Wohnraum kündigen zur Nutzung als Büro

Dieses Thema im Forum "Kündigung" wurde erstellt von GroßeFrage, 13.06.2015.

  1. #1 GroßeFrage, 13.06.2015
    GroßeFrage

    GroßeFrage Gast

    Hallo zusammen,

    nach einiger Recherche hier im Forum bin ich schon mal so schlau, dass es keinen Eigenbedarf darstellt, wennn ich Wohnraum kündige, um ihn als Büro zu nutzen. Ausgeschlossen ist es anscheinend auch nicht, mir ist ein Fall bekannt, in dem eine Ehefrau die Nutzung als Büroraum gerichtich zugesprochen bekommen hat.

    So, nun zur Ausgangslage:

    • 30 m² Wohnung
    • Aktuell vermietet als Wohnraum
    • Ich möchte dort das Büro meines neu zu gründenden Unternehmens betreiben
    • Die Nutzung als Büroraum ist lt. Teilungserklärung zugelassen
    Fragen:

    • Welchen Titel trägt diese Art der Kündigung?
    • Welche Schlagworte müssen auf jeden Fall in der Kündigung vorkommen?
    • Sicherlich muss ich mein Vorhaben nachvollziehbar in der Kündigung darlegen?
    Schon mal vielen Dank für Eure Antworten!
     
  2. AdMan

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  3. Andres

    Andres
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    BGH VIII ZR 330/11. Die Besonderheit dieses Falls ist, dass die vermietete Wohnung, die zu einer Anwaltskanzlei umfunktioniert werden sollte, sich im gleichen Gebäude befindet, in dem das klagende Ehepaar wohnt. Außerdem sind Urteile, in denen schon zu Beginn formale Gründe angeführt werden, warum ein Rechtsmittel keinen Erfolg hat, in der materiellen Begründung immer ein bisschen mit Vorsicht zu genießen.

    Trotzdem kann man festhalten: Die Aufzählung in § 573 BGB ist nicht abschließend und der BGH sieht offensichtlich durchaus Möglichkeiten für eine Kündigung zu anderen als Wohnzwecken.


    Kündigung. Die Kumpels am Stammtisch kennen das vielleicht als "Eigenbedarfskündigung". Ob du nun "Kündigung", "ordentliche Kündigung nach § 573 BGB" oder "Eigenbedarfskündigung" schreibst, ist eigentlich ziemlich egal, denn ...

    ... es geht hier nicht um Schlagworte und wir sind auch nicht mehr beim Aufsatz in der Grundschule. Man kann auch aus den richtigen Schlagworten eine falsche Geschichte stricken. Es kommt auf den Inhalt an.


    Ja. Weitere Gründe können später auch nicht mehr angeführt werden, daher sollte die Begründung nicht nur nachvollziehbar sondern auch möglichst umfassend sein. Außerdem sind weitere Formalitäten zu beachten, dazu gehört:
    • der korrekte Adressat: alle Vermieter kündigen gemeinsam allen Mietern,
    • die Form des Schreibens: Schriftform, eigenhändige Unterschrift(en),
    • beweissichere Zustellung (millionenfach hier im Forum erklärt, kein Einschreiben),
    • Hinweis auf das Widerspruchsrecht des Mieters, § 574 BGB,
    • möglichst Widerspruch gegen die stillschweigende Fortsetzung, § 545 BGB,
    • ...
    und im Bonusprogramm Feinheiten wie die korrekte Berechnung des Vertragsendes.

    Damit möchtest du vielleicht lieber einen Anwalt beauftragen. Es gibt auch Vorlagen für solche Kündigungen, aber die können bestenfalls die äußere Form einhalten. Die Qualität der Begründung, die die Erfolgsaussichten wesentlich beeinflusst, kann eine allgemeine Vorlage nicht garantieren.

    Und wie gewohnt mein Lieblingshinweis bei Eigenbedarf: Zuerst sollte man sich mit dem Mieter besprechen, ob sich vielleicht eine für beide Seiten annehmbare, einvernehmliche Lösung finden lässt. Vielleicht kann man schon an der Reaktion des Mieters absehen, ob man die Kündigung dann endgültig von einem Profi durchführen lässt.
     
  4. #3 GroßeFrage, 13.06.2015
    GroßeFrage

    GroßeFrage Gast

    Hezlichen Dank für die ausführliche Antwort, da bin ich ja an die richtige Person geraten :)

    Am Montag bin ich beim Rechtsanwalt zwecks Erstberatung und um zu schauen, ob der Anwalt etwas taugt. Nach meiner Erfahrung gibts da leider riesige Unterschiede und es ist sinnvoll ein wenig vorbereitet zu solch einem Termin zu gehen.
     
  5. #4 Pharao, 13.06.2015
    Zuletzt bearbeitet: 13.06.2015
    Pharao

    Pharao Erfahrener Benutzer

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    Hi,

    ob ein Anwalt "was taugt", wird man i.d.R. erst hinterher sagen können, wenn man mit ihm erfolgreich war.

    Ich mein, zB gerade Mietervereine und dessen Anwälte fallen da öfters mal auf, das die Beratung etwas fragwürdig scheind. Hab schon Briefe von Mieteranwälten bekommen, da musste man sich schon arg wundern, ob das wirklich ein Anwalt für Mietrecht ist. Geht aber durchaus auch andersum, sodass ein "guter" Anwalt manchmal garnicht so leicht zu finden ist, denn an was willst du als Laie es beim Erstgespräch abhängig machen?
     
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