Verständnis oder Kündigung?

Diskutiere Verständnis oder Kündigung? im Kündigung Forum im Bereich Mietvertrag über Wohnraum; Hallo, ich bitte euch um Rat. Eine Mieterin war lange Zeit Kundin beim Jobcenter, die Miete hatte sie immer selbst überwiesen, aber es gab da...
Katharmo

Katharmo

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Hallo,
ich bitte euch um Rat.

Eine Mieterin war lange Zeit Kundin beim Jobcenter, die Miete hatte sie immer selbst überwiesen, aber es gab da keine nennenswerten Probleme.
Im September kam eine Mail von ihr, sie hätte jetzt eine Ausbildung begonnen und BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) beantragt, aufgrund der Bearbeitungszeit könne sich die Zahlung der Oktobermiete verzögern, sie bittet um Verständnis. Genauere Informationen gab sie mir nicht.

Anfang Oktober erhielt sie die Betriebskostenabrechnung von mir, sie muss eine Nachzahlung leisten.
Daraufhin kam wieder eine Mail: Sie hätte ja nun eine Ausbildung ohne Vergütung angefangen bittet deshalb um Verständnis.
Wieder gab sie mir keine genaueren Informationen und somit war für mich die einzig klare Botschaft: "Ich kann nicht bezahlen und ich weiß nicht, ob und wieviel ich irgendwann mal bezahlen kann."
Dies gab ich ihr in einer Mail zu verstehen und teilte ihr mit, dass ich einer Verlängerung des Zahlungsziels nicht zustimme und ich kein Verständnis aufbringen kann, weil sie mir keine Informationen zu der ganzen Geschichte gegeben hat, z.B. Ausbildungsvertrag, Kalkulationen, Rechtsgrundlagen. Irgendwas, aus dem ich die Sicherheit bekommen kann, dass sich die Zahlung jetzt nur verzögert und dann alles wieder regelmäßig laufen wird.

Daraufhin kam eine Mail, es sei alles unverzüglich beantragt worden, die Bearbeitung könne mehrere Monate dauern, jetzt wurde zusätzlich Überbrückungshilfe beim Jobcenter beantragt. Falls ich es wünsche, würde sie mir am Wochenende Kopien ihrer Dokumente geben. Die Ausbildung sei außerbetrieblich und laufe über das jobcenter und die Diakonie.
Darauf habe ich keine Antwort geschrieben und habe es auch nicht vor.

Ich hatte mich ehrlich für die Dame gefreut, dass sie eine Ausbildung machen kann. Von Empathie kann ich mir aber leider nichts kaufen und wenn die nächste Zahlung auch nicht kommt, möchte ich ihr kündigen. Hatte ihr ähnliche Fälle? Wie seid ihr damit umgegangen?
Wenn sie mir alles plausibel dargelegt hätte, dann hätte ich mit einer Verzögerung der Zahlung kein Problem gehabt. Leider ist sie auch allgemein nicht glaubwürdig, sie hat mich schon öfter belogen, wenn es um Geld ging. Letztlich kam das Geld aber immer irgendwann.
Sie ist einer dieser Menschen, die statt einer fälligen Zahlung immer erstmal eine Geschichte abliefern und immer sind die anderen schuld.

Ich freue mich auf eure Ansichten, ob ihr die Kündigung in diesem Fall ebenfalls in Angriff nehmen würdet.
 
dots

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Von Empathie kann ich mir aber leider nichts kaufen und wenn die nächste Zahlung auch nicht kommt, möchte ich ihr kündigen.
Hast du schon mal mit der Dame geredet? So richtig, nicht per Telefon, Mail, Brief. Von Angesicht zu Angesicht.
Ich persönlich finde, dass man solche Probleme, wie du sie hier schilderst, meist sehr schlecht per Post etc. "klären" kann.
 
Katharmo

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@dots nein, bei ihr mache ich es konsequent so, wie es hier im Forum oft als Rat gegeben wird. Bei Begegnungen nur eine Begrüßung, alles Mietrechtliche schriftlich bzw. per E-Mail.
 

Ich-bin-es

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Aber willst Du ihr Angebot, Dir die Dokumente zu zeigen nicht annehmen?
 
Katharmo

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Aber willst Du ihr Angebot, Dir die Dokumente zu zeigen nicht annehmen?

Nein, mit diesem "Angebot" schiebt sie doch nur wieder mir den nächsten Schritt zu. Es hindert sie doch niemand daran, mir Kopien in den Briefkasten zu werfen oder Dateianhänge zu versenden.
 

Ich-bin-es

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Ich glaube, Du hast das bereits entschieden und die Frage "Verständnis oder Kündigung" ist gar keine mehr.
 
Katharmo

Katharmo

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Ja, theoretisch habe ich das schon entschieden. Trotzdem gibt es da den sozialen Teil in mir, dem die Dame dann leidtut. Ich glaube, diese Zerrissenheit kennen hier ganz viele aus ihrer Anfängerzeit als Vermieter.
 
Katharmo

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Nochmal anders formuliert: der Vermieter in mir sieht bei Ausfall von zwei Mieten ganz klar die Kündigung als nächsten und notwendigen Schritt.

Als Mensch neige ich dazu, andere Menschen verstehen zu wollen und dieser Punkt macht mir in diesem Fall Kopfschmerzen.

Warum hat sie mich nicht schon vorher angesprochen, auf diese Situation vorbereitet und alles offengelegt, was mein Vertrauen in ihre zukünftigen Zahlungen erhält? Ist es Trägheit? Sie ist intelligent, das passt alles nicht zusammen.

Dem Vollprofi wäre das alles vermutlich relativ egal.
 

set

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Warum hat sie mich nicht schon vorher angesprochen, auf diese Situation vorbereitet und alles offengelegt, was mein Vertrauen in ihre zukünftigen Zahlungen erhält? Ist es Trägheit? Sie ist intelligent, das passt alles nicht zusammen

Genau soetwas kann man in einem persönlichen Gespräch klären. Wenn man denn will. Ich habe eher den Eindruck du suchst hier nach moralischer Unterstützung für die Kündigung.
 
Katharmo

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Genau soetwas kann man in einem persönlichen Gespräch klären. Wenn man denn will. Ich habe eher den Eindruck du suchst hier nach moralischer Unterstützung für die Kündigung.
Genau richtig, wenn man denn will. Und ich sehe da auf der Seite der Mieterin eben diesen Willen nicht.
Ich habe ihr doch schon geschrieben, dass die Vorlage von Dokumenten geholfen haben könnte. Warum also jetzt das "Angebot "? Einfach mal her mit den Zahlen und Fakten.

Moralische Unterstützung tut gelegentlich gut ;)
 

Ferdl

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Genau soetwas kann man in einem persönlichen Gespräch klären.
Mehr als wie am Telefon kann man im persönlichen Gespräch auch nicht klären, weil, am Ende des Tages will VM Geld sehen was M nicht (mehr) hat. Und genau da hört mein Verständnis auf.
Wenn die Mieterin es innerhalb von 3 Monaten nicht auf die Kette bekommt zumindest einen Teil der Miete zu bezahlen, wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Dezembermiete nicht bezahlen.
Außerdem kann so eine Kündigung auch dass "Amt" etwas beflügeln mal aus dem Quark zu kommen...
 

ehrenwertes Haus

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Nochmal anders formuliert: der Vermieter in mir sieht bei Ausfall von zwei Mieten ganz klar die Kündigung als nächsten und notwendigen Schritt.

Als Mensch neige ich dazu, andere Menschen verstehen zu wollen und dieser Punkt macht mir in diesem Fall Kopfschmerzen.

Warum hat sie mich nicht schon vorher angesprochen, auf diese Situation vorbereitet und alles offengelegt, was mein Vertrauen in ihre zukünftigen Zahlungen erhält? Ist es Trägheit? Sie ist intelligent, das passt alles nicht zusammen.

Dem Vollprofi wäre das alles vermutlich relativ egal.
Auch Vollprofis sind keine Unmenschen. Es kommt auf die Gesamtsituation an.

Problematisch finde ich Mietern helfen bzw. verständnisvoll reagieren, wenn Probleme der rote Faden bei diesem Mieter sind und die Ursache eigentlich "Mieter kommt nicht in die Puschen" ist.


Tipps geben, vielleicht auch bei schwierigen Gängen und/oder Formularen ausfüllen helfen, Kontakt mit Hilfestellen, Arzttermin vereinbaren, ausnahmweise Taxi spielen (bei räumlicher Nähe) usw. mag im Einzelfall sinnvoll sein.
Das mache ich (bisher) nur bei Mietern mit bis dahin gutem bis sehr gutem Mietverhältnis, wenn sie aktiv auf mich zukommen und nicht warten, bis ich auf ihre (meist finanziellen) Probleme über Kontoauszüge aufmerksam werde. Dann macht gemeinsam Lösungen für (vorrübergende) Probleme von Mietern suchen und erarbeiten u.U. Sinn. Dann habe ich ein ernsthaftes Interesse diesen Mieter zu behalten.


Deine Mieterin wäre mir zu passiv, um mir ihre Probleme in irgendeiner Form aufhalsen zu wollen oder zu lassen. Ich sehe nicht den ernsthaften Willen, dass sie ihr (Mieter)Leben selber in den Griff bekommen möchte, mehr eine Art vor sich hin dümpeln bis zum nächsten Problem.
Oder siehst du ernsthafte Probleme einen besseren Nachmieter zu finden?

Das 4-Augen-Gespräch suchen wäre sinnvoll, wenn du diese Mieterinbehalten willst. Wenn nicht, nach Schema F vorgehen und abwarten bis Mietrückstände oder andere Kündigungsgründe für eine Kündigung ausreichen.
 
Katharmo

Katharmo

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Tipps geben, vielleicht auch bei schwierigen Gängen und/oder Formularen ausfüllen helfen, Kontakt mit Hilfestellen, Arzttermin vereinbaren, ausnahmweise Taxi spielen (bei räumlicher Nähe) usw. mag im Einzelfall sinnvoll sein.

Ich weiß, was du meinst. Für meinen neuen Mieter der ehemaligen Randaliererwohnung habe ich schon einiges ausgefüllt. Der ist aber auf mich zugekommen und nicht passiv.
 
immodream

immodream

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Hallo Katharmo,
ich hatte eine Wohnung an zwei Auszubildende die Bafög bekamen vermietet .
Antrag konnte immer erst im August gestellt werden und Geld gab es immer erst im Oktober.
Beim ersten Mal bin ich nach dem Rückstand von 2 Mieten leicht nervös geworden und habe überlegt, ob ich eine Abmahnung schicken sollte .
Aber im Oktober wurden die ausstehenden Mieten nachgezahlt.
In den nächsten Jahren immer das gleiche Spiel, Anruf von den Mietern, das der Bafög Antrag gestellt sei, Nachzahlungen erfolgten immer im Oktober.
Glück gehabt.
Leider hat der Mieter dann im Nebenerwerb Drogen und gestohlenen Handys verkauft und ist irgendwann im Gefängnis gelandet.
Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.
Vielleicht solltest eine Abmahnung schicken .
Hat bei meinen Jobcenterkunden schon mal zur Beschleunigung des Antrages oder Abschlagszahlungen geführt.
Grüße
Immodream
 

FMBerlin

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Hatte ihr ähnliche Fälle? Wie seid ihr damit umgegangen?
Ich war mir unsicher, da die immer neuen Ausreden für die fehlenden Mietzahlungen grundsätzlich möglich aber nicht nachgewiesen waren. Also habe ich gekündigt und dem Mieter erklärt, daß er die fristlose Kündigung durch Nachzahlung (Mietschuldenübernahme vom Sozialamt/Jobcenter o.ä.) heilen könne und die ordentliche Kündigung unwirksam würde, wenn er (dem Gericht im Räumungsprozeß) nachwiese, daß er unverschuldet die Miete nicht zahlen konnte. Ich hätte Verständnis für seine Situation, müsse mich aber absichern (Kündigung) für den Fall, daß seine Angaben unzutreffend seien. Er hatte immer neue Geschichten, erzählt warum die Miete nicht ankam, die er teilweise mit seinen Kontoauszügen hätte belegen können (z.B. Mietzahlung sei zurück gekommen, Arbeitgeber hätte keinen Lohn gezahlt). Bei der Kontoauszugvorlage fehlten aber die entscheidenden Blätter, die er "nicht mehr gefunden" hätte. Bei der Räumung, 11 Monate später, entpuppten sich die Mietergeschichten anhand zurückgelassener Unterlagen sämtlich als Betrug.
 

Dschei2

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Ich habe auch schon viel zu viele Lügen angehört.
Daher ist mein Vorgehen auch: bei zweiter ausstehender Miete fristlose Kündigung mit der Info an die Mieterin, dass diese Kündigung ja durch komplette Nachzahlung geheilt werden kann.
Evtl. kannst ja mal anrufen und nach einem Termin fragen, an dem sie dir alle Unterlagen zeigen will.
Aber warten ohne Kündigung würde ich ohne weitere Belege, dass eine Nachzahlung kommt, nicht.
 
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