Wie werden die Kosten für die Warmwassererwärmung korrekt berechnet

Diskutiere Wie werden die Kosten für die Warmwassererwärmung korrekt berechnet im Heizung Forum im Bereich Betriebs- und Heizkosten; Hallo Kollegen, ich weiß, die Frage klingt banal, ist sie aber nicht. Wie einige wissen bin ich kein Freund der großen Abrechnungsfirmen,...

  1. #1 immobiliensammler, 27.03.2019
    Zuletzt bearbeitet: 27.03.2019
    immobiliensammler

    immobiliensammler Erfahrener Benutzer

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    Hallo Kollegen,

    ich weiß, die Frage klingt banal, ist sie aber nicht.

    Wie einige wissen bin ich kein Freund der großen Abrechnungsfirmen, kündige die Verträge dann eigentlich schnellstmöglich und wechsele bevorzugt zu kleinen lokalen Anbietern. Dadurch habe ich hier in den Akten eine umfangreiche Sammlung der verschiedenen HK-Abrechnungen.

    Jetzt ist mir eine ungleichmäßige Berechnung bezüglich der Warmwassererwärmung aufgefallen. Ich habe bei vergleichbaren Objekten (überall Gas-ZH mit zentraler WW-Erwärmung, WMZ für Warmwasser eingebaut) die Abrechnungen eingescannt (sind aus verschiedenen Jahren, aber ich glaube nicht, dass sich die Vorschriften hier geändert haben) und hänge diese an.

    Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass in der HeizkostenV oder sonstwo einheitlich geregelt ist, wie abzurechnen ist, aber anscheinend macht jeder, was er will.

    - Brunata und ISTA (Seite 1 und 2) nehmen einfach die Menge des WMZ
    - lokaler Anbieter 1 (Seite 3) rechnet diese Wert * 1,11
    - lokaler Anbieter 2 (Seite 4) rechnet auch * 1,11 und dann noch mal * 1,15

    Durch diese Formel bin ich dann auf die Unterschiede gestoßen und habe nachgefragt. Der Erklärungsversuch auszugsweise:

    "Hintergrund ist, dass die Ausstattung mit nur einem Wärmemengenzähler für das Warmwasser eigentlich nur eine halbherzige Lösung ist. Um wirklich exakt nur reine Messwerte verwenden zu können, wäre eigentlich noch ein zweiter Wärmemengenzähler erforderlich, der die Wärmemenge für den Heizverbrauch aller Wohnungen misst.

    Ohne jeglichen Faktor kommt die „Warmwasserkosten-Ermittlungsberechnung“ nur aus, wenn die Energieversorgung über Fern- oder Nahwärmeanlagen mit einem im Haus befindlichen „Übergabewärmemengenzähler“ erfolgt.

    Bei allen anderen Energieträgern sind nach wie vor diese Korrekturfaktoren in den Berechnungsroutinen enthalten. Erfolgt die Energieversorgung über Erdgas, ist immer der Faktor 1,15 mit dabei. Weiterhin gibt es Unterschiede, wie die Energiemenge des Erdgases laut Rechnung definiert ist. Dem entsprechend gibt es auch wieder 3 verschiedene Formelvarianten (Angabe in m³ Erdgas, Angabe in kWh jedoch 2 Unterschiede: einmal wenn die kWh brennwertbezogen sind oder andererseits heizwertbezogen sind).


    Wie oben bereits gesagt, sind diese verschiedenen Formeln NICHT in der Heizkostenverordnung zu finden, sondern sind Empfehlungen des Wirtschaftsinstituts Mannheim, auf die sich alle entsprechenden Experten beziehen. Auch bei der Neufassung der VDI 2077 Blatt 3.2 von Juni 2013 wurden diese Empfehlungen entsprechend berücksichtigt und eingearbeitet.


    Grob gesagt, bedeutet die 1,15 den sogenannten Nutzungsgrad bei Erdgasheizungen und die 1,11 ist ein Korrekturfaktor für die gelieferte Gasmenge bei brennwertbezogener Angabe in der Rechnung. Hier kann man nur sagen, das ist so vorgegeben und kaum verständlich erläuterbar…"

    Jetzt mal die Frage: Was denkt Ihr, wer rechnet hier richtig ab. Wenn das Problem wie vom letzten Abrechner beschrieben besteht müsste dies ja auch für alle anderen Firmen gelten.
     

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  3. Andres

    Andres
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    Alle drei. Die Ursache ist, dass die Formulierungen in der HeizkostenV (vor allem in § 9) den Unterschied zwischen Heizwert und Brennwert äußerst geschickt (oder ignorant, ich weiß es nicht) umschiffen, genau wie die Frage nach den Leitungsverlusten vor und nach der jeweiligen Verbrauchserfassung. Daraus ergibt sich fast zwangsläufig, dass man die Aufteilung unterschiedlich vornehmen kann. § 9 HeizkostenV scheint von einer Abrechnung nach Heizwert auszugehen, aber wirklich zwingend steht das eben nirgends.

    Das Grundproblem ist ein Vergleich von Äpfeln und Birnen: Für die Gesamtenergie wird der Brennstoffverbrauch gemessen, für das WW eine Energiemenge mitten im Gesamtprozess. Das kann man nun rechnerisch irgendwie verwursten, aber wie bei jedem Berechnungsmodell gibt es dabei Gestaltungsspielraum. Wenn man das auf grundsätzlicher Ebene lösen möchte, müsste man vergleichbare Werte messen, also z.B. auch die Heizwärme mit einem zentralen WMZ oder Heizwärme und WW mit je einem WMZ pro Nutzer oder direkt an der Entnahmestelle. Das Ergebnis wird immer "besser" und immer teurer ...

    Man hat sich eben für einen Kompromiss entschieden, der mit einem mäßigen Aufwand ein technisch eher unsinniges Ergebnis liefert, das man nun durch Rechnung noch etwas aufwerten kann. Über die Sinnhaftigkeit könnte man sicher streiten. Da auch mit der früheren Berechnung ohne WMZ m.E. niemand ernsthaft über's Ohr gehauen wurde, sehe ich das mindestens kritisch. Sobald du aber eine Aufteilung für eine teilweise FBH vornehmen musst, kommst du um solche Rechenspiele nicht mehr herum.
     
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  4. jorgk

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    Der Faktor 1,11 kommt wohl aus der Umrechnung zwischen Heizwert und Brennwert. Hier sind die verschiedenen Faktoren je Wärmequelle (Gas, Öl etc.) gelistet, oder nur ein Teil hier (siehe Tabelle: "Umrechnungsfaktoren Heizwert nach Brennwert").

    So verstehe ich diesen Teil (in vereinfachter Weise):
    Die Umrechnung zwischen Heizwert und Brennwert macht insofern Sinn, als das die quasi in's WW abgezweigte Menge an Energie (das Wasser ist warm, wurde also erhitzt bzw. beheitzt) einen Heizwert darstellt. Nur ist für diesen Heizwert eine grössere Menge an Energie in der Abrechnungseinheit 'Brennwert' erforderlich. Dies, weil nur ein Teil des Brennwerts in Heizwert umgesetzt werden kann (u.a. weil der Brennwert die gesamte Energiemenge der Verbrennung angibt, dann liegen die Endprodukte aber u.U. als Kondensat vor, also Wasser als Flüssigkeit, nicht verdampft; wenn das Wasser noch wegdampfen soll, dann verbraucht dies einen Teil der Verbrennungsenergie, es bleibt also weniger als der Brennwert, nämlich nur der Heizwert).


    Der Faktor 1,15: Ich nehme an dies soll beschreiben, wie viel an sonstigem 'Verlust' an Energie (in der Abrechnungseinheit 'Brennwert') bei der Erwärmung des WW -vor dem WMZ- schon anfällt.
    Faktisch wird bei der in allen hier gezeigten Fällen verwendeten Subtraktionsmethodik (statt 2 WMZ, je einer für Heizung und WW, dann könnte proportional aufgeteilt werden, inklusive der Verluste) durch diesen Faktor einfach ein zusätzlicher Anteil der Gesamtkosten (Heizung+WW) in den Anteil für WW verschoben.
    [Wer viel warmduscht und wenig heizt hat dann eben Pech].

    @Andres hat da sicher Recht (so interpretiere ich hier mal sein Posting): Ein gewisses Maß an Willkür ist bei diesen Rechnungen ganz sicher vorhanden ... YMMV, weil: Begründen lässt sich vieles - kann man dann jeweils machen - oder man lässt es.
     
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