Wohnung vermieten renoviert vs. unrenoviert

Diskutiere Wohnung vermieten renoviert vs. unrenoviert im MV - Allgemeine Fragen Forum im Bereich Mietvertrag über Wohnraum; Hallo zusammen, ich habe aktuell nach Räumung eine unrenovierte Wohnung zu vermieten. Die Wohnung war von ca. 1990 bis 2014 an ein Ehepaar...

Jon

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Hallo zusammen,

ich habe aktuell nach Räumung eine unrenovierte Wohnung zu vermieten. Die Wohnung war von ca. 1990 bis 2014 an ein Ehepaar vermietet, die dann verstorben sind. Mietverträge oder sonstige Unterlagen gab es auf beiden Seiten nicht bzw. wurden mir nicht bekannt, ich habe das Haus 2013 geerbt. Die Wohnung war in einem Zustand, indem Wohnungen von Bewohnern jenseits der 80 Lenze nunmal so sind.

Ich hatte dann den Problemmieter gefunden, und mir mit dem die Renovierung geteilt. Ich habe die Böden zum größten Teil neu gemacht, er die Wände streichen lassen, in rot, lila, gelb und grün, jeweils kräftige Farben.
Nach der Räumung nun bin ich erstens froh ihn los zu sein, zu holen ist nichts und er hat vorsichtshalber durch den Mieterverein verkünden lassen, dass er an der Farbgebung auch nichts ändern muss/wird, da er die Wohnung unrenoviert übernommen hat und auch unrenoviert zurück gibt.

Am Wochenende hatte ich Interessenten, die hatten auch zugesagt, Renovierung machen sie selbst, allerdings heute wieder Absage aus anderem Grund. Als ich mich in die Thematik heute morgen eingelesen habe, ist mir aufgefallen, dass bei unrenovierten Wohnungen keinerlei Renovierungspflichten ggü. dem Mieter geltend zu machen sind, nach meinem Verständnis heißt das, dass der Mieter nach 20 Jahren ausziehen kann und die Wohnung im weiter abgerockten Zustand zurückgeben kann.

Würde ich hingegen eine renovierte Wohnung übergeben, würden die Renovierungspflichten greifen und man hätte im besten Fall, nachher eine halbwegs zivile Bude zu vermieten oder könnte das mit der Kaution regeln. Wäre es denn da nicht besser, ich würde selbst die Wände streichen und die Wohnung als renoviert vermieten, sodass ich mir diese rechtliche Möglichkeit offen halte oder macht das keinen Sinn?

Ich würde in dem Zuge auch den liegen gelassenen PVC in der Küche entfernen und den Boden fliesen lassen und so insgesamt eine Aufwertung herbeiführen, da die Nachfrage im Wunschmieterbereich eher dürftig ist und ich mir einbilde, dass die Fotos mit dieser bunten Mischung abschreckend wirken, auch wenn die Wohnung eigentlich und die Lage absolut zu den teuersten Wohngegenden der Umgebung zählen.


Wie handhabt ihr das?


Gruß
Jon
 
Olbi

Olbi

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Am Wochenende hatte ich Interessenten, die hatten auch zugesagt, Renovierung machen sie selbst, allerdings heute wieder Absage aus anderem Grund. Als ich mich in die Thematik heute morgen eingelesen habe, ist mir aufgefallen, dass bei unrenovierten Wohnungen keinerlei Renovierungspflichten ggü. dem Mieter geltend zu machen sind, nach meinem Verständnis heißt das, dass der Mieter nach 20 Jahren ausziehen kann und die Wohnung im weiter abgerockten Zustand zurückgeben kann.

Da solltest Du nochmal genauer lesen.
Ohne Gewährung eines Ausgleiches, können die Schönheitsreparaturen nicht wirksam auf dem Mieter übertragen werden. Was das bedeutet, kannst Du dir nochmal bei einem Kaffee überlegen.
Wie handhabt ihr das?

Renivier bzw gemalert übegreben, fertig.
 

Ino75

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Ich könnte jetzt hier wieder ein seitenlanges Essay schreiben, aber ich fasse mich kurz.

Wenn Du glaubst, Du streichst die Wände und Decken und dann gilt die Wohnung als renoviert, dann irrst Du Dich. Was ist zb mit den Türen? Sind da auch Abnutzungsspuren/Flecken? Oder die Heizkörper, vielleicht schon Lack abgeplatzt? Fenster vergilbt? Etc., pp.

Damit eine Wohnung als rechtlich renoviert übergeben gilt, darf sie insgesamt keine oder nur so geringfügige Abnutzungsspuren haben, daß sie bei lebensnaher Betrachtung nicht ins Gewicht fallen. Und zwar wirklich überall, nicht nur an Decken und Wänden!

Entweder streichst Du also wirklich alles, tauschst ggf Lichtschalter, Steckdosen, Türklinken, usw aus, oder übergib die Wohnung unrenoviert und akzeptiere, daß der Mieter keine Schönheitsreparaturen schuldet.

Welche Alternative Dir besser gefällt, kannst nur Du entscheiden. Hat beides seine Vor- und Nachteile.

Und ich bin der Meinung, daß Dein ehemaliger Mieter die stark farbigen Wände durchaus streichen müsste oder ansonsten schadenersatzpflichtig wäre. Knallige Farben gelten als Beschädigungen, nicht als unterlassene Schönheitsreparaturen. Aber wenn bei dem eh nichts zu holen ist, kannst Du Dir die Mühe auch sparen.
 
Olbi

Olbi

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Damit eine Wohnung als rechtlich renoviert übergeben gilt, darf sie insgesamt keine oder nur so geringfügige Abnutzungsspuren haben, daß sie bei lebensnaher Betrachtung nicht ins Gewicht fallen. Und zwar wirklich überall, nicht nur an Decken und Wänden!

Dazu hätte ich gerne mal eine Quelle!

Ansonsten definiert der BGH den Begriff "Renovierung" im Lichte der Schönheitsreparaturen im Sinne des § 28 Abs. 4 Satz 3 der Zweiten Berechnungsverordnung (BGH, Urteil vom 08.07.2020 - VIII ZR 163/18, Rn. 41. Link).

Schönheitsreparaturen umfassen nur das Tapezieren, Anstreichen oder Kalken der Wände und Decken, das Streichen der Fußböden, Heizkörper einschließlich Heizrohre, der Innentüren sowie der Fenster und Außentüren von innen.

Hierbei definiert sich der Abnutzungszustand nach der verkehrsanschaulichen Sicht.

Grundsätzlich sind zu dieser Thematik folgende neuere Entscheidungen lesenwert:
BGH, Urteil vom 08.07.2020 - VIII ZR 163/18 und
BGH, Urteil vom 08.07.2020 - VIII ZR 270/18
 
immodream

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Hallo Jon,
wenn ich eine renovierte Wohnung vermieten würde und der Mieter würde mir sie nach 20 Jahren abgerockt zurückgeben,
könnte man endlich einmal wieder richtig " durchwischen " .
Leider kenne ich das überwiegend so, das in 20 Jahren Vermietdauer manchmal die Wohnung bereits 10 mal abgerockt zurückgegeben wird.
Grüße
Immodream
 

Ino75

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Dazu hätte ich gerne mal eine Quelle!
Gerne doch!







Die von Dir verlinkten Urteile gehen doch um Schönheitsreparaturen während eines laufenden Mietvertrages, da liegt der Sachverhalt insofern anders, als das ein Mieter, der eine unrenovierte Wohnung übernommen hat, diese nicht komplett vom Vermieter fordern kann, sondern sich an den Kosten beteiligen muss.
 
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Duncan

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Wie handhabt ihr das?
Ich vermiete die Wohnungen (wie auch die Gewerberäume) grundsätzlich renoviert, weil
Ich hatte dann den Problemmieter gefunden, und mir mit dem die Renovierung geteilt.
dies genau das ist, was ich vermeiden will. Ich bilde mir ein, verwahrloste Wohnungen ziehen verwahrloste Charaktere magisch an.
Und die weitaus meisten Menschen können sich nicht vorstellen, was aus unfertigen Wohnungen jemals werden kann. Sehen die eine halbe Rohbaustelle, dann sehen die nur eine Rohbaustelle. Wie das fertig aussieht werden die nie erfahren, weil sie auch nicht Beigehen das fertig zu machen. Also macht man es selbst fertig, schlägt beim Mietpreis ordentlich zu und sucht sich den Mieter, der gerne bereit ist entsprechend zu zahlen. Mieter die bereit sind sich entsprechendes zu leisten neigen eher dazu es auch pfleglich zu behandeln und wenn nicht, hat man eher die Hoffnung entsprechend liquidieren zu können...
 
Andres

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Wäre es denn da nicht besser, ich würde selbst die Wände streichen und die Wohnung als renoviert vermieten, sodass ich mir diese rechtliche Möglichkeit offen halte oder macht das keinen Sinn?
Für mich ist das keine rechtliche Frage. Die Rechtsprechung könnte sich jederzeit "weiterentwickeln" und die Übergabe einer renovierten Wohnung dann kein Vorteil mehr sein. In erster Linie ist die Frage für mich wirtschaftlicher Natur: In welchem Verhältnis stehen Aufwand (Material, Zeit bei Eigenleistung, sonst eben Lohnkosten) und Ertrag (erzielbare Miethöhe, aber auch Qualität der angesprochenen Mieter)? Da muss es nicht die eine richtige Antwort geben, d.h. es kann mehrere günstige Verhältnisse von Aufwand und Ertrag geben.

Meine Beobachtung aus eigener Erfahrung, aber auch aus wirklich zahlreichen Schilderungen hier im Forum ist, dass minimaler Aufwand (d.h. abgewohnter Zustand, überhaupt nichts renoviert) keine guten Mieter anzieht. Das gilt umso mehr, wenn dann auch noch "Eigenleistungen" des Mieters vereinbart sind. Über die Gründe mag man spekulieren, aber dass so keine Höchstmieten zu erzielen sind, dürfte wenig überraschen.

Ein anderer Erfahrungswert ist das genaue Gegenteil, also komplett, aufwändig und sichtbar renovierte Wohnungen. Das funktioniert nach meiner Erfahrung auch nicht, weil zu hoher Aufwand. Der Mieter zieht nach 6 Monaten wieder aus und du kannst neu streichen. Das kann keine Miethöhe ausgleichen. Ist für mich so ein bisschen wie der Neuwagen-Effekt.

Meine persönliche Präferenz ist etwas darunter: Nicht völlig geleckt, aber grundsätzlich ziemlich guter Zustand. Das zieht relativ gute Mieter an (nicht nur, auswählen muss man natürlich immer noch und Betrüger mieten sowieso lieber hübsche Wohnungen an), ermöglicht Mieten eher im oberen Drittel und wenn ich selbst den Finger auf diversen Schönheitsreparaturen habe, kann ich auch besser steuern, wann man vielleicht auch noch etwas anderes in der Wohnung erledigt.
 
Olbi

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Die von Dir verlinkten Urteile gehen doch um Schönheitsreparaturen während eines laufenden Mietvertrages, da liegt der Sachverhalt insofern anders, als das ein Mieter, der eine unrenovierte Wohnung übernommen hat, diese nicht komplett vom Vermieter fordern kann, sondern sich an den Kosten beteiligen muss.
Der BGH stellt in beiden Urteilen auf den Zustand der Wohnung bei Übergabe an den Mieter ab. Das ist sehr wohl relevant, weil sich daraus die Verpflichtung sowohl im laufenden Mietvertrag, als auch bei Beendigung desselben ableitet.

Damit eine Wohnung als rechtlich renoviert übergeben gilt, darf sie insgesamt keine oder nur so geringfügige Abnutzungsspuren haben, daß sie bei lebensnaher Betrachtung nicht ins Gewicht fallen. Und zwar wirklich überall, nicht nur an Decken und Wänden!

Und das stimmt in der Schlichtheit einfach nicht. Auch nicht nach Lektüre Deiner Links. Es mag sein, dass das LG Berlin hier eine andere Meinung hat, allerdings ist der Wortlaut des BGH relativ eindeutig:

Urteil vom 18.03.2015 - VIII ZR 185/14, Openjur Rn. 48
"Um vorvertragliche Abnutzungs- und Gebrauchsspuren zu beseitigen und damit eine "renovierte" Wohnung zu übergeben, muss der Vermieter die Mieträume bei Vertragsbeginn nicht stets komplett frisch renovieren. Im Einzelfall kann die Vornahme geringer Auffrischungsarbeiten genügen. Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB) bleiben überdies Abnutzungs- und Gebrauchsspuren außer Acht, die so unerheblich sind, dass sie bei lebensnaher Betrachtung nicht ins Gewicht fallen. Es kommt letztlich darauf an, ob die überlassenen Mieträume den Gesamteindruck einer renovierten Wohnung vermitteln. Angesichts der Vielgestaltigkeit der Erscheinungsformen unterliegt dies einer in erster Linie dem Tatrichter vorbehaltenen Gesamtschau unter umfassender Würdigung aller für die Beurteilung des Einzelfalles maßgeblichen Umstände."

Was der BGH unter "Renovierung" versteht, habe ich oben verlinkt.

Mitnichten sind also
Entweder streichst Du also wirklich alles, tauschst ggf Lichtschalter, Steckdosen, Türklinken, usw aus, oder übergib die Wohnung unrenoviert und akzeptiere, daß der Mieter keine Schönheitsreparaturen schuldet.
das die beiden Alternativen.

Ich vermiete die Wohnungen (wie auch die Gewerberäume) grundsätzlich renoviert,
Genau so mache ich das auch. Es kommt auf den Zustand der Wohnung an, was und wie ich es ausführe. Garantiert tausche ich nach neunmonatiger Mietdauer nicht die Türklinken oder Steckdosen. Und wenn ich sie tausche, weil defekt, dann habe ich idR einen SE-Anspruch gegen den Ex-Mieter. Ich streiche auch keine Decken oder Türen, wenn es nicht nötig ist. Das wäre ja völlig irre.

Dafür bewege ich bei Neuvermietung knapp an oder über dem Mietspiegel. Kommt immer auf die Lage an.
 

Ino75

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@Olbi
Ich glaube, wir meinen beide das gleiche ;-)

Natürlich kommt es immer auf den Gesamtzustand an. Aber wenn nur die Wände frisch gestrichen sind, aber der Lack von den Fenstern abblättert, die Lichtschalter nikotingelb sind, Türklinken verrostet, etc. nützen auch die frisch gestrichen Wände nichts - dann ist die Wohnung als unrenoviert anzusehen.

Wenn etwas noch vollkommen in Ordnung ist, wäre es in der Tat Blödsinn, das zu renovieren. Und das ist auch nicht erforderlich, um eine Wohnung renoviert übergeben zu können.

In dem Fall des TE gehe ich jedoch davon aus, daß bei der Historie des Mietobjekts ganz sicher nicht nur die Wände gestrichen werden müssen...
 
immodream

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Hallo,
ich habe früher bei kernsanierten Wohnungen ( komplette Elektrik, neue Frisch- und Abwasserleitungen , neues Bad, neue Fenster ) schon versucht, Mieter vor dem tapezieren und streichen der Wände und Türen zu finden.
Die Interessenten waren entsetzt und meinten , hier müsste ja alles renoviert werden.
Die hatten keine Vorstellung, das ich eigentlich nur noch die Tapete anbringen und streichen mußte.
Seitdem vermiete ich erst , wenn ich alles gesäubert , die Macken in den Türen und Dübellöcher ausgebessert habe.
Wenn ich die passende Wandfarbe habe, brauche ich in vor 5 Jahren neu gestrichenen Wohnungen oft nur einige Wände und Stellen , wo die Möbel gestanden haben oder Bilder hingen, ausbessern.
Leicht vergilbte Kunststoffenster werden mit Spezialreiniger gesäubert, gelbliche Fenstergriffe einfach erneuert, und beschädigte oder vergilbte Steckdosen oder Schalteroberteile durch einwandfreie gebrauchte Teile ersetzt.
Man braucht nicht immer alles komplett erneuern oder renovieren.
Ich sehe meine Tätigkeit wie ein Gebrauchtwagenaufbereiter.
Wenn ich ein Auto verkaufen würde, würde ich es auch nicht im verschmutzten Zustand dem neuen Interessenten zeigen.
Auch offene Dübellöcher im Bad in den Fliesen oder Fugen schrecken viele Interessenten ab.
Wenn der neue Mieter später feststellt, das im Bad in den letzten Jahren 30 Dübellöcher geschlossen wurden, heißt es , gemietet wie gesehen.
Grüße
Immodream
 
dabescht

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Meine Erfahrung: Renovieren/Aufwerten zahlt sich aus. Im Geldbeutel (höhere Miete, Wertsteigerung) und bei meinem Nerven (ordentliche Mieter)
 

Jon

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Die Diskussion hier bzgl. dem wirksamen Übertrag entspricht in etwa der Konfusion, die ich zu dem Thema habe/hatte. Es scheint dabei wie bei vielen Dingen in der Vermietung so zu sein, dass der Vermieter nur allzuoft am Ende des Tages den Kürzeren zieht, zumindest das Risiko beim Versuch der Durchsetzung durch den Vermieter dabei zu scheitern, immanent vorhanden ist.


Hallo Jon,
wenn ich eine renovierte Wohnung vermieten würde und der Mieter würde mir sie nach 20 Jahren abgerockt zurückgeben,
könnte man endlich einmal wieder richtig " durchwischen " .
Leider kenne ich das überwiegend so, das in 20 Jahren Vermietdauer manchmal die Wohnung bereits 10 mal abgerockt zurückgegeben wird.
Grüße
Immodream

Das versuche ich jetzt. Ich habe beim letzten Wechsel vor 6 Jahren im Schlaf- und Arbeitszimmer die Böden erneuert (von Teppich zu Laminat), ein WC komplett neu gemacht (Keramik plus Fliesen) und das Haus hat insgesamt neue Fenster und ein neues Dach bekommen. Nach diesem Thread werde ich dieses Mal den Boden in der Küche Fliesen lassen (aktuell chronologisch nach Mietern mehrere Lagen PVC aus vergangenen Dekaden) und die Wände weiß streichen bzw. teilweise neu tapezieren (Rauhfaser), wo nix mehr zu retten ist.

Da hab ich mit überschaubaren Kosten zu tun und könnte so eine Gesamtrenovierung quasi immer im Mieterwechsel machen und hab auch nicht die hohen Kosten auf einmal.
Berechnet ihr eigentlich im Kopf einen bestimmten Teil der Kaltmiete als "Renovierungsrücklage", speziell nur für diese Art der Verschönerung, bspw. 5 %?

dies genau das ist, was ich vermeiden will. Ich bilde mir ein, verwahrloste Wohnungen ziehen verwahrloste Charaktere magisch an.
Und die weitaus meisten Menschen können sich nicht vorstellen, was aus unfertigen Wohnungen jemals werden kann. Sehen die eine halbe Rohbaustelle, dann sehen die nur eine Rohbaustelle. Wie das fertig aussieht werden die nie erfahren, weil sie auch nicht Beigehen das fertig zu machen. Also macht man es selbst fertig, schlägt beim Mietpreis ordentlich zu und sucht sich den Mieter, der gerne bereit ist entsprechend zu zahlen. Mieter die bereit sind sich entsprechendes zu leisten neigen eher dazu es auch pfleglich zu behandeln und wenn nicht, hat man eher die Hoffnung entsprechend liquidieren zu können...

Bei uns in der Region bzw. in meinem Bekanntenkreis ist/war es üblich, dass die Mieter bei Einzug selbst Hand angelegt haben, daher kenne ich das fast nur so. Das kann aber tatsächlich daran liegen, dass die entsprechenden Wohnungen immer gewisse Charaktere angezogen haben, was ich erstmal wertfrei meine. Da hat Tante Erna eben nichts mehr am Boden oder den Wänden gemacht, hat aber die Farbe und das Laminat gezahlt, wenn es der Mieter selbst verlegt, Wohnung war vorher Durchschnitt und nachher dadurch nicht unbedingt besser, nur anders, das Vorgehen ist hier nicht unüblich.

Ich glaube, deine These trifft zu, sodass sich meine Wunschmieter aus denselben Gründen nicht melden, weshalb sich die anderen angesprochen fühlen, ich glaub, ich hab heut was entscheidendes gelernt.

Meine Stadt-ETW wurde nach einem toten Mieter im Hochsommer, der mehrere Wochen mit Katze in der Wohnung lag vollständig professionell entkernt und renoviert, anschließend die Miete erheblich angehoben und schlagartig war eine gänzlich andere Qualität an Mieter zur Besichtigung als vorher, das war sagenhaft. Allerdings war die Renovierung derart teuer, dass die Wohung Jahre braucht, um auf Null zu kommen, aber ich vermute dahinter den gleichen Effekt, den du beschreibst.

Schönheitsreparaturen umfassen nur das Tapezieren, Anstreichen oder Kalken der Wände und Decken, das Streichen der Fußböden, Heizkörper einschließlich Heizrohre, der Innentüren sowie der Fenster und Außentüren von innen.

Was ist hierbei eigentlich unter dem "Streichen der Fußböden" zu verstehen? Welche Fußböden werden denn gestrichen und warum?
Gleiche Fragen zum Streichen von Türen, ich habe überall Vollholztüren oder Weißlack, die werden doch nicht besser, wenn man sie streicht. Welche Art von Tür ist da gemeint? Meine Oma hatte früher cremfarben gestrichene Türen, die sahen furchtbar aus, war nach dem Krieg aber besser als keine Tür, stammt der Text möglicherweise aus der Zeit?
 
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ehrenwertes Haus

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Was ist hierbei eigentlich unter dem "Streichen der Fußböden" zu verstehen? Welche Fußböden werden denn gestrichen und warum?
Ich denke das betrifft bei Wohnraum geölte und gewachste Böden. Beide Versiegelungsvarianten werden (wenn Profis anrücken) mit einer Farbwalze aufgetragen, der Laie verwendet meist irgenwelche "Mittelchen", die ins Wischwasser gekippt werden (mit zweifelhaftem Erfolg).
Das kann unter laufende Schönheitsreparaturen fallen.

Eine komplette Neuversiegelung von (Holz-)Böden ist keine Schönheitsreparatur.

Ansonsten fallen mir spontan gestrichene Böden in Garagen, Keller- und Lagerräumen, Ölauffangwannen bei Ölheizungen ein.
Früher wurden auch Böden in Küchen und Bädern mit Ölfarbe bzw. speziellen Wachsen gestrichen, wenn andere, weitgehend wasserbeständige Böden, zu teuer waren.
 
immodream

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Hallo Jon,
im Ruhrgebiet ist es üblich, wenn man die typischen früheren Sozialwohnungen aus den 50-70 er Jahren neu vermietet , das die Wände mit Rauhfaser tapeziert und einmal weiss gestrichen werden.
Die Böden in den Küchen und Bädern sind üblicherweise gefliest.
Die sogenannten Wohnküchen und die anderen Räume werden seit Jahrzehnten mit Laminat ausgelegt.
Das ist für meine jungen Mieter und auch die
Mieter in der Nachbarschaft die Einheitsausstattung
Da können sich dann die weiblichen Mieter etwas mit Farbe an den Wänden verwirklichen .
Die männlichen Mieter sind meistens mit den weissen Wänden zufrieden .
Eigentlich müssten meine Mieter beim Auszug zumindetens streichen.
Da aber bei vielen jungen Menschen die handwerklichen Fähigkeiten verloren gegangen sind ( selbstverständlich gibt es auch handwerklich begabte Väter, falls die noch mithelfen) ist der Schaden bei Renovierung durch den Mieter größer , als wenn ich mich selber darum kümmere .
Daher ist der Passus im Mietvertrag " Schönheitsreparaturen trägt der Mieter " für mich mehr eine Verhandlungsbassis beim Auszug der Mieter , etwas von der Kaution für die Renovierung zu retten.
Grüße
Immodream
 

Ferdl

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Welche Fußböden werden denn gestrichen und warum?
Früher wurden Holzböden durchaus gestrichen, bevorzugt Ochsenblutrot oder Blaugrau.
Ich habe sowas noch im Bestand in Blaugrau. bei Holztreppen ist das noch eher üblich. Das zu streichen würde ich jedoch, aus Qualitätsgründen, nicht dem Mieter überlassen wollen.
 

Jon

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Daher ist der Passus im Mietvertrag " Schönheitsreparaturen trägt der Mieter " für mich mehr eine Verhandlungsbassis beim Auszug der Mieter , etwas von der Kaution für die Renovierung zu retten.
D.h. Mieter hat keine Arbeit mit "Renovierung" und du erhälst im Gegenzug einen Teil der Kaution?

Da aber bei vielen jungen Menschen die handwerklichen Fähigkeiten verloren gegangen sind ( selbstverständlich gibt es auch handwerklich begabte Väter, falls die noch mithelfen) ist der Schaden bei Renovierung durch den Mieter größer , als wenn ich mich selber darum kümmere .
Das betrifft nach meinem Empfinden alle Altersgruppen. Ich habe im Bekanntenkreis Mieter, die als Handwerker arbeiten (Maler, Fliesenleger), die jeweils bereits Wohnungen hochwertiger verlassen als vorgefunden haben, da konnten sich aber Mieter und Vermieter mit einem Gespräch auf den Ablauf einigen und das hat gepasst. Seit dem Problemmieter bin ich sensibilisiert und gehe immer vom worst case aus und den sehe ich eher so wie du. Im Zweifel wird der Schaden durch die Renovierung bei Auszug größer als der Nutzen, daher bin ich skeptisch bei dem Modell mich wortgetreu an der Vereinbarung entlang zu hangeln. Das Gegenteil wäre eben immer eine unrenovierte Wohnung zu übergeben, mit entsprechenden Folgen.

Berechnet ihr eigentlich im Kopf einen bestimmten Teil der Kaltmiete als "Renovierungsrücklage", speziell nur für diese Art der Verschönerung, bspw. 5 %?
Ich zitier mich mal selbst, preist ihr sowas als mehr oder minder festen Posten ein?


Mich hat übrigens die Realität überholt. In der Küche wurde ein kleiner Rohrbruch entdeckt, das muss zuerst behoben werden. Die Mieter, die abgesagt haben, haben sich erneut gemeldet, nach der erneuten Besichtigung der neuen Wohnung, die meine ausgestochen hat, sei man doch nicht überzeugt und sie würden doch gerne meine beziehen. Ich schaffe es zeitlich nicht, alles selbst zu erledigen, auch wenn das der Plan war. Wir werden uns die Kosten für Fliesen legen und streichen nun teilen, etwa 60 % Mieter, 40 % ich, ich verzichte für den ersten Monat auf die Kaltmiete, das entspricht dem Wert ziemlich genau. Wenn ich jetzt richtig verstanden habe, gilt die Wohnung nun als unrenoviert übergeben, durch den Ausgleich "heilen" wir das aber und Schönheitsreparaturen werden fällig. Seh ich das richtig (Ist mehr eine akademische Frage, die Realität mag nachher anders aussehen)?
 
immodream

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Hallo Jon,
ich habe mir seit Jahrzehnten abgewöhnt , irgendwelche Freundschaftsmieten oder sozial eingestellte Mieten zu nehmen.
Ich nehme soviel ich als Miete bekommen kann, sprich der Markt bei Neu- oder Wiedervermietung hergibt.
Und wenn der Mieter dann Reparaturen an der Mietsache mitteilt oder schon beim Schließen der Dübellöcher bewiesen hat, das er kein handwerkliches Geschick hat, kann ich ohne lange Diskussionen Handwerker schicken, die Reparatur selber durchführen oder beim Auszug auch für " kleines Geld " die Schönheitsreparaturen selber durchführen .
Bei der Weitervermietung einer Wohnung ist es ja nicht damit getan, die Wände und ggfls. die Türen neu zu streichen .
Es müssen teilweise Silikonnähte erneuert werden, damit der nächste Mieter nicht gleich wieder über Schimmel und Gesundheitsmängel sich beklagt.
Fenster und Türen müssen eingestellt , teilweise Dichtungen ersetzt werden , Schalter- und Steckdosenabdeckungen ausgetauscht, Zählerkästen neu beschriftet werden .
Natürlich sind diese Kosten irgendwie bei der Nettomiete eingepreist.
Ich habe aber keine Übersicht, welche Reparaturkosten /m² vermieteter Wohnfläche anfallen.
Grüße
Immodream
 

Ino75

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Mich hat übrigens die Realität überholt. In der Küche wurde ein kleiner Rohrbruch entdeckt, das muss zuerst behoben werden. Die Mieter, die abgesagt haben, haben sich erneut gemeldet, nach der erneuten Besichtigung der neuen Wohnung, die meine ausgestochen hat, sei man doch nicht überzeugt und sie würden doch gerne meine beziehen. Ich schaffe es zeitlich nicht, alles selbst zu erledigen, auch wenn das der Plan war. Wir werden uns die Kosten für Fliesen legen und streichen nun teilen, etwa 60 % Mieter, 40 % ich, ich verzichte für den ersten Monat auf die Kaltmiete, das entspricht dem Wert ziemlich genau. Wenn ich jetzt richtig verstanden habe, gilt die Wohnung nun als unrenoviert übergeben, durch den Ausgleich "heilen" wir das aber und Schönheitsreparaturen werden fällig. Seh ich das richtig (Ist mehr eine akademische Frage, die Realität mag nachher anders aussehen)?

Liegt bestimmt an mir, aber wenn Du einen Rohrbruch entdeckt hast und deswegen jetzt neue Fliesen gelegt werden müssen, was haben denn die neuen Mieter damit zu tun und warum übernehmen die dafür Kosten? Daran könnte Deine Vereinbarung mit denen nämlich eventuell noch scheitern. Selbst ein angemessener Ausgleich für Kosten, die der Mieter so oder so nicht zu trägen hätte, "heilen" keine unrenoviert übergebene Wohnung. Wenn die 60% allerdings nur für das Streichen fällig werden, dann denke ich auch, dass die Schönheitsreparaturen dadurch wirksam auf die Mieter übertragen werden können. Vorausgesetzt natürlich, dass auch alles gestrichen wird, was es nötig hat (ggf. auch Türen, Fenster, Heizkörper, etc.).
 
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