WEG Verwaltung gekündigt - und nun?

Diskutiere WEG Verwaltung gekündigt - und nun? im WEG - Allgemeine Fragen Forum im Bereich Wohnungseigentum; Hallo zusammen, ich habe als Miteigentümer vor ein paar Jahre die WEG Verwaltung bei uns im Haus übernommen, da unsere WEG niemand mehr verwalten...

  1. #1 Riposte, 09.03.2020
    Riposte

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    Hallo zusammen,

    ich habe als Miteigentümer vor ein paar Jahre die WEG Verwaltung bei uns im Haus übernommen, da unsere WEG niemand mehr verwalten wollte. Der Hintergrund dafür ist ein sehr schwieriger Miteigentümer, der ständig alle Verwalter vergrault hat (Klageandrohung, etc.) und auch mit den Miteigentümern ähnlich umgeht. Irgendwann vergangenes Jahr war es dann auch bei mir so weit und mir flatterte ein Mahnbescheid ins Haus, in dem von mir Schmerzensgeld wegen angeblicher Beleidigung forderte.

    Ich habe dem Mahnbescheid natürlich widersprochen und dann umgehend (12/2019) den Verwaltervertrag fristlos gekündigt, da eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr tragbar war.

    Jetzt fällt dem Herrn natürlich auf, dass er für seine Mieter in 2020 eine Abrechnung für 2019 braucht und ich solle diese gefälligst erstellen. Hinweise auf den Umstand, dass ich dazu nicht verpflichtet bin da ich im Dezember gekündigt habe, also vor Ablauf des Wirtschaftsjahres, interessieren ihn nicht, er will mich mal wieder verklagen.

    Kleiner Exkurs:

    1. Bei einem Verwalterwechsel ist derjenige Verwalter abrechnungspflichtig, der am ersten Tag des Folgejahres das Verwalteramt innehat; auf den späteren Zeitpunkt der Fälligkeit kommt es nicht an.

    Die Abrechnungspflicht beginnt dann wenn das Wirtschaftsjahr abgeschlossen ist, also zum 01.01., 00.00 Uhr, des Folgejahres. Ich habe der WEG aber im Dezember gekündigt, damit war das Wirtschaftsjahr nicht abgeschlossen und somit schulde der WEG auch keine Abrechnung.

    Ich habe nun aber immer noch alle Unterlagen hier stehen und will die endlich loswerden, der streitlustige Miteigentümer verweigert jedoch die Annahme und die restlichen Eigentümer haben die Segel gestrichen. Sie wollen, so wie ich, einfach nur noch ihre Ruhe. Wie kriege ich nun die Unterlagen aus meiner Wohnung, kann ich die einfach einem Eigentümer übersenden und gut ist es?

    Was meint ihr?

    Danke
     
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  3. Andres

    Andres
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    Erstens beendet die Kündigung des Verwaltervertrags nicht die Bestellung als Verwalter, d.h. soweit wirklich nur der Verwaltervertrag gekündigt wurde und nicht auch die Niederlegung des Amts erklärt wurde, bist du weiterhin bestellter Verwalter der Gemeinschaft. Zweitens darf man doch wirklich bezweifeln, ob die hier geschilderte Episode wirklich bereits berechtigt, den Verwaltervertrag zu kündigen und das Amt niederzulegen. Drittens kommt mir bei solchen Rahmenbedingungen immer die Frage, ob die Kündigung bzw. die Niederlegung des Amtes korrekt erklärt wurde, d.h. gegenüber allen Eigentümern.

    Wie auch immer: Es würde mich nicht überraschen, wenn du nach wie vor Verwalter wärst.


    Außerdem verstehe ich nicht so recht, wo das Problem liegt:
    Ja, und? Wenn der andere Eigentümer sich mit solchen Manövern lächerlich machen will, dann soll er doch. Ich werde nie verstehen, wie man sich von solchen Terroristen am Nasenring durch die Manege führen lassen kann. Wenn der Ärger zu groß ist, kann man sich ja um negative Feststellung bemühen. Die Kosten sollten den anderen Eigentümer ausreichend abschrecken. Ansonsten hilft (nach dem Widerspruch) gepflegtes Ignorieren. Oder hast du ihn tatsächlich beleidigt?

    Solche Leute gehen genau so weit, wie es die anderen zulassen.


    Du gehst zum örtlichen Amtsgericht, teilst mit, dass die Gemeinschaft verwalterlos ist und beantragst die Notverwaltung. Das Amtsgericht wird dann einen Notverwalter bestellen, dem du die Unterlagen übergeben kannst. Die Kosten der Notverwaltung trägt die Gemeinschaft. Der Notverwalter wird übrigens nicht viel mehr machen die Bestellung eines neuen Verwalters in die Wege zu leiten.

    Sofern meine Vermutung zutreffend ist und du gar nicht zur Niederlegung deines Amts und/oder Kündigung des Verwaltervertrags berechtigt warst, ist übrigens damit zu rechnen, dass du dich durch dein Verhalten selbst schadenersatzpflichtig gegenüber der Gemeinschaft gemacht hast. Und falls du doch wirksam das Amt niedergelegt hast, hat der "Terrorist" jetzt einen einklagbaren Anspruch auf Bestellung eines neuen Verwalters. So oder so war das keine besonders durchdachte Aktion.
     
  4. #3 Tinnitus, 10.03.2020
    Tinnitus

    Tinnitus Benutzer

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    Braucht es für die Notverwaltung nicht einen gescheiterten Versuch der Wahl eines neuen Verwalters auf einer EV?
     
  5. Andres

    Andres
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    Nicht zwingend. Kurzes Vorwort: Gesetzlich geregelt ist das alles nicht wirklich. Außerdem haben es viele der relevanten Rechtsfragen noch nicht bis zum BGH geschafft. Entsprechend weist die Rechtsprechung (und Kommentierung) eine gewisse Bandbreite auf.

    Grundsätzlich folgt die Entscheidung über die Bestellung eines Notverwalters den Spielregeln für die einstweilige Verfügung, §§ 935 ff. ZPO. Die Prüfung der Voraussetzungen liegt im Ermessen des Gerichts. Es ist also möglich, dass das Gericht tatsächlich "auf Zuruf" tätig wird. Vielleicht (hoffentlich ...) wird man dort aber auch ein paar Fragen stellen, insbesondere hinsichtlich der Dringlichkeit und möglicher Handlungsalternativen.

    Der gescheiterte Versuch einer Verwalterbestellung wäre dabei sicher ein sehr gutes Argument, ist aber keinesfalls eine zwingende Voraussetzung. Immerhin könnte es ja gar nicht möglich sein, überhaupt eine Eigentümerversammlung einzuberufen, z.B. wenn es keinen Beirat gibt. Zwar könnte sich ein Eigentümer zur Einberufung einer Versammlung ermächtigen lassen, aber was macht das Gericht, wenn sich dafür kein Eigentümer zur Verfügung stellt? Das LG Frankfurt a.M. hat kürzlich festgestellt, dass der Antragsteller tatsächlich zur Bestellung bereite Personen zu benennen hat (Az. 2-13 T 82/19), aber was macht man, wenn man solche Personen trotz aller Bemühungen nicht selbst findet, wie @Riposte behauptet? Wenn das Gericht darauf nur mit Schulterzucken reagiert, würde das den Geist des § 935 ZPO doch komplett unterlaufen - das Recht der Eigentümer auf ordnungsmäßige Verwaltung wäre damit faktisch vereitelt.

    Für mich ist die Erkenntnis daraus, dass das Gericht früher oder später den Notverwalter bestellen muss. Die werden schon eine Verwaltung kennen, die sich gegen entsprechendes Schmerzensgeld diese Gemeinschaft antut. Erfolgreiche Verwalter von Problem-WEGen sind ja durchaus gerichtsbekannt, ausnahmsweise einmal im positiven Sinn. Und dann hat @Riposte jemanden, dem er die Unterlagen und die ganze WEG ein paar Geldbündel übergeben kann.


    Mehr war nicht gefragt. Was ich von diesem ganzen Plan halte, sollte aus meinem ersten Beitrag ausreichend deutlich geworden sein. Es wäre m.E. viel sinnvoller gewesen, sich einmal richtig mit dem Querulanten anzulegen, also die bereits erwähnte negative Feststellung oder (da nun bereits ein Mahnverfahren läuft) das strittige Verfahren zu betreiben oder andere derartige Dinge zu tun und dem Gegner die Kosten überzuhelfen. Wer mehrere Wohnungen vermietet, muss zwar nicht reich sein, hat aber im Regelfall doch pfändbares Einkommen. Wenn es kostet, werden auch solche Gesellen schnell deutlich ruhiger.
     
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