Verantwortung für Sanierungsausführung?

Dieses Thema im Forum "WEG-Verwaltung" wurde erstellt von Anselm, 19.09.2014.

  1. Anselm

    Anselm Benutzer

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    Hallo,

    vorab möchte ich die Runde grüßen. Ich bin sehr froh, nach immer wieder vergeblicher Suche dieses offenkundig professionell geführte Forum gefunden zu haben. Konkurrenz scheint auf diesem wichtigen Gebiet kaum zu bestehen. Ich nehme an, dass ich mich auch als Selbstnutzer meiner Eigentumswohnung angesprochen fühlen darf. Nun mein erster Forumsbeitrag:

    Unsere WEG hat zu besserer Wärmedämmung die Sanierung der Wetterfassaden beschlossen. Angekündigt war eine Dauer von achteinhalb Wochen. Dieser Termin ist bereits um zweieinhalb Wochen überschritten, und jetzt wird gerade mal mit dem Austausch der Fenster begonnen. Dämmplatten, Verputzen, Anstrich, Abnahme, Gerüstabbau, gärtnerische Wiederherstellung, etwaige Schadensbeseitigungen, Endreinigung und Endabnahme dürften noch in weiter Ferne liegen. Auf Betreiben des Verwaltungsbeirats hat die WEG-Verwaltung nun die Hausbewohner per Anschlag am Schwarzen Brett informiert, dass sich die Arbeiten voraussichtlich auf 13 Wochen verzögern, was ich für Wunschdenken halte.

    Meine Frage: Wer ist eigentlich für qualitativ einwandfreie und termingerechte Ausführung der Arbeiten (rechtlich) verantwortlich? Die WEG-Verwaltung (per vorformuliertem Beschluss mit der "Begleitung" beauftragt) und wohl auch der Verwaltungsbeirat scheinen der Ansicht zu sein, dass die Verwaltung mit der Auftragsvergabe ihre Pflicht getan habe und die ausführenden Firmen für die Erfüllung verantwortlich. Konsequent scheint auch erst nach der erheblichen Terminüberschreitung auf Beschwerden von Eigentümern hin angemahnt worden zu sein.

    Am Rande sei erwähnt, dass der Sommer dies Jahr für mich ausgefallen ist. Gerüst, Planen, durchscheinende Folie auf den Wohnzimmerfenstern - ein Albtraum.

    Über Stellungnahmen, Erfahrungen und Rat freue ich mich.

    Gruß, Anselm
     
  2. AdMan

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  3. Andres

    Andres
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    Die Verwaltung hat frühestens "ihre Pflicht getan", wenn die Bestellung endet. Jedenfalls ist der Verwalter nicht damit "raus", dass er seine Unterschrift unter den Auftrag setzt. Selbst ohne Beschluss muss er sich um die Maßnahme kümmern - das gehört ganz einfach zu den ständigen Pflichten.


    Sind sie ja auch. Und an diesem Punkt wird es interessant: Warum ist es zu diesen Verzögerungen gekommen? Sind den Handwerkern keine ausreichend genauen Vorgaben gemacht worden? Oder gab es klare Vereinbarungen, die nicht eingehalten werden? Haben sich die Verzögerungen aus technischen oder organisatorischen Gründen ergeben? Waren diese Gründe absehbar (Fehlplanung) oder nicht absehbar? Wie hat die Beschlussfassung der Eigentümer dazu beigetragen? Was hätte der Verwalter konkret tun können, um die Situation zu verbessern?

    Einfach formuliert: Der Verwalter kann nicht zaubern, muss aber mehr machen, als nur die Handwerker zu beauftragen.
     
  4. Jobo45

    Jobo45 Erfahrener Benutzer

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    Da unterscheiden sich eben die Verwalter. Die einen geben nur Ihre Unterschrift unter das Angebot die anderen machen entsprechend mehr. Schon in der Planungsphase sollte ein Terminplan der Anbieter abgefordert werden. Dieser sollte dann auch Auftragsbestandteil werden (inkl. Zeitpuffer).

    Bei meiner ersten Fasadensanierung habe ich auch gedacht, naja dadurch dass ein Gerüst sehr viel Miete kostet nehmen wir einen Maler mit Gerüst, dann wird er sich beeilen. Nachdem er sein eigenes Gerüst aufgebaut hatte und ein paar Ausbesserungsarbeiten durchgeführt hatte, machte die Firma ihren Sommerurlaub und es wurde 3 Wochen nichts gemacht. Das passiert mir nichtmehr.
     
  5. Anselm

    Anselm Benutzer

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    Dass er sich "kümmern" muss, wird er wohl nicht bestreiten. Aber das lässt offenkundig - jedenfalls bei ihm - einen weiten Interpretationsspielraum.

    • Meines Erachtens liegt ein Hauptproblem darin, dass die WEG-Verwaltung (auch schon früher, wie ich nachgelesen habe), solche Arbeiten "begleitet" oder es lässt. Wie ich das sehe, fühlt sich niemand in der Pflicht, den Eigentümern gegenüber volle Verantwortung zu übernehmen. Es wurde zwar ein Ingenieurbüro mit der Bauüberwachung beauftragt, aber wenn das auch die termingerechte Fertigstellung beinhalten würde, hätte längst etwas geschehen müssen.
    • Die Termine habe ich genannt; inwieweit sie in Vorgaben gegenüber den Baufirmen umgesetzt wurden und konkret nicht eingehalten wurden, bin ich nicht informiert. Der Verwaltungbeirat müsse Informationen auch hinterherlaufen. (Sollte er vielleicht.)
    • Es geht das Gerücht um, dass der Fensterhersteller im August Betriebsurlaub hatte und deshalb gar nicht rechtzeitig liefern konnte. Betriebsurlaube werden selten ad hoc anberaumt; Fehlplanung meines Erachtens.
    • Die Verwaltung hätte klarstellen sollen, wer gegenüber der WEG die Verantwortung übernimmt. Natürlich kann die Verwaltung nicht die Haftung für Fehler beauftragter Firmen übernehmen, aber regelmäßige Überwachung (muss ja nicht selbst erfolgen; sie kann sich berichten lassen) des vereinbarten Baufortschritts sowie offensichtlicher Fehler.
    • Sie sollte mit der WEG besser kommunizieren. Beim heutigen Stand der Technik sollte das besser möglich sein als über verspätete Anschläge.
    Zu zaubern verlangt hier niemand. Aber ich sag's jetzt mal etwas polemisch: Unser Verwalter erweckt den Eindruck, das Gemeinschafts- sei sein Eigentum, und er verfährt nach Gutsherrenart damit.

    Schon die gestellten Fragen, haben mir ein ganzes Stück weitergeholfen, danke. Vermutlich werde ich sie über den Verwaltungsbeirat stellen lassen.

    Gruß, Anselm
     
  6. Anselm

    Anselm Benutzer

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    Ja, genau! Bei uns bleibt vieles undurchsichtig. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

    Wie verhindere ich das als einer von 110 Eigentümern? Ich versuche halt, insbesondere hier, herauszufinden, wie eine vernünftige Auftragsvergabe auszusehen hat, und die dann nächstes Mal durchzusetzen. Bei uns reden zwar etliche über Ablösung des Verwalters, aber der Vertrag läuft nicht so bald aus.

    Gruß, Anselm
     
  7. Anselm

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  8. Andres

    Andres
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    Das war auch die Absicht hinter der Fragerei. :top


    Auch hier steckt schon eine wichtige Erkenntnis: Für den aktuellen Fall ist es mehr oder weniger "gelaufen". Also möglichst wenig aufregen und lieber darauf konzentrieren, solche Dinge in Zukunft besser zu regeln.


    In dieser Richtung würde ich eine Lösung suchen. Das grundsätzliche Problem ist folgendes: Sobald du eine größere Baumaßnahme hast, bei der mehrere Gewerke gegenseitig voneinander abhängen, brauchst du jemanden, der das Ganze koordiniert. Das ist keine triviale Aufgabe und wird gerne unterschätzt. Ob der Verwalter dafür ausreichend qualifiziert ist, ist nicht gesichert.

    Man kann daher z.B. ein Ingenieurbüro oder einen Architekten beauftragen oder zumindest die Ausführung einem Generalunternehmer übergeben. Wichtig ist dabei, dass das Ergebnis klar definiert wird: Fertigstellungstermin, sonst Vertragsstrafe. Das muss in die Beschlussfassung einfließen. Es wird also nicht einfach beschlossen: "Wir sanieren die Fassade."

    Das Vorgehen hat auch ein paar Nachteile: Erstens ist es etwas teurer. Der Unternehmer will schließlich das Risiko vergütet bekommen. Zweitens hat man während der Maßnahme etwas weniger Kontrolle über den Verlauf: Anweisungen gibt dann z.B. der Generalunternehmer. Drittens wird so die Beauftragung von Arbeiten etwas zäher.


    Das ist dagegen ein Vorwurf, den man der Verwaltung schon viel eher machen kann.


    Letztendlich ist die Aufgabe, eine geeignete Beschlussfassung herbeizuführen. Das kannst du nicht alleine. Also gilt es, Mehrheiten zu organisieren. Also mit den anderen Eigentümern reden (Beiräte und größere Eigentümer mit mehr Stimmrecht sind besonders interessant) und sich organisieren.
     
  9. #8 Fremdling, 19.09.2014
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    Bei einem so großen Objekt mit derartig umfangreichen wie teuren Maßnahmen erscheint mir vorteilhafter, vor Beschlussfassung die 'Ingenieurgemeinschaft' mit Angebotseinholung und -auswertung, Umsetzungsplanung incl. Bauzeitenplan, Bauüberwachung, Bauabnahme, Wahrnehmung von Gewährleistungsansprüchen, etc. zu befassen. So kann auch die Auftragsvergabe durch die 'Ingenieurgemeinschaft' erfolgen, nachdem die Verwaltung ihrerseits das Büro gemäß Versammlungsbeschluss beauftragt hat.

    Aus grundsätzlichen Überlegungen sollte die Ermächtigung im Beschluss an den Beirat überdacht werden und statt dessen die Versammlung die finale Entscheidung anhand konkreter Unterlagen der 'Ingenieurgemeinschaft' treffen.

    Auch wenn Verwaltung und Beirat professionell arbeiten und engagiert tätig werden, sind sie in der Regel mit der 'Baubegleitung', was immer das bedeuten mag, eher überfordert. Da würde ich mich keinen Illusionen hingeben, die oft genug durch vermeintliche 'Ersparnisse' getrieben sind.
     
  10. Andres

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    Das verdichtet den Eindruck, dass der Verwalter nicht gut für euch ist. Am Anfang kostet TOP 5d) noch ca. 35.000 €. Wenn man dann nachliest (5/10), sind es plötzlich 40.000 € für die im TOP bezeichnete Überwachung plus 3.000 € für einen Arbeitsschutzbeauftragten plus Honorar für den Verwalter von ca. 10.000 €. 1,8 % klingt natürlich freundlicher ...

    Das ist dann schon der nächste Punkt: Aus welcher Hölle kommt die Idee, den Verwalter prozentual nach den Baukosten zu vergüten? Das motiviert bestimmt, die Arbeiten zügig und damit kostengünstig abzuschließen. :wand:

    Bei einem Aufschlag von 50 % zwischen Überschrift und tatsächlichem Beschluss, kann man schon mal schlechte Laune bekommen. Noch dazu, wenn sich hier die Vergütung des Verwalters versteckt.

    Außerdem finde ich es etwas ungewöhnlich, dem Beirat so umfangreiche Entscheidungen aufzuerlegen. Bei der Bemusterung des Anstrichs mit gewissen Vorgaben mag das noch in Ordnung sein. Aber muss man es wirklich dem Beirat überlassen, über die Vergabe von 600.000 € in Bauleistungen zu entscheiden?


    Wie oben geschrieben:
    • Beschlüsse sollten möglichst klar und verbindlich sein ("dieses Angebot zu diesen Konditionen") und keine bloßen Absichtserklärungen ("diese Maßnahmen zu vielleicht ungefähr diesem Preis, wenn er sich realisieren lässt").
    • Bei großen Projekten darf man auch ganz klare Ziele definieren, was bei kleinen Maßnahmen nicht unbedingt förderlich ist. Dabei kann ein externer Dienstleister helfen, den man auf genau dieses Ergebnis verpflichtet und ihm die Durchführung komplett überlässt. Auch hier wieder: klare Beschlussfassung, eindeutige Vorgaben.
     
  11. Anselm

    Anselm Benutzer

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    Wirklich vielen Dank. Ich habe hier in ein paar Stunden so viel gelernt wie lange in dieser Materie nicht mehr. Ich bin schon geraume Zeit aus dem Berufsleben heraus, nun klickert es bei mir, der ich mich viel mit Arbeitsmethodik und Projektmanagement beschäftigt habe, dass das ein klassischer Anwendungsfall ist. Ich werde mit erhoffter Unterstützung des Verwaltungsbeirats versuchen, die "Black Box" resolution in, garbage out so weit als möglich und nötig aufzudröseln, um die Schwachstellen aufzudecken. Wir müssen als Eigentümer dahin kommen, alle entscheidenden Fäden so weit selbst in der Hand zu halten, dass wir bestimmen und die Verwaltung ausführendes Organ ist. Will sie das nicht, wollen vielleicht wir sie nicht.

    Gruß, Anselm
     
  12. #11 Martens, 19.09.2014
    Zuletzt bearbeitet: 19.09.2014
    Martens

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    Ich kann ja die Verärgerung über suboptimal verlaufende Projekte verstehen, was ich nicht verstehe ist jedoch die Konsequenz, daß dann die Eigentümer von 110 Einheiten die Fäden selbst in die Hand nehmen wollen.
    Glaube mir, das gibt so ein richtiges Knäuel.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, hat die WEG ein Ing.-Büro mit der Bauleitung beauftragt, die Verwaltung hat also direkt gar nichts mit der Sanierung zu tun. Es ist vielmehr das Ing.-Büro auch für die Überwachung der Einhaltung von vereinbarten Terminen verantwortlich.

    Wenn das Projekt nun offensichtlich stockt, sollte die Verwaltung von der Bauleitung einen Bericht zum Status und Vorschläge zur weiteren Vorgehensweise abfordern, diesen Bericht kann sie an alle Eigentümer verteilen, muß sie aber vermutlich nicht.

    Ohne Kenntnis der Zusammenhänge und Details kann man bisher niemandem die Verantwortung für die Verzögerung "anhängen". Vieles ist denkbar, aber bisher alles Spekulation.

    Da gem. Verwaltervertrg dem WEG-Verwalter offenbar Sonderleistungen gesondert zu vergüten sind, ist das hier per Eigentümerbeschluß geschehen. Ob ein fünfstelliger Betrag angemessen oder notwendig ist und welche Leistung der Verwaltung als Begleitung der Sanierungsarbeiten erbracht wird, ist offen, auch hier fehlen Details zur Beurteilung.

    Mal zurück zur Ausgangsfrage:
    Der Ausführungsbetrieb / Auftragnehmer ist verantwortlich, die vereinbarte Qualität in der vereinbarten Zeit zu den vereinbarten Kosten zu liefern.

    Wenn ein Ing.-Büro für HOAI 8 beauftragt ist, haben die das alles (Qualität, Kosten, Termine) zu überwachen und bei Problemen, Verzögerungen o.ä. Meldung an den Auftraggeber, also die WEG vertr.d.d. Verwaltung zu machen. Sind dann Entscheidungen zu fällen, macht der Verwalter das entweder autonom oder unter Einbeziehung von ausgewählten Eigentümern / Beiräten und nötigenfalls entscheiden die Eigentümer auf gesondert einzuberufenden Eigentümerversammlungen.

    Christian Martens
     
  13. Anselm

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    Das glaube ich gerne, aber schlechter als bisher kann es kaum werden. Wenn aus der Black Box rauskommt, was wir als Beschluss reingesteckt haben, gibt es keinen Grund, zu monieren.

    Würde das bedeuten, dass ich als einzelner Eigentümer mich an das Ing.-Büro wenden sollte, wenn ich terminliche oder qualitative Mängel feststelle?

    Also muss ich mich doch an die Verwaltung wenden? Wenn unsere Verwaltung von der Bauleitung rechtzeitig einen Bericht zum Status und Vorschläge zur weiteren Vorgehensweise gefordert hätte, müssten einzelne Eigentümer sich nicht den Kopf zerbrechen. (Mein Hobby ist es nun auch nicht gerade.)

    Ich habe auch schon anderweitig gehört, dass die Verwaltung für qualitativ und terminlich einwandfreie Auftragserfüllung zuständig sei. Dass die den Schwarzen Peter nicht behalten, sondern weitergeben, ist klar. Aber ich kann doch nicht etwa Kontakt mit mehreren Auftragnehmern aufnehmen und versuchen, denen gegenüber meine Forderungen durchzusetzen, während die WEG-Verwaltung sich auf ihrer "Begleitung" ausruht - oder sehe ich das falsch?

    Wenn für den fünfstelligen Betrag eine einwandfreie Leistung erbracht wird, dann sei er vergönnt. Was bei uns abläuft, ist aber alles andere als einwandfrei.

    Jetzt weiß ich wenigstens, was HOAI 8 ist. Das ist die reinste Bildungsveranstaltung hier.

    Ich sehe das so (und vielleicht falsch): Das Ing.-Büro ist für Qualität, Kosten, Termine usw. verantwortlich und muss Probleme, Verzögerungen o.ä. Meldung der WEG, vertreten durch die Verwaltung, melden, ok. Wenn da nichts kommt, halte ich es für eine Verwaltung für zumutbar, schon mal nachzuhaken, bevor der Fertigstellungstermin längst überschritten und die Arbeit noch nicht annähernd fertig ist. Hinsichtlich Entscheidungen ist keine andere Regelung getroffen, also muss der Verwalter meines Erachtens autonom reagieren. Eine gesondert einberufene Eigentümerversammlung könnte natürlich anders entscheiden, aber bis die stattgefunden hat, verginge ja noch mal viel Zeit.

    Fakt ist doch, dass unsere Sanierung terminlich völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Und die Frage ist, wie die WEG damit umgeht. Wenn das Ing.-Büro an die Verwaltung meldet, macht das doch nur Sinn, wenn die Verwaltung für die Entgegennahme und Reaktion zuständig ist. Und für mich ist offen, ob sie das "begleitend" gegebenenfalls eher freiwillig macht, oder ob die WEG einen Anspruch darauf hat, dass die Verwaltung verantwortlich Mängel im Schneeballstadium abstellt, bevor eine Lawine daraus geworden ist. Wegen der eklatanten Verzögerung sehe ich in meinem Wohnzimmer seit Anfang Juli keinen Himmel und keinen Sonnenstrahl mehr, und die Verwaltung vertröstet auf einen späteren und auch keinesfalls haltbaren Termin. Wenn es keinen wirklich Zuständigen und Verantwortlichen gibt, dann ist meines Erachtens schon bei der Planung etwas gewaltig schiefgelaufen. Ich kann mir gut vorstellen, dass andere Verwaltungen dergleichen im Griff haben.

    Mein sicher spürbarer Ärger richtet sich natürlich nur gegen das Ergebnis der Sanierung; ich bin an allen Sichtweisen interessiert.

    Dank und Gruß, Anselm
     
  14. #13 Martens, 20.09.2014
    Martens

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    Anselm,

    wenn ich Dich richtig verstanden habe, brauchst Du zuerst einmal Informationen.

    Nochmal: Der Ausführungsbetrieb ist dafür zuständig, den Vertrag sauber abzuarbeiten. Wenn da Fertigstellungstermine vereinbart sind - sind sie das denn? - ist er auch dafür zuständig, diese einzuhalten.

    Das Ing.-Büro ist einzelnen Eigentümern gegenüber nicht auskunftspflichtig und wird gut daran tun, keine Auskunft zu geben und keine Diskussionen mit Einzelnen zu führen, Stichwort Knäuel.

    Bauherr ist die WEG und nicht der einzelne Eigentümer, auch nicht 20 Eigentümer auf dem Haufen, auch dann nicht, wenn sie plötzlich im Flur der Verwaltung stehen. Also kann die WEG vom Ausführungsbetrieb und dem Ing.-Büro Auskunft verlangen und die nötigen Schritte einleiten wobei die WEG eben durch die WEG-Verwaltung vertreten wird und handelt.

    Mangels Information weißt Du im Moment nicht, was da überhaupt gelaufen ist und wo es hakt.
    Du stellst eine massive Zeitverzögerung fest und bist verärgert.
    Also wende Dich an die WEG-Verwaltung und frage nach Auskunft.

    Wenn die Auskunft nicht kommt oder nicht zufriedenstellend ausfällt, verlange Einsicht in die Bauverträge, den Vertrag mit dem Ing.-Büro und die Akte über dieses Bauvorhaben mit Bautagebuch des Ing.-Büros und dem kompleten Zahlungsverkehr.
    Dieses Einsichtsrecht hat jeder einzelne Eigentümer...

    Wenn Du meinst, daß die WEG-Verwaltung überfordert ist, such Dir Mitstreiter und arbeite nötigenfalls auf eine Sonderversammlung hin, in der die Eigentümer direkt entscheiden können, wenn sie wollen.

    Christian Martens
     
  15. Anselm

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    Hallo Christian,

    danke für den erneuten Versuch zu helfen.

    Mein Grundanliegen ist, dass ich eine Sanierungsausführung erwarte, die der Absicht der WEG entspricht. Weil das terminlich nicht annähernd klappt, mache ich mich auf die Suche nach bestmöglicher Beschleunigung jetzt noch und Abhilfe künftig und versuche deshalb zunächst, den (geplanten und tatsächlichen) Ablauf zu verstehen.

    Bei mir gibt es ein grundsätzliches Verständnisproblem:

    • Der Ausführungsbetrieb ist (wem?) dafür verantwortlich, den Vertrag - auch hinsichtlich Fertigstellungsterminen - sauber abzuarbeiten. Ob und welche vereinbart sind, weiß ich aber nicht.
    • Das Ing.-Büro ist einzelnen Eigentümern gegenüber nicht auskunftspflichtig.
    • Bauherr ist die WEG insgesamt, nicht einzelne Eigentümer.
    • Die WEG kann durch die WEG-Verwaltung vom Ausführungsbetrieb und dem Ing.-Büro Auskunft (wem in welchem Fall?) verlangen und die nötigen Schritte einleiten.
    • Ich soll mich wegen der massiven Zeitverzögerung an die WEG-Verwaltung wenden und nach Auskunft fragen.
    • Wenn die Auskunft nicht oder nicht zufriedenstellend kommt, soll und darf ich die Bauverträge, den Vertrag mit dem Ing.-Büro und die Akte über dieses Bauvorhaben mit Bautagebuch des Ing.-Büros und den kompletten Zahlungsverkehr einsehen.
    • Wenn ich die WEG-Verwaltung für überfordert halte, soll ich mir Mitstreiter suchen und nötigenfalls auf eine Sonderversammlung hinarbeiten, in der wir entscheiden, was wir wollen.

    Das will ich nicht in Zweifel ziehen, wohl aber, ob es - aus Laiensicht, aber Kunden dürfen ja Laien sein - sinnvoll und praktikabel ist. Bis ich die Liste bis hin zur Sonderversammlung abgearbeitet habe, dürfte die Sanierung auch unter ungünstigsten Umständen erledigt sein.

    Ist es nicht möglich, dass die WEG die Verwaltung verbindlich beauftragt, die Sanierung für sie verantwortlich durchzuziehen? Dass die Verwaltung (wir bezahlen sie ja) die Auftragsausführung laufend kontrolliert (wem gegenüber - Ausführungsbetrieb oder Ing.-Büro oder wer auch immer?) und bei nicht tolerierbaren Abweichungen sofort gegensteuert?

    Wie es bei uns läuft und wie Du den Ablauf schilderst, kann die WEG-Verwaltung doch de facto alles aussitzen und ihr Honorar in voller Höhe und ohne Verzögerung kassieren. Nachdem (siehe Andres) die Verwaltung prozentual nach den Baukosten vergütet wird, kann sie ja gar kein Interesse daran haben, den Aufwand zu minimieren. Und die (zumindest unsere) Verwaltung dürfte haargenau wissen, dass es weder einzelnen Eigentümern noch dem Verwaltungsbeirat praktikabel möglich ist, ihr (ein Wortspiel) sich ins verpfuschte Handwerk einzumischen. Und dass der "Pfusch" bis zur nächsten Sanierungsmaßnahme so weit vergessen ist, dass das Spiel von vorne beginnen kann. (Ich bremse mich schon wieder.)

    Wir haben ja vielleicht den vorformulierten Beschluss zu unkritisch übernommen. Aber können wir nicht wenigstens nächstes Mal einen Beschluss fassen, der einwandfreie Ausführung einigermaßen gewährleistet?

    Gruß, Anselm
     
  16. #15 Martens, 21.09.2014
    Zuletzt bearbeitet: 21.09.2014
    Martens

    Martens
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    moin Anselm,

    Der Ausführungsbetrieb ist dem Auftraggeber gegenüber die Leistungserbringung und natürlich auch Rechenschaft schuldig, der Auftraggeber ist die WEG.

    Die WEG-Verwaltung ist - nach bisherigem wenn auch magerem Informationsstand - gerade NICHT dafür zuständig, dem Ausführungsbetrieb in den Hintern zu treten, da die WEG ja extra ein Ing.-Büro für die Bauleitung beauftragt hat und genau deren Job ist das, wie ich ja schon schrieb.

    Wie die Kommunikation zwischen WEG-Verwaltung und Ing.-Büro läuft, mußt Du erfragen.

    Du schreibst, die WEG-Verwaltung würde irgendwas aussitzen, hast aber nicht mit denen gesprochen.
    Es ist doch zumindest möglich, daß den Kollegen dort ganz gewaltig der Kopf raucht und die jede Menge Arbeit mit dieser Sanierung haben und kräftig bemüht sind, die Sache vor dem Winter zu einem Abschluß zu bringen.

    In den mir bekannten Fällen hat die WEG-Verwaltung das allergrößte Interesse daran, daß eine Sanierung oder auch jede Instandhaltung mit sauberer Qualität zu den vereinbarten Kosten und zum vereinbarten Termin abgeschlossen wird. Wenn das nämlich nicht so ist, passiert genau das, was bei Euch passiert: Die Eigentümer geben der WEG-Verwaltung die Schuld an allen Fehlern oder Unzulänglichkeiten.

    Nur - bauen tun andere und die WEG-Verwaltung ist nur begrenzt in der Lage, die Leute zum richtigen Handeln zu treiben, wenn die nicht wollen oder können.

    Damit hast Du schon mal richtig festgestellt, daß die Eigentümer die Beschlüsse gefaßt haben. Das wird in solchen Situationen leicht übersehen. ;)
    Und nein, man kann im Vorfeld nicht gewährleisten, daß alles reibungslos funktioniert, es kann immer was dazwischenkommen, das ist einfach Lebensrisiko.

    Ein Beschluß sollte sich auf die konkreten positiven Aussagen konzentrieren: die WEG will dies von Fa. X zu diesen Kosten bis zum xx.yy. getan haben. Fertig.
    Man kann gar nicht alle Möglichkeiten und die passenden Reaktionen darauf in einem Beschluß festhalten, das gibt nur ein Korsett, das im Zweifelsfalle nicht stützt sondern nur behindert.

    Christian Martens
     
  17. Anselm

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    Hallo Christian,

    ein weiteres Dankeschön.

    Dann müsste die WEG-Verwaltung eben dem Ing.-Büro in den Hintern treten. Sicher doch nicht die WEG oder einzelne Eigentümer.

    Bei einem angegebenenen Fertigstellungstermin Anfang September müsste der Winter früh einbrechen, damit denen Kopf der raucht. Inzwischen habe ich ergoogelt (ob's stimmt, kann ich nicht beurteilen), dass die WEG nur begrenzte Auskunftspflicht bei allgemeinen Verwaltungsangelegenheiten gegenüber einzelnen Eigentümern habe.

    Wenn die erst nach vierzehntägiger Terminüberschreitung auf Beiratsbeanstandung die Eigentümer per Aushang über die Verzögerung und die voraussichtliche verspätete (unhaltbare) Fertigstellung informieren, ohne die leiseste Angabe eines Grundes, bezweifle ich den guten Willen. Nach meiner langjährigen Erfahrung trägt die WEG-Verwaltung Schuldzuweisungen an Fehlern oder Unzulänglichkeiten mit großer Fassung.

    Diemal ist ein besonders eklatanter Fall, aber auch keine ganz große Ausnahme. Trotzdem werden immer wieder dieselben Firman und dasselbe Ing.-Büro beauftragt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

    Ich will halt möglichst, dass wenigstens künftige Beschlüsse wasserdichter sind. Der jetzige lässt mir zu viel Spielraum.

    Neulich schrieb mir jemand, wie konstruktiv sich seine Verwaltung einer Mietwohnung bei einer Sanierung verhalten hat. Ich bin neidisch.

    Ich habe mir nun vorgenommen, alles aufzulisten, was mir unklar ist und was ich beanstande. Damit gehe ich zum Beirat. Ich bin gespannt, ob und was die daraus machen. Auch gute Kooperation zwischen Verwaltung und Beirat ist ja keine Selbstverständlichkeit.

    Gruß, Anselm
     
  18. Duncan

    Duncan
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    OT: interessant zu erfahren, dass am BER auch 110 WE mit entstehen. :unsicher015: /OT
     
  19. Anselm

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    Ich fühle mich verstanden! :92:
     
  20. Anselm

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    Weil ich grade im Forum bin: Die Sanierung zieht sich inzwischen vier Monate hin und ist nicht noch nicht fertig. Falls jemand eine WEG-Verwaltung sucht ...
     
  21. Anselm

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    Weil ich gerade wieder hier bin: Die Dauer der Sanierung war mit unter einem Vierteljahr angekündigt. Dieser Tage wird sie beim Haus, das ich bewohne, fertig. Nach zehneinhalb Monaten ...

    Gruß, Anselm
     
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