Warmwasserzeiten wirksam vereinbaren

Diskutiere Warmwasserzeiten wirksam vereinbaren im MV - Allgemeine Fragen Forum im Bereich Mietvertrag über Wohnraum; Hallo zusammen, aus aktuellem Anlass (wer die Medien verfolgt: klick) und auch persönlich, mein Problemhansel ist ja raus und die Wohnung ist...

Jon

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Hallo zusammen,

aus aktuellem Anlass (wer die Medien verfolgt: klick) und auch persönlich, mein Problemhansel ist ja raus und die Wohnung ist wieder auf dem Markt.

Es geht um die Bereitstellung von Warmwasser, vorab, mir ist klar, was das Mietrecht dazu sagt.

Bisher hatte ich, auch mit dem Problemmieter, mündlich die Vereinbarung getroffen, dass wir nur morgens und abends, in den Zeitfenstern wo es benötigt wurde, Warmwasser zur Verfügung haben, technisch gesprochen, dann der Speicher mit Heißwasser erwärmt wird. Da der Speicher recht groß ist, hatte man den ganzen Tag über eigentlich warmes Wasser, wenn auch nicht die von Gesetzgeber geforderte Mindesttemperatur, in den Nutzungszeiten morgens und abends hatte man ganz normal heißes Wasser, soweit so gut.

Zusätzlich gab und gibt es eine Taste an der Heizung, die man drücken kann, wodurch die Warmwasserbereitung aktiviert wurde, innerhalb von 15 Minuten war das Wasser immer heiß. Diese Funktion haben wir in sieben Jahren keine fünfmal gebraucht.

Nun folgende Frage:

Das Mietrecht verlangt 24/7 Warmwasser. Kann ich wirksam in meinem selbstbewohnten 2FH per Individualmietvereinbarung Zeiten für die Warmwasserbereitung schriftlich vereinbaren? Heizkosten kann ich in dieser Konstellation zu 100 % verbrauchsabhängig abrechnen, wenn vereinbart, kann mir jmd. sagen, ob das hier auch möglich ist? Auf den Bericht bezogen hufen die Mietervereine bereits hörbar...


Im Allgemeinen kenne ich das persönlich nur so, dass es diese vereinbarten Zeiten gibt, allerdings ausschließlich von Eigentümern, die sagen, ich geh morgens/abend zwischen x und y Uhr duschen, da muss nicht den ganzen Tag die Heizung laufen. Ich sehe da auch keine Komfort- oder sonstigen Einschränkungen.


Danke und sonnige Grüße aus dem heißen Südwesten der Republik
Jon
 
Andres

Andres

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aus aktuellem Anlass (wer die Medien verfolgt: klick)
Welche Einsparung erhofft man sich davon, das Warmwasser (bereits ungenau: Warmwasserbereitung, Zirkulation, etwas anderes?) von 8 bis 11 Uhr, 13 bis 17 Uhr und 21 bis 4 Uhr abzustellen? Außer dass man viermal pro Tag das Leitungsnetz abkühlen lässt und dann wieder aufwärmt, erreicht man damit kaum etwas. Gleiches gilt für die Ankündigung, bis September die Heizung nicht anzustellen: Auch in Sachsen sind die klimatischen Verhältnisse nicht so hart, dass man im Juli und August heizen muss. Damit erreicht man ebenfalls nichts.

Halt, eine Sache erreicht man doch: Man erreicht Sichtbarkeit in den Medien. Bestimmt nur ein Zufall, dass es hier um genau die Genossenschaft geht, die auch durch eine Erhöhung der Vorauszahlungen ohne Rechtsgrundlage aufgefallen ist. Manche Leute spielen halt gerne den Panikapostel.

Es geht um die Bereitstellung von Warmwasser, vorab, mir ist klar, was das Mietrecht dazu sagt.
"Das Mietrecht" sagt dazu gar nichts. Es gibt keine exakte rechtliche Festlegung, was der Vermieter in der Warmwasserversorgung genau zu leisten hat. Es gibt Rechtsprechung zu diversen Fallkonstellationen, in denen Gerichte Vermieter darauf aufmerksam machen mussten, dass z.B. ein Mieter der mitten in der Nacht von der Schichtarbeit zurückkommt, genau so duschen möchte und darf, wie jeder andere auch.

Bisher hatte ich, auch mit dem Problemmieter, mündlich die Vereinbarung getroffen, dass wir nur morgens und abends, in den Zeitfenstern wo es benötigt wurde, Warmwasser zur Verfügung haben, technisch gesprochen, dann der Speicher mit Heißwasser erwärmt wird. Da der Speicher recht groß ist, hatte man den ganzen Tag über eigentlich warmes Wasser, wenn auch nicht die von Gesetzgeber geforderte Mindesttemperatur, in den Nutzungszeiten morgens und abends hatte man ganz normal heißes Wasser, soweit so gut.
Auch hier: Dein "Wissen" ist nicht zutreffend. Es gibt keine "vom Gesetzgeber geforderte Mindesttemperatur". Es gibt Empfehlungen, wie die Warmwassertemperatur eingestellt sein sollte, aber nicht weil der Mieter einen konkreten Anspruch auf bestimmte Temperaturen hat, sondern weil eine zu niedrige Warmwassertemperatur das Wachstum von Legionellen fördert und eine zu hohe Temperatur (neben unnötigen Verbrauchskosten) zu erhöhtem Verschleiß im Leitungsnetz führt.

Allgemein wird empfohlen, die Temperatur im gesamten Leitungsnetz bei wenigstens 55 °C zu halten. Mir ist keinerlei Rechtsprechung bekannt, die eine solche Anforderung tatsächlich beim Austritt aus der Armatur verlangt. Es wäre auch völlig sinnlos, denn bei der Frage, ob Mängel an der Mietsache vorliegen, geht es um die Gebrauchsfähigkeit. Wozu würde man denn diese Temperatur brauchen? Das ist bereits der Bereich, in dem man sich verletzen kann.

Ganz im Gegenteil gibt es genormte Höchsttemperaturen (als "technische Regel" kann man da mit viel gutem Willen von "Gesetz" sprechen), aber die gelten nicht im Wohnraummietrecht.

Zusätzlich gab und gibt es eine Taste an der Heizung, die man drücken kann, wodurch die Warmwasserbereitung aktiviert wurde, innerhalb von 15 Minuten war das Wasser immer heiß. Diese Funktion haben wir in sieben Jahren keine fünfmal gebraucht.
Wenn es akzeptabel ist, dass der Mieter Zugang zur Heizung hat (was ich skeptisch sehe, aber im ZFH noch funktionieren kann), ist dieses Vorgehen zusammen mit der von dir bereits genannten Absprache, wann der Mieter Warmwasser benötigt, eine gute, pragmatische Lösung.

Das Mietrecht verlangt 24/7 Warmwasser.
Nein.

Kann ich wirksam in meinem selbstbewohnten 2FH per Individualmietvereinbarung Zeiten für die Warmwasserbereitung schriftlich vereinbaren?
Auch hier: Bitte hinterfrage dein "Wissen". Individualvereinbarungen würden zwar grundsätzlich sehr viele Regelungen ermöglichen, allerdings sind sie im Wohnraummietrecht schwer zu bewirken. Das liegt daran, dass Vereinbarungen im Mietrecht in der Regel vom Vermieter ausgehen und meist auch wiederkehrend verwendet werden sollen. Damit liegen AGB vor. Daran kommt man auch nicht vorbei, wenn man riesig groß "Individualvereinbarung" drüber schreibt, ein separates Blatt verwendet, handschriftlich Ergänzungen vornimmt oder die Bestimmung mit jedem neuen Mieter leicht umformuliert. Einige dieser "Tricks" sind bereits in § 305 BGB genannt und der Rest wird von § 306a BGB erschlagen.

Heizkosten kann ich in dieser Konstellation zu 100 % verbrauchsabhängig abrechnen, wenn vereinbart, kann mir jmd. sagen, ob das hier auch möglich ist?
Warum sollte es nicht möglich sein, vollständig nach erfasstem Verbrauch abzurechnen? Vielleicht verstehe ich auch die Frage nicht.

Im Allgemeinen kenne ich das persönlich nur so, dass es diese vereinbarten Zeiten gibt, allerdings ausschließlich von Eigentümern, die sagen, ich geh morgens/abend zwischen x und y Uhr duschen, da muss nicht den ganzen Tag die Heizung laufen. Ich sehe da auch keine Komfort- oder sonstigen Einschränkungen.
Eine solche Verständigung mit dem Mieter ist besser als es jede feste schriftliche Vereinbarung je sein kann. In größeren MFH ist das schwierig, aber bei zwei Parteien sollte das doch wirklich noch machbar sein. Und wenn nicht, bleibt dir immer noch das erleichterte Kündigungsrecht.
 
Andres

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Ein höherer verbrauchsabhängiger Anteil kann immer vereinbart werden, § 10 HeizkostenV.
 

Ferdl

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Zum Mietrechtlichen wurde schon alles gesagt, ich möchte dann hier, aus gegebenen Anlass*, ganz dringend und ganz Laut auf die Legionellenproblematik hinweisen. Die Dinger züchtest du mit deinem Sparfimmel. Wobei ich noch nicht mal glaube das du real etwas sparst.

* eine liebe Bekannte ist aktuell nach einer Legionellen-Pneumonie aus zweimonatigem künstlichen Koma erwacht, dass ist kein Spass. Da wollte ich nicht in Regress genommen werden.
 

ehrenwertes Haus

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aus aktuellem Anlass (wer die Medien verfolgt: klick) und auch persönlich,
Dann stell doch um auf dezentrale Warmwasseraufbereitung und Etagenheizung, wenn du befürchtest für WW und Heizung des Mieters mit zu zahlen.


EIne solche Umstellung hat Vor- und Nachteile. Einer der Vorteile ist, dass jede Partei wirklich nur den eigenen Verbrauch zahlt.
Eine bessere Sparmotivation gibt es nicht als den Griff in Mieters Geldbeutel ohne Kostenrisiko beim VM, sofern der Mieter eigene Verträge für Strom und Heizung mit dem Lieferanten hat.
 

Jon

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Danke für die schnellen Antworten, nur kurze Anmerkungen dazu.

Mit "Mietrecht" habe ich die gelebte Praxis vor deutschen Gerichten gemeint, wo sich vielerorts leider ein eigenes "Mietrecht" herausgebildet hat, das zwar nicht legaldefiniert ist und dennoch als Grundlage hergenommen werden kann oder sogar muss (insofern man wissen möchte, was auf einen zukommen kann).

Zur Einordnung:

Wenn ich am Tag morgens und abends eine Stunde Warmwasser benötige, reden wir von zwei Stunden zu 24 Stunden, das ergibt eine Ersparnis, ich sammle diese Daten seit vielen Jahren und kenne daher recht gut die Betriebszustände.

Da die Temperatur des Speichers in dieser Konstellation zweimal am Tag 60° C übersteigt, sollte das Legionellenthema erledigt sein, den Rest lass ich mal unkommentiert.
 
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