Transparenz im Schadensfall - und wo ist die Grenze?

Diskutiere Transparenz im Schadensfall - und wo ist die Grenze? im Versicherungsschäden Forum im Bereich Mietvertrag über Wohnraum; Es gab einen Wasserschaden. Die Versicherung ist informiert, die Ursachen (plur!) wurden endlich gefunden und behoben, jetzt soll der eigentliche...

  1. #1 Papabär, 31.07.2019
    Papabär

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    Es gab einen Wasserschaden. Die Versicherung ist informiert, die Ursachen (plur!) wurden endlich gefunden und behoben, jetzt soll der eigentliche Schaden auch noch angegangen werden. Maler, Trockenbauer und Bodenleger stehen in den Startlöchern, jedoch ...

    Die Mieterin der geschädigten Wohnung verlangt jetzt vorab eine ausführliche Stellungnahme zur Schadensursache sowie zu der geplanten Vorgehensweise der Handwerker (welche Bauteile freigelegt und wie behandelt - auch welche Chemikalien dort eingesetzt werden sollen und wie die Luft frei von Schimmelsporen gehalten werden soll).

    Man sollte dazu vielleicht erwähnen, dass die Mieterin den betroffenen Raum mit Klebeband und Folie quasihermetisch versiegelt hat. Das Fenster wurde wohl seit Wochen nicht mehr geöffnet (ja, hat eine Weile gedauert die Ursachen zu finden ... muss man aber erst mal drauf kommen, dass zwei Leckagen gleichzeitig und unabhängig voneinander auftreten). Die Miethöhe ist durchaus am oberen Ende der Skala angesiedelt und die Miete wird (bislang) nicht gemindert. Man darf auch nicht vergessen, dass die Dame ja für den Schaden auch nichts kann.

    Grundsätzlich bin ich ja auch ein Freund von Transparenz - aber welchen Anspruch auf Information hat die Mieterin?
    Der Chef der Malerfirma meinte über die Mieterin "ich musste da raus, sonst hätte es ein Unglück gegeben" und nach diversen Telefonaten frage ich mich selber schon, wie die Dame so alt werden konnte ...
     
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  3. #2 ehrenwertes Haus, 31.07.2019
    ehrenwertes Haus

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    Das kommt schon ziemlich nahe an ein Gutachten ran...

    Ausnahmsweise, weil die Dame bisher die Miete nicht kürzt und evt. mit der geforderten Info auch nicht kürzen wird, könnte man eine Kopie der Auftragsbeschreibung ihr zukommen lassen (ohne Preise).

    Ein Anspruch auf Info besteht laut meinem Anwalt nur über den Zeitraum (evt. genaue Termine), welche Räume betroffen sind und eine grobe Beschreibung der Arbeiten (z.B. Trocknungsmaßnahmen). Der Rest ist mit "Wiederherstellung des vertraglich vereinbarten Zustands" erledigt. Wände wieder in Mieterfarbe statt klassisch Weiß.
    Sollten Möbel ausgelagert werden müssen, zählt das für mich auch noch zur Aufklärungspflicht. Vielleicht möchte der Mieter ihm wichtige Dinge selbst ausräumen und zwischenlagern.


    Auf eine Diskussion über die verwendeten Materialien würde ich mich nicht einlassen.
     
  4. Andres

    Andres
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    Wenn man das mal eine Ebene abstrahiert: Die Ankündigungspflicht beschränkt sich auf Umstände, die dem Mieter zunächst einmal erlauben, seine Duldungspflicht zu erkennen ("Beseitigung von Wasserschaden XY"), seine Mitwirkungspflichten konkretisiert (Zugang gewähren) und das Maß der Beeinträchtigung grob abzuschätzen hilft (Lärm, Dreck, Hitze/Kälte, Dauer der Beeinträchtigung, unbenutzbare Fläche...).


    Mir schwirrt da ein Urteil im Hinterkopf herum, nach dem der Vermieter bei Selbstvornahme nicht einmal in Ansätzen beweisen muss, dass er überhaupt in der Lage ist, die Arbeiten durchzuführen. Der Mieter durfte nicht pauschal Zweifel anmelden, ob "der das überhaupt kann". Auf dieser Grundlage sehe ich wirklich nicht den Hauch eines Grundes, warum man dem Mieter solche Informationen zur Verfügung stellen sollte.

    Zu konkreten Vorgehensweisen würde ich ohnehin nichts sagen. Erstens müsste ich damit dann zunächst die Handwerker belästigen, worauf die sicher wenig Lust haben, und zweitens komme ich dann bei "Planänderung" in Erklärungsnöte. Will ich wirklich erklären, warum ich das Bild jetzt doch mit einem Nagel statt einem Klebehaken an die Wand hänge? Kann ich das überhaupt erklären bzw. kann die Mieterin eine Erklärung auf selbst unterstem technischen Niveau verstehen?

    Zuletzt habe ich bei solchen Schilderungen das Bauchgefühl, dass die Mieterin früher oder später etwas fordern wird, was tatsächlich nicht mehr zu leisten ist. Spätestens dann wird man einen Pflock einschlagen müssen - warum also nicht sofort? Muss ja nicht als Kriegserklärung formuliert werden ...
     
  5. #4 FMBerlin, 01.08.2019
    Zuletzt bearbeitet: 01.08.2019
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    Auch Instandsetzungsmaßnahmen sind analog zu Moderniesierungen inhaltlich nach Art, Umfang, Ablauf, voraussichtlicher Dauer und Beginn anzukündigen. "Die - keiner Form und Frist unterliegende - Ankündigung von Erhaltungsmaßnahmen hat sich mit Blick auf ihren Sinn und Zweck am Informationsinteresse des Mieters zu orientieren und muß ihn vor allem früh- und rechtzeitig über die auf ihn zukommenden Belastungen in Kenntnis setzen." (LG Berlin, Hinweisbeschluß vom 18.02.2019, Az. 65 S 5/19 veröffentlicht in Grundeigentum 2. Juliheft 2019). Beauftragte Fachfirmen sind konkret zu benennen.

    Der Mieter soll sich auf die Arbeiten einstellen können, Gründe für die ausführliche Mitteilung von Schadensursachen oder detaillierte Ablaufbeschreibugen der einzelnen Arbeitsgänge oder Chemikalienlisten sehe ich da nicht. Am Ende kommt die Mieterin noch auf die Idee, sie hätte da ein Mitspracherecht. Ein reklamierender Auftraggeber darf dem Werkunternehmer die Art der Mängelbeseitigung ja auch nicht vorzuschreiben.

    Versichere die Dame, daß es sich um Fachfirmen handelt und stelle sicher, daß die es richtig machen (Firma sorgfältig auswählen). Schimmelsporen sind immer und fast überall in der Luft. (Die spannendere Frage ist wieviele pro m³ und von welcher Art.) Biete ihr an, sie könne bestehende Allergien gegen konkrete Stoffe mitteilen (also nicht allgemein nur "Schimmelsporen" oder "Chemikalien") und frage ggf. nach, ob die Fa. solches anwenden will. Notfalls muß eben ein alternatives Mittel gefunden bzw. ein Kontakt durch geeignete Maßnahmen (z.B. (Be)Lüften oder Hotelaufenthalt) verhindert werden.
     
  6. #5 Papabär, 19.08.2019
    Papabär

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    Update:
    Nach schriftlicher und rechtzeitiger Ankündigung eines neuen Termins (incl. nachweisbarer Zustellung), wurde den Handwerkern vor Ort nunmehr direkt der Zutritt verweigert. Es kann daher nicht einmal geprüft werden, ob die Holzbalkendecke irgendwelche Feuchtigkeitsschäden davongetragen hat, von Trocknungsmaßnahmen ganz zu schweigen.

    Gestattungsklage incoming ...
     
  7. #6 RP63VWÜ, 19.08.2019
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    Ich breche dann immer ein …
    (Gefahr im Verzug)

    Wenn die Dame kommunikationswillig ist, würde ich tatsächlich auf dieser Schiene argumentieren!
    Schließlich wird sie mit dieser verqueren Einstellung große Folgeschäden zumindest billigend in Kauf nehmen.
    Ob sie sich der Konsequenzen bewusst ist?
     
  8. #7 Papabär, 19.08.2019
    Papabär

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    Naja, die Holzbalken werden sicherlich nicht in den nächsten 48 Stunden durchfaulen ... von daher ist eine einstweilige Anordnung vlt. etwas übertrieben.

    Von der Sache her mache ich ja nichts anderes als Du ... aber ich habe dann einen richterlichen Beschluss in der Hand und einen Gerichtsvollzieher, der selbigen durchsetzt. Ich glaube auch ehrlich gesagt nicht, dass es soweit kommt ... eher schätze ich, dass die spätestens nach dem ersten gerichtlichen Anhörungsbogen nervös werden und verzweifelt den Kontakt zu der Handwerksfirma suchen werden.
     
  9. #8 ehrenwertes Haus, 19.08.2019
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    Das wünsche ich dir, aber Glauben ist tendenziell eher was für die Kirche.

    Ich dachte auch mal bei einem, wohlwollend ausgedrückt, sehr eigenwilligen Mieter würde die Ankündigung von Handwerkern im Notdienst wegen eines Rohrbruchs in seiner Wohnung reichen um die Leuts in die Bude des Mieters bugsiert zu bekommen. War ein Irrtum. Die Helfer in (damals noch) grün mussten ausrücken und die Tür aufbrechen. Der Mieter verweigerte auch diesen Herrschaften den Zutritt, trotz vorheriger telefonische Zusage bei meiner Anwältin und Pozelei...

    Wohnungszutritt war nur mit Fixierung des Mieters durch die Beamten möglich.
    Den Beamten sagte der Mieter dann das sei kein Notfall, weil er den Rohrbruch schon vor 2 Wochen bemerkt habe. Er hatte nur keine Lust auf Handwerker und deswegen nix gesagt. :sauer031:

    Naja immerhin bin ich um eine Erkenntnis reicher:
    Das ist ein Säuferhaus! Die sandgefüllten Decken sind wahre Schluckspechte...
     
    Goldhamster gefällt das.
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