Sonderzuführung Rücklage statt Sonderumlage?

Diskutiere Sonderzuführung Rücklage statt Sonderumlage? im Hausgeldabrechnung und Wirtschaftsplan Forum im Bereich Wohnungseigentum; Hallo, ich war kürzlich auf einem Seminar der Immobilienwirtschaft. Einer der Referenten empfahl anstatt Sonderumlagen zukünftig nur noch...

  1. d00del

    d00del Neuer Benutzer

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    Hallo,

    ich war kürzlich auf einem Seminar der Immobilienwirtschaft. Einer der Referenten empfahl anstatt Sonderumlagen zukünftig nur noch Sonderzuführungen zur Rücklage bei größeren Maßnahmen beschließen zu lassen. Als Grund für diese Vorgehensweise nannte er den Vorteil gegenüber der Sonderumlage, da diese in der Hausgeldabrechnung erfasst wird und somit abgerechnet werden muss.

    Meine Frage: Diese Sonderzuführungen müssen direkt auf das Rücklagenkonto transferiert werden oder darf das Hausgeldkonto als Zwischenkonto genutzt werden? Ist jemanden diese Vorgehensweise zur Sonderzuführung Rücklage bekannt anstatt Sonderumlagen? Wie sind eure Erfahrungen?
     
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  3. Andres

    Andres
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    Diese Aussage halte ich für falsch. Fakt ist: Es gibt keine verpflichtende Form oder Darstellung für WEG-Abrechnungen, praktisch keinen verpflichtenden Umfang, keine festen Grundsätze, nach denen gebucht werden muss, und so weiter. Das ist schon recht bizarr, denn im Ergebnis bedeutet das, dass einen Taubenzüchterverein mit 50 € Jahresumsatz und keinem nennenswerten Vermögen erheblich schwerwiegendere Pflichten in der Rechnungslegung treffen als eine WEG, die Millionenwerte verwaltet.

    An speziellem Recht gibt es genau eine Bestimmung, nämlich § 28 WEG. Dort lernen wir in den Absätzen 3 bis 5 immerhin, dass ...
    • nach Kalenderjahren abzurechnen ist,
    • Abrechnungen auch "außer der Reihe" durch Mehrheitsbeschluss verlangt werden können und
    • Abrechnungen durch Mehrheitsbeschluss beschlossen werden.
    Das war's. :069sonst:

    Dann gibt es noch § 259 BGB, aus dem man immerhin erfahren kann, dass Einnahmen und Ausgaben dargestellt werden müssen und dass Belege vorzulegen sind - falls es welche gibt. Sonst halt nicht.

    Schon aus diesem "Hauch von nichts" kann man allerdings die Aussage des Referenten widerlegen: Eine Sonderumlage stellt für die Gemeinschaft eine Einnahme dar. Über sie muss also abgerechnet werden. Das gilt aber nur für tatsächlich erfolgte Zahlungen, nicht etwa für ein Soll - das ist ja gerade keine Einnahme, wie der BGH in V ZR 44/09 messerscharf festgestellt hat. Die Entscheidung liest sich für mich ein bisschen wie "Laien entdecken bilanztechnische Grundbegriffe", gilt aber tatsächlich als eine wesentliche Zusammenfassung der Grundsätze, die die Rechtsprechung zu Umfang und Art der WEG-Abrechnung entwickelt hat.

    Zur Ehrenrettung des Referenten: Da diese Verpflichtung Ausfluss von § 259 BGB ist, muss die Sonderumlage nicht Teil der Jahresabrechnung nach § 28 WEG sein. Über die Sonderumlage dürfte also auch gesondert Rechenschaft abgelegt werden, denn über den Zeitpunkt und die Abrechnungsperioden verliert das BGB kein Wort. Nach meiner Erfahrung entspricht das auch der Praxis.

    Trotzdem halte ich den "Tanz" des Referenten für sinnlos, zumindest bis mir jemand einen tatsächlichen Vorteil nennt. Außerdem funktioniert das nur mit Sonderumlagen, die tatsächlich für Instandhaltungen geleistet werden. Für eine Umlage zur Erhaltung der Liquidität trifft das beispielsweise nicht zu.


    Rücklagenkonten sind üblicherweise keine Zahlungsverkehrskonten. Falls du mit "direkt" meinst, dass die Eigentümer direkt dorthin überweisen sollen: Das wird praktisch kaum funktionieren.

    Sofern aber gemeint ist, dass der Verwalter das Geld nach Eingang auf das Rücklagenkonto weiterzuleiten (und natürlich auch entsprechend intern zu verbuchen) hat: Ja, das würde ich ganz eindeutig so sehen. Der Buchungsaufwand ist dann schon ein weiterer Grund gegen die Sonderzuführung ...
     
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