Überlegungen zu einem Sicherungskasten

Diskutiere Überlegungen zu einem Sicherungskasten im Bautechnik Forum im Bereich Technische Abteilung; Es handelt sich um einen Sicherungskasten in einer Wohnung. Ich habe aktuell 2 Elektriker Meister(Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik) die...

TimeToSayGoodbye

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Es handelt sich um einen Sicherungskasten in einer Wohnung.
Ich habe aktuell 2 Elektriker Meister(Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik) die sich nicht einig sind, ob 2 63A FI´s bei einer 3x 50A(Diazed) Zählerabsicherung zulässig ist.
Der eine meint mit den 63A FI´s wäre keine Selektivität gegeben und der andere meint Selektivität ist bei FI´s nicht relevant da die 63A nur für den maximal messbaren Strom stehen würden.

Mich würde eure Meinung dazu interessieren.
 

Andres

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Mich würde eure Meinung dazu interessieren.

Zuerst ist die Frage, ob eine selektiver Aufbau der Schutzvorrichtungen überhaupt vorgeschrieben ist - sonst hätte sich die Diskussion schon erledigt. Das hängt von den TAB des Netzbetreibers ab. Ich habe überhaupt keinen Überblick, was dazu bei den diversen Betreibern in ganz Deutschland geregelt ist.


der andere meint Selektivität ist bei FI´s nicht relevant da die 63A nur für den maximal messbaren Strom stehen würden.

Das ist eine grausam schlechte Formulierung, aber ich denke, dass ich verstehe, was damit gemeint ist: Ja, der FI schaltet bei 63 A Durchfluss (von mir aus auch noch plus Zuschlag) nicht ab. Das ist nicht seine Funktion. Der FI (oder RCD, wie man inzwischen sagt) erkennt Fehlerströme, keine Überströme, durch einen Überstrom würde er ggf. zerstört. Ob man sich nun auf den Standpunkt stellen will, dass dadurch die Selektivität immer oder nie verletzt ist, ist eine bloße Frage der Definition. Es ist jedenfalls richtig, dass diese Überlegung nicht relevant ist.

Hinter einer 50-A-Schmelzsicherung einen RCD mit einem Bemessungsstrom von 63 A einzusetzen, ist jedenfalls korrekt. Die Schmelzsicherung schützt so den RCD vor Kurzschlussströmen, die ihn zerstören könnten. Mich irritiert nur, weshalb hinter 3 Phasen mit Diazed-Sicherung nur 2 (einphasige?) RCD sitzen, aber dafür wird es schon Gründe geben ...

Nebenbei: Es gibt auch kombinierte RCD- und LS-Schalter. Dann sieht die Sache anders aus. Wäre der 63-A-RCD ein solcher kombinierter Schalter, wäre die Selektivität hinter der 50-A-Diazed tatsächlich (sehr offensichtlich) verletzt. Ob das ein Problem wäre, hängt wie gesagt von den vor Ort geltenden TAB ab.
 

TimeToSayGoodbye

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Andres Danke für deine Antwort.

Entschuldige bitte unglückliche Wortwahl.
Du hast es so verstanden wie ich es meinte.
Die Diazed-Sicherungen kommen von den Alten Schwarzen Zählertafeln (NZ-Tafeln).
In diesem fall, handelt es sich um 3 phasige FI´s / RDC´s (Hager CDS463D).
 

Ferdl

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Das mit der Selektivität ist völliger Käse. Hinter einer 50A Sicherung muss ein 63A RCD gesetzt werden. Ein 40A RCD wäre nur zulässig, wenn hinter dem RCD max. 40A abgesichert werden, zB 2 st. 16A LSS.
Die spannendere Frage wäre jedoch ob das Zählerfeld mit den Diazed nach dem Umbau noch Zulässig ist. Das solltest du mit dem Netzbetreiber abklären.
 

ehrenwertes Haus

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Die spannendere Frage wäre jedoch ob das Zählerfeld mit den Diazed nach dem Umbau noch Zulässig ist. Das solltest du mit dem Netzbetreiber abklären.

Ich glaube dem TE geht es "nur" um 2 sich widersprechende Meinungen von Profis der Hauselektrik bei seiner Frage.
Die Zulässigkeit des Zählers bzw. der Zählerabsicherung könnte eine weitere Baustelle sein bzw. werden oder bereits geklärt sein.

Nach dem was ich bisher zu dem Thema gefunden habe, können beide Elektriker Recht haben, je nach genauem Anwendungsfall.
Vielleicht da nochmal ansetzten und die beiden Elektriker fragen, was genau ihr Gedankengang bei diesem Sicherungskasten ist und welche Überlegungen zu ihren Aussagen im konkreten Anwendungsfall führen.

Selektivität ist bei RCDs kein pauschales Muss, nur eine Empfehlung wann immer möglich umzusetzen.

Kernfrage ist daher aus meiner Sicht:
Ist Selektivität in diesem Fall erforderlich, damit die Sicherheit der gesamten Anlage (u.U. abhängig vom Gefahrenpotential von Geräte- bzw. Maschineneinsatz. Ja im Eingangspost heißt es Wohnung. Das schließt z.B. den Anschluß einer Kreissäge an der Herdanschlußdose nur für die meisten Mieter aus, nicht für alle) gewährleistet ist, oder kann die Sicherheit auch auf anderem Weg gewährleistet werden?
 

Andres

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Selektivität ist bei RCDs kein pauschales Muss, nur eine Empfehlung wann immer möglich umzusetzen.

Nochmal: Ein RCD und ein LS-Schalter sichern unterschiedliche Fehlerzustände ab. Selektivität setzt voraus, dass man zwei Schutzvorrichtungen hat, die den gleichen Fehlerzustand absichern. Wenn auf einem RCD ein Bemessungsstrom von 63 A steht, meint das etwas völlig anderes als wenn auf einem LS-Schalter 63 A stehen würde.
 

ehrenwertes Haus

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Nochmal: Ein RCD und ein LS-Schalter sichern unterschiedliche Fehlerzustände ab. Selektivität setzt voraus, dass man zwei Schutzvorrichtungen hat, die den gleichen Fehlerzustand absichern. Wenn auf einem RCD ein Bemessungsstrom von 63 A steht, meint das etwas völlig anderes als wenn auf einem LS-Schalter 63 A stehen würde.

Stimmt, LS habe ich unterschlagen.
Ändert aber nichts daran, dass Selektivität bei Schutzeinrichtungen kein absolutes Muss ist, nur eine Empfehlung.
... und i.d.R die einachste Variante andere Anforderungen zu erfüllen.


Ich tippe nach wie vor auf unterschiedliche Gedankenansätze beider Elektriker, die in Bezug auf die Gesamtanlage oder Teile davon, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können, gepaart mit Sprach(ver)wirrungen.
 

Gast24091

Korrigiert mich bitte wenn ich falsch liege :

Ich würde die günstigere Variante hier wählen, wenn es eine Rechnung des Fachbetriebes gibt. Wie auch eine Haftung und Gewährleistung in der Sache dann vorliegt.

Auch würde ich mir es detailiert erklären lassen. Aber irgendwie beißt sich Selektivität mit dem RCD, selektiv bedeutet doch das das nächste Sicherungssystem auslöst. Fehlerstrom hat mit Kurzschlußströmen erstmal weniger zu tun.
 

TimeToSayGoodbye

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Ich würde die günstigere Variante hier wählen.
Also wegen 3€ knausern ist dann wohl eher am falschen Fleck gespart!

Wenn man bei einer 50A Stromzählerabsicherung das Tema mit Selektivität auch auf einen/mehrere FI/RDC anwendet wird es spätestens mit einem Durchlauferhitzer 21 kW mit 32 A Sicherung spannend, weil bei einem 40 A FI dann nur noch 8A Reststrom bleiben würden und man nach jedem zweiten 16 A LS einen weiteren FI bräuchte, um sicher zustellen, dass der 40 A FI nicht bei normalem Betrieb des DE überlastet werden kann.
 

Ferdl

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Irgendwie scheint das schwierig zu sein :042sonst:
Die Aussage 63A RCD betrifft lediglich den maximal zulässigen Betriebsstrom des RCD.
d.h.: es muss durch geeignete Maßnahmen sichergestellt werden dass unter keinen Betriebsbedingungen mehr als 63 A über den RCD fließen.
Geeignete Maßnahmen sind entweder eine Sicherung mit max. 63A (oder weniger) vor dem RCD, oder Sicherungen hinter dem RCD mit in der Summe max. 63A je Phase.
Selektiv zu einander können nur Sicherungen hintereinander oder RCD hintereinander sein. Wobei bei den RCD eine Unterschiedlich Betriebsstromstärke keine Selektivität ausmacht.
Selektivität in diesem Zusammenhang bedeutet, dass das letzte Element in einer Kette von Schutzeinrichtungen im Fehlerfall als erstes auslöst.
Wobei Sicherungen und RCD/FI verschiedene Fehler absichern und somit niemals selektiv zueinander sein können.
 
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