde und Materialaufschläge von 200%. Handwerk hat (wieder) goldenen Boden.
Alle, aber wirklich alle brauchbaren Handwerksbetriebe suchen Händeringend nach Personal.
Und so blöd es klingt, es sind noch viel zu viele "Handwerker", die in diversen Portalen um Aufträge betteln. Ok, sind nicht die Leute, die ich für meine Objekte haben will, aber es gibt sie zuhauf. Sprachlich sollte man da halt schon mit einem babylonischem Kauderwelsch gesegnet sein...

Die hab ich inzwischen auch schon durch, oh weia, da vergeht einem die Lust am Bauen.
 
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